3. September 2026

Sehnsucht verbindet: Die Kulturwoche Haferland 2026

Vom 6. bis 9. August fand die nun bereits 14. Haferlandwoche statt. In zehn siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften – Arkeden, Radeln, Deutsch-Kreuz, Deutsch-Weißkirch, Keisd, Meschendorf, Bodendorf, Klosdorf, Reps und Hamruden – brachten mehr als 60 Veranstaltungen Menschen aus Rumänien, Deutschland und vielen anderen Ländern zusammen. Die von der Michael Schmidt Stiftung und der Peter Maffay Stiftung ins Leben gerufene Kulturwoche hat sich zu einem bedeutenden Treffpunkt der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft in Siebenbürgen und darüber hinaus entwickelt. Die „Sehnsucht nach Siebenbürgen“, so das diesjährige Motto, wurde zum verbindenden Gefühl einer Kulturwoche, die Erinnerungen wachhielt, Begegnungen schuf und den Blick zugleich nach vorne richtete.
Die Projektgruppe Haferland gemeinsam mit ...
Die Projektgruppe Haferland gemeinsam mit Ehrengästen vor der Kirchenburg in Deutsch-Kreuz, in der Mitte, von links: Adriana Sta˘nescu, Stephan Mayer, MdB, Michael Schmidt, Dr. Bernd Fabritius, Nadia Comăneci. Foto: Michael Schmidt Stiftung
Unter der Schirmherrschaft von Senatspräsident Mircea Abrudean und der ehemaligen Weltklasse-Kunstturnerin Nadia Comăneci wurde die Vielfalt des siebenbürgischen Kulturerbes gefeiert. Eröffnet wurde die Kulturwoche traditionell in Arkeden durch Michael Schmidt. Zum Motto sagte Schmidt: „Für mich bedeutet Sehnsucht nicht nur, einen Ort zu vermissen. Es bedeutet, einen Grund zu haben, wiederzukommen.“ Damit war ein Gedanke formuliert, der die gesamte Kulturwoche prägte: die Sehnsucht als Kraft, die Menschen an einen Ort, an ihre Geschichte und an ihre Wurzeln zurückführt.

Auch Caroline Fernolend, Vorsitzende des Mihai Eminescu Trust, sprach in ihrer Begrüßung über die unterschiedlichen Formen von Sehnsucht. Offen erzählte sie von der tiefen Sehnsucht nach ihrer verstorbenen Mutter – und machte damit deutlich, dass Sehnsucht nicht allein mit einem geografischen Ort verbunden ist. Sie kann ebenso die Erinnerung an Menschen, an eine Kindheit oder an eine verlorene Zeit bewahren.

Diese persönlichen Erinnerungen fanden in der Kulturwoche immer wieder eine Verbindung zur Geschichte Siebenbürgens. Ausstellungen, Führungen, Theater, Handwerksworkshops, Musik und Tanz sowie Gottesdienste machten Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar erlebbar. Blaskapellen aus Deutschland – darunter der „Original Karpaten-Express“ aus Stuttgart, die „Siebenbürger Trachtenkapelle Göppingen“ und die „Siebenbürger Blaskapelle Augsburg“ – sorgten in den Dörfern für stimmungsvolle musikalische Begegnungen. Sächsische und rumänische Tanzgruppen, Kindertheater und viele weitere Künstler machten die Kulturwoche zu einem Fest für Jung und Alt.

Besonders dort, wo Tradition nicht nur betrachtet, sondern selbst gelebt wurde, wurde die Sehnsucht nach Siebenbürgen greifbar. Ein Höhepunkt war in Deutsch-Kreuz die Darstellung einer traditionellen siebenbürgisch-sächsischen Hochzeit durch die Projektgruppe Haferland. Gleich zwei „Brautpaare“ – eines für Stolzenburg und eines für Deutsch-Kreuz – stellten diesen schönen Brauch vor. Gemeinsam mit Musikern und Trachtenträgern wurde altes Brauchtum eindrucksvoll zum Leben erweckt.

Auch die Umzüge in Deutsch-Kreuz und Radeln, das Konzert von Luiza Zan in der Festung Reps in der Abenddämmerung sowie die Ausstellung „Agapi, ein halbes Jahrhundert der Liebe“ der Künstlerin Kira Hagi fanden großen Anklang. Hagi erzählt von der Sehnsucht nach ihrer Familie und ihren Großeltern und thematisiert das Haus als Ort der Erinnerung und der Kontinuität.

