9. März 2023

Für eine Stärkung des Verbandes der Siebenbürger Sachsen: Bundesvorstand tagte in München

Der Bundesvorstand des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland hielt seine Frühjahrssitzung am 4. März im Haus des Deutschen Ostens in München ab. Unter der Tagungsleitung des Bundesvorsitzenden Rainer Lehni wurden aktuelle Verbandsfragen erörtert sowie der Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl, weitere kulturelle Maßnahmen, der Verbandstag am 4.-5. November 2023 in Bad Kissingen u.a. geplant.
Der Bundesvorstand vor dem Haus des Deutschen ...
Der Bundesvorstand vor dem Haus des Deutschen Ostens in München, jeweils von links nach rechts, vordere Reihe: Dr. Andreas Roth, Ingwelde Juchum, Rainer Lehni, Michael Konnerth, Doris Hutter, Nathalie Bertleff, Christa Wandschneider und Martin Bottesch; zweite Reihe: Helmuth Gaber,, Reinhold Sauer, Ilse Welther, Dr. Bernd Fabritius, Dr. Johann Schmidt, Dr. Berthold Köber, Ecaterina-Luise von Simons, Herta Daniel, Ute Brenndörfer, Dr. Dr. Gerald Volkmer, Helge Krempels und Dr. Johann Kremer; dritte Reihe: Horst Wellmann, Dr. Stefan Măzgăreanu, Paul Schuster, Werner Kloos, Ute Bako, Dagmar Seck und Fabian Kloos. Foto: Siegbert Bruss
Bundesvorsitzender Rainer Lehni begrüßte unter den 32 Teilnehmern – vier davon waren online zugeschaltet – Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, Pfarrer Dr. Bruno Fröhlich, der aus Schäßburg zugeschaltet war, sowie die Ehrenvorsitzenden Herta Daniel und Dr. Bernd Fabritius.

Gewinnorientiertes Leben

In der Andacht zu Beginn der Bundevorstandssitzung thematisierte der Vorsitzende der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger und Banater – Hilfskomitee, Prof. Dr. Berthold Köber, das gewinnorientierte Leben, ausgehend von Matthäus 16,26: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ Beim Gewinn gehe es vor allem um irdische Dinge wie Geld, Besitz und Macht. „Gewinnoptimierung“ in der Wirtschaft führe oft zu Massenentlassungen und zur massiven Erhöhung des Arbeitsumfangs, für jene, die bleiben. Dr. Köber führte aus: „Jesus möchte durch sein Wort vor den daraus sich ergebenden Gefahren warnen, nämlich Verlust der Menschlichkeit sowie Verfehlen und sogar Verlust des eigenen Lebens; er möchte uns die Augen öffnen für die wahren Werte und zu einem erfüllten, lebenswerten Leben ermutigen; das sind geglückte Beziehungen zum Ehepartner und zu den Kindern, Freundschaften, Einsatz für andere und die Gemeinschaft, Liebe schenken und Liebe empfangen – das alles als Vorgeschmack für das verheißene, wahre Leben in der Gemeinschaft mit Gott.“

Aus den Berichten aus Siebenbürgen war zu entnehmen, dass das Deutsche Forum nicht die einzige Einrichtung ist, die die Volkszählung 2022 anzweifelt (diese Zeitung berichtete). Die Endergebnisse werden Mitte dieses Jahres erwartet und zu genaueren Analysen und Stellungnahmen auch der kleinen und großen Kommunen führen, betonte Martin Bottesch. Das Große Sachsentreffen wird für August 2024 geplant (siehe SbZ Online), wobei es sinnvoll wäre, auch die Landsleute aus den USA und Kanada in das Treffen mit einzubeziehen, wie Dr. Bernd Fabritius in der Bundesvorstandssitzung anregte.

EU-Projekte für Kirchenrenovierungen nur noch über Bürgermeisterämter möglich

Der Schäßburger Stadtpfarrer und Bezirksdechant Dr. Hans Bruno Fröhlich berichtete, dass die Landeskirchenversammlung am 12. November 2022 Dr. Carmen Schuster als Landeskirchenkuratorin und sechs neue Mitglieder (von insgesamt zwölf) in das Landeskirchenkonsistorium gewählt habe (diese Zeitung berichtete). Weniger erfreulich sei die Tatsache, dass europäische Finanzierungsprojekte für Kirchenrenovierungen künftig nicht mehr von der kirchlichen Einheiten beantragt werden können, sondern nur noch von Bürgermeisterämtern. Fröhlich schloss mit einem optimistischen Ausblick: Die Wiedereinweihung der renovierten evangelische Stadtpfarrkirche in Bistritz wird vom 12.-14. Mai 2023 gefeiert.

