12. Juni 2009

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Laudatio auf den Kulturpreisträger Kurtfritz Handel

Die Laudatio auf den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreisträger 2009 Kurtfritz Handel hielt die Stellvertretende Bundesvorsitzende Karin Servatius-Speck am Pfingstsonntag im Rahmen der diesjährigen Preisverleihungen beim Heimattag in Dinkelsbühl. Die Preisrede wird im Folgenden ungekürzt wiedergegeben.
In Linsenhofen bei Frickenhausen bei Metzingen auf der Schwäbischen Alp, sozusagen im Schatten einer Ritterburg, liegt ein Grundstück wie ein verwunschener Garten, und darauf wohnt ein Künstler, der sich etwas Besonderes einfallen ließ: Er hat dieses Stück Natur zum Teil einer großen künstlerischen Installation gemacht, die dem Betrachter eine Reihe von Assoziationen suggeriert.

Goethe könnte man hier zitieren: „Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen / Und haben sich, eh man es denkt, gefunden;“ - diese Zeile seines Sonetts wird hier wirklich, anschaulich, anschaubar gemacht in diesem Garten im Schwäbischen, wo der aus Siebenbürgen stammende Künstler Kurtfritz Handel schon viele Jahre neu beheimatet ist; seine Skulpturen, auf schlanken Sockeln platziert oder durch den Granitstein ihres Sockels der Erde verbunden, scheinen hier buchstäblich dem Boden entwachsen, ein Teil der Natur zu sein, die dem Bronzeguss durch die Jahreszeiten den Mantel der echten, bleibenden Patina umgelegt hat.

Auch ein Aphorismus der Antike bekommt hier Gestalt: „Vita brevis, ars longa“, Goethe übersetzte: Die Kunst ist lang, das Leben kurz, und man be-greift in diesem Garten aus Blüten und dem Bronzeguss, in dem die Zeit geronnen ist, was gemeint. Durch das idyllische Grundstück fließt ein munterer Bach, und der Besucher verharrt fasziniert: auch der wird Teil eines großen Bildes, denn an seinem Ufer sind lebensgroße Bronzebüsten installiert, stumme Betrachter, die dem ewigen Naturschauspiel nachsinnen; und zu dem Gesamtbild assoziiert man: „panta rei“ alles ist im Fluss, im ewigen Wechsel begriffen ist Abschied und Neubeginn, und - keiner steigt zwei Mal in den gleichen Fluss.

Mit diesen Installationen, die wie eine Einführung in das Werk des Bildhauers Kurtfritz Handel den Besucher begrüßen, erkennt man den Künstler als einen, der die Mitte der Dinge sucht, ganz unaufdringlich in medias res deutet, die Bezüge zwischen Mensch, Raum und Zeit befragend, und man erkennt ihn als einen, der aus eigener Erfahrung um das Thema Vergehen und Weiterbestehen, um den Versuch des Fassens, um Festhaltenwollen weiß, aus eigenem Erleben.

Mit seiner Biografie im Lebensraum Siebenbürgen mit dessen sächsischer Geschichte des langen Bestehens und dann dem Abschied und Neubeginn eng verwoben, steht dieser Künstler somit inmitten auch unserer Erfahrungswerte als Siebenbürger Sachsen. Er bekennt sich dazu und, offen für Neues, wird er sie trotzdem bis heute nicht hinter sich lassen. Kurtfritz Handel hat seine Kindheit und Jugend in Mediasch verbracht, und seine Bindung durch Prägung und Erinnerung vor allem auch an die Kameraden und Lehrer der Schulzeit ist bis heute anrührend tief und fest.

In Klausenburg hatte der Hochbegabte in den letzten beiden Schuljahren das Kunstgymnasium besucht, wo er auch sein Abitur ablegte, nach dem Militärdienst hatte er ebenda an der staatlichen Akademie der Künste dann Bildhauerei und Kunstgeschichte studiert, das Staatsexamen 1967 „mit Auszeichnung“ bestanden. In seiner Studienzeit noch heiratete er die Germanistikstudentin Edda Gross, sie ist Partnerin und Mitte der Familie, aus der der Künstler innere Balance und Kraft schöpft. Die drei Kinder der beiden ausgebildeten Pädagogen leben die Tradition als engagierte Lehrer weiter.