Auch die Geschichte selbst wurde zum Anlass, über Verbundenheit und Wandel nachzudenken. Thomas Şindilariu, Unterstaatssekretär im Departement für Interethnische Beziehungen der Regierung Rumäniens, eröffnete in Deutsch-Kreuz die Ausstellung „Zeitwende 1526: Zäsur und Chance“. Auf fünf Tafeln wurde anschaulich dargestellt, wie eng die Länder Mitteleuropas damals miteinander verbunden waren und welche weitreichenden politischen Folgen die Niederlage in der Schlacht bei Mohács am 29. August 1526 hatte. Die Ausstellung erinnerte daran, dass Siebenbürgen immer Teil größerer europäischer Zusammenhänge war und dass seine Geschichte bis heute Menschen über Grenzen hinweg verbindet.

Besonders eindrucksvoll waren die zahlreichen Angebote, bei denen Tradition erlebt werden konnte. Workshops mit Wolle, Ton und Holz vermittelten Kindern und Erwachsenen traditionelle Handwerkstechniken. Die Kirchenburgen und Wehrkirchen rückten als einzigartige Zeugnisse siebenbürgischer Geschichte und Glaubenstradition in den Mittelpunkt. Wer hier selbst Hand anlegte, tanzte, musizierte oder durch eine Kirchenburg ging, begegnete dem kulturellen Erbe als etwas Lebendigem.

Und die Sehnsucht nach Siebenbürgen bedeutete im Haferland 2026 auch, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Der Austausch über die weitere Entwicklung der Region kam deshalb nicht zu kurz. Das Rumänisch-Deutsche Forum für bilaterale Kooperation widmete sich dem Thema „Kulturerbe, Exzellenz und gemeinsame Entwicklung – neue Perspektiven der Zusammenarbeit in einer Welt des Wandels“. Damit wurde deutlich: Wer sich einer Region verbunden fühlt, möchte nicht nur ihre Vergangenheit bewahren, sondern auch an ihrer Zukunft mitwirken.

Am Sonntag, dem 9. August, stand Deutsch-Kreuz im Mittelpunkt der Kulturwoche. Die evangelische Kirche erstrahlt dank der Michael Schmidt Stiftung, mit Beteiligung des Mihai Eminescu Trusts, in neuem Glanz. Die Glocken der evangelischen Kirche hatten zum Gottesdienst mit Bischof Reinhart Guib, Bischofsvikar Daniel Zikeli und Pfarrerin Christiane Schöll gerufen. Bischof Guib zitierte in seiner Predigt den Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Zur Wiedereinweihung versammelten sich so viele Menschen, dass einige den Gottesdienst auf Bildschirmen im Innenhof der Kirchenburg verfolgen mussten.

In der frisch renovierten Kirche von Deutsch ...
In der frisch renovierten Kirche von Deutsch-Kreuz führte die Projektgruppe Haferland den Hochzeitsbrauch vor. Foto: Heidi Mößner
Vielleicht zeigte sich hier am deutlichsten, was „Sehnsucht nach Siebenbürgen“ im Kern bedeuten kann: Menschen kehren zurück, um sich zu erinnern, um Gemeinschaft zu erleben und um das, was ihnen wichtig ist, zu bewahren. Gleichzeitig öffnen sie diese Orte für andere und geben Geschichte, Glauben und Tradition an die nächste Generation weiter. Deutsch-Kreuz wurde damit nicht nur zum Schauplatz einer gelungenen Kirchenrenovierung, sondern auch zu einem eindrucksvollen Ort der Begegnung und des gemeinsamen Feierns verschiedener Kulturen und Konfessionen. So begegneten sich hier viele Gäste und Ehrengäste, darunter Ulla Krauss-Nussbaumer, Österreichs Botschafterin in Bukarest, Gabriel Bologan, Botschafter Rumäniens beim Heiligen Stuhl (Vatikan), Stephan Mayer, MdB, BdV-Präsident, Dr. Radu Nebert, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, Roxana Pălășan, Bürgermeisterin von Bodendorf, Dr. Lior Ben Dor, Israels Botschafter in Bukarest, Astrid Fodor, Hermannstädter Bürgermeisterin, Senatspräsident Mircea Abrudean, Rainer Lehni, Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Nadia Comăneci, Emil Hurezenanu, Außenminister a.D., Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Adriana Stănescu, Botschafterin von Rumänien in Berlin, Dr. Christoph Hammer, Oberbürgermeister der Stadt Dinkelsbühl, Oana Krichbaum, Gunther Krichbaum, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Angela Ganninger, Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest, Dr. Florin Sabou, Vorsitzender des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Nordtransilvanien, u.a.

