4. Dezember 2019

Ein Jahresausklang mit Erfolgsbilanz und Zuversicht: Versammlung der HOG Bistritz-Nösen und Nordsiebenbürger Treffen

So ein Jahresabschluss! Jubelnswert! Nach der Teilnahme im April am Bistritzer Ostermarkt, im August am Stadtfest „Großer Sommermarkt“, im September am Sachsentreffen mit großer Gedenkveranstaltung „75 Jahre Evakuierung aus Nordsiebenbürgen“ wurde unsere Mitgliederversammlung und das Nordsiebenbürger Treffen am 9. November im Palmengarten in Nürnberg ein Ausklang mit Jubelwert, vorzeigbaren Erfolgen und großer Zuversicht.
Der Vorsitzende der HOG Bistritz-Nösen, Dr. Hans Georg Franchy, begrüßte zur Mitgliederversammlung herzlich als Ehrengäste den neuen Bundesvorsitzenden des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Rainer Lehni, die Vorsitzende des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatsortsgemeinschaften, Ilse Welther, und Frau Kurator Katharina Borșoș aus Bistritz.

Gleich zu Beginn stockte der Vorstand seine Spende für Schloss Horneck einstimmig von 100 Euro auf 500 Euro auf. Im Bericht des Vorsitzenden an die zurzeit 322 Mitglieder der HOG Bistritz-Nösen e.V. wurden vielfältige Projekte und Unternehmungen hervorgehoben: Ostermarktteilnahmen, regelmäßige Besprechungen mit den Vertretern des Bistritzer Presbyteriums, des Bistritzer Forums und der Stadtverwaltung, Präsenz an den Stadtfesten, Aufstellung der Büste von Georg Fischer am Gymnasium, Herausgabe des Bandes „Wir Nösner 2017“, Herstellung des Films „Bistritz und das Nösnerland 2019“, Erweiterung des Denkmals zur Erinnerung an die Evakuierung der Nordsiebenbürger Sachsen um zehn Bronzetafeln, Dauerleihgabe von 23 Bildern von Gustav Gross an das Kreismuseum Bistritz, Mitveranstaltung des Sachsentreffens 2019, Bestellung von drei Repliken von Bistritzer Kirchenteppichen. Doris Aichinger brachte aus Österreich herzliche Grüße von dem Welser Nachbarvater Dr. Christian Schuster, Michael Klössler beanstandete die Verwendung des Begriffs Emigration/Immigration als Suchbegriff für die 1944 evakuierten Nordsiebenbürger Sachsen im siebenbürgischen Genealogie-Projekt, Dr. Alfred Theil erläuterte Vorteile einer Zusammenarbeit mit der Donau-Schwäbischen Kulturstiftung.
Blick auf das Publikum im Saal. Foto: Horst ...
Blick auf das Publikum im Saal. Foto: Horst Göbbel
Nach Kassenbericht und Entlastung folgten unter der gekonnten Leitung von Rainer Lehni die Vorstandswahlen. Das Ergebnis: Vorsitzender: Dr. Hans Georg Franchy, Stellvertretende Vorsitzende: Horst Göbbel und Heide Wellmann, Kassenwart: Johann Steger, Schriftführerin: Annemarie Wagner, Beirat: Inge Alzner, Gerhard Adam, Hildegard Steger, Günter Klein, Inge Erika Roth, Roswitta Porth, Elisabeth Hoos, Johann Schuster, Katharina Borsos, Dr. Maria Raidel, Ingrid Schuller, Johann Eugen Hann, Henriette Kuales, Jost Jürgen Schneider, Dr. Alfred Theil, Doris Aichinger, Erich Kohlruss, Katharina Emrich, Kassenprüfer: Anneliese Adam und Werner Klein, Ersatzkassenprüfer: Martin Bidner und Johann Kuales.
Der neue Vorstand der HOG Bistritz-Nösen mit ...
Der neue Vorstand der HOG Bistritz-Nösen mit Ehrengästen. Foto: Hans Wagner
Im Anschluss an die Wahlen (und später beim Nordsiebenbürger Treffen) referierten Dr. Anja Kregeloh zum Thema „Frühneuzeitlicher Orienthandel und siebenbürgisch-sächsische Identitätsbildung“ und Stefano Ionesco (Rom) über die Herstellung von Repliken von Bistritzer Kirchenteppichen.

