28. Mai 2026

Bundesinnenminister Allexander Dobrindt: „Wer fröhliche und glückliche Menschen sehen will, der muss nach Dinkelsbühl kommen“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt zeigte sich in seiner Festansprache am Pfingstsonntag, dem 24. Mai, begeistert vom 76. Heimattag der Siebenbürger Sachsen und den vielen jungen Menschen beim Trachtenumzug mit 3.200 Mitwirkenden in Dinkelsbühl. „Nicht nur Tradition wird gelebt, nicht nur die Gegenwart wird geprägt, auch die Zukunft wird hier gestaltet“. Der CSU-Politiker sprach einen vielfachen Dank aus, an den Bundesvorsitzenden Rainer Lehni, den Bundesaussiedlerbeauftragten Bernd Fabritius, Oberbürgermeister Christoph Hammer und alle Siebenbürger Sachsen. „Ich will ein herzliches Dankeschön sagen für dieses großartige Fest, den Heimattag, den Trachtenumzug, ein Fest des Friedens, der Freiheit, der Versöhnung, des Bewusstseins der eigenen Identität.“ Die heutige Politik brauche an allerster Stelle Optimismus, betonte Dobrindt. „Wer an Pfingsten fröhliche und glückliche Menschen treffen will, der muss einfach nach Dinkelsbühl kommen.“ Der Bundesinnenminister erinnerte an den historisch-moralischen Tiefpunkt der Vertreibung der Deutschen vor 80 Jahren, dem die nationalsozialistische Gewaltherrschaft vorausgegangen war. Eine in die weite ferne gerückte Heimat könne wieder ganz nah werden, „wenn wir in Europa zusammenwachsen“ und eine „europäische Identität“ entwickeln. Die vielen Aufgaben, die Rainer Lehni zuvor in seiner Rede angesprochen hatte, nahm Dobrindt gerne entgegen, da er sich als „Vertriebenenminister“ gleichsam „als oberster Interessenvertreter der Aussiedler, Vertriebenen und deutschen Minderheiten“ verstehe. Die Festansprache des Bundesinnenministers wird ungekürzt wiedergegeben.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hielt die ...
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hielt die Festrede am Pfingstsonntag, dem 24. Mai 2026, beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl. Foto: Siegbert Bruss
Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Gäste, als Allererstes lassen Sie mich Ihnen ein frohes und gesegnetes Pfingstfest ausrichten, und ich will das verbinden mit dem Ausdruck der Bewunderung. Was gibt es Schöneres, als am 76. Heimattag heute mit über 3.200 Mitwirkenden festzustellen, wie groß ein Trachtenumzug sein kann, wie groß er werden kann, und dann noch, lieber Herr Vorsitzender, lieber Rainer Lehni, dann auch noch festzustellen, dass es heute der größte Umzug ist, der jemals bestanden hat. Deswegen einen herzlichen Glückwunsch und ein Dankeschön, verbunden mit diesem großartigen Heimattag.

Verehrte Ehrengäste, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Christoph Hammer, sehr geehrter Herr Bundesbeauftragter, lieber Bernd Fabritius, es ist wunderbar, dass wir heute hier gemeinsam zusammenkommen können, den Heimattag begehen und feiern können. Ich will es nicht versäumen, lieber Herr Lehni, Ihnen ganz persönlich ein Dankeschön zu sagen für die sieben Jahre in Ihrer Aufgabe als Vorsitzender, für den Einsatz, das Engagement und die Leidenschaft, die Sie jeden Tag mitbringen – Sie begeistern die Menschen. Herzliches Dankeschön, dass Sie diese wichtige und großartige Aufgabe übernehmen und jeden Tag für die Anliegen der Siebenbürger Sachsen einstehen. Herzlichen Dank Ihnen ganz persönlich!

Sehr geehrter Herr Lehni, Sie haben in Ihrer Rede auch auf das Motto hingewiesen „Generationen verbinden – Perspektiven schaffen“. Ich will es mal so formulieren: Die Siebenbürger Sachsen – und das konnte man heute sehen –, die leben die Tradition und sie prägen die Gegenwart.

Wenn man sieht, wie viele junge Menschen, Frauen und Männer, Jugend heute dabei war, wenn man feststellt, dass es heute ein 40-jähriges Jubiläum der siebenbürgisch-sächsischen Jugend gibt und wenn man die Begeisterung in den Gesichtern der jungen Menschen sieht, dann kann man nur zu dem Schluss kommen: Nicht nur Tradition wird gelebt, nicht nur die Gegenwart wird geprägt, auch die Zukunft wird hier gestaltet – herzliches Dankeschön dafür!

