8. Juli 2004

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Otto Staniloi: Musiker mit Leib und Seele

Die Spider Murphy Gang, Kultkapelle aus München-Schwabing, begeistert auch heute mit ihren aufmüpfigen, handgemachten Rock 'n' Roll-Klängen und witzigen Texten in bayerischem Dialekt. Das neueste Live-Album „Unplugged - Skandal im Lustspielhaus“ zeigt deutlich, wo die Wurzeln der Spider Murphy Gang liegen, nämlich im guten, alten Rock 'n' Roll. Eines der Bandmitglieder, Otto Staniloi, kommt aus Siebenbürger. Ein Interview mit dem hervorragenden Instrumentalisten, der alle Klänge zwischen Klassik und Rock 'n' Roll beherrscht, führte Robert Sonnleitner.
Sie sind am 2. Februar 1954 in Kronstadt geboren und in Weidenbach aufgewachsen. Woher rührt Ihre Liebe zur Musik?

Seit meiner frühesten Kindheit wollte ich Musiker werden. Damals natürlich eher in Richtung Blaskapelle, da ich wusste, dass mein Urgroßvater Peter Klöck einst Leiter der Blaskapelle gewesen war. Spätere Anstöße kamen von Lehrer Preidt (bei dem ich Blockflöte und später Musikunterricht hatte), Georg Waedtleges (Leiter der Jugend-Blaskapelle) und natürlich meinen Eltern.

Otto Staniloi.
Otto Staniloi.


Welches war Ihr musikalischer Werdegang in Siebenbürgen?

Mitte der 60er Jahre besuchte uns mein Onkel aus Berlin, Franz Klöck. Er konnte auf meiner Blockflöte so viel besser spielen als ich, dass ich mit ganz neuem Ehrgeiz anfing zu üben. Ab der 5. Klasse besuchte ich dann das Musiklyzeum in Kronstadt. Die klassische Musik interessierte mich nicht so sehr, vielmehr Jazz, Blues, Beat usw., was man in Rumänien leider nicht lernen konnte. Andreas Gehann war Dirigent am Musiktheater Kronstadt, Abteilung „Estrada“ (heute würde man das „Musical“ nennen), und engagierte mich. So war ich eineinhalb Jahre (bis zur Ausreise von Gehann) auf Tourneen in ganz Rumänien unterwegs und konnte dabei viel über Bigbandsound und moderne Musik lernen. Dann machte ich Bekanntschaft mit den Musikern Erwin Göllner, Gunther Schreiber, Hans Suer und Sorin Dogaru von der Band Flamingo. Wir spielten vor allem in Kronstadt, aber auch in Sinaia und Mamaia.

Seit März 1977 leben Sie in Deutschland. Was bewog Sie, Siebenbürgen zu verlassen?

Meine Familie erhielt die Genehmigung zur Ausreise und für mich ging damit auch ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Alle meine Musikerkollegen wollten oder waren schon ausgereist, denn Mitte der 70er Jahre mussten wir immer mehr rumänische Musik spielen. Der Verlust der künstlerischen Freiheit und natürlich die Anreize des „reichen“ Deutschlands sind die Hauptgründe für meine Ausreise gewesen.

Konnten Sie nach Ihrer Ausreise nahtlos an Ihre Erfolge als Berufsmusiker in Siebenbürgen anknüpfen?