Achtzehn Jahre wirkte Kurtfritz Handel anschließend an sein Studium als Kunstpädagoge und freischaffender Künstler in Hermannstadt, bis 1983, als er wegen seines Ausreiseantrags strafentlassen wurde, danach führte er zwei Jahre lang, bis zu seiner Ausreise, vorwiegend Aufträge des Landeskonsistoriums der Evangelischen Kirche aus.

Der Lehrer


Ernst Barlach hat einmal rhetorisch gefragt: „Ist Plastik Form, bloß Form? Nein“ hat er geantwortet, denn „du darfst alles Deinige, das Äußerste, das Innerste ohne Scheu wagen, denn für alles (…) gibt es einen Ausdruck.“ Unter den Zwängen des diktatorischen Regimes in Rumänien, das den Künstlern eine relative Freiheit suggerierte – wobei Freiheit niemals relativ sein kann – vor allem aber seiner persönlichen Neigung entsprechend, fand Kurtfritz Handel in der Plastik, der Bildhauerei mit ihren alles experimentierenden Möglichkeiten das adäquate Medium seiner Kunst. Einen Weg, den er bis heute geht. Auch als Lehrmeister. Denn er hat Generationen von jungen Menschen in Rumänien wie in Deutschland auf diesen Weg geleitet.

Vierzehn Jahre hat er als Kunstlehrer im Pionierhaus von Hermannstadt begabten Kindern aller Kulturkreise beigebracht, wie man Schönes selber schafft – auch publiziert hat er dazu. Und die Jugendlichen seiner Kunstklassen erhielten die höchsten Auszeichnungen des Landes für ihre Kunstprodukte. Aber darüber hinaus hat er die jungen Menschen auch gelehrt, dass man beim plastischen Gestalten, dort speziell in der Keramik, Geistiges im Materiellen ausdrücken kann und dass, neben dem strengen Respektieren von Techniken im Umgang mit dem Werkstoff, gleichermaßen Experimentierfreudigkeit und Freiheit des Geistes möglich sind. Ein wichtiger und Mut machender Wegweiser für die Kinder des Sozialismus. Und später gleichermaßen ein lehrreicher Weg, auf den er auch seine Kunstschüler in Deutschland schickte.

Das Werk


In Rumänien arbeitete der Bildhauer Kurtfritz Handel vorrangig mit den Materialien Stein, Holz und Ton, in Deutschland dann sollte sein bevorzugter Werkstoff Bronze werden. Die Arbeit an und mit dem zu bearbeitenden Material in der bildenden Kunst setzt neben Ideenreichtum und Experimentierfreudigkeit auch perfektes handwerkliches Können voraus. Und sie ist nicht Sache eines jeden Künstlers und Temperaments. Auguste Rodin, der Bildhauerkollege, hat von sich einmal gesagt: „Ich bin das Gegenteil eines exaltierten Menschen, mein Temperament ist eher schwerfällig und weich“. Bedächtigkeit – von gründlich bedenken - und große Sorgfalt im Umgang mit dem Material, darf man dem Bildhauer Kurtfritz Handel ebenso zuschreiben wie die sinnliche Freude im Umgang mit dem Stoff des zukünftigen Werkes.

Betrachtet man seinen künstlerischen Werdegang, so rührt es an, wie authentisch, sich selber treu dieser Künstler trotz biografischer Brüche geblieben ist, konsequent die eigene adäquate Formensprache für sein Anliegen suchend, unverbogen von den wechselhaften ungeschriebenen Vorgaben des Kunstmarktes, wo das große Geld lockt. So lässt sich sein Werk auch zeitlich gut in Entwicklungsperioden und Werkgruppen gliedern. Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre erlebte jeder Siebenbürger Sachse prägend die Zeit der vielen Abschiede aus der Gemeinschaft. Kurtfritz Handel, Künstler, durch Erziehung in der Familie - die Mutter war akademisch ausgebildete Pianistin - aber auch durch die humanistische Schule der siebenbürgisch-sächsischen Tradition geformt, erkannte, dass, um dem drohenden Vergessen einer jahrhundertealten Kultur entgegenzuwirken, aktives Erinnern immer mehr zur kulturellen Notwendigkeit wurde. Er selbst ist 1985, im Zuge des großen Exodus, relativ spät, mit seiner Familie in die Bundesrepublik Deutschland ausgewandert.





