1. Juni 2026
Dr. Petra Loibl: „Die Siebenbürger Sachsen sind einzigartig“
Die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Dr. Petra Loibl, MdL, freute sich aufrichtig, wieder beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl zu Gast sein zu dürfen, und bezeichnete die Stadt als den „Ort, wo ich inmitten all der Sachsen aus aller Welt Kraft und Zuversicht schöpfen kann“. Sie gratulierte dem Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen und der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland zum 40-jährigen Bestehen, dankte für deren „wertvolle Arbeit“ und „das großartige Engagement“ der Jugend „für den Erhalt von Tradition und Brauchtum“ und nannte die Siebenbürger Sachsen „einzigartig“. Ihr Grußwort bei der Eröffnung des Heimattages wird ungekürzt wiedergegeben.

Hochwürdigste Vertreter der Geistlichkeit, Frau Botschafterin Stănescu, Frau Generalkonsulin Diculescu-Blebea, werter Herr Unterstaatssekretär Şindilariu, lieber Herr Michael Schmidt, liebe Kollegen Beauftragte Bernd Fabritius und Heiko Hendriks, geschätzter Herr Oberbürgermeister Christoph Hammer mit Stadtrat, sehr geehrter Herr Landrat, lieber Bundesvorsitzender Rainer Lehni, liebe Frau Daniel, geschätzte Ehrengäste, liebe Siebenbürger Sachsen aus aller Welt, liebe Freunde!
Namens der Bayerischen Staatsregierung darf ich Ihnen die herzlichsten Grüße und besten Wünsche unseres Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder und ausdrücklich von Frau Staatsministerin Scharf überbringen.
Wie Sie sicher alle wissen, findet an diesem Wochenende parallel wie immer der Sudetendeutsche Tag statt – aber heuer ganz besonders zum allerersten Mal überhaupt in der alten Heimat, in Tschechien, in der Stadt Brünn. Dies ist ein historisches Ereignis, das noch vor einigen Jahren vollkommen undenkbar gewesen wäre, und quasi ganz Bayern trifft sich dieser Tage dort in Mähren mit unserem „Vierten Stamm“.
Aber natürlich – und es freut mich, dass das auch schon erwähnt wurde – ist der Bayerischen Staatsregierung – und mir als Beauftragter – der Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl genauso wichtig – und deswegen bin ich heute sehr, sehr gern wieder hier bei Ihnen. Morgen bin ich dann virtuell bei den Banater Schwaben in Ulm, und nachher, im Anschluss an diesen Vormittag, werde ich nach Brünn aufbrechen.
Ihr Heimattag ist so gesehen für mich der Auftakt für die Pfingsttreffen der Vertriebenen und Aussiedler – und Dinkelsbühl ist auch der Ort, wo ich inmitten all der Sachsen aus aller Welt Kraft und Zuversicht schöpfen kann.
Denn die Welt der Siebenbürger Sachsen, Ihr Gemeinsinn und ihr Zusammenhalt sind für mich seit jeher, seit ich diese Aufgabe ausüben darf – jetzt ist Halbzeit, wenn man die Legislatur betrachtet –, etwas ganz Besonderes.
Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal als Beauftragte und das Jahr zuvor als Mitglied des Umweltausschusses Siebenbürgen besuchen durfte, habe ich mich angesichts der Schönheit und Pracht ihrer Städte und Kirchenburgen fast wie im Märchen gefühlt.
Ihre geliebte Heimat Siebenbürgen ist eine Landschaft, die alle Sinne anspricht, die träumen lässt – und wenn ich einen Ort aussuchen könnte für innere Einkehr und Ruhe, so wäre das Siebenbürgen. Aber eine Landschaft ist nichts, gar nichts ohne ihre Menschen, und Siebenbürgen wäre nicht das großartige Land, das es ist, ohne seine Sachsen – ganz gleich, wohin es Sie nun in aller Welt verschlagen hat.
Dabei haben die Sachsen etwas geschafft, was sie unter den Deutschen im östlichen Europa herausragen lässt: Sie werden ganz offensichtlich vermisst, und welche Ihrer rumänischen oder ungarischen Landsleute man auch fragt – über die Sachsen hört man nur Gutes.