Die Originale der Bistritzer Teppichsammlung werden seit 1952 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg als Leihgabe der Evangelischen Kirchengemeinde A.B. in Bistritz aufbewahrt. Ihr fragiler Zustand erlaubt eine Ausstellung derselben zurzeit nicht. Das Forschungsprojekt untersucht Herkunft und Verwendungsgeschichte dieser osmanischen Teppiche des 16. bis 18. Jahrhunderts. Es wird wichtige Aspekte des frühneuzeitlichen transosmanischen Warenaustauschs sowie der Verwendung und Bedeutung der Objekte in dem im Grenzgebiet des Osmanischen Reichs liegenden Siebenbürgen beleuchten. Erwartet werden neue Erkenntnisse über den Handel mit Teppichen selbst, die als Luxusgüter einen besonderen Stellenwert innerhalb der Warengruppen aus dem Osmanischen Reich einnahmen, sowie deren (zugeschriebene) Bedeutung und Nachnutzung in Siebenbürgen, wohin sie ein Stück osmanischer Kultur transportierten und wo sie selbst zum Bestandteil der sächsischen Kultur wurden.
Von links nach rechts: Dr. Hans Georg Franchy, ...
Von links nach rechts: Dr. Hans Georg Franchy, Stefan Ionesco, Eva Hanke, Dr. Anja Kregeloh. Foto: Hans Wagner
Stefano Ionescu (69), in Temeswar geboren, studierte Flugzeugbau in Bukarest und lebt seit 1974 in Rom. Durch akribische Beschäftigung mit anatolischen Teppichen ist er zum ausgewiesenen Fachmann auf dem Gebiet geworden. Er ist zurzeit mit der Herstellung von Repliken (Nachbildungen) aus der Bistritzer Teppichsammlung befasst und erläuterte diese besondere Teppichherstellung in der heutigen Türkei. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden vier Repliken fertiggestellt. Davon wurde eine im Rahmen des Nordsiebenbürger Treffens in Nürnberg der HOG Bistritz-Nösen überlassen.
Dr. Hans Franchy und Stefano Ionesco präsentieren ...
Dr. Hans Franchy und Stefano Ionesco präsentieren die HOG-Teppichreplik. Foto: Hans Wagner
Der gut besuchte, tiefgreifende Gottesdienst mit Abendmahl mit unserem nordsiebenbürgischen Landsmann Pfarrer Johann Rehner widmete sich intensiv anhand von 2. Mose / Exodus, 13, 17a. 19.21-22 mit den zentralen Worten „Und der Herr zog vor ihnen her, um sie den rechten Weg zu führen“ dem Gedenken an 75 Jahre Evakuierung der Nordsiebenbürger Sachsen, „ein Wendepunkt ohne Gleichen in der Geschichte unseres Völckchens.“ Dabei erinnerte er auch an die Aussage von Horst Göbbel zum Thema: „Im Herbst 1944 waren die Nordsiebenbürger Sachsen unterwegs. Unterwegs aus einer vertrauten Vergangenheit in eine höchst ungewisse Zukunft, unterwegs aus der althergebrachten Geborgenheit einer in jeder Hinsicht festgefügten, klar definierten, jahrhundertelang erprobten recht sicheren Welt in die große Ungewissheit einer Zeit und Welt ohne klar definierte Koordinaten, aus dem beschaulichen, fast idyllischen, in besonderem Maße geliebten Siebenbürgen ins damalige für den Einzelnen völlig unbekannte, mit ungeheurer Wucht in die totale Katastrophe eines selbstverschuldeten Krieges sich bewegende Deutsche Reich, unterwegs aus selbsterarbeitetem Wohlstand in oft bittere Armut. Und das galt für alle Evakuierten, für die in Österreich verbliebenen sowie für die nach Siebenbürgen zurückgekehrten Nordsiebenbürger Sachsen.“

