2. April 2012

Vortrag über die Kulturhauptstadt Maribor

Das Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München rückte am 8. März gemeinsam mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa Potsdam die Europäische Kulturhauptstadt 2012 Marburg an der Drau (Maribor) in der slowenischen Untersteiermark ins Rampenlicht. Dr. Harald Roth, Leiter des Fachreferats Geschichte und des Länderreferats Südosteuropa am Kulturforum, stellte das Buch „Maribor/Marburg an der Drau. Ein kunstgeschichtlicher Rundgang“ von Marjeta Ciglenečki, Professorin für Kunstgeschichte an der örtlichen Universität, vor. Der siebenbürgische Historiker sprach ausführlich über die Geschichte der Stadt, die erst im 20. Jahrhundert turbulent wurde und tiefgreifende Veränderungen nach sich zog.
Marburg entwickelte sich innerhalb weniger Jahre nach dem Ersten Weltkrieg von einer österreichischen Stadt in eine mehrheitlich slowenisch bewohnte. Roth sah die Veränderungen mehr auf sprachlicher als auf kultureller Ebene und bescheinigte der slowenischen Kultur einen ausgeprägten österreichischen Einschlag.

Gerade während der NS-Zeit und dem Tito-Kommunismus erlebte Marburg eine wechselvolle ­Ge­schichte. Davon zeugt auch das tropfenförmige Bronzedenkmal des nationalen Befreiungskampfes gegen die Deutschen, auf dem Porträts von Verfolgten eingraviert sind. Das Städtchen mit seinem beschaulichen Kern war vor allem aufgrund seiner Industrieviertel immer sehr ­begehrt, die Marburg allerdings nach der slowenischen Selbstständigkeit 1991 in eine große wirtschaftliche Krise stürzten. Die großen strukturellen Probleme und der enorme Einwohnerschwund bis zur Gegenwart sollen nun durch Rückbesinnung auf kulturelle Werte gedämpft werden.

Die Universitätsstadt, die sich sanft an den Alpenrand schmiegt, bietet einige kunstgeschichtliche Perlen, wie das prächtige Barocktreppenhaus im Stadtschloss. Während Marburgs langer Geschichte als Grenzburg und Bistumssitz sind einige sehenswerte Gebäude, unter anderem der gotische Dom entstanden, die ein wunderbares Gesamtbild ergeben. Auch so manche deutsche Spur lässt sich dort noch finden, zumal die steirische Grenze nur 15 Kilometer entfernt ist. Marburg vereint ein reiches und vielfältiges kulturelles Erbe auf engem Raum. Die Stadt trägt den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ völlig zurecht.

Samuel Raz/Ursula Winter

Schlagwörter: HDO, Deutsches Kulturforum östliches Europa, Vortrag

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