24. November 2014

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Sozialer Einsatz für die Siebenbürger Sachsen

Das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen mit Sitz in München nimmt seit Jahrzehnten eine lebenswichtige Aufgabe wahr. Es hilft in Not geratenen Siebenbürger Sachsen und ist dabei auf Spenden und Initiativen jener angewiesen, die helfen können. Wir haben drei Vorstandsmitglieder des Sozialwerks, Dr. Johann Kremer, Vorsitzender, Heidemarie Weber, Stellvertretende Vorsitzende, und Christa Wandschneider, Schriftführerin, gefragt, wie die Hilfe funktioniert und wie Bedürftige unterstützt werden können. Die Interviews führte Siegbert Bruss, Chefredakteur der Siebenbürgischen Zeitung.
Wie funktioniert die Hilfe nach Siebenbürgen, wer kann sie erhalten?
Johann Kremer: Bedürftigkeit kann viele Formen haben – so werden Menschen unterstützt, welche eine schwere Krankheit haben, keine oder sehr kleine Rente erhalten, arbeitslos geworden sind und vieles mehr. Das Sozialwerk der Siebenbürger Sachen arbeitet eng mit der Saxonia Stiftung, dem Deutschen Forum und der Heimatkirche in Siebenbürgen zusammen. Hilfsaktionen sind für in Not geratene Landsleute gedacht, welche auf die Hilfe und Solidarität der Siebenbürger Sachsen in Deutschland angewiesen sind. Unterstützungen werden in verschiedensten Formen ­gewährt: Geldhilfen, Einzelhilfen, Lebensmittelpaketen und medizinischen Hilfen. Für eine korrekte, konkrete und schnelle Hilfe ist es erforderlich, ein paar Vorgaben zu kennen: So werden Geldhilfen vom ­Sozialwerk zur Verfügung gestellt und in Siebenbürgen an vom Forum oder der Kirchengemeinde gemeldete Personen verteilt. Hierzu ist es wichtig, vor Ort einen zuverlässigen Ansprechpartner zu haben, der die Namen der Bedürftigen nennt und den Kontakt mit der Saxonia Stiftung herstellt.

Wie wird sichergestellt, dass die Hilfe auch direkt zu den Notleidenden gelangt?
Johann Kremer: Unser Partner, die Saxonia, überbringt die Hilfeleistung vor Ort gegen Quittung und Beleg. Diese Bestätigungen werden überprüft und zusammen mit der Abrechnung an das Sozialwerk geschickt. Wir stehen also in enger Verbindung mit der Saxonia-Stiftung und den unterstützenden Personen vor Ort und tauschen uns regelmäßig über den Stand der Dinge, Prioritäten und die Vorgehensweise in bestimmten Fällen aus.
Ebenso unterstützt das Sozialwerk die Altenheime in Siebenbürgen. Es übernimmt auch die Mittlerrolle für gemeinschaftsbildende Maßnahmen und materielle Einzelhilfen der Bundesrepublik Deutschland in Siebenbürgen.

l ... Sie haben am 21. September 2013 im Auftrag des Verbandes am Sachsentreffen in Schäßburg teilgenommen. Konnten Sie am Rande des Geschehens auch herausfinden, wie die Hilfe des Sozialwerks ankommt?
Christa Wandschneider: In Gesprächen mit vielen Leuten, die die Hilfen an arme, kranke und bedürftige Landsleuten verteilen, wurde deutlich, dass wir ihnen durch diese Aktionen sehr viel Freude bereiten. Die Menschen sind sehr dankbar, auch wenn sich verständlicherweise nicht alle bei uns bedanken können.
Stellvertretend für viele Empfänger, die aus Altersgründen gar nicht mehr schreiben können, erhielten wir folgendes Dankesschreiben seitens des Zentrumsforums Mediasch: „Wir, die Sozialkommission, fahren ja persönlich die Leute in den Gemeinden an und dann ist die Freude besonders groß, wenn sie wissen, dass man sie nicht vergessen hat, sie besucht, sich die Zeit nimmt, einige Worte zu wechseln und die Gabe zu übergeben. Mit dem Geld kann jeder etwas sehr Nützliches und Notwendiges machen.“

Können Sie einige Beispiele nennen, wie das Sozialwerk Hilfen nach Siebenbürgen vermittelt?
Christa Wandschneider: Neben den Hilfen des Bundesinnenministeriums in Höhe von jährlich 18000 Euro, die das Sozialwerk durch eine aufwändige Verwaltungsarbeit an Bedürftige in Siebenbürgen vermittelt, hilft das Sozialwerk auch, dass Initiativen aus Deutschland ihren Weg nach Siebenbürgen finden. So ist es uns gelungen, eine Anfrage des Städtischen Tagesheims der Grundschule an der Ichostraße 2 in München in eine konkrete Hilfsaktion umzumünzen. 44 Stühle und sechs Tische wurden aus München an die evangelische Honterusgemeinde in Kronstadt abgegeben. Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă, Referent für institutionelle Kooperation der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, half uns einen Empfänger zu finden, und das Sozialwerk beteiligte sich an den Transportkosten. Ähnlich vermittelten wir sechs Rollstühle der Berufsgenossenschaft Nürnberg, auf die uns das Haus der Heimat in Nürnberg aufmerksam gemacht hatte. Alle Rollstühle fanden dankbare Abnehmer im Altenheim Schweischer, und auch in diesem Fall gewährten wir einen Transportkostenzuschuss.