Es ist gut nachvollziehbar, wie dieses Verantwortungsbewusstsein in sein künstlerisches Credo mit einfließt. In einer Werkgruppe aus den Jahren vor seiner Auswanderung finden sich Plastiken, in denen er, als Teil fürs Ganze sozusagen, den gotischen Spitzbogen des architektonischen Lebensraumes Siebenbürgen, wie er sich in Kirchen und Mauerdurchgängen, an historischen Häusern und Stadtmauern der Städte findet, zum Hauptmotiv der Erinnerung macht.

Diese Plastiken sind ästhetisch ausgewogene, stilisierte, in sich geschlossene Gesamtformen, von Stufen und dem Bogen mit nostalgischer Aussicht elegant bewegt. Nicht Fassbares, das Flüchtige, die Erinnerung an greifbaren, bleibenden Zeugen sichtbar zu machen, wird Movens, Antriebskraft für das Schaffen und die Bildersprache dieses Künstlers werden. Die Themenkreise urbaner Lebensraum und geschichtsträchtige Landschaft werden den Künstler, auch als später Weitgereisten, noch lange nach seiner Auswanderung nicht mehr entlassen.

Von den Arbeiten Kurtfritz Handels, die im öffentlichen Raum Siebenbürgens Zeugen kollektiver Erinnerung bleiben, seien hier genannt: die Monumentalbüste von Stephan Ludwig Roth in Mediasch, ebenda die Turmfigur des „Turrepitz“ am Tramiterturm und die vier Evangelisten in der Marienkirche, das Marienstandbild mit Jesuskind, Entwurf von Margarete Depner, an der Schwarzen Kirche, wo auch die Figur des „Gesellen“ angebracht wurde, die Monumentalbüste des rumänischen Lehrmannes Gheorghe Lazar, die Gedenktafeln für Samuel von Brukenthal, Bischof Friedrich Müller und Schuster Dutz, die Büste von Dr. Carl Wolff, die Büste des Bauern aus Schaal, und zahlreiche andere mehr, darunter auch Brunnenfiguren und Wandreliefs.

In Deutschland angekommen, hat Kurtfritz Handel sehr bald als Kunstpädagoge weiter gewirkt, als Schulleiter der Jugendkunstschule an der Freien Kunstschule Nürtingen und als Dozent an der Musik- und Kunstschule ebenda; seine freischaffende Tätigkeit hat er praktisch ohne Unterbrechung weitergeführt.

Es ist beeindruckend, wie der Künstler im neuen Lebens- und Schaffensumfeld unbeirrt durch die kontextuelle Kunstszene seinen unverwechselbaren Weg geht. Wohl wird es schrittweise Veränderungen im Schwerpunkt seines Schaffens geben, in seinem Stil ebenso, aber immer als Folge neuer persönlicher Einsicht, immer sich selber treu. Die in Rumänien begonnene Formensprache in Arbeiten, die menschliche Belange pointiert kommentieren, führt er hier weiter.

Er schafft Gestalten im Raum, einzeln oder in Gruppen, Menschenabbildungen, die kontextuell nicht verortet sind, und nicht naturalistisch sondern stilisiert ausgeführt. Sie berichten dem Betrachter poetisch von der Sicht des Künstlers auf Allgemeinmenschliches. Sie zeugen von Wissen, von Feinsinnigkeit und von nativem Humor. Zitiert seien hier die Plastiken „Träumende“ (1995), „Sein Herz suchend“ (1988), „Jazzduo“ (1991), „Aufbruch“ (1990) oder „Römisches Café“ (1992).

Eine besondere Wertigkeit im bildhauerischen Werk von Handel nehmen auch Tierdarstellungen ein. Die Schönheit der Kreatur fasziniert ihn, seine Plastik „Windhund“ (1978), ebenfalls zwischen naturalistischer Darstellung und Stilisierung des eleganten Tieres, zeugt vom vollendeten Formgefühl des Künstlers zum einen, zum anderen, ähnlich wie in der stilisierten Menschenabbildung, auch von der Absicht, durch die spannungsgeladen angelegte Figur mehr mitzuteilen, allgemeine Charakteristika, wie hier Unterwürfigkeit und sprungbereiten Gehorsam.

