28. Dezember 2003

Südosteuropa vielseitig erforscht

Das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) erfreut sich eines guten Rufes in der wissenschaftlichen Landschaft des In- und vor allem des südosteuropäischen Auslandes. Davon legen die zahlreichen Veröffentlichungen und die rege Forschungstätigkeit der Mitarbeiter ein beredtes Zeugnis ab. Die Anbindung des IKGS an die LMU München ist bereits weit gediehen.
Mit dem Titel eines Professor honoris causa hat die Klausenburger Babeş-Bolyai-Universität kürzlich die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter - Dr. Krista Zach, die Direktorin des Instituts, und Dr. Peter Motzan, ihren Stellvertreter - für ihre zahlreichen Veröffentlichungen auf dem Gebiet der südosteuropäischen Geschichts- bzw. Literaturgeschichtsschreibung und ihre Lehrveranstaltungen an in- und ausländischen Hochschulen ausgezeichnet. Somit sind alle drei fest angestellten Mitarbeiter des IKGS – die Universität Bukarest hatte Dr. Stefan Sienerth vor etwa einem Jahr dieselbe Auszeichnung verliehen – Honorarprofessoren an rumänischen Universitäten, was auch die Verpflichtung mit einschließt, südosteuropäische Kulturgeschichte weiterhin in Forschung und Lehre professionell zu vertreten.

Das Institut für Kultur und Geschichte Südosteuropas in München.
Das Institut für Kultur und Geschichte Südosteuropas in München.

Seit dem 1. Dezember 2003 hat sich das kleine wissenschaftliche Team des IKGS vergrößert. Privatdozentin Dr. Mariana Hausleitner, die bislang an mehreren Forschungsinstituten und Universitäten im Fachbereich Osteuropäische Geschichte tätig war, ist eine durch Monographien und zahlreiche Fachstudien vielfach ausgewiesene Wissenschaftlerin. Sie wird sich hauptsächlich der Erforschung des Totalitarismus bei den Südostdeutschen im 20. Jahrhundert zuwenden, Lehraufträge an der LMU München und an ausländischen Universitäten wahrnehmen und sich auch sonst mit Fragen, die vorrangig die Geschichte der Deutschen in Südosteuropa, besonders jene im ungarisch-serbisch-kroatischen Raum, angehen, auseinander setzen.

Zur weiteren Stabilisierung seiner Strukturen und zur Gewährleistung der Forschung unter Beachtung moderner internationaler Standards und Methoden ist die vom IKGS angestrebte Anbindung an die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) recht weit gediehen. Die LMU, zu deren arealen Forschungsschwerpunkten auch Ost- und Südosteuropa gehören, und das IKGS, das einen substanziellen Bereich gerade zum Ausbau dieses Bereichs leisten kann, verfolgen mit der Kooperation Anregung, Koordination und Durchführung von gemeinsamen Forschungsvorhaben sowie die Erweiterung des Lehrangebots an der LMU.

Auch die Vorbereitungen zur Einrichtung einer Stiftungsprofessur der Regierung der Bundesrepublik Deutschland in Klausenburg zum Studien- und Forschungsbereich Deutsche Literatur im südöstlichen Mitteleuropa und ihre Verflechtungen und Wechselbeziehungen in multikulturellen Räumen, die vom IKGS als Zuwendungsempfänger betreut werden soll, näheren sich dem Abschluss. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird die Stiftungsprofessur von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert, danach übernimmt die Klausenburger Babeş-Bolyai-Universität die Professur und führt sie zu angemessenen Bedingungen weiter. Die Stiftungsprofessur übernimmt ihre Lehraufgaben im Rahmen des rumänischen Germanistik-Studiums und richtet darüber hinaus einen Master-Studiengang ein.

Im IKGS Verlag – bis 2002 als Verlag des Südostdeutschen Kulturwerks –, der seit mehr als 50 Jahren die Ausweitung und Verbreitung von Kenntnissen über Kultur und Geschichte, Kunst und Literatur der Deutschen in und aus Ostmittel- und Südosteuropa fördert, sind auch im Laufe dieses Jahres einige wichtige Bücher herausgegeben worden. Nach dem auch graphisch sehr anschaulich gestalteten Buch von Erwin Amlacher Wehrbauliche Funktion und Systematik siebenbürgisch-sächsischer Kirchen- und Bauernburgen, das um die letzte Jahreswende auf den Markt kam, erschien im Frühsommer eine umfangreiche Dokumentation zur Literatur in der Temesvarer Zeitung 1918-1949, die der langjährige Projektmitarbeiter des Instituts Eduard Schneider erstellt hat. Das Buch dokumentiert den literarhistorischen Quellenwert dieser repräsentativen und traditionsreichen Tageszeitung und enthält – getrennt auf einer CD-Rom beigefügt – eine umfangreiche und aufwändig recherchierte Bibliographie zur Literatur in diesem Tageblatt. Wissenschaftliches Neuland betreten auch die Beiträge in dem von Peter Motzan und Michael Markel herausgegebenen Sammelband Deutsche Literatur in Rumänien und das "Dritte Reich". Der Band besticht durch Informationsfülle und Materialreichtum sowie durch die Erschließung bislang unbekannter Quellen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung einer von der bisherigen literaturwissenschaftlichen Unternehmungen eher vernachlässigten Bereich. Aufschlussreiche Rückblicke auf ein tragisches und spannungsreiches Jahrhundert, wie es das vorausgegangene war, vermittelt auch ein Band, der noch in diesem Jahr gedruckt und ausgeliefert wird. Joachim Wittstock (Hermannstadt) und Stefan Sienerth (München) bieten in dem Band "Bitte um baldige Nachricht". Alltag, Politik und Kultur im Spiegel südostdeutscher Korrespondenz einen kommentierten Ausschnitt aus dem umfangreichen, noch kaum erforschten Briefwechsel südostdeutscher Schriftsteller, Maler, Musiker und Politiker des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts. Die Sammlung bereichert die Kenntnis über die Biographien und Werke zahlreicher Persönlichkeiten aus Südosteuropa.

Im Auftrag des IKGS erscheinen – in ihrem nunmehr 52. Jahrgang – die von Hans Bergel und Johann Adam Stupp herausgegebenen Südosteuropäischen Vierteljahresblätter –, die in einem breiten Spektrum über Literatur, Kunst und Geschichte der Südostdeutschen informieren. Der grenzüberschreitende Dialog, die verstärkte Wahrnehmung von Austauschprozessen und Verflechtungen in den multinationalen Herkunftsräumen sind – vor allem nach der Wende 1989/90 – zu Markenzeichen der Zeitschrift geworden, die auch in Ostmittel- und Südosteuropa ein interessiertes Lespublikum und zahlreiche Mitarbeiter gefunden hat.

Alle Titel des Verlags, von dem auch ein neuer Prospekt aufliegt, können über die Verlagsauslieferung Herold (Raiffeisenallee 10, 82041 Oberhaching) oder über die Postanschrift des IKGS (Halskestraße 15, 81379 München, Telefon: 089/780609-0) erworben werden. Die neu gestaltete Homepage www.ikgs.de informiert über das Profil und die Aufbaustruktur des Instituts sowie über die Forschungs- und Lehrtätigkeit der wissenschaftlichen Mitarbeiter. Im dort eingerichteten Online Shop sind alle lieferbaren Veröffentlichungen des Verlags zu bestellen.

St. S.

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 20 vom 15. Dezember 2003, Seite 3)

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