13. Oktober 2022

Tagung in Bad Kissingen: Die Deutschen Rumäniens

In der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen findet vom 23. bis 28. Oktober die Tagung „Die Deutschen Rumäniens: Vergangenheit und Gegenwart der rumäniendeutschen Gruppen – Siedlungsgeschichte und Leidenserfahrungen“ statt.
Aufgrund des Zweiten Weltkrieges ist ein Kapitel deutscher Siedlungsgeschichte im heutigen Rumänien – spätestens mit der letzten großen Migrationswelle – nach der politischen Wende in Ostmitteleuropa 1989/1990 in seiner bisherigen Form zu Ende gegangen. Auf dem Territorium des nach dem Ersten Weltkrieg geschaffenen Großrumänien lebten damals zwölf deutsche Siedlergruppen, rund 750.000 Menschen. Seit 1918 gehörten Siebenbürgen, das Banat und andere Regionen zu „Großrumänien“. Mit dem Hitler-Stalin-Pakt am 23. August 1939 wurde die Aufteilung Europas in Interessensphären vereinbart und in Zusatzprotokollen die Aussiedlung der Bukowina-, Bessarabien- und Dobrudschadeutschen aus Rumänien vollzogen. Durch zwischenstaatliche Abkommen wurden in der Kriegszeit die wehrfähigen deutschen Männer ab 1943 fast ausnahmslos in die Waffen-SS eingezogen. Sie kamen, sofern sie den Krieg überlebt hatten, nicht nach Rumänien zurück. Anfang 1945 wurden weitere 70.000 Rumäniendeutsche zur Zwangs- und Wiederaufbauarbeit für fünf Jahre in die Sowjetunion verschleppt. Durch diese Ereignisse waren viele Familien getrennt. In den 1950er und 1960er Jahren fand eine Familienzusammenführung statt. 1978 schlossen die damalige Bundes- und die rumänische Regierung unter Ceauşescu ein Abkommen, das ein jährliches Aussiedlungskontingent von über 12.000 Personen vorsah. 1990 fand ein Massenexodus der Rumäniendeutschen statt. Gegenwärtig leben in Rumänien noch rund 20.000 Deutsche. Die beiden zahlenmäßig wichtigsten noch in Rumänien verbliebenen Siedlergruppen umfassen die Siebenbürger Sachsen und die Banater Schwaben.

Als Referenten haben ihre Teilnahme zugesagt: Dr. Harald Roth: Eine kurze Geschichte der Siebenbürger Sachsen; Dr. Cornelia Schlarb: Die Bessarabiendeutschen; Dr. Ortfried Kotzian: Überblick über die deutsche Siedlungsgeschichte der Bukowina; PD Dr. Mariana Hausleitner: Radikalisierung der Deutschen in der Bukowina nach 1933; Dr. Irmgard Sedler: Überlebensstrategien in der Deportation in die Sowjetunion 1945-1949 bei den Siebenbürger Sachsen und mit einem zweiten Vortrag: Religiöses Leben bei den Landlern; Prof. Dr. Anton Sterbling: Zwangsarbeit der Rumäniendeutschen. Zeitzeugenberichte von betroffenen Kindern; Dr. Markus Bauer: Deutschsprachiges literarisches Leben im sozialistischen Rumänien; Winfried Ziegler: Lebenswelten der deutschen Minderheiten im heutigen Rumänien. Außerdem gibt es mehrere Filmporträts über Persönlichkeiten von Christel Ungar-Ţopescu, Tiberiu Stoichici und Arno Ungar von der Deutschen Sendung des rumänischen Fernsehens TVR, eine Lesung der Autorin Karin Gündisch und eine Exkursion in die Rhön, u. a. zur größten Kirchenburg Deutschlands in Ostheim.

Die Tagung beginnt am Sonntagabend mit dem gemeinsamen Abendessen und ist am folgenden Freitag mit dem Frühstück zu Ende. Die Teilnahme kostet für Teilnehmer aus der Bundesrepublik 160 Euro zuzüglich Kurtaxe (neun Euro) und ggf. Einzelzimmer-Zuschlag (50 Euro für den gesamten Zeitraum) und beinhaltet Unterkunft und Verpflegung. Für Teilnehmer aus den östlichen Nachbarländern gilt ein Sonderpreis von 60 Euro und es können Fahrtkostenzuschüsse gewährt werden! Bitte melden Sie sich umgehend, spätestens bis zum 18. Oktober, bei uns an. Anmeldungen und Anfragen sind ab sofort möglich an: „Der Heiligenhof“, Alte Euerdorfer Straße 1, 97688 Bad Kissingen, Fax: 09 71 / 71 47 47 oder per Mail an: info[ät]heiligenhof.de.

Schlagwörter: Tagung, Bad Kissingen, Rumäniendeutsche, Einladung

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