20. Mai 2013

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Heimattag in Dinkelsbühl: Siebenbürger Sachsen bringen ihre Gestaltungskraft ein

„Bayern wäre nicht das Land, das es heute ist, ohne Siebenbürger Sachsen und ohne Heimatvertriebene“, sagte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen am 19. Mai in Dinkelsbühl. Der Freistaat Bayern habe sich von einem armen zu einem „Top-Land“ für ganz Euro entwickelt. Seehofer würdigte den großen Beitrag der Heimatvertriebenen zu diesem „Gemeinschaftswerk aller Stämme Bayerns“. Vor der Festkundgebung am Pfingstsonntagnachmittag fand ein beeindruckender Festumzug von 2.700 siebenbürgisch-sächsischen Trachtenträgern durch die mittelalterlichen Straßen der Stadt Dinkelsbühl statt. Gegen Ende des Festumzuges setzte der Regen ein, der dazu führte, dass die Festreden kurz ausfielen.
Den Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation, den die bayerische Staatsregierung vier Tage zuvor beschlossen hatte, wolle man gemeinsam mit der Jugend, die beim Festumzug in Dinkelsbühl in großer Zahl vertreten gewesen sei, gestalten, sagte Horst Seehofer. Aus diesem Gedenken, aus dem Blick in die Vergangenheit, erwachse die Verpflichtung für die Zukunft, dass sich Vertreibung und Flucht in Zukunft nicht wiederholen dürften, sagte der CSU-Vorsitzende. Die Anwesenheit des rumänischen Außenministers in Dinkelsbühl begrüßte Seehofer er als „ein Beispiel für europäische Verbundenheit, Dialog, Freundschaft und Partnerschaft“.




Ministerpräsident Horst Seehofer während der ...Ministerpräsident Horst Seehofer während der Festrede in Dinkelsbühl. Foto: Sieglinde SchusterDer rumänische Außenminister Titus Corlăţean dankte dem Verband der Siebenbürger Sachsen dafür, dass er das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe in Deutschland und in Siebenbürgen am Leben halte. Er dankte für die Worte des bayerischen Ministerpräsidenten und bekannte sich als Minister der rumänischen Regierung seinerseits zu der großartigen Kultur der Siebenbürger Sachsen: „Nicht nur Sie, die Siebenbürger Sachsen, haben eine große Verantwortung, diese Traditionen zu pflegen, sondern auch die deutschen Behörden und wir in Rumänien“, betonte der Außenminister.

Wiedergutmachung für politische Opfer und Zwangsarbeiter

Titus Corlăţean berichtete über ein Gespräch, das er am 3. Februar 2013 am Rande der Sicherheitskonferenz in München mit dem Bundesvorsitzenden des Verbandes, Dr. Bernd Fabritius, geführt habe.



Das langjährige Anliegen des Verbandes, eine Wiedergutmachung für die ehemaligen Russlanddeportierten zu erreichen, habe er in Bukarest Premierminister Victor Ponta vorgebracht, der sehr offen war und die Sache voll unterstützt habe. Die rumänische Regierung habe kurz danach, Anfang April, einen Gesetzesentwurf beschlossen und der Senat, das Oberhaus des rumänischen Parlaments, habe die Gesetzesänderung für die im Ausland lebenden politischen Opfer und Zwangsarbeiter am 14. Mai verabschiedet. Corlăţean zeigte sich überzeugt, dass das Gesetz in wenigen Wochen auch in der Abgeordnetenkammer angenommen werde. Das Gesetz sei weniger wichtig in finanzieller Hinsicht, sondern vielmehr eine moralische Wiedergutmachung, eine Anerkennung des Leids, das Opfern und Zwangsarbeitern widerfahren sei, sagte der Außenminister. Ehrengäste auf der Festtribüne in Dinkelsbühl, ...Ehrengäste auf der Festtribüne in Dinkelsbühl, von links: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer mit Gattin Karin, Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius, Rumäniens Außenminister Titus Corlăţean und BdV-Präsidentin Erika Steinbach. Foto: Sieglinde Schuster Das Motto des Heimattages, „Wir gehören dazu! Dank und Verpflichtung“ erinnere an das vor 60 Jahren verabschiedete Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetz (BVFG), sagte der Bundesvorsitzende Dr. Bernd Fabritius. Das Leitwort bringe die Dankbarkeit der Siebenbürger Sachsen für die Aufnahme in Deutschland zum Ausdruck und mache deutlich, „dass wir Teil der deutschen Gesellschaft sind, dass wir hier Annahme und auch Unterstützung benötigen und dass wir dieser Gesellschaft dafür auch etwas zurückgeben können und wollen“. Bernd Fabritius begrüßte den Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation, den Bayern eingeführt habe. „Sie haben gezeigt, dass Sie an unserer Seite stehen“, und der Gedenktag sei „ein wichtiges Zeichen, dass unser Schicksal in der gesellschaftlichen Wahrnehmung in Deutschland mit verankert sein möchte“.



Bernd Fabritius zitierte eine Aussage des Bundespräsidenten Joachim Gauck aus seiner bemerkenswerten Europarede im Februar dieses Jahres: „Frage nicht, was Europa für dich tun kann, frage vielmehr, was du für Europa tun kannst!“ Leicht abgewandelt für die Siebenbürger Sachsen griff Bernd Fabritius die Wünsche Gaucks auf und forderte sie auf, nicht gleichgültig oder bequem zu sein, sondern ihre kulturelle Identität zu erhalten und durch Ausübung des Wahlrechts jene Parteien zu wählen, die die Rahmenbedingungen schaffen, die den Siebenbürger Sachsen förderlich sind. Schließlich rief der Bundesvorsitzende die Siebenbürger Sachsen auf, ihre Gestaltungskraft zu erkennen: „Ein besseres Miteinander entsteht nicht, wenn wir die Verantwortung dafür immer nur bei anderen sehen. Mitmachen und Gestalten gehören dazu.“

Zum Abschluss der Festkundgebung dankte die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, allen Siebenbürger Sachsen und regte an, ihre wertvollen Trachten in das Weltkulturerbe aufzunehmen.

Schlagwörter: Heimattag 2013

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