6. Januar 2018

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Film "Hermann Oberth – Flucht von der Erde" erinnert an den Raketenpionier

Denkt man an Raumfahrt, dann bestimmt nicht zuallererst an Mediasch. Schon eher an Huntsville, Alabama (USA), wo 1970 das größte Raumfahrtmuseum der Welt eröffnet wurde. Oder an „Star Trek“, die beliebte US-Serie, die Generationen von Science-Fiction-Fans begeisterte. Tatsächlich sind alle drei mit dem Namen Hermann Oberth verbunden, dem „Vater der Raumfahrt“ aus Siebenbürgen.
Geprägt haben den 1894 in Hermannstadt geborenen Raketenforscher, der zuerst Medizin studierte und später Physik, nicht nur Forschungsaufenthalte in Deutschland, sondern auch Siebenbürgen: In Klausenburg wurde Oberths in Heidelberg als „unbeurteilbar“ abgewiesene Doktorarbeit anerkannt. In Mediasch erhielt der aus Deutschland zurückgekehrte Physiker auf Geheiß König Carols II. Unterstützung für seine Raketenexperimente. Dort erschien auch 1929 sein Hauptwerk, „Wege zur Raumschifffahrt“.

Über das Leben und Wirken des visionären Pioniers, der bereits mit elf Jahren – fasziniert von Jules Vernes Science-Fiction-Romanen „Von der Erde zum Mond“ und „Reise um den Mond“ – Raketen in seine Hefte kritzelte, berichtet der Film „Hermann Oberth – Flucht von der Erde“ („Hermann Oberth – Evadare de pe Terra“, TVR2, Regisseur Cristian Amza), am 24. Oktober im Kulturhaus „Friedrich Schiller“ gezeigt. Im Anschluss fand eine Diskussion statt, mit der siebenbürgischen Drehbuchautorin Dr. Anneli Ute Gabanyi, dem rumänischen Astronauten Dumitru Prunariu und Robert Adams, stellvertretender Leiter des Hermann-Oberth-Museums in Feucht. Robert Adams, stellvertretender Leiter des ...Robert Adams, stellvertretender Leiter des Hermann-Oberth-Museums in Feucht, Politologin Anneli Ute Gabanyi, Astronaut Dumitru Prunariu und Regisseur Cristian Amza im Bukarester Schillerhaus. Foto: George Dumitriu Der Film vermittelt Meilensteine aus dem Leben des Genies: seinen Einfluss auf die heutige Raumfahrt, die es ohne ihn in dieser Form nicht geben würde. Aber auch, wie aus visionären Plänen, gedacht, um die Menschheit weiterzubringen, im Handumdrehen vernichtende Waffen werden können: Die V2-Rakete, entwickelt in Peenemünde unter Oberths Meisterschüler Wernher von Braun, an deren Konstruktion Oberth zwar keine entscheidende Rolle mehr spielte, basierte auf seinen Berechnungen.

Als Geheimnisträger mit Reiseverbot belegt, kam Oberth erst 1982 zum ersten Mal nach Moskau. Prunariu erinnert sich an die Begegnung. Er hielt eine Rede über Oberth und bemerkte auf zunehmende Unruhe im Saal: Wie? – Hermann Oberth sei aus Rumänien? Ist er denn kein Deutscher? Das Gemurmel verstummte, als der Genannte spontan auf die Bühne trat, Prunariu ergriffen die Hand schüttelte und ihm auf Rumänisch dankte. Der offizielle Oberth-Biograf, Hans Barth, verriet: Der Raumfahrtpionier, der 1955 auf Einladung Wernher von Brauns sogar an dessen Raketenforschungsinstitut in Huntsville, Alabama, forschte, und dessen Skizzen später als Vorlage für die Serie „Star Trek“ dienten, hat seine Heimat nie vergessen. Er betrachtete sich zeitlebens als Siebenbürger Sachse.

