15. April 2024

EU-Projekt zur Renovierung der Kirchenburg in Zeiden abgeschlossen

Seit Ende Dezember 2023 gilt das EU-Projekt zur „Renovierung beziehungsweise Sanierung der Kirchenburg in Zeiden“ als abgeschlossen. Damit hat die Evangelische Kirchengemeinde Zeiden trotz extrem widriger Umstände (u.a. Corona-Krise, Pandemieeinschränkungen, Krieg in der Ukraine, Preissteigerungen im Bausektor, Pfarrer- und Kurator-Amtswechsel) innerhalb der letzten drei Jahre ein Projekt zum Abschluss gebracht, das in die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde wie kaum ein anderes vorher eingehen wird.
Seit Ende 2023 erstrahlt die renovierte Zeidner ...
Seit Ende 2023 erstrahlt die renovierte Zeidner Kirchenburg inklusive Turm in neuem Glanz. Allerdings gibt es noch einiges zu tun. Drohnenaufnahme, Juni 2022, von Rudolf Girst
Und das Erstaunlichste an dieser Sicherung der kirchlichen Bausubstanz ist, unabhängig von der Finanzierung, die Tatsache, dass dieses Projekt 2017 von einer Kirchengemeinde mit damals 390 Gemeindegliedern in Auftrag gegeben wurde, obwohl dem Presbyterium bewusst war, dass nur wenig menschliche Ressourcen zur Mithilfe zur Verfügung stehen, die zum Gelingen des Projekts beitragen können. Das war der eigentliche Unterschied zu früher, als die Kirchengemeinde etwa dreitausend Gemeindeglieder (1981) zählte.

Wie kam es zu dieser mutigen Entscheidung der Kirchengemeinde, ein Großprojekt dieser Dimension in Angriff zu nehmen, ohne den Arbeitsaufwand und den finanziellen Rahmen der Bauarbeiten zu kennen? Die damaligen Verantwortlichen der Kirchengemeinden, Pfarrer Andreas Hartig und Kurator Peter Foof, beide damals erst kurz in der Verantwortung, erkannten die einmalige Chance, mit einem finanziell geförderten Sanierungsprojekt (die Höhe der EU-Förderung war am Anfang nicht bekannt) der Kirchengemeinde Gutes zu tun und dafür zu sorgen, dass dem Einsatz zur Sicherung siebenbürgisch-sächsischen Kulturgutes Priorität eingeräumt werden muss.

Bereits im Jahr 2013 wurden dem Landeskonsistorium in Hermannstadt über die zuständigen Bezirkskonsistorien Listen von Kirchenburgen, Wehrkirchen oder Stadtkirchen zugestellt, mit der Bitte der Eigentümer (der Kirchengemeinden), die benannten Objekte über ein neues EU-Projekt sanieren zu lassen. Es dauerte bis März 2015, als Zeiden an der Seite des Architekten Johannes Bertleff über die Kriterien der Landeskirche für eine umfassende Antragstellung informiert wurde.

Mit der Aufnahme des Sanierungsprojekts auf die Prioritätenliste der Landeskirche im Jahr 2016 war der erste wichtige Schritt getan. Eine Zusage schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Doch am Ende fehlte Zeiden auf der Liste der durch EU-Gelder geförderten Projekte. Dies hatte eine erste Ablehnung zur Folge. Enttäuscht nahm das Presbyterium die Ablehnung zur Kenntnis, aber die Enttäuschung währte nicht lange. Die Möglichkeit, gegen die Begründung der Ablehnung Widerspruch einzulegen, wurde wahrgenommen, hartnäckig weitere Gespräche geführt und danach ein nachgebesserter Antrag vorgelegt.

Im August 2016 befürwortete der Vorstand der Zeidner Nachbarschaft zudem die Unterstützung der Baumaßnahme und versprach im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanzielle Hilfe zu leisten.

Über das weitere Genehmigungsverfahren, bei dem Pfarrer Andreas Hartig und Kurator Peter Foof ab 2016 die „neue“, mit EU-Merkmalen behaftete Bürokratie der rumänischen Genehmigungsbehörde in Karlsburg (Alba Iulia) zu spüren bekamen, näherte man sich mit jedem Neuantrag dem eigentlichen Ziel. Nach dreimaliger Ablehnung – die Gründe hierfür waren unterschiedlicher Art – wurde dem Antrag der Kirchengemeinde im Oktober 2017 von der Genehmigungsstelle in Karlsburg entsprochen und eine Fördersumme von 3,197 Millionen Lei (rund 710000 Euro) zugesagt. Gleichzeitig wurde der Eigenanteil der Kirchengemeinde auf 40450 Euro festgelegt.

Am 22. Dezember 2017 war es dann endlich so weit – ein denkwürdiger, ja historischer Tag für die Kirchengemeinde. Pfarrer Andreas Hartig und Kurator Foof reisten nach Karlsburg, wo der Finanzierungsvertrag in feierlichem Rahmen unterschrieben werden konnte.

Doch was dann kam, überraschte die Kirchengemeinde sehr. Es dauerte nämlich erstaunlich lange, bis der Bauantrag gestellt werden konnte und im Juli die erste Ausschreibung der Restaurierungsarbeiten (Juli 2019) stattfand. Doch nachdem die ersten drei Ausschreibungen wegen erhöhter Angebotssummen (das niedrigste Angebot sprengte das Budget um 294000 Euro) nicht den gewünschten Erfolg brachten, verschob sich der Beginn der eigentlichen Renovierung erneut um ein weiteres Jahr.