Helmuth Gaber, Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen/Bremen, wies auf das Problem kleiner Landesgruppen hin, deren Kreisgruppen sich teilweise nur noch auf gesellige Zusammenkünfte beschränken. Um auch die Kultur zu pflegen, sei es u.a. nötig, Projektförderungen in Anspruch zu nehmen. Die Fördermöglichkeiten in den Bundesländern könnten die Kreisgruppenvorsitzenden kennen lernen, indem sie an Schulungen der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen teilnehmen. Allerdings könnten die Landesgruppen auch eigene Akzente setzen, wie Ecaterina-Luise von Simons, Vorsitzende des Landesverbands Berlin/ Neue Bundesländer, berichtete. Das Verbandsleben in ihrem Bereich sei in jüngster Zeit geradezu aufgeblüht.

Grundsätzliche Diskussion über die Identität angeregt

Dr. Bernd Fabritius berichtete über das Gespräch, das er als BdV-Präsident mit Kulturstaatsministerin Claudia Roth am 5. Dezember 2022 geführt hatte (siehe SbZ Online vom 4. Januar 2023). Die Tendenz sei, die Kulturförderung für Vertriebene und Aussiedler mit jener für Migranten zusammenzuführen. Der Bund sei gerade dabei, die Förderrichtlinien zu ändern. Vor diesem Hintergrund regte Fabritius an, eine „Identitätsoffensive“ zu starten. In eine grundsätzliche Diskussion zum Thema „Wie führen wir das Siebenbürgisch-Sächsische in die Zukunft“ sollte auch das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien einbezogen werden.

SJD wählt neue Bundesjugendleitung im Juni

Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD) wird ihren Jungsachsentag erstmals vom Volkstanzwettbewerb entkoppeln und als Zeltwochenende vom 16.-18. Juni 2023 in Bad Kissingen abhalten. Dies kündigte SJD-Bundesjugendleiter Fabian Kloos an, der sich nach dreieinhalbjähriger Amtszeit nicht mehr zu Wahl stellen wird. Bundesvorsitzender Rainer Lehni dankte ihm für seinen erfolgreichen Einsatz, der pandemiebedingt im Zeichen der fortschreitenden Digitalisierung stand. Die Mitgliederverwaltung der SJD wird am 15. März von der Bundesgeschäftsstelle des Verbandes übernommen, da dieser Aufgabenbereich durch Ehrenamtliche nicht mehr wahrgenommen werden konnte.

Ute Bako, Kinderreferentin im Bundesvorstand, lud zu einer Tagung für Kindergruppenleiter und Kinderreferenten ein, die am 1.-2. April 2023 in Augsburg stattfinden wird. Dr. Berthold Köber wies auf den Evangelischen Kirchentag vom 7.-11. Juni 2023 in Nürnberg hin und lud zum 36. Siebenbürgischen Kirchentag vom 6.-8. Oktober 2023 in Ingolstadt ein.

Traueranzeigen in der Siebenbürgischen Zeitung können künftig – gegen einen Aufpreis – mit farbigen oder schwarzweißen Porträtfotos der Verstorbenen versehen werden. Dieses zusätzliche Angebot für Anzeigenkunden hat der Bundesvorstand einstimmig beschlossen. Auch die Palette der angebotenen Trauersymbole soll von derzeit sechs auf etwa zehn erweitert werden.

Beseitigung der Rentenungerechtigkeit für Aussiedler und Spätaussiedler

Bundesvorsitzender Rainer Lehni kritisierte den Härtefallfonds, den die Bundesregierung mit einjähriger Verspätung eingerichtet hat. Gegenüber den Plänen der Vorgängerregierung habe die neue Bundesregierung den Fonds auf 500 Millionen Euro stark gekürzt, so dass die Entschädigung von 2.500 Euro nur Spätaussiedlern zugutekomme, die bestimmte Kriterien erfüllen. Aussiedler, die vor dem 31. Dezember 1992 zugezogen sind, seien von der Regelung ganz ausgeschlossen.

Heftige Kritik am Härtefallfonds übte auch Dr. Bernd Fabritius, da diese Maßnahme nur wenig Ausgleich schaffe. Der Bundesausschuss des Bundes der Vertriebenen (BdV) wird sich demnächst zum Härtefallfonds und zur Beseitigung der Rentenungerechtigkeit für Aussiedler und Spätaussiedler positionieren. Auch die betroffenen Landsmannschaften werden diesbezüglich aktiv werden, kündigte Bundesvorsitzender Rainer Lehni an.

Die Entschädigungszahlungen für die Nachkommen von Russlanddeportierten und anderen Opfer der politischen Verfolgung in Rumänien laufen zuverlässig, die Bearbeitungszeiten sind kürzer geworden. Auch aus dem Kreis der Bundesvorstandsmitglieder wurde deutlich, dass die Betroffenen sehr dankbar sind, dass sich der Verband unter der Federführung von Dr. Bernd Fabritius für die Entschädigungszahlungen stark gemacht hat und auch bei der Antragstellung vielseitig behilflich ist. Nützliche Informationen über die Entschädigungszahlungen wird Fabritius in Kürze in einem Artikel in der Siebenbürgischen Zeitung liefern.