Schönheit zeichnet auch den neuen „Bambi“ der Burda-Stiftung, so wie Kurtfritz Handel es als Bildhauer der Gießerei Strassacker schuf, aus. Im Jahr 2000 formte er auf Wunsch des Hauses Burda die neue Variante dieser Kultfigur des ältesten und bedeutendsten deutschen Medienpreises. Die sanften Linien, die organische Geschlossenheit und gleichzeitig Feingliedrigkeit der Rehfigur weisen auch hier die perfekte Beherrschung der dreidimensionalen Formung aus und bezeugen gleichzeitig den feinen Sinn dieses Künstlers für Schönheit; darüber hinaus zeugen auch sie von seinem Wissen um das Wesentliche: hier ist es der Respekt vor der Kreatur.

In der Darstellungen von Tieren auch seiner Weideansichten mit Gruppen von Kühen, Reihen von Schafen auf dem Sockel, der Weide, die er alle gegen Ende der 90er Jahre schuf, wird das Einzelgeschöpf immer mehr auf seine wesentlichen Körpermerkmale reduziert; das Körpervolumen im Raum bleibt aber erhalten, denn in den Tierensembles gilt es, der Aussage auch Schwere zu verleihen: Wie idyllisch die pastoralen Szenen auch erscheinen mögen, jeder Schritt der Tiere auf der Weide, die in ihrer betont sanfthügeligen Gestaltung sehr siebenbürgisch anmutet, bringt sie dem Ende, der scharfen Kante des bronzenen Sockels näher.

Wenn der Künstler zur räumlichen Reduzierung der natürlichen Form greift, Flächiges aufbricht, Wesentliches bestehen lässt, folgt er sicherlich nicht dem Kunstdiktat der Moderne, die bis vor kurzem noch ausschließlich die radikale Abstraktion feiert, es ist vielmehr sein Wille zur Pointierung, der Fingerzeig auf das Wesentliche, das seine persönlichen Erfahrung ihn lehrte.

In einer Werkgruppe, die der Künstler seit den 90er Jahren bis heute pflegt, geschieht die Reduzierung des Figürlichen bis auf seine Verdichtung im Symbol: Hände, Kreuze, Nägel, Urnen, Herrschaftssymbole Venedigs, siebenbürgische Ofenkacheln, deren Motive sich verselbständigt haben, zeugen von der mit der Freiheit gewachsenen Kraft des Künstlers, mit feinstem bildhaftem Detail äußerst poetisch Geschichten und Geschichte zu suggerieren.

Öfter ist dieses Detail auch ein „object trouvé“, ein zufällig auf einer Reise gefundenes Erinnerungsstück, das er in einer Skulptur kontextuell so einbaut, dass eine neue Geschichte über ferne Landschaften oder Kulturkreise entsteht („Pastorale“, 1999, „Hirtenlied“, 1992). Es kann ein Ast sein, oder ein Granitstein aus den Cevennen oder aus dem Chianti, der dann letzterer zum Beispiel als natürlicher Sockel für eine nur noch zeichenhaft darauf stehende Erinnerungslandschaft dient und sie erdet. Geerdete Erinnerung - wieder finden wir im Künstler den Zeitgenossen, der das Flüchtige im Gegenständlichen fassbar macht.

In diesem Sinn wird für Handel auch die Landschaft als Zeugin für Beständiges, Bleibendes ein beherrschendes Motiv seiner Skulpturen werden. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Landschaft in der Bildhauerei, so wie sie dieser Künstler vornimmt, ist ungewöhnlich. Er geht dabei mutig und erfolgreich einen innovativen Weg, auf dem ihn vielleicht ein Leitwort Pablo Picassos ermutigt: Der beste Kommentar, den ein Maler zu seiner Malerei abgeben kann, ist eine Skulptur. Er malt und zeichnet auch, der Bildhauer Kurtfritz Handel. Mit impressionistischem Pinselstrich – nein, mit in Farbe oder Tusche getauchtem Holzspan - nimmt er die Herausforderung an, abzubilden und gleichzeitig Stimmung festzuhalten.

