25. August 2026
Bogeschdorfer Kulturtage: Wenn Heimat über Grenzen hinweg verbindet
Zweites Kultur- und Weinfest in Bogeschdorf/Băgaciu bringt Siebenbürger Sachsen, Rumänen, Ungarn und Roma zusammen. Wo einst die sächsische Dorfgemeinschaft das Ortsbild prägte, erklangen am 1. und 2. August wieder Musik, Tanz und fröhliche Stimmen. Die zweiten Bogeschdorfer Kulturtage knüpften an den großen Erfolg der ersten Veranstaltung im Jahr 2025 an und machten Bogeschdorf erneut zu einem Treffpunkt für Menschen aus Siebenbürgen, Deutschland und darüber hinaus.

Idyllische Abendkulisse bei Weinverkostung
Eine idyllische Abendkulisse bot sich den Teilnehmern am Freitagabend hoch oben im Weinberg am Waldesrand. Die Familien Gaber und Fülöp hatten zu einer Weinverkostung eingeladen. Bei Live-Musik und gutem Essen konnten die Gäste verschiedene Weinsorten aus eigenem Anbau probieren.Helmuth Gaber nutzte die Gelegenheit, über die Geschichte des Weinbergs zu erzählen, der in Bogeschdorf auf eine lange Tradition zurückblickt. Auf Drängen seines Vaters kaufte er das durch die Auswanderung verlorene Land wieder auf und belebte so den sächsischen Weinbau und die Biolandwirtschaft. „Schließ die Augen und du riechst Siebenbürgen“, ermunterte Gaber die Zuhörer. Inzwischen sind viele Weißweine von „Terra Regis“ mehrfach prämiert. Sohn Konstantin hat im letzten Jahr vor Ort die Geschicke des Weinbergs und der Landwirtschaft geleitet. Nun haben sich die Familien Gaber mit László und Zoltan Fülöp zu einer gemeinsamen Kooperation zusammengeschlossen.
Begegnung als tragende Idee
Zur Eröffnung am Samstagmittag waren zahlreiche Besucher sowie Vertreter aus Politik und Gesellschaft gekommen. So konnten Helmuth Gaber und László Fülöp, sichtlich erfreut, für ein Grußwort auf die Bühne bitten: Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, die rumänische Parlamentsabgeordnete Dumitrița Gliga, die Bürgermeister von Bogeschdorf und Gallendorf, sowie den Landesvorsitzenden der Siebenbürger Sachsen in Bayern, Manfred Binder. Helmuth Gaber betonte in der Begrüßung: „Wir feiern das Leben, den gegenseitigen Respekt und die Liebe zu dieser Tradition…“Dr. Bernd Fabritius überbrachte Grüße von Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Fabritius hob die verbindende Kraft der Kulturtage hervor. Das Fest bringe die Angehörigen der deutschen Minderheit in Rumänien mit den nach Deutschland ausgesiedelten Siebenbürger Sachsen sowie mit Freunden aus Rumänien, Deutschland und ganz Europa zusammen. Besonders würdigte er den unternehmerischen Mut der Familie Gaber, die Tradition, Gemeinschaft und Zukunftsperspektiven miteinander verbinde. Damit wurde auch die eigentliche Botschaft der Veranstaltung sichtbar: Heimat kann bewahrt werden, ohne sich abzuschotten. Sie kann offen sein für Begegnung, für andere Kulturen und für eine gemeinsame Zukunft.
Siebenbürgische Vielfalt auf der Bühne
Das Programm spiegelte die ethnische und kulturelle Vielfalt der Region wider. Siebenbürgisch-sächsische Tanzgruppen aus Sächsisch-Regen, Schäßburg und Hermannstadt zeigten traditionelle Tänze in ihren festlichen Trachten. Dazu kamen ungarische und rumänische Volkstanzgruppen. Musikalisch sorgte am Samstag die Petersdorfer Blaskapelle für Stimmung. Am Sonntag übernahm die Dorfkapelle die musikalische Begleitung.
Wein und siebenbürgische Gastfreundschaft
Natürlich durfte bei diesem Fest in Bogeschdorf der Wein nicht fehlen, der zur Hanklich und zu gutem Essen, das in riesigen Kupferkesseln gekocht wurde. Damit verband das Fest zwei wichtige Seiten der siebenbürgischen Identität, die seit jeher zusammengehören: die Kultur und die Gastfreundschaft.Glockenläuten und Trachtenzug
Am Sonntagvormittag riefen die Glocken der evangelischen Kirche zum zweisprachigen Gottesdienst in die Bogeschdorfer Kirche, wo nur noch selten Gottesdienst gefeiert wird. Pfarrer Mihai Udrea aus Mediasch begrüßte die Gemeinde und Gäste. Zweisprachig erzählte er in der Predigt vom Gleichnis des Perlenhändlers aus Matthäus 13. In den Genuss einer sächsischen Predigt kamen wir durch den Regionalbischof des Sprengels von Magdeburg, Dr. Johann Schneider. Der aus Meschen stammende Pfarrer und seine Frau, ebenfalls Pfarrerin, befanden sich gerade im Urlaub in Siebenbürgen. Schneider erzählte vom Propheten Jeremia aus Lukas, 12, warnte vor falscher Sicherheit und ermutigte, den eingeschlagenen Weg ernst zu nehmen.
Ein Fest mit Blick nach vorn
Die Bogeschdorfer Kulturtage verdeutlichten, dass kulturelle Identität auch unter veränderten historischen Bedingungen lebendig bleiben kann. Die Kirchenburg, die Trachten, die Tänze, die Musik und der Wein erzählten von einer langen Geschichte. Die Begegnungen auf der Dorfstraße und am Festplatz erzählten zugleich von der Gegenwart – und vielleicht noch stärker von der Zukunft. Dank der finanziellen Unterstützung, die von Dr. Bernd Fabritius koordiniert wurde, wurde das Fest auch 2026 ermöglicht.Was in Bogeschdorf an diesen beiden Augusttagen zu erleben war, lässt sich deshalb treffend als gelebte siebenbürgische Verbundenheit beschreiben. Menschen, die heute in Rumänien leben, Menschen, deren Familien einst aus Siebenbürgen nach Deutschland ausgesiedelt sind, und Freunde der siebenbürgischen Kultur fanden zusammen.
Bogeschdorf hat damit erneut gezeigt: Heimat ist nicht nur ein Ort, an den man zurückkehrt. Heimat ist auch das, was Menschen gemeinsam bewahren, weitergeben und immer wieder neu mit Leben erfüllen.
Ingeborg Binder
Schlagwörter: Bogeschdorf, Kulturtage, Weinfest
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