Unterstützt der Verein nur Hilfsbedürftige in Siebenbürgen oder auch in Not geratene Siebenbürger Sachsen in Deutschland?
Heidemarie Weber: Wie Sie wissen, ist das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen ein eigenständiger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die sozialen und kulturellen Belange sowie die Lebensbedingungen der Siebenbürger Sachsen in aller Welt zu fördern. Allerdings besteht seine Hauptaufgabe darin, unsere in Siebenbürgen lebenden Landsleuten, vor allem die Alten, Kranken und Bedürftigen zu unterstützen und zu betreuen. Bedingt durch die Altersstruktur nimmt die Zahl der zu Betreuenden in Siebenbürgen zwar stetig leicht ab, jedoch werden diese Landsleute im Schnitt älter und müssen auch weiterhin betreut werden. Außerdem fallen viele Siebenbürger Sachsen unter die Armutsgrenze.
Aber auch in Deutschland gibt es Fälle von Bedürftigen, denen wir helfen müssen.

Wer erhält in Deutschland Unterstützung?
Heidemarie Weber: Wie gesagt, unterstützt das Sozialwerk auch in Deutschland lebende Siebenbürger Sachsen, die unverschuldet in Not geraten sind. Natürlich können wir nicht die Aufgaben z.B. des Sozialamtes oder der Pflegekasse übernehmen. Wir können nur einmalige Sachkosten-Beihilfe leisten für jene Landsleute, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können und niemanden haben, der sie unterstützen kann. Ganz wichtig ist auch, dass sie vorab alle öffentlichen Hilfen abfragen. So hat das Sozialwerk einer Familie geholfen, die durch das Hochwasser 2013 ihr Heim verloren hat. Für diese Familie hat das Sozialwerk die Umzugskosten übernommen. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass das Sozialwerk die Hälfte des Mitgliedsbeitrags an den Verband der Siebenbürger Sachsen übernimmt, wenn Landsleute unter den Sozialhilfesatz fallen. Entsprechende Anträge können nur von den Kreis- bzw. Landesgruppen gestellt werden.

Wie kann man Hilfe erhalten?
Heidemarie Weber: Die Bedürftigen werden gebeten, ihre Hilfsanträge an den Vorstand ihrer Kreisgruppe zu richten, der die Lage vor Ort gut kennt und die Anträge an die Landesgruppe weiterleitet. Das klingt etwas kompliziert und langwierig, wird aber in der Regel schnell weitergeleitet und entschieden, so dass die Hilfe zeitnah erfolgen kann. Um Hilfe leisten zu können, braucht das Sozialwerk, wie übrigens jede andere Institution, entsprechende Nachweise und Belege. Damit wir schnell und prompt reagieren können, sollte dieser Weg eingehalten werden.

Sozialwerk feiert Jubiläum

Das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen feiert 2016 sein 30-jähriges Bestehen. Eine Jubiläumsveranstaltung ist in Vorbereitung. Wir bitten alle, die mit dem Sozialwerk bereits in irgendeiner Form zu tun hatten, um ihre Mitwirkung bei der Gestaltung dieses Jubiläums. Berichte und Bildmaterial, vor allem aus den 1960er bis 1980er Jahren, sind hoch willkommen. Kontakt: Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., Karlstraße 100, 80335 München, Telefon: (0 89) 23 66 09-14, Fax: (0 89) 23 660 9-15, E-Mail: sozialwerk[ät]siebenbuerger.de. Für jegliche Mithilfe sagen wir schon im Voraus herzlichen Dank.

Dr. Johann Kremer

Spendenaufruf

Ein wichtiges Anliegen für das SOZIALWERK DER SIEBENBÜRGER SACHSEN ist seit vielen Jahren die Hilfe für unsere Landsleute, besonders die einsamen Alten in Siebenbürgen. Die ALTENHILFE SIEBENBÜRGEN kann, dank guter Kontakte zu den siebenbürgischen Einrichtungen vor Ort, das Los alleinstehender, oft bedürftiger Landsleute etwas erleichtern. Leider können die stark geschrumpften Gemeinschaften der Sachsen in Siebenbürgen die Betreuung der Bedürftigen aus ihrer Mitte nicht mehr angemessen sichern. Viele, die sich noch selber vertreten können, schaffen es nicht, genügend Geld für Heizung, Stromkosten und leider auch Lebensmittel aufzubringen. Wenn Arztbesuche anstehen oder schwere Krankheiten auftreten, wird die Lage oft zu schwierig für sie.

Dank Eurer Empathie und Bereitschaft können wir in solchen Fällen helfen. Bitte vergesst unsere Bedürftigen nicht und beteiligt Euch an dieser gemeinsamen Aufgabe durch Spenden auf das Konto:

Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen e.V.
Stadtsparkasse München
IBAN: DE38 7015 0000 0907 1333 00
BIC: SSKMDEMM

Für eine Spendenbescheinigung (ab 50 Euro) geben Sie bitte Name und Anschrift des Spenders an. Vielen herzlichen Dank!

Dr. Johann Kremer

Schlagwörter: Sozialwerk, Interview, Vorstand, Spendenaufruf, Jubiläum

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