Mit den Flamingos spielte ich 1978 auf einem kleinen Festival im Schwarzwald und lernte dabei die damals noch völlig unbekannte Spider Murphy Gang kennen. Ein Jahr später ging unsere neue Flamingo-Band jedoch auseinander. Durch einen Freund kam ich zu den Supremes, die gerade eine Europatournee machten. Dann wechselte ich zur John West Big Band, die damals so gut wie jeden Künstler von Rang und Namen bei Konzerten und Galas begleitete. 1981 spielten wir im Bonner Hofgarten bei der CDU-Großdemonstration vor mehr als 200 000 Menschen.
1983 ging ich zur Band von Michael Schanze. Seit 1996 bin ich Mitglied im Orchester Hugo Strasser, mit dem wir auch viele Studiaufnahmen für Filmmusik, Tanzplatten usw. machten. Mit Ernst Mosch und seinen Egerländer Musikanten nahm ich die Jubiläums-CD auf. Mit Werner Tauber und seinem Orchester habe ich ca. 15 Jahre lang fast jede Tanzformationsmusik in Deutschland aufgenommen. Mit der Thilo Wolf Bigband aus Fürth spiele ich auch schon lange bei Fernsehshows (Patrick Lindner, Swing it u.a.) mit. Bei verschiedenen Musicals wirke ich als Musiker (Saxophon Klarinette, Flöte) mit. Seit drei Jahren spiele ich auch in der Band beim Politiker Derblecken auf dem Nockherberg in München (Saxophon, Klarinette, Flöte, Tuba Gitarre).

Seit 1995 sind Sie bei der Spider Murphy Gang (SMG) zuständig für Saxophon (Tenor, Bariton, Sopran). Beim unplugged Programm spielen Sie auch Tuba, Flöte und Bass. Unter welchen Umständen sind Sie zur Band gestoßen?

Die Jungs suchten gerade einen neuen Rock 'n' Roll Saxophonisten, als wir uns zufällig in München wieder trafen. Seitdem spiele ich bei der SMG. In den anderen Orchestern versuche ich je nach Terminplan weiter mitzuspielen.

Die SMG wird unter anderem dem Phänomen der modernen Musik „Alpenrock“ und „Dialektrock“ zugeordnet. Wie sehen Sie dieses Phänomen?

Der Alpenrock ist eine interessante Sache. Er ist eigentlich nichts wirklich Neues, aber er kombiniert die Elemente der deutschsprachigen modernen Musik (Volksmusik und Rock) neu. Die Urkraft und der Schwung der Volksmusik mit dem einprägsamen Rhythmus, der Präzision, der Härte, dem Zeitgeist und dem musikalischen Esprit der Rockmusik, gepaart mit witzigen Texten in bayerischem oder österreichischem Dialekt.

Sie waren schon mit den „Surpremes“ auf Tour und mit Udo Lindenberg auf der Feuerland-Tour. Waren das Höhepunkte Ihrer Karriere in Deutschland, oder stufen Sie andere Ereignisse als wichtiger ein?

Sicher waren die Supremes und Udo Lindenberg Höhepunkte in meiner Karriere, doch 200 000 Menschen in Bonn, oder mit der SMG 1999 in Barcelona und 2001 in Mailand mit dem FC Bayern, jeweils im Endspiel der Champions-League, war auch nicht schlecht. Wir spielten eine halbe Stunde vor Spielbeginn auf dem Rasen in der Bayernkurve vor etwa 100 000 Leuten im Stadion.

Wie sieht Ihre Zwischenbilanz als Fünfzigjähriger aus: Fühlen Sie sich als Berufsmusiker erfüllt? Welche weitere Ziele haben Sie ins Auge gefasst?

Meine Zwischenbilanz sieht nicht schlecht aus, würde ich sagen. Noch dazu als „Zugeroaster“ bin ich nicht schlecht dabei. Für die Zukunft plane ich eine eigene CD ...und dann „schau mer mal“.

In München pflegen Sie engen Kontakt zu den beiden rumänischen Musikern Dan Andrei Aldea und Cornel Ionescu. Treffen Sie sich auch mit anderen siebenbürgischen Kollegen?

Aldea und Ionescu sind hervorragende Musiker und für mich auch gute Freunde, mit denen ich schon einige Studioaufnahmen gemacht habe. Einige Amateurmusiker aus diversen Blaskapellen traf ich beim Weidenbacher Blasmusiktreffen in Sindelfingen, aber sonst habe ich leider keinen Kontakt zu siebenbürgischen Kollegen. Die meisten, die früher einmal Berufsmusiker waren, sind es jetzt nicht mehr.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und danken für das Gespräch.


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