15. Januar 2004

Siebenbürgerin mit Leibniz-Preis ausgezeichnet

Mit 1,55 Millionen Euro ist der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der höchst dotierte deutsche Forschungspreis. Einer der elf diesjährigen Preisträger ist die in Heidelberg forschende Neurobiologin Hannah Monyer. Dies gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am 5. Dezember 2003 bekannt. In der ausführlichen Berichterstattung der regionalen Presse wird allenfalls am Rande erwähnt, dass die frisch gebackene Preisträgerin in Rumänien geboren wurde: präzise am 3. Oktober 1957 in Großlasseln.
Den Leibniz-Preis erhält die Neurobiologin für ihre Forschungsarbeit auf dem Feld der molekularen Grundlagen der Gehirnaktivitäten. Monyer untersucht, wie sich Nervenzellen im Verbund zeitlich aufeinander abstimmen, so dass im Gehirn zusammenhängende, sinnvolle Bilder der Außenwelt entstehen. "Zum Nachweis neuronaler Aktivität führte sie ein gentechnisches Verfahren ein, durch das bestimmte Nervenzellen ein fluoreszierendes Eiweiß abgeben", heißt es in der Pressemitteilung der DFG, und weiter: "An ihren Arbeiten besticht besonders der integrative Ansatz, bei dem modernste molekularbiologische Techniken mit systemphysiologischen Ansätzen verbunden werden."


Mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet: Prof. Dr. Hannah Monyer.
Mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet: Prof. Dr. Hannah Monyer.
Seit Mai 1999 leitet Prof. Dr. Hannah Monyer als Ärztliche Direktorin die Abteilung Klinische Neurobiologie der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. In Heidelberg hatte sie bereits ihr Medizinstudium absolviert und promoviert, ehe die Stationen Mannheim, Lübeck und Stanford/Kalifornien folgten. Entgegen der in der Pressemitteilung der DFG formulierten Identifikation als "gebürtige Rumänin" bezeichnet sich Monyer selbst als Siebenbürger Sächsin aus Rumänien. In Großlasseln geboren, besuchte sie ab dem 14. Lebensjahr das englische Gymnasium in Klausenburg. Den multiethnischen Austausch jener Jahre empfindet Hannah Monyer noch heute als prägend: "Für mich bedeutet es eine große Bereicherung, in Siebenbürgen geboren zu sein." 1975 siedelte ihre Familie in die Bundesrepublik aus, nach Heidelberg.

Die ihr als Leibniz-Preisträgerin zuerkannte Fördersumme von 1,55 Millionen Euro beabsichtigt die Neurobiologin in den Aufbau zweier Nachwuchsgruppen mit jeweils 5-6 Wissenschaftlern (Elektrophysiologen und Verhaltensforscher) zu investieren. Hochtechnologisches Forschungsgerät ist teuer: Für einen bedarfsgerechten Messstand veranschlagt Prof. Monyer ca. 300 000 Euro, den selben Betrag für ein Spezialmikroskop, das vornehmlich bei der Laborforschung an Mäusen zum Einsatz kommen soll. Die feierliche Preisverleihung findet am 25. Februar in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt.

Christian Schoger

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 1 vom 20. Januar 2004, Seite 3)

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