16. August 2019

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20 Jahre Stiftung Siebenbürgische Bibliothek

Im August jährt sich die Gründung der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek zum zwanzigsten Mal. Anlass genug zur Rückschau, gleichzeitig aber auch, die aktuelle Situation der Stiftung in den Fokus zu nehmen.
Der sich abzeichnende Rückgang der Förderung durch die öffentliche Hand und die begrenzten Möglichkeiten der die Siebenbürgische Bibliothek unterstützenden Vereine veranlasste deren Funktionsträger, über zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten nachzudenken. Die Erkenntnis, dass die kompetente Aufbewahrung der Zeugnisse siebenbürgischer Geschichte und Kultur im Interesse aller Mitglieder unserer Gemeinschaft ist, führte zur Überlegung, diese zu bitten, sich an der benötigten dauerhaften Finanzierung zu beteiligen, jeder nach seinen Möglichkeiten. Dafür wurde die Institution Stiftung als beste Lösung befunden, weil die Zuwendungen und Spenden nicht sofort ausgegeben werden, sondern in das Vermögen der Stiftung eingehen, das dauerhaft gewinnbringend angelegt wird. Nur die erzielten Erträge des Stiftungsvermögens werden für die Förderung des Bibliotheksbetriebs verwendet. Auf diese Weise soll ein entsprechend großes Vermögen aufgebaut werden, dessen Erträge den Betrieb von Bibliothek und Archiv auf Dauer ermöglichen. Dass dieses nicht von heute auf morgen zu verwirklichen ist, war allen Beteiligten klar, nicht jedoch, dass es viel länger als zwanzig Jahre dauern würde.

Familie Dr. Roswitha und Martin Guist stellten seinerzeit das Mindestkapital von 100.000 DM zur Verfügung und beantragten die Genehmigung der Stiftung. Unter Leitung von Dr. Günther H. Tontsch war vorher die Satzung erstellt worden. Balduin Herter war für den Kontakt mit den zuständigen Behörden verantwortlich. Von den anderen beteiligten Personen sollen noch Dr. Harald Roth und Ruth Czetto als treibende Kräfte hervorgehoben werden. Im August 1999 wurde die Stiftung von der Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium Stuttgart genehmigt und das Finanzamt Heilbronn bestätigte deren Gemeinnützigkeit.

Rund 1500 Personen/Familien und Körperschaften haben bisher am Aufbau des Stiftungsvermögens mitgewirkt, einige von ihnen in besonderem Maße, siehe Stiftertafel und namentliche Unterstiftungen. Zurzeit beträgt das Stiftungsvermögen rund 2,86 Millionen Euro. Mit den Erträgen Ihrer Zuwendungen, liebe Spender, und dank zusätzlicher, sporadisch erhaltener Mittel, konnte das Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek und Archiv so weit gefördert werden, dass die Grundfunktionen einigermaßen erhalten blieben.Unter den jüngsten Neuzugängen in Bibliothek und ...Unter den jüngsten Neuzugängen in Bibliothek und Archiv befindet sich die Historia Pannonica des Antonio Bonfini aus dem Jahr 1690, eine spätere Ausgabe der bekannten Chronik des italienischen Humanisten und Dichters. Antonio Bonfini (1434-1503) kam 1483 an den Hof König Matthias Corvinus‘ nach Ofen und verfasste in dessen Auftrag eine Geschichte des Landes seit der Zeit der Hunnen. Die erste vollständige Ausgabe erschien1568 in Basel. Die Ausgabe von 1690 beinhaltet neben der ursprünglichen Chronik auch zahlreiche Quellen zur Geschichte Ungarns und der Türkenkriege. Das ist ein großer Gewinn für die vielen Nutzer der Bestände von Bibliothek und Archiv, die unterdessen auf knapp 90000 angewachsen sind. Allein im Jahr 2018 wurden 1148 Nutzer gezählt, die 4922 Medieneinheiten ­auswerteten. Im Lauf der Jahre haben Mitglieder unserer Gemeinschaft unzählige Male die Dienste des Bibliothekspersonals in Anspruch genommen, aber auch hunderte Schüler, Studenten, Doktoranden und Wissen- schaftler aus den unterschiedlichsten Ländern. Bibliothek und Archiv sind keine toten, verstaubten Regale, sondern lebendige, gefragte und anspruchsvolle Institutionen, deren Erhalt und Ausbau sich für unser Selbstverständnis ganz sicher lohnt.

