22. Juli 2026
Neujahrslied-Singen der Banater Schwaben gehört zum UNESCO – Immateriellen Kulturerbe Bayerns
Das „Neujahrslied-Singen der Banater Schwaben“ wurde am 24. März 2026 als „gutes Praxisbeispiel“ in die Bayerische Liste des immateriellen kulturellen Erbes der UNESCO aufgenommen. Dazu gehören „lebendige Traditionen, die einer Gemeinschaft ein Gefühl der Identität und Kontinuität vermitteln“, sie müssen „von Generation zu Generation weitergegeben und dabei in Auseinandersetzung mit der Umgebung fortwährend neu gestaltet“ werden.

Die schriftliche Dokumentation für die Bewerbung erfolgte 2021 mit der tatkräftigen Unterstützung eines kompetenten und außergewöhnlich engagierten Teams. Der Musikarchivar (und gebürtige Sanktannaer) Anton Bleiziffer fand im Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg den Hinweis auf das Lied um 1770 in der Schweiz, es wurde von Zuwanderern nach dem Dreißigjährigen Krieg in den Kraichgau mitgebracht. Von hier gelangte es mit den Auswanderern über die „Schwabenzüge“ nach Sanktanna ins Banat, wo eine eigene Variante des Liedes entstand, die schließlich im Deutschen Volksliedarchiv archiviert wurde. Von Sanktanna aus verbreitete es sich in verschiedenen Varianten im Banat.

Für die praktische Vorführung fand sich eine Singgruppe zusammen, die ihren ersten offiziellen Auftritt mit dem Lied im Dezember 2022 hatte. Nikolaus Dornstauder begleitete die Proben und Auftritte mit seiner Kamera, um das Filmmaterial für die Bewerbung zu erstellen. Nach Einreichung der Bewerbungsunterlagen kamen immer wieder Rückfragen des Gremiums, so dass der 17-seitige Bewerbungsbogen mehrmals überarbeitet und ergänzt werden musste. Mit Geduld und Gelassenheit besorgte dies der Historiker Walter Tonţa, Leiter des Kultur- und Dokumentationszentrums der Banater Schwaben in Ulm. Seine fachlichen und redaktionellen Ausführungen trugen zum Erfolg der Bewerbung bei. Hilfreich war auch das direkte Gespräch im Bayerischen Heimatministerium, wo durch die fachliche Kompetenz von Dr. Metz die Bedeutung der Musik für die Banater Kultur und Gemeinschaft dargelegt werden konnte. Unterstützung kam von der derzeitigen bayerischen Aussiedlerbeauftragten Dr. Petra Loibl. Ausdauer und Engagement bewies vor allem der bayerische Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Harald Schlapansky, der die Bewerbung über die langen fünf Jahre vorangetrieben hat.
In den Banater Dorfgemeinschaften wurde viel und gern gesungen, die Liedtradition wurde dabei von Generation zu Generation weitergegeben. Heute erfolgt die Tradierung hauptsächlich über die Brauchtumsseminare der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Gepflegt wird das Liedgut von den Chören und Singgruppen der Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften. Die Sanktannaer singen das Neujahrslied u.a. bei ihren jährlichen „Antoni-Treffen“ im Januar. Verbreitet hat es auch eine kleine Singgruppe aus München und Umgebung. Es wird inzwischen häufig auf Veranstaltungen der Landsmannschaft gesungen.
Mit der Anerkennung eines Banater Brauchtums in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO ist der Nachweis erbracht, dass unsere gelebten Bräuche bis heute Identität stiften, Gemeinschaft fördern und kulturelle Vielfalt erhalten. Das „Neujahrslied-Singen der Banater Schwaben“ steht nun auf derselben Liste kultureller Traditionen wie der spanische Flamenco, das rheinische Martinsfest, die Schaustellertradition und nicht zuletzt auch das rumänische „Märzchen“ („mărțișor“), das uns aus unserer interethnischen Erfahrung gut bekannt ist.
Am 24. Juni 2026 nahm Harald Schlapansky im Rahmen eines Festakts in der Allerheiligen-Hofkirche in München die Urkunde aus der Hand des Bayerischen Finanz- und Heimatministers Albert Füracker entgegen. Die Singgruppe brachte zu diesem Anlass selbstverständlich das Sanktannaer Neujahrslied zu Gehör.
Halrun Reinholz
Schlagwörter: Banat, Lied, UNESCO, Bayern
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