10. November 2014

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Otto Gliebe setzt neue Impulse für Brenndorf und ganz Siebenbürgen

Otto Gliebe vollendet heute sein 80. Lebensjahr in Ansbach. Er hat als Gründungsvorsitzender der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ seit 1976 unsere Gemeinschaft trotz geographischer Zerstreuung gefestigt und das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe am Beispiel Brenndorfs dokumentiert. So viele neue Impulse hat er, auch im letzten Jahrzehnt, gesetzt, dass sein Wirken wie ein offenes Buch dazu einlädt, Seinesgleichen zu bewegen.
„Es ist Aufgabe unserer Generation, diese Werte der vielfältigen Mundart der Siebenbürger Sachsen mit all ihren Ortsdialekten und Besonderheiten für die zukünftigen Generationen aufzuzeichnen und zu erhalten, damit sie für die Geschichte der Siebenbürger Sachsen nicht verloren gehen.“ Dies schreibt Otto Gliebe im Vorwort zum Brenndorfer Wörterbuch und stellt sich damit beispielgebend dieser Aufgabe. 9000 Wörter hat er in den letzten fünf Jahren in akribischer Arbeit erfasst. Um das gesprochene Wort möglichst originalgetreu in schriftlicher Form wiederzugeben, hat er eine einfache Lautschrift entwickelt, da ihm jene des Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuches zu kompliziert erschien – die sei eher etwas für Sprachwissenschaftler. Pfarrer i.R. Bernddieter Schobel und vor allem Hanni Markel, welche gemeinsam die Mundartecke „Sachsesch Wält“ in der Siebenbürgischen Zeitung betreuen, halfen Otto Gliebe mit vielen Anregungen und bei der aufwändigen Korrektur des Buches, das in Kürze gedruckt wird. Vorbestellungen sind unter Telefon (0981) 3394, E-Mail: otto [ät] gliebe.de, jetzt schon möglich, die Auslieferung erfolgt Anfang nächsten Jahres (Preis: 12 Euro plus Porto).

Otto Gliebe beim Brenndorfer Teffen am 17. ...Otto Gliebe beim Brenndorfer Teffen am 17. Oktober 2014 in Garching. Foto: Petra ReinerUm den Ortsdialekt und Hochzeitsbrauch in Brenndorf für unsere Nachkommen zu dokumentieren, hat Otto Gliebe schon 2011 die DVD „Åf dǝr Häifzǝt brecht ǝm vill“ verfasst und herausgegeben. So war eine sehr gute Grundlage dafür gelegt, dass Brenndorf am 7. Oktober 2014 als erste Gemeinde Siebenbürgens eine halbstündige Mundartsendung auf Radio Siebenbürgen gestaltete. Damit werden die Burzenländer und alle anderen Orte Siebenbürgens ganz bewusst eingeladen, ihre Mundart ebenfalls unter Nutzung der neuen Medien zu pflegen.

Für die Sammlung „200 Jahre Quellen zur Geschichte von Brenndorf, Band I-VIII: Die Consistorial- und Presbyterialprotokolle der evangelischen Gemeinde Brenndorf 1807-2006“ erhielt Otto Gliebe – die ersten beiden Bände hatte Hermann Schmidts vorgelegt, beim dritten Band half Hugo Thiess mit – höchste Anerkennung vom Historiker Dr. Konrad Gündisch: Die 1970 Seiten auf CD seien „eine wertvolle Dokumentation für die Siebenbürgen-Forschung, für Historiker, Sprachwissenschaftler, Ethnologen und andere Wissenschaftler“. „Für diese Dokumentation, die Ihresgleichen angesichts ihres Umfangs, der Sachkunde und der Sorgfalt ihrer Herausgeber nicht findet, danken gewiss nicht nur die Brenndorfer, sondern auch viele interessierte Siebenbürger Sachsen und, nicht zuletzt, die Forscher, die diese einzigartige Fundgrube nutzen werden.“ (Siebenbürgische Zeitung Online vom 12. Dezember 2010).

Es sind vor allem Liebe und ein hohes Verantwortungsbewusstsein, die Otto Gliebe antreiben, sich für seine Heimat einzusetzen. Die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte er in Honigberg, wo er am 10. November 1934 geboren wurde. Nach der politisch bedingten Flucht seiner Eltern am 23. August 1944 mit den zwei Kleinsten lebte Otto Gliebe bei seinen Großeltern in Brenndorf. Aus der 1966 geschlossenen Ehe mit Renate Brenndörfer gingen zwei Kinder hervor: Harald und Elke, die nach der Ausreise nach Deutschland (1970) geboren wurden.

Neben seiner Familie und seinem Beruf als Werkzeugmacher entfaltete Otto Gliebe ein segensreiches Wirken für Brenndorf. Als Gründungsvorsitzender der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ (HOG Brenndorf) setze er sich 1976 eine Reihe von Zielen, die allesamt mit großem Erfolg umgesetzt wurden: alle außerhalb Brenndorfs wohnenden Landsleute zu erfassen, sie zu betreuen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und durch einen Heimatbrief die Verbindung zueinander aufrecht zu erhalten. Eine Ortschronik schrieb Rudi That 1979, seit 1982 wurden jedes dritte Jahr Nachbarschaftstage veranstaltet, ergänzt durch regionale Zusammenkünfte in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Seit Weihnachten 1976 sind 77 Folgen der „Briefe aus Brenndorf“ erschienen – zurzeit wird das Heimatblatt in einer Auflage von 700 Stück gedruckt. Das erste Adressheft des Burzenlandes wurde 1985 von der HOG Brenndorf herausgegeben und seither regelmäßig aktualisiert. Zudem machte sich Otto Gliebe dafür stark, dass die Hilfe für die ehemaligen Nachbarn über all die Jahre fortgeführt und die Friedhofspflege in Brenndorf in geordnete Bahnen gelenkt wurden. 2000 erstellte er ein Verzeichnis aller auf dem neuen Friedhof Begrabenen.

Otto Gliebes ehrenamtliches Engagement begann schon 1957, als er in die Blaskapelle Brenndorf eintrat. 1958 gründete er ein fünf Mann starkes Orchester, von 1960 bis 1970 war er Kapellmeister der Blasmusik. Auch in Deutschland wirkte er in der Blaskapelle Brenndorf mit und leitete, mit Unterstützung von Georg That, von 1995 bis 2007 die Siebenbürgische Blaskapelle Ansbach. Otto Gliebe wurde mit dem Goldenen Ehrenwappen des HOG-Verbandes ausgezeichnet, und als er 2003 das Amt des Vorsitzenden der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ in jüngere Hände weitergab, wählten ihn die Brenndorfer einstimmig zu ihrem Ehrenvorsitzenden.

Der Jubilar verdankt seine Schaffenskraft gewiss auch seiner Frau Renate, die ihm zu Hause tatkräftig zur Seite steht. So pflegt er seinen kleinen Garten und ist glücklicher Opa, der über vieles Bescheid weiß, hat er doch die Kinderspiele in Brenndorf seinerzeit nicht nur gespielt, sondern auch dokumentiert. Wir danken Otto Gliebe für seinen hervorragenden Einsatz und wünschen ihm zum 80. Geburtstag weiterhin viel Schaffensfreude, Glück und Gesundheit.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Verbandsleben, HOG-Nachrichten, Brenndorf

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