Teil 1 des Mottos Ihres Heimattages lautet: Generationen verbinden. Als ich das gelesen habe, habe ich mir gedacht als eine, die im Deutschunterricht immer gern aufgepasst hat: Das kann man lesen als Generationen, welche verbinden, oder Generationen, die in Zukunft verbinden wollen. Also zweierlei: einmal die Gegenwart und einmal die Zukunft. Aber Generationen verbinden spricht auf alle Fälle für den Zusammenhalt der Generationen. Abgesehen von den Banater Schwaben ist es keiner anderen Landsmannschaft so gut gelungen, dass die Jungen ihre Fackeln weitertragen.
Wie bereits erwähnt feiern wir auch vierzig Jahre Sozialwerk und vierzig Jahre siebenbürgisch-sächsische Jugend in Bayern und Deutschland, das Alter sieht man Ihnen nicht an. Herzlichen Glückwunsch und herzlichen Dank für Ihre wertvolle Arbeit.
Sie sind so jung wie eh und je, und es gibt keine Generation und keine Altersgruppe, die nicht mitmachen würde bei Ihnen und die nicht vom siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbe begeistert wäre.
Wer weiß, wie schwer es in Zeiten von Social Media ist, junge Leute von etwas zu begeistern, kann über das großartige Engagement Ihrer Jugend für den Erhalt von Tradition und Brauchtum nur staunen. Die Siebenbürger Sachsen sind einzigartig.
Die Jungen nehmen die Alten bei Ihnen mit, und die Alten die Jungen, die Siebenbürger Sachsen aus Bayern, dem übrigen Deutschland und aus aller Welt die Daheimgebliebenen und umgekehrt. Diese Gemeinschaft über Raum und Zeit hinweg ist wirklich beispiellos – und verspricht beste Zukunftsperspektiven für die Sachsen. Davon bin ich, meine sehr geehrten Damen und Herren, überzeugt.
Von Perspektiven ist auch im zweiten Teil des diesjährigen Heimattag-Mottos die Rede, womit Sie uns deutlich machen, dass es Ihnen nicht nur um Tradition und Brauchtum geht, sondern um Zukunft. Sie haben eine gute Zukunft vor sich als Gemeinschaft, die auch als Bindeglied zwischen Ost und West fungiert.
Wer versteht besser als Sie, was es bedeutet, eine wunderschöne Heimat zu verlassen, sich eine neue in Bayern oder wo auch immer aufzubauen, und trotzdem der alten eng verbunden zu bleiben? Dabei haben Sie individuell und als Gemeinschaft auch wesentlich dazu beigetragen, dass die alte Heimat heute wieder so schön ist wie ehedem und die finsteren Zeiten ein für alle Mal vorbei sind. Hier wie dort ist es Ihnen gelungen, Perspektiven zu schaffen, indem Sie in die Zukunft geschaut und etwas Neues aufgebaut haben – und dabei zugleich das bewahrt haben, was Heimat auszeichnet.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen ereignisreichen Heimattag. Genießen Sie es bis Pfingstmontag um 23.59 Uhr hier zu sein, die Zeit wurde Ihnen eingeräumt. Ich wünsche Ihnen viele gute Gespräche, schöne Erlebnisse und beglückwünsche einmal mehr Dinkelsbühl, Ihr Gastgeber sein zu dürfen. Lieber Herr Oberbürgermeister, mich freut’s schon auch, dass Sie heuer wieder da sind, denn wie sonst hätte ich sagen können: Sie haben wieder alles richtig gemacht und vielleicht noch einen Ticken besser, weil das Wetter heuer schöner ist, als es im letzten Jahr war. Wenn Sie nicht mehr hier wären, könnte ich das jetzt nicht sagen.
Zum Thema Perspektive: Ich, so Gott will, freue mich, auch im nächsten Jahr bei Ihnen wieder dabei sein zu dürfen, wenn Freunde zusammenkommen. Liebe Siebenbürger Sachsen, Sie sind uns sehr, sehr wichtig in Bayern, schön, dass wir Sie haben, lassen Sie sich alle umarmen – alle wird schwierig, aber fühlen Sie sich umarmt und gedrückt und ich danke Ihnen im Namen des Freistaates Bayern für alles, was Sie für Bayern leisten und geleistet haben. Schön, dass es Sie gibt, und jetzt einen guten Heimattag. Dankeschön!
Schlagwörter: Heimattag 2026, Grußwort, Loibl, Bayern
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