Vergessene Hürden

Vergessen wird oft, wie mühsam der Weg eines Genies sein kann, bis es als solches anerkannt wird. Dies ging auch Hermann Oberth nicht anders: Kläglich gescheitert am starren deutschen Universitätssystem und dessen Mangel an Interdisziplinarität, öffneten ihm dort erst viel später Stipendien Türen und Tore. Als schlichtweg utopisch hatten die Heidelberger Professoren seine 1922 eingereichte Doktorarbeit über den Raketenantrieb bezeichnet – und zurückgewiesen. Man könne die Arbeit nicht beurteilen, so der Mathematiker, es enthielte zu viel Physik; der Physiker beklagte die ausufernde Mathematik. Oberth veröffentlichte seine These daraufhin als Buch, „Die Rakete zu den Planetenräumen“, das auch in der Presse Kontroversen auslöste. 1923 kehrte er nach Rumänien zurück, wo die Doktorarbeit anerkannt wurde: An der Klausenburger Universität war man in der Lage, den interdisziplinären Spagat zu leisten.

Interessant auch, dass Oberth lange Zeit als einfacher Gymnasiallehrer gearbeitet hat. Anerkennung und Erfolg ließen auf sich warten. Seine ungebrochene Begeisterung führte schließlich doch zum Ziel. Das Strickmuster mag jenen bekannt vorkommen, die auch Cristian Amzas Film über den Banater Physiker Stefan Hell kennen. Wieder und wieder wurden diesem in Deutschland Fördergelder für Forschungen versagt, die ihm schließlich 2014 den Chemie-Nobelpreis für die Entwicklung eines revolutionären Mikroskops einbrachten. Schließlich waren es die Biologen an der Universität Turku (Finnland) gewesen, die der Finanzierung zustimmten: Sie verstanden zwar das zugrundeliegende Prinzip nicht, erkannten jedoch, dass das in Aussicht gestellte Mikroskop ihr Forschungsfeld revolutionieren würde. Noch eine Parallele gibt es im Leben von Oberth und Hell: Die entscheidende Idee kam beiden bereits in jungen Jahren. Studium und Forschung dienten nur dazu, Wege zu finden, die vorhandene Vision umzusetzen.

Vom unmöglichen zum unendlichen Traum

Meilensteine: 19 Jahre nach der Ablehnung von Oberths Doktorarbeit, 1942, überwindet erstmals eine Großrakete, an der dieser mitgearbeitet hatte, die Erdatmosphäre, erreicht 82 Kilometer Höhe, fliegt 200 Kilometer weit und gilt als erstes von Menschenhand gemachtes Objekt, das in den Weltraum gelangte. Weitere 27 Jahre später, 1969: Erstmals betritt der Mensch den Mond. Der Traum, der einst als unmöglich galt, ist seither Realität. Millionen Menschen träumen ihn weiter: Raumstationen, die Kolonisierung des Mars, Erzabbau im Planatoidengürtel – nichts scheint mehr unmöglich, alles nur eine Frage von Geld.

Doch wer hatte den Funken der Begeisterung in dem kleinen Hermann gezündet? Woher hatte er mit elf Jahren Zugang zu Vernes Romanen? Kurios, dass bereits dessen Großvater, der Mühlbacher Arzt und Schriftsteller Friedrich Krasser, überzeugt geäußert haben soll, der Mensch werden in hundert Jahren zum Mond fliegen. Ist Begeisterung in einem Alter, in dem man sich spielerisch und ohne fachliche Scheuklappen mit einer Idee befasst, der Schlüsselfaktor für Erfolg? Welche Rolle spielen andere Eigenschaften?

Beharrlichkeit ist sicher eine davon: Robert Adams, der Oberth seit den 80er Jahren gut kannte, erzählt: Der junge Physiker wollte auf dem Berliner Patentamt eine Erfindung einreichen. Vergeblich versuchte er, den Prüfer zu überzeugen, dass diese patentwürdig sei. „Ich bin zweimal so alt wie Sie und muss es besser wissen“, entgegnete ihm dieser. Oberth erwiderte: „Die Papageien im Zoo sind viel älter als wir – und versuchen nicht, uns zu belehren.“

1989 besuchte Prunariu Oberth zum letzten Mal in Feucht, etwa sechs Monate vor seinem Tod. Wer heute auf Oberths Spuren wandeln möchte, kann dies nicht nur im dortigen Museum, das noch zu Lebzeiten des Raketenpioniers entstand, sondern auch im Hermann-Oberth-Gedenkhaus in Mediasch, das 1994 – 100 Jahre nach dessen Geburt – eröffnet wurde. Denkt man an Raumfahrt, denkt man daher am besten zuerst an Mediasch – als Wiege der Raketenforschung.

Nina May

Schlagwörter: Oberth, Film, Technik

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