15. September 2017

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Eine Fundgrube für alle Familienforscher: Zeitschrift wird eingestellt

Das vor einigen Monaten ausgelieferte Heft 2015 der „Siebenbürgischen Familienforschung“ wartet mit großer thematischer Vielfalt und einer sehr schlechten Nachricht auf: die Zeitschrift wird mit der nächsten Ausgabe eingestellt.
Den Reigen der familienkundlichen Beiträge eröffnet Werner Klemm, der Erbteilungsakten als genealogische Quelle am Beispiel des Teilbriefs nach Michael Hannbecher vorstellt. Der wohlhabende Hannbecher aus Großscheuern hinterlässt bei seinem Tod im Jahr 1752 umfangreiche Besitzungen, die zwischen seinen Nachfahren aufgeteilt werden. Einzelheiten dazu regelt der „Teilbrief“. Dieser und die beiden schriftlichen Erklärungen erlauben Einblicke in die Anwendung des im Verwaltungsgebiet der Nationsuniversität gültigen sächsischen Statutarrechts. Kremm veranschaulicht die familiären Zusammenhänge mit Hilfe von Übersichten und geht auf Einzelheiten des Erbprozesses sowie der Eigentumsübertragung ein.

Albert Klingenspohr schildert Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Digitalisierung der Mediascher Matrikelkartei. Digitalisiert wurden die Matrikel der evangelischen und römisch-katholischen Kirchengemeinde aus dem Zeitraum 1618-1950; dies waren fast 71 000 Karteiblätter.

Am Beispiel des Schäßburger Bergfriedhofs erläutert Odette Fabritius die Bedeutung von Friedhöfen als Hilfsquelle der Familienforschung.

Aus der Feder von Christian Weiss stammen die Ausführungen zu Vor- und Nachfahren von Daniel Georg Neugeboren, dem 24. Sachsenbischof. Neugeboren (1759-1822) hat unter anderem das Reformationsfest im Jahr 1817 eingeführt, nachdem er die Genehmigung dafür vom (katholischen) Kaiser Franz von Österreich erhalten hatte. Weiss kann sechs Generation von (teilweise heute noch lebenden) Nachfahren dokumentieren.

Der aus Schäßburg stammende Gefreite Johann Essigmann hat – von der Garnison Kronstadt aus – am Ersten Weltkrieg in Galizien teilgenommen. Auszüge aus seinem Tagebuch schildern den Kriegsalltag abseits der damals weit verbreiteten Euphorie. Ein mögliches Schäferstündchen in Almaschken und seine genealogischen Implikationen schildert Hansotto Drotloff. Er zeichnet damit auch ein Sittenbild der „guten alten Zeit“; insbesondere Vertreter des Adels kommen dabei nicht gut weg. In ihrem Streifzug durch die Geschichte der Familienforschung spannt Hertha Schwarz einen Bogen von den genealogischen Aufzählungen im Alten Testament bis zum Sippenarchiv in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie.

Der praktische Nutzen einer Zeitschrift wie die „Siebenbürgische Familienforschung“ ist auch daran erkennbar, dass regelmäßig Ergänzungen zu darin erschienen Beiträgen veröffentlicht werden. So auch in diesem Heft: Rolf Binder hat eine Stellungnahme zur Entstehung des Namens „Klusch“ verfasst, Hermann Schobel und Christian Weiss haben die Ahnenliste von „Helmut“ Artur Arz von Straussenburg und seinem älteren Bruder ergänzt.

Die Bibliographie zur Siebenbürgischen Genealogie erscheint bereits in 51. Folge; neben Neuerscheinungen werden regelmäßig auch ältere, aber neu „entdeckte“ Publikationen zur Familienforschung aufgenommen. Es ist eine Fundgrube für alle Forscher! Einen hohen praktischen Nutzenwert haben auch die in der Rubrik „Mitteilungen“ aufgenommenen Tagungsberichte und kurze Meldungen. Angesichts dieser vielfältigen Beiträge und des praktischen Nutzens für die siebenbürgische Familienforschung ist es sehr bedauerlich, dass die Zeitschrift mit der nächsten Ausgabe eingestellt wird. Der Schriftleiter begründet diese schmerzhafte Entscheidung mit der mangelnden Bereitschaft potentieller Mitarbeiter, Verantwortung in der Redaktion zu übernehmen. Gemeinsam mit dem Redakteur Dr. Werner Klemm hat der Schriftleiter Dr. Christian Weiss – er war bis vor kurzem auch Leiter der Sektion Genealogie im AKSL – über Jahre hinweg die Zeitschrift „gemacht“ und damit die 1984 von Balduin Herter gegründete Publikation zu einem weithin anerkannten Medium für siebenbürgische Genealogen weiter entwickelt. Möge es dem neuen Leiter der Sektion Genealogie gelingen, eine Plattform zur Publikation und Kommunikation zu schaffen; die sehr aktiven siebenbürgischen Familienforscher haben es nötig und verdient.

Das Heft hat einen Gesamtumfang von etwa 100 Seiten und kann zum Preis von 18,50 Euro (für AKSL-Mitglieder: 9 Euro) beim Siebenbürgen-Institut (Schloss Horneck, 74831 Gundelsheim/Neckar, www.siebenbuergen-institut.de, Fax: 0 62 69 / 42 10 10) bezogen werden.

uk

Schlagwörter: Familienforschung, Genealogie, Zeitschrift, AKSL

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