11. Februar 2014

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Faszinierender Bildband über siebenbürgisch-sächsische Kulturdenkmäler

Bernd Kunze: Hausforscher unterwegs in Siebenbürgen. Eigenverlag Bernd Kunze, Martfeld 2013, 152 Seiten, 780 Fotos, 29,90 Euro, zuzüglich 3 Euro Versand, zu bestellen bei Bernd Kunze, Bruchhauser Straße 8, 27327 Martfeld, Telefon: (0 42 55) 92069, E-Mail: bk [ät] qnze.de, Internet: www.hausforscher.de
Über die siebenbürgische Kulturlandschaft, vor allem über die der Siebenbürger Sachsen, gibt es zahlreiche Veröffentlichungen und Bildbände. Der hier zu besprechende Bildband ist aber etwas Besonders. Er verfolgt nämlich ein Forschungsobjekt, dem bisher noch nicht in allumfassender Form nachgegangen wurde: Sechs Fachleute der bundesdeutschen Interessengemeinschaft Bauernhaus aus Lilienthal waren nach Siebenbürgen gereist, um die Baukonstruktion von Bauernhäusern zu erforschen.

Das Team wurde zu dieser Forschungsreise durch einen Vortrag des Architekten Jan Hülsemann aus Bremen angeregt, der im Auftrag des Mihai-Eminescu-Trust tätig ist. Diese englische Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Prinz Charles und weist beachtliche Ergebnisse bei der Erhaltung und Sanierung von Kirchenburgen, Dörfern und Bauernhäusern in Siebenbürgen auf. Jan Hülsemann, der von den siebenbürgischen Baudenkmälern begeistert ist, hat seine Forschungsergebnisse in dem Buch „Das sächsische Bauernhaus in Siebenbürgen. Was wie machen an alten Häusern. Ein Leitfaden zur altbaugerechten Instandsetzung“ (Quedlinburg 2012) veröffentlicht.

l ...Die genannte Forschungs- und Reisegruppe besuchte im Jahr 2012 hauptsächlich das südsiebenbürgisch-sächsische Siedlungsgebiet und veröffentlichten seine Impressionen in dem nun vorliegenden Band mit einigen hundert Farbfotos. Es werden dabei neben Gesamtansichten der Baudenkmäler vor allem Details von ländlichen und städtischen Häusern, Wirtschaftsgebäuden, Kirchen und Kirchenburgen entsprechend dem Forschungsvorhaben –Baukonstruktionen – erfasst. Darin liegt die Einzigartigkeit des Bildbandes. Schon das Titelbild zeigt an, worum es den Forschern ging, es zeigt die sechs Männer auf der Baumstammholztreppe des Speckturms der Kirchenburg Arkeden. Auch sonst wird den tragenden Holzkonstruktionen der Treppen, der Dachstühle, der Wehrgeschosse der Kirchenburgen, bei Scheunen und sonstigen Holzbauten, bei Türen, Toren und Säulen das besondere Interesse gewidmet. Die Bauten wurden nicht nur besichtigt, sondern durch Anbohren den Holzteilen Dendro-Proben entnommen, um ihr Alter zu bestimmen. Nach deren Auswertung konnte eine rund 600 Jahre umfassende Eichen-Referenzkurve erstellt werden.

Der Band bietet ferner typische Ansichten von ländlichen Häuserfassaden mit ihren gewölbten Hoftoren. Dazu gibt es viele Detailaufnahmen von Spitz- und Walmgiebeln mit deren Verzierungen und Sprüchen. Man trifft in den Dörfern auch viele verlassene Häuser, die zum Teil verfallen. Erfreulich sind andererseits die sanierten Häuser. Erfasst werden auch Einzelaspekte der Kirchenburgen, in denen zum Teil Heimatstuben (-museen) untergebracht sind. In den Städten Klausenburg, Hermannstadt, Schäßburg und Mediasch haben die Forscher typische Baudkonstruktionen erfasst, die nun fotografisch im Band wiedergegeben werden. Einen Besuchstag widmeten die Forscher dem Hermannstädter Freilichtmuseum mit seinen 400 aus allen Teilen des Landes stammenden Gebäuden.

Obwohl der Großteil der Siebenbürger Sachsen ausgesiedelt ist, haben die deutschen Forscher überall entgegenkommende und freundliche Betreuer und Begleiter angetroffen. „Immer wieder begegneten wir gastfreundlichen Menschen – egal ob Rumänen, Sachsen, Ungarn oder Roma – die spontan bereit waren, uns ihre Häuser und Höfe zu zeigen – nicht selten bei eigenem Wein oder selbstgebranntem Obstler“, bezeugen die Reisenden. Natürlich werden diese Begegnungen auch im Bild festgehalten.

Nicht besichtigt wurden die Ortschaften des Burzenlandes und Nordsiebenbürgens. Abgesehen davon, bietet der Band eine faszinierende, siebenbürgische Kulturlandschaft mit seinen wunderbaren Zeugnissen alter Bauten. Außer dem genannten Mihai-Eminescu-Trust bemühen sich auch andere Stiftungen um den Erhalt der siebenbürgisch-sächsischen Baudenkmäler

Michael Kroner

Schlagwörter: Rezension, Forschungsprojekt

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