7. Dezember 2011

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Welche Zukunft haben in Streitfort die Kirchenburg und der Salzbrunnen?

„Anders rauschen die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit, früh fasst den schaudernden Knaben, Schauder der Ewigkeit, siehst du das Wappen am Tore, längst verwelkte die Hand, Völker kamen und gingen, ach wie verrinnt hier die Zeit ...“ Existieren der Salzbrunnen und die Kirchenburg in Streitfort noch? Genau diese zwei Faktoren hatten überlebenswichtige Rollen in der Geschichte der Siebenbürger Sachsen aus dem Repser Gebiet. Wie mag es in Zukunft mit diesen Bauten weiter gehen?
Eine besonders starke und geschmacksreine Salzquelle (Salzbrunnen) versorgt die Streitforter seit eh und je mit dem unentbehrlichen Nahrungs- und Konservierungsmittel Salz. Dieser Salzquelle verdankt der berühmte Streitforter Speck seinen hohen Bekanntheitsgrad im Repser Ländchen des Alttales in Siebenbürgen. Ursprünglich war Streitfort im Besitz von zwei Salzbrunnen: einem Brunnen in unmittelbarer Dorfnähe „hinter dem Lehmberg“ und einem zweiten Brunnen, der an die Sommerburger „für ein Achtel voll Golddukaten“ laut mündlicher Überlieferung verkauft wurde. Dieser zweite Salzbrunnen liegt heute auf Sommerburger Hattert, also Gemarkung. Während der Streitforter Salzbrunnen eine fast gesättigte Salzlösung enthält, ist das Wasser des zweiten Salzbrunnens viel schwächer. Die Stärke und Geschmacksreinheit der Salzlösung aus dem Streitforter Salzbrunnen begründet auch die Tatsache, dass der Streitforter Speck, „det Baofliosch“, als siebenbürgische Spezialität in der siebenbürgischen Literatur und Mundart Erwähnung gefunden hat. So wie der Streitforter Salzbrunnen zum Leben notwendig war, hatte auch die Streitforter Kirchenburg eine überlebensnotwendige Rolle, da die Streitforter Siebenbürger Sachsen in dieser Kirchenburg Schutz vor dem Feind suchten.Der Streitforter Salzbrunnen früher (1995). Foto: ...Der Streitforter Salzbrunnen früher (1995). Foto: Dietmar Melzer Geologisch liegt Streitfort auf einem riesigen Salzstock, der sich von Sovata nach Reps zieht. In einem kirchlichen Steuerregister wird im Jahr 1400 unter den Gemeinden des Repser Stuhls erstmalig die Ortschaft „Stristfordia” erwähnt. Die Streitforter Kirche wurde vermutlich bereits im 13. Jahrhundert als dreischiffige romanische Basilika mit Westturm erbaut. Vermutlich wurden Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts an der Kirche Befestigungsarbeiten durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt wurde wohl auch das südliche Seitenschiff gänzlich und das nördliche zum Teil abgetragen. Die Bögen wurden bis auf zwei Joche im östlichen Teil des nördlichen Seitenschiffs zugemauert. Vermutlich wurde auch das Westportal im Erdgeschoss des Turmes zugemauert und zwei neue Eingänge auf der Nord- und Südseite der Kirche angelegt. Zum gleichen Zeitpunkt wurde der viereckige Bering mit Ecktürmen mit Pultdach errichtet. Der Bering mit Wehrgang mit Dach hatte eine Höhe von 6 bis 7 Metern. An der Außenseite gab es in regelmäßigen Abständen Schießscharten, auch im zweiten Geschoss des Südostturmes gab es drei Schießscharten. Auf diesem einzigen erhaltenen Turm wurden Inschriften mit den Jahreszahlen 1517 und 1541 entdeckt sowie eine weitere Inschrift, die wie folgt lautet: „Wie fein steht es, wenn die grauen Häupter weise und die Herren fürsichtig sind”. Der Turm im Nordwesten des Berings war als „Speckbastei” bekannt. In dieser Speckbastei wurde der in Salzwasser eingelegte bzw. gepökelte Speck zum Trocknen aufgehängt. Mit dem Streitforter Salzwasser wurden nach dem Schlachten des Schweins der Speck und das Schweinefleisch für den Winter in Salzwasser eingelegt bzw. gepökelt, also eingeweicht, um alles haltbarer zu machen.

Die Kirchenburg befindet sich seit 2005 in einem sehr schlechten Zustand. Zwei marode Holzbalken sind im Inneren des Kirchenschiffes eingestürzt, weil es hereingeregnet hat. Die Nässe hat veranlasst, dass die Balken vermodert sind. Dies ist leider nur der Anfang, es könnte so weitergehen, bis eines Tages gar nichts mehr steht. Liebe Landsleute, seht Euch bitte die Fotos der HOG Streitfort (auch Bildergalerie) an. Dies ist auch ein Aufruf an alle ehemaligen Streitforter Dorfbewohner, Nachkommen von Streitfortern, Freunde aus Siebenbürgen und Übersee, Freunde unserer siebenbürgischen Kirchenburgen zur Erhaltung der Streitforter Kirchenburg.

Seit längerer Zeit versuche ich über verschiedene Organisationen etwas von dieser stolzen Wehranlage für die Zukunft zu erhalten. Leider stoße ich immer gegen Wände, fast niemand möchte meine Initiative und Arbeit positiv unterstützen. Um so trauriger ist es, mit ansehen zu müssen, wie die berühmte Kirchenburg in Streitfort, die der rumänische Tourismus und der rumänische Denkmalschutz leider noch nicht erreicht haben, als Juwel aus dem 14. Jahrhundert wenig bis gar keine Unterstützung bekommt. Bleibt es einfach seinem Verfall überlassen? Der Eigentümer dieser Anlage, also die Evangelische Landeskirche A.B. in Rumänien, ist leider finanziell nicht in der Lage, hier etwas zu unternehmen. Helft mir, uns, also der HOG Streitfort zu retten, was noch irgendwie zu retten ist. Meldet Euch bitte beim Vorstand der HOG Streitfort oder der Leitstelle Kirchenburgen bei Herrn Philipp Harfmann mit seinem Team in Hermannstadt unter dem Stichwort „Rettung für die Kirchenburg in Streitfort“. Diese Einrichtungen bzw. Organisationen helfen beim Erhalt unserer Kirchenburg und unseres kulturellen Erbes. Nur mit Ihrer Hilfe können die Restaurierungsarbeiten begonnen werden. Weitere Infos können bei Herta Jobi, Dorfplatz 4, 74080 Heilbronn-Böckingen, Telefon: (0 71 31) 3 34 60, eingeholt werden. Für jede Unterstützung sind wir sehr dankbar.

Dietmar Melzer

Schlagwörter: Streitfort, Kirchenburg, Salzbrunnen

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