Über ein aktuelles Beispiel einer Recherche in der Siebenbürgischen Bibliothek für eine Doktorarbeit soll hier, mit dem vorab eingeholten Einverständnis der betroffenen Person, kurz berichtet werden. Marlies Barbara Lenz M.A. aus Düsseldorf schreibt ihre Doktorarbeit mit dem Thema „Die sächsische Mundart in der siebenbürgischen Literatur“ bei Prof. Dr. András Balogh an der Universität Klausenburg. Im Folgenden nun einige Sätze von Frau Lenz zu ihrer Arbeit und zum Aufenthalt in Gundelsheim: „In der Substanz geht es um beabsichtigte oder nicht gewollte Insertionen (Einfügungen) aus der siebenbürgischen Mundart, die bei jedem Autor eingeflossen sind. Es stellt sich auch die Frage nach dem Wieso oder Warum. Dem bin ich auf der Spur. Die Arbeit ist sehr arbeitsintensiv, mit viel Akribie verbunden, doch nun macht sie mir richtig Spaß und ich habe meine Vorliebe für Sprache wiederentdeckt. Zu Beginn kannte ich gängige Autoren: Meschendörfer, Zillich, E. Wittstock etc. In der Zwischenzeit habe ich schon lange in Vergessenheit geratene Autoren gefunden. Wer kennt denn Damasius Dürr, der im 16. Jahrhundert als Pfarrer in Kleinpold auf über 1000 Seiten seine Predigten aufgeschrieben hat? Das Werk von Wittstock und Sienerth, „Die Geschichte der siebenbürgischen Literatur“, sollte bei jedem Siebenbürger im Regal stehen. Ich war sehr gerne im Siebenbürgen-Institut, weil ich mich gut dort selbst versorgen konnte, und vor allem hatte ich die Möglichkeit, abends im Dachgeschoss weiter zu studieren und zu recherchieren. Nach meiner Prüfung am 5. Juli in Klausenburg werde ich die Bibliothek in Gundelsheim zwecks neuer Recherche wieder besuchen.“Die Vedutensammlung der Siebenbürgischen ...Die Vedutensammlung der Siebenbürgischen Bibliothek wurde kürzlich durch eine bislang unbekannte Farblithographie von Kronstadt vom Beginn des 19. Jahrhunderts bereichert (25 x 34 cm, gerahmt, hinter Glas). Sehr wahrscheinlich handelt es sich um ein Unikat. Es zeigt eine Ansicht der Stadt von Nordosten und lässt neben den einschlägigen und markanten Bauten der Stadt – etwa den Kirchen und dem Rathaus – auch das Purzengässer Tor, das alte Klostertor und alte Straßenverläufe erkennen. Solche Beispiele, die man am laufenden Band bringen könnte, zeigen eindringlich das bestehende Interesse an unserer Geschichte und Kultur in der Gesellschaft und machen deutlich, dass die Stiftung und deren Unterstützer einen für alle nützlichen Beitrag leisten. Dass das Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek und Archiv überhaupt noch funktionsfähig ist, ist vor allem den Unterstützern der Stiftung zu verdanken, deren Zuwendungen und Darlehen der Stiftungsvorstand treuhänderisch verwaltet. Der Stiftungsvorstand möchte deshalb aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens der Stiftung allen Spendern für ihren Beitrag ausdrücklich danken und sie bitten, der Stiftung auch zukünftig zu helfen ihr Ziel zu erreichen. Alle Spender, deren Adressen uns bekannt sind, erhalten als symbolische Geste eine Dank-Karte.

Zwanzig Jahre Stiftung Siebenbürgische Bibliothek. Wie sieht die Bilanz, wie sieht die Zukunft aus? Ziel der Stiftung ist und bleibt die komplette Finanzierung des Siebenbürgen-Instituts mit Bibliothek und Archiv, einschließlich der Personal-, Verwaltungs-, Anschaffungs-, Miet- und Nebenkosten. Positiv ist zu vermerken, dass es möglich war, ein reduziertes Rumpfpersonal und damit die Funktionsfähigkeit der Bibliothek und des Archivs zu erhalten. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass es gelang, den Wert des gespendeten Kapitals zu erhalten, trotz Banken- und Eurokrise. Negativ muss die Notwendigkeit der Reduzierung des jährlichen Förderbetrags gewertet werden, wodurch ein beträchtlicher Teil der Kosten nicht mehr abgedeckt ist. Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat, Träger des Siebenbürgen-Instituts, ist deshalb gezwungen, zusätzliche Finanzierungsquellen zu finden. Wachsende Bestände der Siebenbürgischen Bibliothek, vermehrte Aufgaben des Personals, steigende Gehälter, sinkende Erträge dürfen uns nicht entmutigen. Im Gegenteil, nur Beharrlichkeit und Suche nach neuen Wegen führen zum Ziel. Dabei können alle mitmachen, jeder nach seinen Möglichkeiten. Das ist unser Wunsch für die Zukunft.

Hatto Scheiner

Schlagwörter: Stiftung Siebenbürgische Bibliothek, Jubiläum, Geschichte, Soziales

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