10. August 2019

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Das Weinland ist immer eine Reise wert

Dass das Weinland immer eine Reise wert ist, davon konnten sich die Teilnehmer der Begegnungsfahrt „Die Siebenbürger Sachsen in Mediasch – gestern und heute“ überzeugen, die von der Regionalgruppe Mediasch und Umgebung des Verbandes der siebenbürgisch-sächsischen Heimatortsgemeinschaften vom 13. bis 20. Juli durchgeführt wurde. Die Fahrt war für Vertreter aus den Heimatortsgemeinschaften (HOG) angedacht, stand aber auch weiteren Interessierten offen.
Die Veranstaltung fand dankenswerterweise mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen der Maßnahmen der Vertriebenen zur Förderung des friedlichen Miteinanders mit den Völkern Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas statt. An der Fahrt beteiligten sich Vertreter aus den HOG Baaßen, Mardisch, Mediasch, Reichesdorf, Tobsdorf und Wurmloch. Demzufolge wurde auch der Fokus auf Besuche und Begegnungen in diesen Orten gelegt.

Im Weinkeller des Mediascher Hotels Traube wurden die Teilnehmer durch die Organisatorin der Fahrt, Heike Mai-Lehni, stellvertretende Leiterin der Regionalgruppe Mediasch und Umgebung, begrüßt. Alfred Gökeler, Regionalgruppenleiter und Vorsitzender der HG Mediasch, stellte seine „Herzensstadt“ vor. Mediasch ist bekanntlich das Zentrum des Weinlandes in Siebenbürgen. Dass dem Weinbau in der Region eine neue Chance gegeben wird, zeigte der Mediascher Unternehmer Octavian Isăilă, der die früheren sächsischen Weingüter Caspari und Ambrosi zu neuem Glanz bringen möchte. Der Mediascher Museologe Viorel Ştefu zeigte uns seine Heimatstadt bei einem größeren Stadtrundgang, während der Presbyter Lutz Connert nach dem sonntäglichen Gottesdienst durch die Margarethenkirche im Mediascher Kirchenkastell führte. Die Teilnehmer der Begegnungsfahrt im Hof des ...Die Teilnehmer der Begegnungsfahrt im Hof des Reichesdorfer Kurators Johann Schaas (Bildmitte). Foto: Heike Mai-Lehni Eine Begegnung mit Bürgermeister Gheorghe Roman, Vizebürgermeisterin Christine Thellmann und der Kultur- und Tourismusverantwortlichen Elena Juga Saigo führte zu einer regen Diskussion u.a. rund um die Themen Zusammenarbeit mit der deutschen Minderheit, der evangelischen Kirche und der Heimatgemeinschaft Mediasch, die Romaproblematik, die geplante Städtepartnerschaft mit Wittenberg oder die Stadt an der Großen Kokel als heutiger Wirtschaftsstandort. Führungen durch das Stephan-Ludwig-Roth-Gedenkhaus, das Hermann-Oberth-Gedenkhaus und der Besuch des Grabmals von Stephan Ludwig Roth auf dem evangelischen Friedhof komplettierten den Besuch der Stadt Mediasch.

