8. November 2007

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Dieter Schlesak liest in München, Aachen, Stuttgart

Der siebenbürgische Autor Dieter Schlesak liest am Donnerstag, dem 22. November, um 19.00 Uhr, im Internationalen Begegnungszentrum der Wissenschaft (IBZ), Amalienstraße 38, in München aus seinem Roman „Capesius, der Auschwitzapotheker“. Die Einführung und Moderation übernimmt Dr. Peter Motzan. Veranstalter ist das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München in Zusammenarbeit mit dem Südostdeutsches Kulturwerk e. V. München.
Weitere Lesungen Schlesaks finden statt am 27. November, um 20 Uhr, im Institut Francais, Theaterstraße 67, in Aachen (Einführung: Prof. Dr. Jürgen Egyptien), sowie am 28. November, um 20 Uhr, im Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, anlässlich der Verleihung des Maria-Ensle-Preises 2007 (Moderation: Lerke von Saalfeld).

Dieter Schlesak, geb. 1934 in Schäßburg, studierte von 1954 bis 1959 Germanistik in Bukarest, wo er anschließend als Redakteur der deutschsprachigen Zeitschrift „Neue Literatur“ tätig war und frühzeitig als Wegbereiter einer ästhetischen Erneuerung der rumäniendeutschen Literatur in Erscheinung trat. 1969 kehrte er von einer Auslandsreise nicht mehr nach Rumänien zurück. Er lebt als freiberuflicher Schriftsteller in Stuttgart und Camaiore (Italien).

Im Pressetext zur Münchener Lesung heißt es: „Der Siebenbürger Sachse begreift sich als ein ‚Deutscher der dritten Art’, viele seiner Bücher umkreisen weggeschwiegene und verharmloste Verstrickungen seiner Herkunftsgemeinschaft, verarbeiten Traumata der eigenen Biografie. Risse und Sprünge haben sich in seine Texte eingeschrieben, die immer auch die Suche nach adäquaten Darstellungsformen für epochale Umbrüche und Identitätskrisen, für Abschieds- und Verlusterlebnisse thematisieren. Als Grenzgänger und ‚Zwischenschaftler’ bewegt sich Schlesak in mehreren Erkenntnisbereichen und Kulturräumen gleichsam auf eigenem Terrain – als Romancier, Diarist und Lyriker, als Essayist und Publizist, als Verfasser von Rundfunkfeatures und Hörspielen, von Aufsätzen über parapsychologische und psychiatrische Probleme, als Herausgeber und Übersetzer in Personalunion. Sein vielgestaltiges und umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet – zuletzt mit dem Maria-Ensle-Preis der Baden-Württembergischen Kunststiftung (2007).

Dieter Schlesaks ‚Capesius, der Auschwitzapotheker’ (2006), aus dem der Autor Fragmente vorlesen wird, ist ein erschütterndes zeitgeschichtliches Zeugnis von einzigartigem Authentizitätswert und ein literarisches Werk von Rang. Viktor Capesius (1907–1985), den Schlesak schon 1978 aufgesucht und befragt hatte, war Pharma-Vertreter der Firma Bayer und Apotheker in Schäßburg, danach Apotheker in der rumänischen Armee und vom Herbst 1943 bis zur Evakuierung des Lagers Leiter der SS-Apotheke in Auschwitz; dort beteiligte er sich aktiv an den Selektionen und schickte auch zahlreiche siebenbürgische Juden und ihre Familien, mit denen er gute Beziehungen unterhalten hatte, ins Gas. Nach dem Krieg arbeitete er als Apotheker in Göppingen, kam 1959 in Untersuchungshaft, wurde 1963 im Auschwitzprozess zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt, 1968 entlassen und war bis zu seinem Tod 1985 wieder als Apotheker in Göppingen tätig. Der Dokumentarroman, eine Collage aus Prozessaufzeichnungen, Gesprächsprotokollen, wissenschaftlicher Quelleninterpretation, subjektiven Reflexionen und literarisch-fiktionaler Erzählung, erkundet bislang kaum erforschte Aspekte des Täterhandelns im Nationalsozialismus und baut Brücken aus dem ‚Undenkbaren ins Erfahrbare’.“
Capesius, der Auschwitzapothek
Dieter Schlesak
Capesius, der Auschwitzapotheker

Dietz, J H
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Schlagwörter: Literatur, Lesungen, Schlesak, Motzan

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