Kulturelle Vorhaben und Heimattag

Eine beachtliche Arbeit leisten, trotz knappen Finanzmitteln, die Einrichtungen auf Schloss Horneck, wie Dr. Stefan Măzgăreanu, Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates e.V., und Helge Krempels, Vorsitzender des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“ e.V., berichteten. Zustimmung fanden auch die von Bundeskulturreferentin Dagmar Seck für dieses Jahr geplanten Maßnahmen der kulturellen Breitenarbeit, zu denen u.a. die Teilnahme der HOG Rode am Oktoberfestumzug am 17. September 2023 in München gehört.

Organisationsreferent Horst Wellmann präsentierte die Planungen des diesjährigen Heimattages, die weitgehend abgeschlossen seien. Die Podiumsdiskussion am Pfingstmontag wird dem 40-jährigen Bestehen der Föderation gewidmet sein, sagte der Bundesvorsitzende Rainer Lehni, der zugleich Präsident der Föderation ist.

Im Rückblick auf die gefassten Beschlüsse legte der stellvertretende Bundesvorsitzende Michael Konnerth dar, dass die Mitgliederverwaltungssoftware, die vom Verband genutzt werde und gut funktioniere, nicht teurer sei als vergleichbare Programme, die auf dem Markt angeboten werden. Dessen ungeachtet beschloss der Bundesvorstand, eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Dr. Andreas Roth, Paul Schuster, Helmuth Gaber, Fabian Kloos u.a. zu gründen, die neue strukturelle Überlegungen zur Mitgliederverwaltung anstrengen und eventuell eine neue Software entwickeln lassen wird.

Sparpotenzial stets im Blick

Wie der Bundesvorsitzende Rainer Lehni berichtete, habe der in der vorigen Bundesvorstandssitzung gefasste Beschluss, Einsparpotenziale im Bereich der Raum- und Personalkosten auszuarbeiten, eine gewisse Unruhe in der Belegschaft ausgelöst, die sich in einem Schreiben an den Bundesvorstand manifestierte. Mögliche Existenzängste habe der geschäftsführende Vorstand daher im Rahmen der jährlichen Personalgespräche thematisiert und auch abgebaut. „Fakt ist, dass eine kurzfristige Personalreduzierung nicht geplant und auch nicht möglich ist“, stellte Lehni klar. Angesichts des Mitgliederschwunds werde es jedoch nötig sein, das Personal mittelfristig zu reduzieren, wobei der Vorstand das Sparpotenzial stets im Blick habe. Haushaltsübersicht 2022 und Haushaltsplan 2023, die von Bundesgeschäftsführerin Ute Brenndörfer vorgelegt wurden, zeugten von einem umsichtigen Wirtschaften und wurden mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Neue Mitglieder und Sponsoren gewinnnen

Um dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken, versucht der Verband neue Mitglieder zu gewinnen. Über die Tätigkeiten der Arbeitsgruppe Mitgliederwerbung und Marketing des Bundesvorstandes berichtete der stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Andreas Roth. Das Ergebnis einer Umfrage unter den Bundesvorstandsmitgliedern umsetzend, werden künftig drei Maßnahmen durchgeführt: Fokussierung auf Nicht-Mitglieder in den Kulturgruppen, Schulung der Kreisgruppen und direkte Gespräche mit potentiellen Mitgliedern. Die letzteren beiden Maßnahmen werden zusammengeführt: Kreisgruppenvorsitzende sollen in drei Modulen geschult werden.

Eine Projektgruppe Sponsoring hat sich zum Ziel gesetzt Sponsoren für den Heimattag zu finden. Wie Dr. Andreas Roth ausführte, sei der Heimattag vor allem für Unternehmer mit emotionaler Bindung zu Siebenbürgen und zum Heimattag attraktiv. Die Arbeitsgruppe wird ein Sponsoring-Konzept erarbeiten, um langfristig zusätzliche Einnahmequellen für den Heimattag und den Verband zu erschließen.

Verbandstag in Bad Kissingen geplant

Auf eine Stärkung des Verbandes zielt auch der Vorschlag des Bundesvorstandes, den Jahresbeitrag für Mitglieder von derzeit 50 auf 58 Euro zu erhöhen. Diesen Vorschlag und andere wichtige Fragen der Gemeinschaft werden die Delegierten beim Verbandstag am 4.-5. November 2023 im „Heiligenhof“ in Bad Kissingen erörtern. Zur Vorbereitung des Verbandstages wurden, wie immer, ein Findungs- und Satzungsausschuss ins Leben gerufen. Bundesvorsitzender Rainer Lehni stellt sich wieder zur Wahl.

Die nächste Bundesvorstandssitzung wird am 3.-4. November ebenfalls im Heiligenhof stattfinden.

Siegbert Bruss

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Bundesvorstand tagte am 4. März 2023 in München

Schlagwörter: Bundesvorstand, Sitzung, Verbandstag, München

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  • 11.03.2023, 21:25 Uhr von ingenius mobile: Zitat: „Grundsätzliche Diskussion über die Identität angeregt Dr. Bernd Fabritius … Der Bund sei ... [weiter]

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