Zum ersten Mal überhaupt in dieser größeren Runde fand ein Gespräch mit den Vertretern des Bezirkskonsistoriums des Mediascher evangelischen Kirchenbezirks statt. Das große Thema hier war die Friedhofspflege, die in vielen Gemeinden von den HOG übernommen wird und aus deren Sicht einer zentralen Lösung bedarf. Der Erhalt der rund 45 Kirchen in dem rund 1500 Seelen zählenden Kirchenbezirk war das andere große Thema. Bedrückend ist die Tatsache, dass rund ein Dutzend dieser Kirchen aufgegeben werden muss. Auch wenn man jede einzelne Kirche oder Kirchenburg erhalten will, es ist den HOG-Vertretern klar, dass dieses langfristig nicht gelingen wird und Prioritäten zu setzen sind. Ein positives Beispiel ist der Fall Mardisch, dessen Kirchenburg auch auf dieser Liste steht, hier aber mittlerweile die HOG Mardisch mit Hilfe verschiedener Unterstützer eine Sanierung der Kirche durchgeführt hat. Der Mediascher Presbyter Erich Popescu führte zum Abschluss aus, dass auch für ihn vieles neu war in diesem ausführlichen Gespräch, vor allem die unterschiedliche Situation in den umliegenden Dörfern. Vor der Rakete im Hof des Hermann-Oberth ...Vor der Rakete im Hof des Hermann-Oberth-Gedenkhauses in Mediasch. Foto: Heike Mai-Lehni Die Besuche in den an der Fahrt beteiligten Gemeinden waren alle sehens- und erlebenswert: der Empfang mit Hanklich, Striezel und Wein in der Kirchenburg in Baaßen, das kleine Orgelkonzert mit Edith Toth in der Baaßener Kirche, die Führung des Reichesdorfer Originals Hans Schaas durch seine Reichesdorfer Kirche, die Begegnung mit sächsischen Vertretern der Adventistengemeinde in Tobsdorf, die Pferdewagenfahrt von Mardisch nach Martinsdorf oder der musikalische Vortrag des „Wurmlocher Heimatliedes“ im Hof der Kirchenburg von Wurmloch sind nur einige Beispiele. Zu den einzelnen Orten wurden jeweils kurze Vorträge zur Geschichte und der heutigen Lage des Dorfes gehalten, ebenso fehlten nicht ein kurzer Rundgang durch die Dörfer und der Besuch der jeweiligen evangelischen Friedhöfe. Sehr interessant waren alle Gespräche mit den sächsischen und rumänischen Bewohnern der besuchten Orte.

Ein besonderes Highlight war der Besuch in Kleinschenk bei Carmen Schuster, die den Verein „Contrafort“ und dessen Projekte vorstellte. Auch wenn dieser Ort außerhalb des Mediascher Kirchenbezirks liegt, war es den Organisatoren der Fahrt wichtig, zu zeigen, was aus Kirchenburg, Schule und Pfarrhaus gemacht werden kann. Auch die Traktorfahrt in das fast aufgegebene Dorf Engenthal und das Gespräch mit dem dortigen Künstler Tara waren die Strapazen wert. Eine Führung durch das kirchliche Altenheim in Hetzeldorf sollte bei jedem Besuch in dieser Region ein Muss sein. Es ist beachtenswert, wie die Heimbewohner in den täglichen Ablauf mit einbezogen werden. Jeder kann mitmachen, sofern es seine Kräfte zulassen. Damit bewahren sie sich ein Stück Alltag und Heimat, so wie sie es von zu Hause gewohnt sind.

Einen traurigen Anblick bot die Kirchenburg in Wölz, wo vor bald 20 Jahren ein Teil der Kirche eingestürzt ist. Auch dieses ist die heutige Realität in Siebenbürgen. Besuche in den Kirchenburgen Almen, Großkopisch, Birthälm, Frauendorf und Pretai, in der Jugendbauhütte sowie ein kurzer Abstecher in das Roma-Viertel in Pretai vervollständigten das umfangreiche Besuchsprogramm. Höhepunkt und Abschluss der Reise war der Empfang durch Bischof Reinhart Guib im Bischofshaus in Hermannstadt. Bischof Guib und Hauptanwalt Friedrich Gunesch würdigten den Einsatz der Heimatortsgemeinschaften als einen wichtigen Partner der klein gewordenen Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. In Hermannstadt wurde auch das Landeskirchliche Museum im Teutsch-Haus besucht. Gerhild Rudolf führte kompetent durch das sehr sehenswerte Museum, das einen tollen Gesamtüberblick über die Siebenbürger Sachsen und ihre evangelische Kirche bietet. Beim Gespräch mit Bischof Reinhart Guib (ganz ...Beim Gespräch mit Bischof Reinhart Guib (ganz links) im Hermannstädter Bischofshaus. Die Reise nach Mediasch und Umgebung war nach Meinung der Teilnehmer sehr gelungen. Man hat viel erlebt und gesehen, viele gute Gespräche geführt und Begegnungen gehabt und vor allem wurde der Zusammenhalt innerhalb der Regionalgruppe mit dieser Reise gestärkt. Darauf kann man in der weiteren gemeinsamen Arbeit aufbauen.

Rainer Lehni

Schlagwörter: Reisen, Reisebericht, Mediasch, HOG

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