20. Mai 2003

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Erstes Theaterstück eines Siebenbürgers - 1559

Vor kurzem veranstaltete das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen, in Zusammenarbeit mit der West-Universität, Temeswar, in der traditionsreichen Banater Hauptstadt eine internationale wissenschaftliche Tagung zum Thema „Deutsches Theater im Ausland im 19. und 20. Jahrhundert. Spielpläne im Theateralltag – Bildungsfaktor oder Existenzsicherung?“ Anlass der Tagung – an der sich Referenten aus Deutschland, Rumänien, Ungarn, Lettland, Kroatien, Polen, aus der Schweiz, der Slowakei und den USA beteiligten – war das 50-jährige Jubiläum des Deutschen Staatstheaters in Temeswar.
Nach Grußworten von Heribert Rech, Staatssekretär im Innenministerium Baden-Württemberg, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Horst Förster und Dr. Horst Fassel vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde und Prof. Dr. Cornel Ungureanu, West-Universität, Temeswar, fanden die Arbeiten der Tagung in drei Sektionen statt, wobei zu folgenden Themenbereichen Referate vorgelegt wurden: „I. Spielplangestaltung und Publikum“, „II. Der Theateralltag und die regionalen Repertoirestrategien“, „III. Das deutsche Theater auf dem Gebiete Rumäniens im 20. Jahrhundert. Die identitätsstiftende Rolle des Repertoires“.
Von den zahlreichen Vorträgen sollten hier einige hervorgehoben werden. So machte der bekannte Literaturhistoriker Dr. Horst Fassel (Tübingen) in seiner einführenden Ansprache eine sensationelle Mitteilung. Das erste Theaterstück überhaupt eines deutschen Autors aus dem heutigen Rumänien wurde 1559 in Sindelfingen verfasst: Der dortige evangelische Stadtpfarrer Georg Reypchius (1528-1598) stammte aus Siebenbürgen, und sein Stück Ein schön new Spil von den sieben Weysen existiert auch heute noch als Handschrift in der berühmten Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. Die Buchausgabe erschien danach 1559 in Pforzheim.
Dr. Fassel referierte über den „Minderheitenstatus und seine Auswirkungen auf die deutschen Bühnen in Ost- und Südosteuropa im 20. Jahrhundert“. Die Germanistinnen Prof. Dr. Cornelia Cujba und Dr. Casia Zaharia (Jassy) sprachen über „Deutsches Theater in der Moldau vor 1848“, und weitere Beiträge über die Tätigkeit deutscher Bühnen in osteuropäischen Ländern brachten Porf. Dr. Malgorzata Leyko (Lodz/Lodsch), István Schneider M.A. (Veszprém), Dr. Horst Lamprecht (Pécs/Fünfkirchen), Prof. Dr. Eleonora Pascu, Dr. Peter Kottler und Monika Wikete M.A. (Temeswar).
Gleich zwei Vorträge waren siebenbürgischen Themen gewidmet. Dr. Claus Stephani (München-Baldham) sprach über „Die ‚Deutsche Spielgruppe für Lieder und Tänze’ (Kronstadt) in den fünfziger Jahren und ihr Theaterrepertoire“, wobei er auch auf kulturpolitische Hintergründe der Förderung bzw. Einstellung jenes erfolgreichen Ensembles einging. Franz Csiky M.A. (Bruchsal), langjähriger, verdienstvoller Dramaturg an den beiden deutschen Bühnen Rumäniens, referierte über „Repertoirepflichten und Spielräume am Deutschen Theater in Hermannstadt“.
Die musikalische Krönung der Tagung, nach Begegnungen und Empfängen, Podiumsdiskussionen und Theateraufführungen unterschiedlicher Güte, war ein Jazzabend mit Christel Ungar und Marius Popp im Saal des Kulturhauses der Studenten. Die aus Hermannstadt stammende und in Bukarest lebende Sängerin und Dichterin faszinierte durch ihren natürlichen Charme und ihre kraftvolle Stimme und erntete begeisterten Beifall. Als lyrische Einlagen trugen Renate Müller-Nica und Franz Kattesch von der Deutschen Abteilung des Hermannstädter „Radu Stanca“-Theaters Gedichte aus Christel Ungars zweisprachigem Lyrikband „So blau – Atât de albastru“ vor, der 2001 im Global Media Verlag, Hermannstadt, mit einem Begleitwort von Joachim Wittstock erschienen ist.

A. Conrad

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