Pfarrer Rehner fügte hinzu: Für uns Heutige braucht es andere Zeichen und die gibt es, wir müssen sie nur wahrnehmen. Glück und Leid, Erfolg und Scheitern, Aufbruch und Abbau liegen oft ganz nahe beieinander. Hinwendung zum althergebrachten Glauben sei notwendig. Das Heilige Abendmahl empfing die Gemeinde als Ermutigung und Aufbruch, Bestätigung im Glück, Stärkung in der Liebe, für manche vor allem als Trost im Leid. Die eingesammelte Kollekte, aufgerundet 500 Euro, wurde der evangelischen Kirchengemeinde Bistritz für Kinder- und Seniorenarbeit überwiesen.
Ehrengäste: Katharina Borșoș, Werner ...
Ehrengäste: Katharina Borșoș, Werner Henning, Ovidiu Crețu und Gastgeber Dr. Hans Franchy Foto: Hans Wagner
Bei Kaffee und Kuchen unter den Klängen der Nadescher Adjuvanten wurde der Nachmittag verbracht. Der Abend bot wertvolle Ansprachen unserer Ehrengäste: Der Stadtrat von Nürnberg Werner Henning hob die Erfolge der HOG Bistritz-Nösen hervor und Bürgermeister Teodor Ovidiu Crețu zog ein besonderes Fazit der langjährigen Zusammenarbeit.
Der Bistritzer Bürgermeister Teodor Ovidiu ...
Der Bistritzer Bürgermeister Teodor Ovidiu Crețu während seiner Ansprache Foto: Horst Göbbel
Für Crețu war es nach eigenem Bekunden eine besondere Ehre anlässlich des Treffens der HOG Bistritz-Nösen den Gruß der Bistritzer Verwaltung – und die besten Grüße der Bistritzer Bürger zu überbringen. Als Bürgermeister versicherte er uns die Dankbarkeit und Wertschätzung „derer, die heute in Bistritz leben, gegenüber denen, welche die Stadt gegründet und erbaut haben, und Ihnen gegenüber, die Sie biologische Nachfolger sind“. Als er über vererbte Werte sprach, meinte er nicht nur materielle Werte wie Häuser, Promenaden, Schulen und Kirchen, sondern in besonderem Maße die geistigen Werte der deutschen Bistritzer: deren „Organisationsfähigkeit, die Ausgewogenheit, die Zivilisation, ihren Glauben daran, dass die Zukunft nur durch Bildung gestaltet werden kann“. Er betonte seine Wertschätzung für den Erhalt der Zusammengehörigkeit, für die Bewahrung und Weiterführung der sächsischen Tradition. Bürgermeister Crețu lobte die „ausgezeichnete Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit der HOG Bistritz-Nösen“ nach dem verheerenden Brand vom 8. Juni 2008. (z.B. Ev. Kirche, Gewerbeverein, das Haus mit den Löwen, Ackerbauschule, Goldschmiedehaus, Minoritenkirche, Denkmal Evakuierung 1944, Promenade, historische Gässchen, Schullerwald, Georg Fischer-Büste, Evangelisches Gymnasium, Städtepartnerschaften mit Wels und Wiehl) „Diese Zusammenarbeit ist anerkannt und bewundert, sie ist ein Vorbild für viele Siebenbürgische Institutionen in Rumänien und Europa und wir sind stolz darauf.“ Bürgermeister Crețu (er kandidiert 2020 nicht mehr) beendete seine bewegende Ansprache mit den Worten: „Ich muss sagen, dass ich mich geehrt fühle und sage, jede Begegnung mit euch war für mich angenehm und ihr werdet für mich immer das Bindeglied der Gegenwart der Stadt Bistritz zu ihrer Vergangenheit und zu ihrer Zukunft bleiben.“
Dankesworte von Horst Göbbel. Foto: Hans Wagner ...
Dankesworte von Horst Göbbel. Foto: Hans Wagner
Horst Göbbel sprach in seinen Dankesworten an Dr. Franchy und Bürgermeister Crețu von einem wahren Glücksfall für unsere große Gemeinschaft, für Bistritz, für Siebenbürgen, als er die enge langjährige, vorbildliche Zusammenarbeit der beiden lobte. Sie sei auch das Ergebnis einer wahren persönlichen Freundschaft.
Zwei echte Freunde: Dr. Hans Franchy und ...
Zwei echte Freunde: Dr. Hans Franchy und Bürgermeister Ovidiu Crețu Foto: Hans Wagner
Im geselligen Teil boten die beiden Musiker des „Magic Duo“ Hans Müller und Doru Moga, zwei wahre Könner und Stimmungsmacher par excellence, bis tief in die Nacht hinein auch die Möglichkeit, nach Herzenslust zu tanzen. Für die sehr überzeugende Organisation sei Annemarie Wagner und ihrem Team herzlicher Dank ausgesprochen. Auf Wiedersehn beim nächsten Nordsiebenbürger Treffen!

Horst Göbbel

Schlagwörter: Nordsiebenbürgen, Bistritz, HOG-Treffen, Evakuierung, Horst Göbbel

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