Erst die vierte Ausschreibung und die Vergabe der Arbeiten an die Firma SC Unicons SRL aus Cristuru Secuiesc brachte im September 2020 den Durchbruch. Leider hatte diese zeitliche Verzögerung zur Folge, dass eine zu erwartende Verteuerung der Baukosten (Material- und Personalkosten) eintrat. Plötzlich standen geschätzte Baukosten von 820000 Euro auf dem Papier. Damit stieg der Eigenanteil der Kirchengemeinde auf 115000 Euro.

Glücklicherweise hatte die Zeidner Nachbarschaft ihre Spendenaktion über den Aufruf im Zeidner Gruß gestartet und bereits einen erfreulichen Spendeneingang zu verzeichnen. Des Weiteren gingen beträchtliche Spenden aus der Nachbarschaft über die „Stiftung Zeiden“ ein. Mit der überraschenden Spende des Kirchenkreises Oberes Havelland über 20000 Euro und den Eigenmitteln der Kirchengemeinde gelang es, planerisch die Verteuerung aufzufangen und die erste Restaurierungsphase am 15. Dezember 2020 zu starten.

Laut Aufstellung des Evangelischen Pfarramtes in Zeiden wurden in der Folgezeit (2021-2023) nachstehende Sanierungsarbeiten an der Kirchenburg durchgeführt:

2021: Erneuerung des Glockenturmdachs (einschließlich Zinkblecherneuerung), Ausbesserungen an der gesamten Außenfassade des Glockenturms, Anstricharbeiten an der gesamten Außenfassade des Glockenturms, Anbringung neuer Dachrinnen am Kirchengebäude sowie Installation eines Blitzableiters.

2022: Komplette Reparatur und Erneuerung des Kirchendachs, Ausbesserungen an der Außenfassade der Kirche, Anstricharbeiten an der gesamten Außenfassade, Freilegung unbekannter Fresken im Chor der Kirche, Restaurierung der Eingangstüren (Kirche und Turm) und Freilegung einer Inschrift an der Außenfassade der Kirche.

2023: Erneuerung des Anstrichs des Glockenturmsockels, Erneuerung des Schaltkastens in der Sakristei, Schalter und Steckdosen ersetzt, Notbeleuchtung angebracht, Installation von Rauchmeldeanlagen für Kirche, Turm und Kirchenburg, Installation einer Hofbeleuchtung, Ausbesserungen und Anstricharbeiten an der Außenfassade (Kornkammern), Erneuerung der Funktionalität der Blitzableiter sowie Einbau einer Sanitäranlage mit WC- und Waschraum (auf der Westseite, in der Ringmauer links vom Gemeinderaum)

Erschwerend kam bei diesem mehrjährigen Bauprojekt hinzu, dass Pfarrer Andreas Hartig Zeiden am 31. August 2021 in Richtung Linz verlassen hatte und Kurator Peter Foof im Herbst 2022 auf eine Wiederwahl verzichtete. Damit fehlten zwischenzeitlich beide bisherigen Ansprechpartner, die bis zu ihrem Ausscheiden das Projekt begleitet hatten.

Doch sowohl der am 31. Januar 2022 neugewählte Kurator Christian Popa als auch der am 1. Dezember 2022 eingesetzte Pfarrer Danielis Mare nahmen diese Aufgabenstellung nahtlos auf, arbeiteten sich am Anfang ihrer Amtszeit in die „Materie“ ein und brachten das Bauprojekt im Jahr 2023 gemeinsam mit der Beratungsfirma und den Baufirmen zu einem erfreulichen Ende.

Dieser kurz gefasste Beitrag zur Restaurierung der Kirchenburg wäre unvollständig, wenn wir nicht der noch ausstehenden Abrechnung des EU-Projekts vorgreifen würden. Mit weit über 50000 Euro, die bei der Zeidner Nachbarschaft und der Stiftung Zeiden in den letzten drei Jahren für die Renovierung eingegangen sind, haben die Zeidner sich selbst übertroffen. Allen Spendern sei auf diesem Wege, auch im Namen der Evangelischen Kirchengemeinde Zeiden, noch einmal für ihren Beitrag gedankt.

Doch nicht nur wir, sondern auch das Rathaus in Zeiden hatte den Wert dieser Restaurierung rechtzeitig erkannt und die Baumaßnahme mit einem städtischen Zuschuss von 78 000 Euro bedacht – mit einem Betrag also, den man in dieser Höhe nicht unbedingt erwarten konnte.

In der Vorstandssitzung der Zeidner Nachbarschaft am 3. März 2024 wurde die Anbringung einer Spendertafel im Inneren der Kirche beschlossen. Sie soll an die Spendenbereitschaft der Jahre 2017 bis 2023 erinnern und zugleich dem Motto folgend „Mit Gott wollen wir Taten tun“ ein Ansporn für künftige Kirchenprojekte dieser Art sein.

Abschließen möchte ich diesen Bericht mit dem Dank der Zeidner Nachbarschaft an alle Verantwortlichen, die die Hauptlast dieses epochalen Projekts in der Kirchengemeinde getragen haben, allen voran Pfarrer Andreas Hartig, Kurator Peter Foof (verstorben am 19. Januar 2024 in Zeiden), Kurator Christian Popa und Pfarrer Danielis Mare. Sie haben gemeinsam mit dem Presbyterium und der Gemeindevertretung mit ihrem Tun und Handeln den sichtbaren Beweis erbracht, dass selbst eine zahlenmäßig kleine Kirchengemeinde wie Zeiden zu großen Taten fähig ist. Dazu gratulieren wir ganz herzlich.

Helmuth Mieskes

Schlagwörter: Zeiden, Kirchenburg, Renovierung

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