23. Februar 2003

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"Fünf Liter Zuika" zum Vierten

"Fünf Liter Zuika" von Paul Schuster - was für ein "süffiger" Titel! Und wie genüsslich haben wir diesen Roman "gezurpst", obwohl er Unterrichtsstoff war! 1967 im Jugendverlag Bukarest erschienen, wurde er als erstes Werk eines rumäniendeutschen Schriftstellers nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.
Ebenfalls 1968 war das Buch in zweiter Auflage im Grazer Verlag Styria erschienen, 1975 folgte eine dritte Ausgabe bei der Berliner Edition "der 2". Seit 2002 liegt nun eine vierte, leicht überarbeitete und erweiterte Ausgabe der Aachener Verlagsgesellschaft Rimbaud vor. In deren Verlagsprogramm finden wir auch Paul Celan und Alfred Margul-Sperber, Moses Rosenkranz soll dieses Jahr dazu kommen. Wie es in der Rezension in der Wochenzeitung Die Zeit heißt, hofft der Verlag, "den sich durch sehr hohe literarische Qualität auszeichnenden Roman", der an anderer Stelle ehrfurchtsvoll als Epopöe (Epos) bezeichnet wird, "aus der Geheimtippzone hinauszufahren".

Zu diesen Qualitäten gehören sicherlich die vom linguistischen k. u. k Mischmasch stark sinnlich gefärbte Sprache und der bedächtige - nicht der typisch siebenbürgisch-sächsische, sondern ein genießerischer - Erzählrhythmus: Nicht wie Zuika, die man in einem Satz runterkippt, sondern wie Cognak. So wie sich bei diesem im langsamen Schwenken das Aroma entfaltet, so führt auch Schusters Erzählrhythmus, der allem - Personen, Natur und Ereignissen, alltäglichen wie außergewöhnlichen - Zeit und Raum gibt und lässt, dazu, dass Raum und Zeit sich niederschlagen können, in jeder Zeile und auf jeder Seite ein bisschen. So entsteht das atmosphärisch dichte und stimmige Bild einer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinde - des fiktiven Kleinsommersberg - am Ende des Ersten Weltkrieges. "Ein babylonisches Durcheinander ist auf dem Bahnhof. Ungarn und Serben, Polen, Mazedonier und Tschechen, Rumänen, Slowaken, Kroaten und Zigeuner, die ganze stolze Armee vom Franz Joseph, die ganze alte Monarchie in der Auflösung": Aus den Untertanen der Doppelmonarchie werden rumänische Staatsbürger - "Rutsch aus dem Abendland in den Balkan" wird dieser Umbruch äußerst prägnant im Klappentext genannt, an dem sich der Schieben-Thummes und seine Maio, "Sachsen und Rumänen, Bischöfe, Volksmänner, Helden, Haderlumpen und ein Türke" beteiligen.

Auch jene, die den Roman schon kennen, werden an der Wiederbegegnung ihre Freude haben und diesmal hoffentlich auch erfahren, wie es weitergeht - der Verlag verspricht eine Fortsetzung, die bis zur Mitte des Zweiten Weltkrieges reicht. Drücken wir dafür dem 1930 in Hermannstadt geborenen, 1949-1972 in Bukarest und seitdem in Berlin lebenden Autor, Redakteur der "Neuen Literatur" Kritiker und Übersetzer beide Daumen.

Hans-Werner Schuster


Roman, Erster Teil. Rimbaud Verlag, Aachen 2002, 160 Seiten, 20 Euro, ISBN 3-89086-712-X.

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