An der Stelle will ich ein herzliches Dankeschön sagen an den Bundesbeauftragten Bernd Fabritius, lieber Bernd, wir sind vor einem Jahr gemeinsam in das Bundesinnenministerium eingetreten. Du hast eine bedeutende Aufgabe übernommen als Bundesbeauftragter, und ich weiß, dass das für dich heute nicht einfach ein Heimattag ist, sondern für dich ist der Heimattag der Siebenbürger Sachsen eine Herzensangelegenheit, und genau in diesem Sinne verstehst du auch dein Amt als Vertriebenenbeauftragter, und deshalb möchte ich auch dir ein ganz persönliches Dankeschön sagen. Du warst über viele Jahre als BdV-Präsident das herausgehobene Gesicht der politischen Debatten um die Vertriebenen. Heute bist du im Bundesinnenministerium derjenige, der die Anliegen der Vertriebenen, der Spätaussiedler, der deutschen Minderheiten vertritt, du bist das politische Gesicht all derer, und deswegen ein herzliches Dankeschön für deine großartige Arbeit!

Tradition, Gegenwart, Zukunft – all das braucht natürlich auch Erinnerung. Ich will an dieser Stelle nochmals deutlich machen, dass das, was wir heute erlebt haben, eine Demonstration gewesen ist, eine Demonstration, wie lebendig und aktiv die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen ist. Heimat kann man nur dann erhalten, wenn man bereit ist, wie Herr Lehni das gesagt hat, die Heimat und Geschichte zu beschreiben, sie zu erzählen, sie erlebbar zu machen und sie auch neu zu gestalten. Der Heimattag ist ein großes Fest, er ist Tradition, er ist Farben, er ist Tänze und natürlich auch Küche, die Köstlichkeiten, die nicht vergessen werden dürfen – übrigens auch dafür ein Rekord am heutigen Tag: längster Baumstriezel der Welt, über zehn Meter lang, das muss man auch nochmal erwähnen. Herzlichen Glückwunsch auch zu diesem Rekord!

Meine Damen und Herren, Heimat kann verloren gehen. Sie alle wissen das, viele haben das schmerzlich erfahren durch Unrecht, Vertreibung oder Zerstörung. Heimat kann verloren gehen, und sie ist an vielen Stellen verloren gegangen. Aber Heimat kann auch bewahrt werden durch Aufrechterhaltung der Traditionen, durch die Sprache, durch die Gemeinschaft, durch die Feste. Deswegen ist der Heimattag auch so bedeutsam, weil hier die Tradition gelebt wird, weil die Siebenbürger Sachsen zeigen, wie lebendig ihre Gemeinschaft und wie fröhlich ihre Gemeinschaft ist.

Wenn man die Gelegenheit wahrnehmen konnte, den Trachtenumzug anzuschauen, man trifft einfach nur auf glückliche Menschen und auf fröhliche Gesichter, und deswegen, wer an Pfingsten fröhliche und glückliche Menschen treffen will, der muss einfach nach Dinkelsbühl kommen.

Aber ich will auch sagen, eine in die weite Ferne gerückte Heimat, die kann auch wieder ganz nah werden. Sie kann wieder ganz nah werden, wenn wir in Europa zusammenwachsen. Europa schafft neue Nähe, knüpft neue Bande, Europa bekräftigt Herkunft und Tradition. Und deswegen ist es uns allen ein großes Anliegen, dass wir eine europäische Identität entwickeln, aus der Vielfalt heraus, und dazu gehört auch heute hier in Dinkelsbühl ein Dank an die Stadt, ein Dank an den Oberbürgermeister Christoph Hammer. Die Hauptstadt der Siebenbürger Sachsen ist Hermannstadt, aber der Sehnsuchtsort an Pfingsten für die Siebenbürger Sachsen ist Dinkelsbühl, und deswegen ein Dankeschön, Herr Oberbürgermeister.

Man merkt es, wie willkommen alle sind, man merkt es, wie willkommen hier immer alle waren. Und man merkt, dass wir ein integraler Bestandteil auch eines Wir-Gefühls, eines bayerischen Wir-Gefühls sind. Das ist Teil unserer Stärke. Die Vielfalt, die Weltoffenheit, der Erfolg auch dieses Freistaates Bayern ist engstens verknüpft mit den Siebenbürger Sachsen, er ist engstens verknüpft mit den Vertriebenen. Der Wille und die Bereitschaft, die unterschiedlichsten Landsmannschaften hier zusammenzuführen und dieses Wir-Gefühl zu entwickeln, das macht uns so unglaublich stark, und deswegen mein Dankeschön an Sie alle für die Bereitschaft, dieses Wir-Gefühl zu entwickeln.