Er hält Stimmungen der Landschaft fest, so wie er auch das Charakteristikum des Modells für seine Bronzebüsten zeichnet oder malt: Mit ganz großer Empathie begreift und erfasst er das Wesentliche, die Form UND die ihr innewohnende Seele, in seinen Landschaftsimpressionen ist sie das Spiegelbild der eigenen Stimmung oder einer aufkommenden Assoziation.

Die abgebildete Landschaft als Stimmungsbild in Skulptur umzusetzen, bzw. in Bronzeguss, nimmt sich dieser Künstler dann vor und das ist wahrlich eine einmalige, sehr große Herausforderung, aber es gelingt Handel unverwechselbar, indem er dem Detail der Ansicht, das sein Stimmungsträger ist, die entsprechende Gewichtung im Ensemble der Ansicht gibt. Im „HeiligenHain“ (1995) sind es die stummen, himmelstrebenden Zypressen, in der Campagna Toscana (1997) die sinnlichen Hügel der Weinberge bis zum Horizont, ähnlich wie die sanften, aber durch ihre Erdschwere magisch wirkenden und in der Erinnerung währenden „Eibesdorfer Berge“(2009) der siebenbürgischen Landschaft.

Die „Große Wurmlinger Landschaft“ (2000), die Umgegend der neuen Heimat des Künstlers, erscheint wiederum wie eine ganze Erzählung der Erinnerung geschrieben auf eine große, schwere, aufklappbare Landschaftskarte, die durch das rhythmisch wiederkehrende Detail der in den Bronzeguss eingeritzten Ackerfurchen oder Rebstöcke und durch das Gotteshaus auf dem Berg, die Aussage vermittelt: Hier leben, schaffen und glauben Menschen, so wie auch sonst überall auf der Welt - letztere Aussage wird durch ein spezifisches Detail des Konstruktes vermittelt: die gesamte Plastik steht beweglich, auf Rädern, lässt sich folglich beliebig verorten. Auch hier bildet die Erfahrung des entheimateten Künstlers mit.

Bei der Umsetzung von Landschaftsansicht in Skulptur, vor allem der südlichen, die ihn bis heute fasziniert, wird in den letzten Jahren immer deutlicher, dass der Künstler eine weitere formale Herausforderung angenommen hat und bewältigt: die stetige Reduktion der räumlichen Elemente lässt er einhergehen mit der gleichzeitigen Schaffung eines raumtiefen Bildes, in dem für die Schwingung der Mitteilung über die Form hinaus Freiraum geschaffen wird.

Und dieses gelingt ihm, beeindruckend, sogar wenn in perspektivischer Anordnung bloß Umrisslinien statt Flächen und Hohlräume statt Volumen räumlich zusammengefügt werden. (Südliche Landschaft,1992),Golf von Populonia (1999).Man spricht von den einmaligen „Raumgrafiken“ Handels (K. H. Türk), der Künstler selbst spricht lapidarer von „Kürzeln“ oder „Landschaftszitaten“.

Möglich wird dieses plastische Gestalten von durchlässigen Raumzeichnungen mit dem schweren Material Bronze dank der Technik des Wachsausschmelzverfahrens, das sehr feine Formen und auch den Guss von Bronze um Hohlräume ermöglicht. Schon unmittelbar nach seiner Ansiedlung im neuen heimatlichen Raum Stuttgart, hatte Handel eine Anstellung als Bildhauer in der Kunstgießerei Strassacker in Süßen erhalten. Es sollte ein Glücksfall für beide Seiten werden, denn ein begnadeter und schaffensfreudiger Künstler bekam Gelegenheit sich viele Jahre einzubringen, andererseits hatte er die Möglichkeit, an einer der weltweit besten Adressen, wo Bronzeguss in höchster handwerklicher und künstlerischer Vollendung seit Generationen gute Tradition ist, mit modernsten Techniken seine Arbeiten als freischaffender Künstler auszuführen.

In diesem großen Unternehmen sind in rastloser Tätigkeit und in perfekter Ausführung, oft mit feinster Kleinarbeit verbunden, neben den Auftragsarbeiten die Bronzegüsse des Künstlers bis heute entstanden.