Im Anschluss an den Gottesdienst folgten, moderiert von Andreea Marin, die Ansprachen der Ehrengäste. Das Motto der Kulturwoche Haferland, „Sehnsucht nach Siebenbürgen“, aufgreifend, sprach Michael Schmidt über die Bedeutung von Heimat, Gemeinschaft und kulturellem Erbe. „Für mich bedeutet Sehnsucht nicht nur, einen Ort zu vermissen. Es bedeutet, einen Grund zu haben, wiederzukommen. Es bedeutet die Verbindung zu den Menschen, zu den Werten und zum Kulturerbe, die dieser Gemeinschaft ihre Identität verleiht.“ Schmidt betonte, dass seine Stiftung auch künftig in Kultur, Bildung und Kulturerbe investieren und damit insbesondere junge Generationen erreichen wolle. „Denn dieses Erbe hält uns nicht auf, sondern weist uns den Weg in die Zukunft.“ Die besondere Verbundenheit, die in der Kulturwoche spürbar werde, zeige sich für ihn auch in einem einfachen Satz zum Abschied: „Wenn wir uns beim Abschied einfach sagen: ‚Wir sehen uns nächstes Jahr wieder‘, dann bedeutet das, dass das Haferland einen Platz in euren Herzen gefunden hat.“ Nadia Comăneci: „Was gibt es Schöneres, als seine Wurzeln bei sich zu haben?“

Auch Nadia Comăneci stellte die Bedeutung von Wurzeln und Gemeinschaft in den Mittelpunkt. „Was gibt es Schöneres, als seine Wurzeln bei sich zu haben? Denn genau darum geht es im Haferland – um Wurzeln, um Traditionen“, sagte sie. Beeindruckt zeigte sie sich vor allem von der Atmosphäre und der internationalen Zusammensetzung der Teilnehmer: „Hier habe ich das Gefühl, wir wären bei der Eröffnung der Olympischen Spiele. Es sind so viele Menschen von überall hergekommen! Und alle unterhalten sich miteinander.“ Großes Interesse beim Publikum weckte zudem ein kurzer Ausschnitt aus Tudor Giurgius Dokumentarfilm „Nadia. The Perfect Ten“ („Nadia. Die perfekte Zehn“). Der Film befindet sich noch in Arbeit und soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden. Die Anwesenheit von Nadia Comăneci unterstrich zugleich die über die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft hinaus reichende Bedeutung der Kulturwoche als Ort des deutsch-rumänischen Austauschs.

Mircea Abrudean: „Das Kulturerbe lebt durch die Menschen“

Auch Mircea Abrudean, Präsident des rumänischen Senats, hob in seiner Rede die verbindende Kraft der Kulturwoche hervor. Seine persönliche Beziehung zu Siebenbürgen beschrieb er mit den Worten: „Ich kehre hierher zurück, ins Herz von Siebenbürgen, in meine Heimat, stets voller Freude und mit dem Gefühl, an einen Ort zurückzukehren, an dem die Zeit das bewahrt, was unsere Kultur am wertvollsten macht: die Traditionen und die Liebe zum Vaterland.“ Die Kulturwoche Haferland sei längst mehr als ein Kulturfestival, betonte Abrudean. Sie sei „ein Versprechen, das Jahr für Jahr eingehalten wird, und ein lebendiges Symbol für den Dialog zwischen Gemeinschaften, Kulturen und Generationen“. Abrudean verwies auf die Bedeutung eines lebendigen Kulturerbes: „Das Kulturerbe besteht nicht nur aus Mauern, Türmen oder befestigten Kirchen, das Kulturerbe lebt durch die Menschen.“ Gerade diese Verbindung zwischen Menschen und ihrem kulturellen Erbe mache Siebenbürgen zu einem europäischen Beispiel für kulturelle Vielfalt und Harmonie.