Vor 80 Jahren war der Höhepunkt der Vertreibung von Deutschen, ich glaube, man darf sagen, es war der historisch-moralische Tiefpunkt, der hier erreicht worden ist. Vor 80 Jahren war diese schmerzhafte Erfahrung, dieser schmerzhafte Einschnitt. Man muss auch daran erinnern, man muss auch darüber sprechen, und ich will all denen entgegentreten, die immer wieder darauf hinweisen, es wäre langsam Zeit, zu vergessen. Meine Damen und Herren, damit wir uns richtig verstehen, dieses Leid braucht Erinnerung, diese Menschen brauchen Erinnerung, diese Schrecken brauchen Erinnerung, nicht um an Schuld zu erinnern, sondern um der Versöhnung ein Denkmal zu setzen. Darum geht es. Wer die Geschichte nicht kennt und sie nicht verstehen will, der wird einen gleichen Fehler immer wieder begehen, Hass, Hetze, Kriegstreiberei, Vertreibung, das kann jeder Einfaltspinsel. Versöhnung – das können nur mutige Menschen, herzlichen Dank auch dafür!

Wenn ich daran erinnere, dann will ich das deutlich sagen, tue ich es nicht, um Schuld gegeneinander aufzurechnen oder geschichtliche Zusammenhänge zu relativieren. Nein, der Vertreibung ging eine nationalsozialistische Gewaltherrschaft voraus, der gingen Terror des Krieges, unermessliches Leid von Deutschland aus voraus. Der Gewalttaten, der Opfer, all derer wird auch immer wieder gedacht, auch derer werden wir nicht vergessen. Ich will auch daran hinweisen, gestern, am 23. Mai, haben wir den Geburtstag des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gefeiert, das vor 75 Jahren in Kraft getreten ist und das in seiner Präambel den Willen und den Auftrag formuliert, in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen. Und dass Sie sich genau diesem Motto verschrieben haben, auch dafür möchte ich mich bei Ihnen allen herzlich bedanken.

Lieber Herr Lehni, Sie haben mir viele Aufgaben mit auf den Weg gegeben. Ich will an der Stelle sagen, wir nehmen diese Aufgaben immer gerne auch entgegen, Bernd Fabritius und ich arbeiten im Interesse aller, die uns unterstützen, dafür Verbesserungen zu erreichen. Ich weiß es nämlich sehr zu schätzen, wenn ich den Titel des Vertriebenenministers bekomme, denn ich will oberster Interessenvertreter der Aussiedler, der Vertriebenen, der deutschen Minderheiten sein – das ist mein Auftrag, so wie ich ihn als Bundesinnenminister auch verstehe. Und deswegen haben wir als Allererstes viele Entwicklungen der Vergangenheit in unserem Ministerium auch wieder korrigiert. Man muss natürlich immer auch auf die Sprache achten, und deswegen gehört es für uns auch dazu, dass wir das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte sofort wieder dahin benannt haben, wo es hingehört: Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im Östlichen Europa. Es ist das Bundesinstitut der Deutschen und nicht von irgendwem, und deshalb haben wir diesen Fehler korrigiert.

Ich empfehle allen, die in einer aktuellen Debatte darauf drängen, dass man auf Sprache in besonderer Art und Weise achtet – ja, ganz selbstverständlich tun wir das –, Sprache macht natürlich einen Unterschied, aber ich erwarte von all denen, die immer daran erinnern, dass Sprache einen Unterschied macht und Sensibilität in der Sprache gefordert ist, ich erwarte auch, dass sie in der Politik deutlich machen, dass sie in besonderem Maße die Anliegen der Vertriebenen, der Spätaussiedler, der Minderheiten immer auch im Blick haben, und dazu gehört auch Sprache und da darf man das Deutsche nicht aus dem Titeln und der Verantwortung streichen!

Ich will ein herzliches Dankeschön sagen für dieses großartige Fest, den Heimattag, den Trachtenumzug, ein Fest des Friedens, der Freiheit, der Versöhnung, des Bewusstseins der eigenen Identität. So ein Fest, wie wir es heute erleben, so ein Heimattag der Siebenbürger Sachsen, der gibt Optimismus, Zuversicht, Motivation. Und das, was Politik in diesen Zeiten braucht, ist Optimismus an allererster Stelle. Und deswegen sage ich: Augen auf Dinkelsbühl gerichtet, an Pfingsten an die Siebenbürger Sachsen und den Heimattag. Dort kann man Optimismus lernen, und das auch mit der klaren Botschaft: Schaut her, wer wir sind und wer wir bleiben werden. Und ich kann Sie dabei nur unterstützen, ein herzliches Dankeschön, ein herzliches „Vergelt’s Gott“. Alles Gute und Gottes Segen für den Heimattag! Dankeschön für Ihre Aufmerksamkeit!

Schlagwörter: Heimattag 2026, Dobrindt, Festrede, Dinkelsbühl

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