24. Februar 2008

Beispielhaft Hindernisse überwunden: Motorrad-Champion Otto Pfennings

20 Jahre sind verflossen seit dem Tod von Otto Pfennings, eines Mannes, der eine „unwahrscheinliche Geschichte geschrieben hat“ (Automobil und Motorrad, Heft 3/1985). Dreimaliger rumänischer Staatsmeister der Beiwagenklasse trotz schwerer Körperbehinderung – zweifelsohne war der gebürtige Bukarester seinerzeit ein Sportidol.
Otto Pfennings wurde 1913 in Bukarest geboren. Aufgrund einer Kinderlähmung war er seit seinem zweiten Lebensjahr behindert. Das rech­te Bein blieb nach einer Operation steif. Doch er trotzte seinem Handicap, benutzte zuerst ein Dreirad, bekam dann mit zwölf Jahren einen Rollstuhl mit drei Rädern. Schon in jungen Jah­ren war Otto vom Radsport begeistert, besuchte häufig Rennveranstaltungen. Ein Traum ging in Erfüllung, als ihm sein Vater im Dezember 1930 ein Motorrad mit Seitenwagen kaufte, eine 1928 gebaute Royal Enfield (seitengesteuerte 488 Ku­bikzentimeter-Einzylindermaschine, 12 PS, Vier­ganggetriebe und Satteltank). „Am vorderen Querrohr des Seitenwagenrahmens hatte er ein nach hinten offenes Kästchen als Stütze für sein rechtes Bein montiert und den Fußbremshebel auf die linke Seite verlegt“, erläutert das Maga­zin Automobil und Motorrad die aufgrund von Ottos Körperbehinderung erforderlichen Um­baumaßnahmen.
Otto Pfennings beim Metropola-Rennen, Kate­gorie: ...
Otto Pfennings beim Metropola-Rennen, Kate­gorie: Motorrad mit Beiwagen, 1940 in Buka­rest, Sieger mit Frau Tantzi als Sozia.
Pfennings fährt erste Rundstreckenrennen. In den späten 30er Jahren blüht die Rennszene in Rumänien auf. Damit einhergehend beschleunigt sich die technische Entwicklung. Ehrgeizig, ja rennsportversessen wie er war, musste Otto nachziehen. 1938 erwarb er eine 22 PS starke, vierzylindrige Zündapp K 800. Auch der Beiwa­gen wurde ausgetauscht. Otto bestritt erstmals eine komplette Rennsaison und wurde stets von seinem Vater unterstützt. Die Erfolge stellten sich ein: Der 25-Jährige wird 1938 rumänischer Meister in der Beiwagen-Kategorie. Mit seiner neuen Zündapp KS 600 erringt er im August 1939 in Kronstadt einen Premierensieg. Nach dem Krieg lebt die Motorsportszene nur allmäh­lich wieder auf. 1948, also vor sechzig Jahren, wird Otto Pfennings rumänischer Staatsmeister im Straßenrennen. Im Jahr darauf holt er die Bergmeisterschaft. Innerhalb eines Jahrzehntes sammelt er zwölf Pokale, darunter drei Staats­meisterschaften.
Otto Pfennings gewinnt auf seiner ZÜNDAPP / KS ...
Otto Pfennings gewinnt auf seiner ZÜNDAPP / KS 600 den Großen Preis von Kronstadt (Braşov), 1939.
Über den beruflichen Werdegang seines Vaters berichtet sein in München lebender Sohn, der Architekt Paul Pfennings, (nicht nur) in siebenbürgischen Kreisen bekannt ob seiner Aquarel­le, Zeichnungen und Karikaturen: „Mein Vater studierte Wirtschaftsökonomie (Diplom) und war danach im Juweliergeschäft seiner Familie (Josef Resch & Sohn) als Uhrmacher tätig. Seine Ehefrau, die Modezeichnerin und Ikonenmalerin Tantzi Pfennings, hat ihn zu seinen Straßenren­nen immer begleitet, manchmal auch als Sozius, und hat auch selbst als Fahrerin teilgenommen. In Kronstadt, der Heimatstadt seiner Mutter, war er sehr beliebt und allen Motorsport-Fans bekannt. Als Sieger des Großen Preises von Kronstadt wurde er am 13. August 1939 mit einem Lorbeerkranz geehrt, der bis zu seiner Auswanderung nach Deutschland 1978 in seiner Garage hing. Hier in München wurde er von Oldtimer-Fans geschätzt und oft besucht. Seine ‚Beine‘, das Zündapp-Motorrad, hat er mit nach Deutschland gebracht. In der bayerischen Lan­deshauptstadt traf er Freunde und Kameraden des Motorradsports wie Dodo Hesshaimer, Fritz Brandrup oder Hadrian Steklatsch wieder.“ Diese alten Weggefährten zollten Otto Pfennings hohe Anerkennung: Dodo Hesshaimer schätzte Ottos Fahrtechnik, Ausdauer und Courage, Fritz Brandrup sein Fairplay gegenüber den Konkur­renten, Hadrian Steklatsch pries, über die sport­lichen Qualitäten hinaus, Otto Pfennings Offen­heit und Mitmenschlichkeit. „Sein Wille, im Le­ben nicht als Behinderter, sondern als Kämpfer und Sieger zu bestehen, ist für uns alle ein gutes Beispiel dafür, wie man Hindernisse überwinden kann“, findet Sohn Paul Pfennings. „Das hat er uns hinterlassen.“

Christian Schoger

Schlagwörter: Sport

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