9. Mai 2026
Ausstellung „heimgekommen“: Interview mit Edwin-Andreas Drotleff, Künstler und ehemaliger SJD-Bundesjugendleiter
Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD) ist Mitausrichter des Heimattages 2026 und bringt sich daher noch mehr als sonst mit Programmpunkten ein. Für den Ausstellungsbereich im Spitalhof konnte sie den Künstler Edwin-Andreas Drotleff gewinnen, der im Verband kein Unbekannter ist: Seit 2007 hatte er verschiedene Ämter inne, zuletzt jenes des Bundesjugendleiters (2014-2017) und des stellvertretenden Bundesvorsitzenden (2015-2017). Heute lebt der 1989 in Agnetheln geborene Künstler in Stuttgart. Bundeskulturreferentin Dagmar Seck befragte ihn zu seiner Arbeit und zur Ausstellung „heimgekommen“ in Dinkelsbühl.

Erst einmal eine große Umstellung. Nach 20 Jahren im selben Unternehmen hatte ich im letzten Winter meine Zeit gebraucht, um Abstand zu gewinnen. Und da kam die Anfrage seitens unserer Bundesjugendleiterin Natalie Bertleff ganz gelegen, ob ich beim diesjährigen Heimattag ausstellen möchte. So konnte ich mich auf was Neues konzentrieren und meine selbstständige Tätigkeit als freischaffender Künstler weiter vertiefen.
Du hast Themenzyklen zu Themen wie Licht, Zeit und Farbräumen entwickelt (siehe Webseite www.edwinartworks. de). Welche Rolle spielt daneben Siebenbürgen in deiner Arbeit?
Ich denke, dass das, was wir in der Vergangenheit getan und gelernt haben, unser Handeln in der Gegenwart prägt. Und genauso verhält es sich mit der Herkunft. Siebenbürgen spielt eine große Rolle in meinem Themenzyklus „Moderne; Brauch; Tradition; …“, hier spiegeln sich meine Erfahrungen aus und mit Siebenbürgen und wie ich das Thema Heimat sehe, wider. Was nicht heißt, dass ich parallel nicht auch vermeintlich abstraktere Dinge wie in den Themenzyklen „ZEIT“ und „FARBRAUM“ bearbeiten kann. Das tue ich sicher auch unterbewusst mit einem gewissen siebenbürgischen Blick: ordentlich, genau und etwas kritisch.
Folgefrage: Ist Siebenbürgen nur auf den ersten Blick eine konkretere Sache als Zeit und Licht?
So ist es. Denn auch das Thema Siebenbürgen – oder allgemeiner „Heimat“, wo wir ja auch schon eine Abstraktionseben höher gehen – kann man immer weiter abstrahieren und in kleinere Teile zerlegen. Insofern sind Abstraktion und Konkretes, wie alles andere, relativ. Letztendlich entscheidet es sich in den Köpfen der Betrachtenden, ob die dargestellte Kunst für sie abstrakt oder in welcher Art auch immer konkret ist.
Deine Ausstellung am Heimattag trägt den Titel „heimgekommen“ und besteht aus Bildern der Serien „Ein feste Burg“ und „süß ist die HEIMAT“. Was bedeutet „heimgekommen“ für dich und was erwartet die Besucherinnen und Besucher in Dinkelsbühl?
Genau, es sind die beiden ersten Bilderserien aus dem Themenzyklus „Moderne; Brauch; Tradition; …“. Sie zeigen einerseits idyllisch, teils utopisch schöne Ansichten von Kirchenburgen innerhalb ihres Dorf-Ensembles und anderseits abstrakt-surreale Bildwelten derselben Motive. Die Bilder können als Bildpaare gesehen werden, müssen es aber nicht. „heimgekommen“ als Titel ist mir eigentlich sofort in den Sinn gekommen, als ich gefragt wurde, ob ich ausstellen möchte. Dahinter stecken für mich mehrere Bedeutungsebenen. Zum einen habe ich im Sommer letzten Jahres den Mut gefasst und meine berufliche Karriere in einem Großunternehmen aufgegeben, und es fühlt sich an, als ob ich in dem für mich passenden beruflichen Feld angekommen bin. Zum anderen ist es natürlich die Rückkehr zum Verband, in dem ich fast zehn Jahre lang ehrenamtlich aktiv war. Es fühlt sich mit dieser Ausstellung am Heimattag ein bisschen an wie heimzukommen. Der Titel einer Ausstellung zum Thema Heimat sollte zudem Wärme und Ruhe ausstrahlen, einen willkommen heißen und nicht zu lang sein. Ich denke, das funktioniert mit „heimgekommen“ ganz gut.
Die Besucher erwartet eine Reihe von Bildern, die dem „siebenbürgischen Auge“, denke ich, ganz gut gefallen werden. Es werden aber auch Elemente dabei sein, die man so in der Kunst über Siebenbürgen oder von Siebenbürger Sachsen noch nie gesehen hat: eine abstrakt surreale Darstellung von Erinnerung, Heimatgefühl und Dorflandschaften.

Ich arbeite fast ausschließlich in Acryl auf Leinwand. Und bis es so weit kommt, dass ich Farbe auf einen bespannten Keilrahmen auftrage, sammle ich Bild-Ideen im alltäglichen Leben. Seien es persönlich erlebte Begebenheiten, Eindrücke oder Erfahrungen. Das kann so abstrakt sein wie das Farbenspiel der Umgebung bei einem Sonntagsspaziergang oder so konkret wie der Sonnenuntergang hinter der Kirchenburg in meinem Heimatdorf Kirchberg. Sobald sich in meinem Kopf eine Idee anbahnt, halte ich sie meist digital fest. Entweder in Schrift oder Fotografie. Im Studio verarbeite ich diese Infos dann so weiter, dass ich irgendwann mit einem Konzept auf die Leinwand gehen kann, und dort passiert dann die eigentliche Kunst – ganz unabhängig davon, wie lange oder tiefergehend die vorherige Recherche war.
Auf deiner Webseite stellst du den Besucherinnen und Besuchern Fragen und lädst sie beispielsweise zu Experimenten ein. Warum stellst du diese Fragen, was ist deine Motivation?
Ich stelle diese Fragen, um direkt zum Nachdenken anzuregen. Es ist für viele schwer, einen Zugang zu Kunst zu finden und da ist diese Einbindung oder Aktivierung der betrachtenden Person vielleicht eine kleine Hilfe, um die Hemmschwelle zu senken und Denkprozesse anzuregen. Letztlich aber passiert Kunst in den Köpfen der Menschen beim Betrachten und jeder hat dann seine eigenen Assoziationen.
Kann man auch den eigenen Heimatort bei dir in Auftrag geben?
Selbstverständlich! Sehr gerne sogar. Auch für diese Ausstellung hatte ich Motivvorlagen von Freunden und Bekannten erhalten und ich freue mich natürlich auch über Anfragen zu neuen Themen und Inhalten. Ich versuche dabei, die Wünsche der Kunden genauso zu berücksichtigen, wie auch meine Entwicklung als Künstler im Auge zu behalten. Sozusagen eine Win-win-Situation.
Drotleffs Ausstellung wird am Freitag, den 22. Mai, um 20.00 Uhr im Kunstgewölbe des Spitalhof in Dinkelsbühl eröffnet. Die Schau ist am Samstag und Sonntag, den 23. und 24. Mai, jeweils von 9.00 bis 19.00 Uhr zu sehen. Der Künstler wird die meiste Zeit vor Ort sein.
Schlagwörter: Ausstellung, Heimattag 2026, Dinkelsbühl, Drotleff
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