31. August 2016

Nachruf auf den bedeutenden Bildhauer und Kulturpreisträger Kurtzfritz Handel

Die schmerzliche Nachricht seiner Lieben, dass Kurtfritz Handel, Akademischer Bildhauer und Träger des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreises 2009, am 20. August in seinem 76. Lebensjahr verstorben ist (die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Freitag, den 2. September, um 13 Uhr auf dem Friedhof in Frickenhausen-Linsenhofen statt; die Redaktion), wird von der Abbildung eines seiner schönsten und aussagestärksten Werke begleitet, dem „Mann, sein Herz suchend“. Wie in allen seinen künstlerischen Werken, aber hier wohl am tiefsten anrührend, hat der Künstler in der Bronzeplastik verdinglicht be-greifbar gemacht, was sein Credo, seine Kunst ausmacht: der abstrakten Zeit, der Vergänglichkeit, einen Moment, einen Zustand abzuringen, in dem Wesentliches festgehalten, für immer bleibt. In einer Schönheit, die die Schöpfung preist und die tief anrührt, weil hier Wissen, Empathie und brillante Beobachtungsgabe ihre aufs Wesentliche reduzierten Details zusammenfügen - mit begnadeter Handwerkerkunst und nicht zuletzt einem feinsinnigen Humor, der dabei jeden Schatten von Trauer um Vergehen verdrängt.
Wenn der von Kurtfritz Handel so hochverehrte Hermann Hesse sagte: „Alle Kunst entsteht aus Angst vor dem Tod“, so dürfte man bei unserem Ausnahmekünstler sagen: Ja, aber seine Kunst wächst gerade aus dem Widerstand gegen Vergessen, Abschiede und Vergehen, sie kündet: „Ecce homo“ – Siehe, der Mensch! Oder „Carpe diem!“ – Feier den Tag! Im Festkleid der Natur.
Kurtfritz Handels Bronze „Woher kommen, wohin ...
Kurtfritz Handels Bronze „Woher kommen, wohin gehen wir?“, 2011, 68 x 42 x21 cm
Abschiede und Neuanfang haben den Lebensweg des aus Mediasch stammenden Künstlers geprägt: Er erlebte als Kind die Deportation des Vaters, den Umzug aus Râmnicul Vâlcea, wo der Vater dienstlich verpflichtet gewesen, nach Mediasch, dann kam er früh als künstlerisch hochbegabter Schüler auf das Kunstgymnasium Klausenburg, wo er auch seine Matura ablegte, sein Studium an der Kunstakademie Klausenburg mit Auszeichnung abschloss. Als Kunstpädagoge begann seine berufliche Laufbahn in Hermannstadt, wo er mit Edda Gross, Deutschlehrerin, eine Familie gründete. 1983 wegen des Ausreiseantrags der Familie zwangsentlassen, kam die Familie 1985 in die neue Heimat Deutschland, nach Nürtingen (Baden-Württemberg), wo der Kunstpädagoge weiter als Dozent wirkte, ab 1986 bis zu seiner Verrentung 2003 dann als Bildhauer in einer der bedeutendsten Kunstgießereien Europas, der Firma Ernst Strassacker in Süßen Kunstwerke wie Portraitbüsten, Landschafts- und figurative Plastik schuf, u. a. auch das aktuelle feingliedrige Bambi formte, und bis vor einem halben Jahr noch seine Projekte von der Skizze – bei Kurtfritz Handel ein Kunstwerk an sich – zur Bronzeplastik umsetzte. Das schöne Haus der Künstlerfamilie im Ortsteil Linsenhofen der Gemeinde Frickenhausen steht auf einem Areal, das der Bildhauer mit den Jahren in einen zauberhaften Skulpturenpark gewandelt hat, ein raumgreifendes Kunstwerk an sich.

Auf dem Höhepunkt seines Schaffens abberufen


Betrachtet man den künstlerischen Werdegang von Kurtfritz Handel, so ist bemerkenswert, wie er diesen ohne Brüche gegangen ist. Authentisch, unverbogen durch Kunstströmungen oder Kunstmarkt, hat er sein Credo bedächtig, mit unvergleichbarer Handschrift, in Stein, Holz, Ton, bevorzugt dann in Bronze vermittelt. Allein seine persönlichen Reflexionen, Erfahrungen in der Zeit, seine Begegnungen mit Menschen und Landschaften sublimiert er zu Kunstwerken, die mit der Zeit, mit immer reduzierterem Detailgefüge, stilisierter und dabei aussagestärker werden. Und so bleiben für immer in kollektiver Erinnerungsverwahrung: gotische Spitzbogen, liebliche Landschaften des heimatlichen alten Lebensraumes, dann der sein Lebenswerk krönende Zyklus um das Arbegener Burgtürblatt mit den großartigen Zitaten aus siebenbürgisch-sächsischer Geschichte, ihrer Glaubens- und Lebensart. In einer Einzelausstellung im Kleihues-Bau Kornwestheims fand dieser 2011 als Gesamtkunstwerk seine adäquate Würdigung. Es bleiben wie in einem siebenbürgischen Pantheon die Büsten siebenbürgischer Persönlichkeiten, denen Kurtfritz Handel mit begnadeter Einfühlungsgabe bis in den feinsten Gesichtszug, mit ihrer typischsten Geste, Ewigkeitswert verliehen hat.
Beim Heimattag 2009 in Dinkelsbühl wurde ...
Beim Heimattag 2009 in Dinkelsbühl wurde Kurtfritz Handel mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis ausgezeichnet. Foto: Judith Fehlau
Seine der neuen Heimat verbundenen Werke, seine Reiseeindrücke aus weiter Welt, die neue Landschaften, andere Lebensart und Menschen mitteilen, sie alle zeigen, wie offen, dankbar die Künstlerseele für die neuen Erfahrungen war, die ihm wiederum alle seinen unerschütterlichen Glauben an die Großartigkeit der Schöpfung bestätigten. Und sie zeigen, wie anerkannt der Künstler hier ist, der neben den geschichtlichen Persönlichkeiten Siebenbürgens wie Samuel Brukenthal oder Stephan Ludwig Roth, auch die Porträtbüsten und Standbilder der Herzogin und des Herzogs von Württemberg und weiterer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens schuf. Seine Werke stehen im öffentlichen Raum Rumäniens, wie in Kronstadt an der Schwarzen Kirche, in Mediasch an der Marienkirche, in Deutschland z. B. auf dem Kelterplatz von Linsenhofen, in der Kirche von Frickenhausen; von seinem christlichen Urvertrauen künden die farb- und lichtdurchfluteten Fensterbilder der Friedhofskapelle in Linsenhofen. Die grenzüberschreitende Anerkennung des Künstlers zeigten Ausstellungen von Rumänien, z. B. Hermannstadt, bis Luxemburg und dann Brüssel, wo er bei der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union 2008 ausstellte.

Kurtfritz Handel ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens aus großen Projekten durch Krankheit, die keine Heilung kannte, abberufen worden. „Ewiges ist nicht auf Erden,/ als der Wandel, als die Flucht…“. Sicher, lieber Kurt –möchte man nachrufen -, hat „dein“ Hesse recht! Aber was Du geschaffen hast, bleibt, über die Erinnerung hinaus. Hab Dank!

Karin Servatius-Speck




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Schlagwörter: Kurtfritz Handel, Künstler, Bildhauer, Nachruf, Kulturpreis

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