Man sagt, eine Bronzeplastik müsse das Wesentliche erfassen und es mit Würde wiedergeben. Wo ist solches besser umzusetzen als in der Darstellung von Menschenporträts? Ein Kunstwerk ist immer mehr als nur Nachbildung von Wirklichkeit, ein Kunstwerk hat seine eigene Wirklichkeit, und auch die Büsten der Handelschen Porträtgalerie sind viel mehr als reine Abbildungen, mehr als Monumente für die Erinnerung - Monument bedeutet wörtlich Mittel der Erinnerung. Die Bronzeporträts- und -büsten von KFH sind gelungene Kunstwerke eigenwilliger schöpferischer Prägung.

In allen Abbildungen, schon in der Gruppe der Kinderporträts, zeigt sich der Künstlerbegnadet, wenn es darum geht, das Wesentliche der Persönlichkeit seines Modells zu erfassen und umzusetzen. Er findet im physiognomisch durchgebildeten Detail dafür ideale Lösungen, und oft fügt er seiner Darstellung, mit Vorliebe sind es nur Köpfe, noch ein weiteres Detail hinzu zum Beispiel die Geste der Hand oder ein Requisit, um damit eine Facette der Persönlichkeit besonders zu verdeutlichen – man denke beispielhaft an die Büste des Schriftstellers Georg Scherg mit der feinnervigen Hand, die den Kopf eines Denkers stützt, oder an die anrührende Darstellung des Vaters des Künstlers mit den Symbolen des Abendmahls auf der Tafel seines letzten Mahls, an die Brille zum Scharfblick des Malers Friedrich von Bömches oder an den Blick weit über die Brille hinaus von Ernst Irtel oder Oskar Pastior. Das Porträt von Bischof Dr. Christoph Klein wird eine Halbbüste, denn das geistliche Ornat mit den edlen Schließen suggeriert noch einmal mehr die Würde der Persönlichkeit auch durch ihr Amt.

Neben den zahlreichen Porträts von Persönlichkeiten des neuen Lebensraumes wie u.a. denen der Herzogin und des Herzogs von Württemberg oder der Brüder Strassacker, hat Handel zahlreichen bekannten Persönlichkeiten des siebenbürgischen Kulturkreises einen Erinnerungsraum geschaffen, in dem gegen alles Vergessen Erinnerung monumentalisiert wird.

In vielen Einzelausstellungen in Rumänien, Deutschland, in Österreich, Luxemburg und Belgien , ebenso bei zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen im In-und Ausland, hat der Künstler der breiten Öffentlichkeit sein Schaffen vorgestellt, am liebsten spricht er dabei von der Ausstellung in Hermannstadt im Kulturhauptstadtjahr 2007 - eine Ausstellung, die unser Verband gefördert hat - als in der Ferula der Evangelischen Stadtpfarrkirche die Würde seiner Bronzeplastiken auf die Würde des geschichtsträchtigen Kirchenraumes traf und in der perfekten Harmonie sich zeigte, wo die schöpferische Kraft dieses Künstlers wurzelt.

Mit seinem Schaffen ist der Künstler längst selbst in das Pantheon der siebenbürgisch-sächsischen Kultur-schaffenden Persönlichkeiten aufgenommen worden, heute erhält er dafür die höchste Auszeichnung unserer Gemeinschaft. In Deutschland und europaweit befinden sich viele seiner Werke in Privatbesitz , aber zahlreiche sind auch der Öffentlichkeit zugänglich - vorzugsweise im Raum Stuttgart - als Monumentalplastiken, Monumentalbüsten, als Brunnenplastik oder Gedenktafel, in Linsenhofen auch als Ambo, Altar und Fensterfries eines Gotteshauses.

Die aktuelle Kunstszene zeigt überraschend neue Tendenzen, die Fachzeitschrift Art schreibt: der aktuelle Kunstmarkt „verzehrt sich nach authentischen Formen und schätzt die eigenwillige Linie im gekonnten Handwerk“ (Art, 11. November 2007). In diesem Sinne auch wünschen wir Kurtfritz Handel, dem Künstler aus unserer Mitte, weiterhin für alles Zukünftige die entsprechende Anerkennung und Würdigung seiner Kunst, Gesundheit und ungebrochene Schaffenskraft und die tragende Kraft seiner lieben Familie.

Schlagwörter: Heimattag, Dinkelsbühl, Handel, Kunst, Kultur, Preis

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