26. Mai 2019

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„Einflussreicher europäischer Kulturbotschafter“ Konrad Gündisch erhält Bundesverdienstorden

Berlin - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem siebenbürgischen Historiker Dr. Konrad Gündisch den Bundesverdienstorden verliehen. Das Verdienstkreuz am Bande ist die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl vergibt. Staatsministerin Prof. Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), überreichte dem gebürtigen Hermannstädter die Auszeichnung am 15. Mai im Bundeskanzleramt in Berlin. In ihrer Laudatio würdigte die Kulturstaatsministerin Gündisch als „einflussreichen europäischen Kulturbotschafter“.
An der Feier, die in den Räumen der BKM im Bundeskanzleramt stattfand, nahmen Familienangehörige und zahlreiche Wegbegleiter des 70-jährigen Geschichtswissenschaftlers, seines Zeichens auch Vorsitzender des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“ e.V. und Siebenbürgisch-Sächsischer Kulturpreisträger 2014, teil. So waren u. a. zugegen die Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Herta Daniel, der Vorsitzende des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrats, Dr. Harald Roth, Dr. Stefan Cosoroabă als Vertreter der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Dr. Dr. Gerald Volkmer, Stellvertretender Direktor des in Oldenburg ansässigen Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, sowie Dr. Florian Kührer-Wielach, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters ...Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters überreicht Dr. Konrad Gündisch den Bundesverdienstorden nebst Verleihungsurkunde. Bildquelle: BKM /Thomas Widenka Die Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters leitete ihre Rede mit einem Dichterwort des 2006 verstorbenen, wie Gündisch in Hermannstadt geborenen Büchner-Preisträgers Oskar Pastior ein. Dessen Formulierung, „alles einfach zu tun“, habe sich Konrad Gündisch „früh zu eigen gemacht“. Das gelte besonders für das vielfältige ehrenamtliche Engagement in seinem Lebenslauf. An den Historiker gewandt, unterstrich Grütters: „Unbestreitbar ist jedenfalls, dass Sie sich in den vergangenen Jahrzehnten unermüdlich und in herausragender Weise für den Erhalt der deutschen Kultur in Siebenbürgen, in Südosteuropa eingesetzt haben.“

Dabei bewahre er „ein wunderbares und bedeutendes Stück deutscher Kultur“. Das wisse, so die Laudatorin, „wer einmal die herrliche, fast schon märchenhaft schöne Landschaft Siebenbürgens und seine Kirchenburgen aus dem 12. Jahrhundert gesehen, die herzliche Art der Siebenbürger Sachsen erlebt, ihr freundlich-warmes Deutsch gehört und ihre jahrhundertealten Brauchtümer kennengelernt hat“. Dies waren durchweg persönliche Wahrnehmungen der Kulturstaatsministerin, frische Eindrücke von ihrem Siebenbürgen-Besuch, den sie Mitte April gemeinsam mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, absolvierte (siehe Kulturstaatsministerin Monika Grütters besucht Siebenbürgen). Grütters geriet förmlich ins Schwärmen über Siebenbürgen, „die unberührte Schönheit seiner Natur, die geschichtsträchtigen Dörfer und Städte wie Hermannstadt – Ihrer und auch Oskar Pastiors Heimatstadt – haben mich begeistert“.

Schloss Horneck ist auch dank Gündisch ein „pulsierendes Kulturzentrum“


Gleichermaßen begeistere sie das „leidenschaftliche Engagement“ von Konrad Gündisch für seine Heimat. Er habe vor allem im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, nicht zuletzt als dessen stellvertretender Direktor und ebenso als kommissarischer Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas der Ludwig-Maximilians-Universität München „Großes bewegt“.

Zudem gründe sein Renommee in unzähligen ehrenamtlichen Tätigkeiten und Mitgliedschaften, wie auch in den zahlreichen Publikationen, wissenschaftlichen Studien und populärwissenschaftlichen Arbeiten, mit denen der Historiker vielen Menschen Siebenbürgen nahe gebracht habe. In diesem Zusammenhang hob Staatsministerin Grütters Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar besonders hervor. Das Schloss sei zu einem „pulsierenden Kulturzentrum“ geworden, vor allem auch dank Gündischs Engagements. Als „bedeutender Erinnerungs-, Begegnungs- und Identifikationsort der Siebenbürger Sachsen“ lebe auch dort die Kultur der Siebenbürger Sachsen in Deutschland weiter. Die Laudatorin strich anerkennend heraus, dass Gündisch als Lehrbeauftragter der Universitäten Klausenburg, Tübingen und Oldenburg den akademischen Nachwuchs und grenzübergreifenden Austausch immer schon gefördert habe. Gerade junge Leute könnten durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte lernen, „wie wichtig unsere vielfältige europäische Kultur für den Zusammenhalt Europas ist“, unterstrich Grütters und fügte hinzu: „In diesem Sinne waren und sind Sie, lieber Herr Professor Gündisch, ein einflussreicher europäischer Kulturbotschafter.“

Die Auseinandersetzung mit dem deutschen Kulturerbe in Ost- und Südosteuropa könne zu einem besseren Verhältnis der Krisen und Konflikte beitragen, in deren Angesicht sich Europa heute neu bewähren müsse, etwa in der Frage des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Die siebenbürgische Kultur sei Teil der deutschen Kultur. Viele Siebenbürger Sachsen hätten sich beim Reformationsjubiläum vor zwei Jahren „mit großem Engagement eingebracht“ und damit gezeigt, „wie eng verbunden die Siebenbürger Sachsen mit Deutschland sind“, betonte Staatsministerin Grütters. Daher sei es ihre Hoffnung, „dass alle Siebenbürger Sachsen, Jung und Alt, sich weiterhin vielseitig einbringen (…) für den Erhalt des kulturellen Erbes der Deutschen in Südosteuropa“. Gündisch habe dafür den Boden bereitet. Hier in Deutschland habe sein Engagement „vielfach unterbelichtete Facetten deutscher Kultur und Identität sichtbar gemacht und zu einem differenzierteren Bild vom gewachsenen Kulturraum Europa beigetragen“. In Würdigung dieser Leistungen habe der Bundespräsident ihm den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. „Dazu gratuliere ich Ihnen von Herzen!“, schloss Grütters ihre Laudatio.

Dr. Gündisch dankte der Kulturstaatsministerin für die ihm zu Herzen gegangenen Worte und dafür, dass ihm „ein besonderes Ehrenzeichen an diesem ganz besonderen Ort, dem Bundeskanzleramt, verliehen“ worden sei. Weiterhin dankte der Geehrte den erschienenen Feiergästen. Dass mit Herta Daniel „die Bundesvorsitzende ‚meines‘ Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland“ anwesend sei, „erfüllt mich mit Stolz, dass sie gleichzeitig als meine Stellvertreterin im Vorsitz des Siebenbürgischen Kulturzentrums ‚Schloss Horneck‘ diesen Verein hier vertritt, erfüllt mich mit Dankbarkeit, dass sie als Kindheits- und Jugendfreundin stellvertretend für viele andere Freunde aus dieser Zeit hier ist, mit großer Freude“, betonte Konrad Gündisch und dankte allen „für diese wunderbare Feier“, die mit einem Sektempfang stilvoll ausklang.

Christian Schoger


Schlagwörter: Ehrung, Bundesverdienstkreuz, Konrad Gündisch, Historiker, Berlin, Bundeskanzleramt, BKM, Grütters, Kulturrat, EKR, Volkmer, Herta Daniel

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