Emil Hurezeanu: „Eine Insel der Hoffnung und der Verbundenheit“

Emil Hurezeanu, Präsident des Deutsch-Rumänischen Forums für bilaterale Zusammenarbeit und Befürworter der von der Michael Schmidt Stiftung durchgeführten Programme, betonte ebenfalls die verbindende Kraft der Kulturwoche. „Und auch SIE haben uns gefehlt, und WIR haben ihnen gefehlt. Nun treffen wir uns wieder; wir waren nur wenige, und es ist gut, dass unsere Zahl wächst.“ Für Hurezeanu liegt die besondere Bedeutung eines solchen Treffens darin, „die Wahrheit wiederherzustellen“ – eine Wahrheit, die in der Nähe zueinander, im Wiederentdecken und in der persönlichen Begegnung zwischen Menschen liege. „Nur die Menschen tragen die Wahrheit in sich, nicht die Staaten, nicht die Institutionen.“ Zugleich bezeichnete der ehemalige Außenminister die Begegnung als eine Art „Revanche der freien Menschen von heute“: der Siebenbürger Sachsen, die zurückkehren können, der Rumänen, die frei reisen können, und all jener, die kommen und gehen können, „wann und wie wir wollen“. Diese Gemeinschaft sei darüber hinaus „auch eine Form des Überlebens“. Hurezeanu beschrieb sie als eine „Insel der Hoffnung und der Verbundenheit“ inmitten einer aufgewühlten Welt, die von Konflikten und Bedrohungen geprägt sei.
Gastgeber und Ehrengäste der Haferlandwoche am 9. ...
Gastgeber und Ehrengäste der Haferlandwoche am 9. August in Deutsch-Kreuz, von links nach rechts: Bischof Reinhart Guib, Ulla Krauss-Nussbaumer, Gabriel Bologan, Stephan Mayer, Dr. Radu Nebert, Roxana Pa˘la˘s¸an, Dr. Lior Ben Dor, Astrid Fodor, Mircea Abrudean, Rainer Lehni, Nadia Coma˘neci, Emil Hurezeanu, Michael Schmidt, Mihai Covaliu, Dr. Bernd Fabritius, Adriana Sta˘nescu, Botschafterin, Andreea Marin, Dr. Christoph Hammer, Oana und Gunther Krichbaum, Angela Ganninger. Foto: Michael Schmidt Stiftung
„Wir sind an diesem Sonntag in Deutsch-Kreuz ruhig und wissen, dass wir wieder in unruhige und dunkle Gefilde aufbrechen werden. Aber wir wissen auch, dass wir jedes Mal an diesen sicheren Ort zurückkehren“, sagte Hurezeanu. Die Kulturwoche trage dazu bei, die Verbindungen der Siebenbürger Sachsen zu ihrer historischen Heimat neu zu beleben und zugleich eine „normale Verbindung zu unserer Vergangenheit“ wiederherzustellen. Diese Verbindung werde in der Gegenwart gebraucht – und vor allem die Kraft und Prägung, die aus der Vergangenheit gewonnen werden, um sie in die Zukunft weiterzutragen.

Bernd Fabritius: „Aus Verbundenheit entsteht Zukunft“

Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, unterstrich die gemeinschaftsstiftende Bedeutung der Kulturwoche und des diesjährigen Mottos „Sehnsucht nach Siebenbürgen“. Dieses Motto, so Fabritius, „beschreibt ein Gefühl, das viele Siebenbürger Sachsen über Generationen und Grenzen hinweg verbindet. Die Haferlandwoche bringt Menschen zusammen und schafft Begegnung.“ Kultur bleibe vor allem durch die Menschen lebendig, die sie pflegen, weitergeben und miteinander teilen. In Haferland begegneten sich Menschen, die heute in Siebenbürgen leben, Menschen, deren Familien aus der Region stammen, und Menschen, die Siebenbürgen neu entdecken.

Gerade diese Begegnungen seien von besonderer Bedeutung. „Solche Begegnungen schaffen Verbundenheit – und aus Verbundenheit entsteht Zukunft“, so Fabritius. Damit schließe sich der Kreis zum Leitgedanken der Kulturwoche: „Sehnsucht nach Siebenbürgen“ bedeute nicht nur, sich nach einer vergangenen Heimat zu sehnen, sondern auch zurückzukehren, Wurzeln wiederzuentdecken, Begegnungen zu ermöglichen und das kulturelle Erbe gemeinsam in die Zukunft zu tragen.

Projektgruppe Haferland

2026 jährt sich zum fünften Mal die erfolgreiche Zusammenarbeit der Kulturwoche Haferland mit der Projektgruppe Haferland und dem Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen. Auch in diesem Jahr bereicherte die Projektgruppe das kulturelle Programm mit einer starken Tanzgruppe unter der Leitung von Astrid Göddert und einer ebenso engagierten Blaskapelle unter der Leitung von Gerhard Weber. Mit ihren farbenprächtigen Trachten, ihrem musikalischen Können und anspruchsvollen Darbietungen begeisterten die Gruppen bei ihren zahlreichen Auftritten und ernteten großen Zuspruch.

Besonders die zahlreichen Jugendlichen in der Tanzgruppe sorgten mit ihrer Energie und positiven Ausstrahlung für Begeisterung. Eine besondere Stärke der Gruppe ist ihr generationenübergreifender Charakter: Drei Generationen tanzen gemeinsam – ein heute seltenes und zugleich eindrucksvolles Zeichen gelebter Tradition und Verbundenheit.

