17. August 2017

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Siebenbürgische Streiflichter des Dorfschreibers aus Katzendorf

Der siebenbürgische Dichter Frieder Schuller hatte in Katzendorf einen Dorfschreiberpreis ausgelobt und Prof. Dr. Elmar Schenkel, Professor für englische Literatur an der Universität Leipzig, Schriftsteller und Übersetzer, war 2011 der erste Dorfschreiber. Ein Ergebnis seiner Dorfschreibertätigkeit ist das Buch „Mein Jahr hinter den Wäldern“, aus dem er an einem lauen Juniabend auf Einladung der Kreisgruppe Heilbronn im Vereinsheim in Heilbronn-Böckingen vorlas.
Die Idatante ist die Hauptperson einer Aufzeichnung aus oben besagtem Buch, und für den Autor ist sie die Königin der Kuchenbäckerinnen. Dass sie ihre Kuchen am liebsten selbst aß und dabei „ins Stattliche wuchs“, störte keinen. Jeder, der ihre Kuchen kannte, schwelgte in kulinarischer Erinnerung. Und Prof. Schenkel musste zugeben, dass er noch nie so viele leckere Kuchen wie in Siebenbürgen gegessen hatte. Diese Aussage erfreute das Heilbronner Auditorium, denn auch hier gibt es viele Kuchenbäckerköniginnen.

Prof. Dr. Elmar Schenkel las in Heilbronn aus ...Prof. Dr. Elmar Schenkel las in Heilbronn aus seinem Buch „Mein Jahr hinter den Wäldern“. Foto: Jürgen BinderDoch was macht eigentlich ein Dorfschreiber in Katzendorf? „Ich muss aufschreiben, was ich sehe, was geschieht, was mit mir und den anderen ist, mit dem Verlorenen Land, in dem aber weiter gelebt wird, nur verloren für die, die weggingen.“ Und Prof. Schenkel hat seine Berufung ein Jahr lang ernst genommen und das Erlebte dokumentiert. Er schreibt über das Land und seine Begegnungen mit den Menschen, liest sich in fremde Literatur ein und lässt den Leser wissen, warum er das Privileg, als Dorfschreiber ein Pferd zu haben, nur einmal in Anspruch genommen hat. Auch wenn er nicht ein volles Jahr in Siebenbürgen verbracht hat, sondern immer wieder zu Kurzaufenthalten in Siebenbürgen war, so sagt Prof. Schenkel, dass dies eine der besten Zeiten seines Lebens war.

Seine kurzweiligen Aufzeichnungen belegen, warum er mit dem Siebenbürgen-Virus infiziert wurde. Dass er dabei Hilfe von seinem „Baron“ erfahren hat, möchte er nicht verheimlichen. Dieser Baron, halb Mensch und halb Fiktion, hat ihm manche Tür in Siebenbürgen geöffnet, ihm aber auch geholfen über den berühmten Tellerrand zu schauen. Reisen nach Bukarest oder in die Maramuresch haben dazu beigetragen.

Und der Hermannonkel? Ja, der Hermannonkel darf sich zum Thema Auswanderung äußern und in einem Streitgespräch mit einem ausgewanderten Landsmann legt er seine Gründe offen, weshalb er nicht ausgewandert ist. „Du Blödmann, was habe ich davon? Hier muss ich 40 km zur Arbeit pendeln, in Deutschland aber 70! Und in einem Häuserblock wollten wir nie wohnen, ob im Sozialismus oder Kapitalismus.“

Die anregende Diskussionsrunde im Anschluss an die Lesung unterstrich das Interesse der Zuhörer an den Themen. Und ob das „Verlorene Land“ wirklich verloren ist für die, die weggingen, oder nur verlassen, darüber lässt sich trefflich diskutieren.

Jürgen Binder

Schlagwörter: Dorfschreiber, Katzendorf

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