Ihren ersten Auftritt hatte die Projektgruppe in Bodendorf. In der Kirchenburg begrüßte der stellvertretende Bundesvorsitzende Werner Kloos, der die Gruppe initiiert hatte, die zahlreichen Gäste. Dabei stellte er die verbindenden Werte der Haferlandwoche in den Mittelpunkt: „Wir feiern das Leben, die Familie und die Tradition des Haferlandes.“

Manfred Binder, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern, überbrachte die Grüße des Landesverbandes und betonte die besondere Bedeutung der Kulturwoche: „Die Kulturwoche Haferland ist zu einem Symbol der Begegnung geworden. Sie verbindet Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft und zeigt, dass Tradition und Zukunft kein Widerspruch sind.“ Zugleich wünschte er der Kulturwoche, sie möge auch in diesem Jahr „ein starkes Zeichen für den Erhalt unseres gemeinsamen kulturellen Erbes und für die Verbundenheit der Siebenbürger Sachsen“ setzen.
Aufstellung zum großen Umzug in Radeln. Foto: ...
Aufstellung zum großen Umzug in Radeln. Foto: Michael Schmidt Stiftung
Mit großem Einsatz reisten Tänzer und Musikanten während der gesamten Kulturwoche von Ort zu Ort. Auf dem Programm standen Auftritte in Bodendorf, Meschendorf, Reps, Radeln und Deutsch-Kreuz. So wurde die Projektgruppe zu einem festen Bestandteil des kulturellen Geschehens und brachte mit Musik, Tanz und Trachten die Tradition des Haferlandes unmittelbar zu den Menschen.

Höhepunkte waren die beiden großen Umzüge in Radeln und Deutsch-Kreuz, an denen sich die Projektgruppe Haferland zusammen mit dem Original Karpaten-Express und der Siebenbürger Trachtenkapelle Göppingen beteiligte. Gemeinsam entstand ein eindrucksvolles Bild gelebter siebenbürgischer Kultur, bei dem Musik, Tanz und Tracht zu einer gemeinsamen Sprache wurden. Sicher wird vielen Teilnehmern auch der Auftritt in der Repser Burg noch lange in Erinnerung bleiben. In der Abenddämmerung tauchte eine außergewöhnliche Beleuchtung die historische Kulisse in eine geradezu traumhafte Atmosphäre. Vor dieser eindrucksvollen Kulisse verbanden sich Musik, Tanz und Tracht zu einem besonderen Erlebnis. In solchen Momenten wurde die „Sehnsucht nach Siebenbürgen“ unmittelbar spürbar: in der Freude am Wiedersehen, in der Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln und in der gemeinsamen Pflege einer lebendigen Kultur.

Die Auftritte der Projektgruppe zeigten zugleich, dass Tradition nicht allein in der Erinnerung bewahrt wird. Sie lebt dort weiter, wo Menschen sie gemeinsam praktizieren, weitergeben und mit neuen Generationen teilen. Dass Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern gemeinsam tanzen und musizieren, ist dafür ein besonders schönes Beispiel. So wurde die Haferlandwoche 2026 weit mehr als ein Rückblick auf vergangene Zeiten. Sie machte sichtbar, dass Kultur Menschen zusammenführen, Brücken bauen und Gemeinschaft über Grenzen hinweg stärken kann. Damit schließt sich auch bei der Projektgruppe Haferland der rote Faden des Mottos: Die „Sehnsucht nach Siebenbürgen“ ist nicht nur die Sehnsucht nach einem Ort oder einer vergangenen Zeit. Sie zeigt sich in der Rückkehr, in der Begegnung, im gemeinsamen Tanzen und Musizieren – und vor allem in dem Wunsch, das, was die eigene Identität geprägt hat, lebendig zu halten und weiterzugeben.

Die Kulturwoche Haferland 2026 hat gezeigt: Sehnsucht nach Siebenbürgen bedeutet nicht allein, einer vergangenen Heimat nachzutrauern. Sie bedeutet, zurückzukehren, Erinnerungen zu teilen, Traditionen lebendig zu halten und gemeinsam neue Perspektiven zu schaffen. Aus Sehnsucht kann so Begegnung werden – und aus Begegnung Zukunft.

Ingeborg Binder

Schlagwörter: Kulturwoche, Haferland, Deutsch-Kreuz, Michael Schmidt Stiftung, Bernd Fabritius

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