10. September 2020

Förderer einer lebendigen Tradition: dem Theologen Berthold Köber zum Siebzigsten

Am 27. August konnte Professor Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger und Banater Schwaben (früher: Hilfskomitee), seinen 70. Geburtstag feiern. Ganz passend stand über diesem Festtag das Losungswort: „Der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind.“ (Josua 24,17)
Professor Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der ...
Professor Dr. Berthold Köber, Vorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger und Banater Schwaben (früher: Hilfskomitee)
Geboren wurde Berthold Köber 1950 in Hamruden als Sohn des Pfarrers und späteren Dechanten Dr. Berthold Köber und seiner Ehefrau Roswitha. Er wuchs in eine Frömmigkeit hinein, die Glauben und Denken zur Einheit verband und in christlichem Tun zu verwirklichen suchte.

Nach dem Schulabschluss führten ihn das Leben in der siebenbürgisch-sächsischen evangelischen Volkskirche, in ihren lebendigen Traditionen und Ordnungen – in denen der Gottesdienst einen hohen Stellenwert einnahm – und persönliche Glaubenserfahrungen zum Theologiestudium in Hermannstadt. Dem theologischen Examen folgte das Promotionsstudium in Holland mit den Schwerpunkten Christologie und Pastoraltheologie. Nach dem Vikariat in Bistritz bei Kurt Franchy wurde er am 8. Oktober 1975 ordiniert.

Den Ehebund ist er mit Agnetha geb. Sattler eingegangen. Sie unterstützte ihn tatkräftig in seiner ganzen Tätigkeit. Mit drei Kindern hat Gott die Familie beschenkt.

Berthold Köber trat seine erste Pfarrstelle im Reener Ländchen in der vereinten Kirchengemeinde A.B. Botsch, Weilau und Deutsch-Zepling an. Das Erleben der extremen Diasporasituation dort erwies sich als eine hilfreiche Vorwegnahme der Situation unserer Kirche nach dem Massenexodus Anfang der neunziger Jahre. Anschließend wirkte er zwölf Jahre als Pfarrer in Groß-Alisch bei Schäßburg. Neben dem geistlichen Dienst setzte sich das Pfarrerpaar Köber trotz Einschränkungen durch das nationalkommunistische Regime mit allen Kräften für die Bewahrung und Pflege von Sitte und Brauchtum sowie Werten wie Glauben und Gemeinschaft ein.

In diese Zeit fiel ein Studienaufenthalt an der Universität Leipzig und Promotion zum Doktor der Theologie mit dem Schwerpunkt der Christologie. Dabei ist Jesus Christus der Grund, das Maß und die Mitte des Glaubens und der Theologie, das, was uns zu Christen macht und uns von allen anderen Religionen grundlegend unterscheidet.

Ab 1990 erhielt Berthold Köber die Professur für Systematische Theologie und Kirchenrecht am Protestantisch-Theologischen Institut Klausenburg-Hermannstadt. Gastvorlesungen an den Universitäten München, Hamburg, Regensburg, Rostock und Kampen (Niederlande) folgten. Viele seiner theologischen Vorträge und Forschungsergebnisse hat er in Aufsätzen veröffentlicht.

Der Jubilar wirkte in der theologischen Ausbildung der russlanddeutschen evangelischen Prediger mit. Weiterhin war er als Gründungs- und Vorstandsmitglied der Evangelischen Akademie Siebenbürgen in der Erwachsenenbildung und in der religionspädagogischen Ausbildung tätig. Politisch engagierte sich Berthold Köber und wurde Gründungsmitglied des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. So arbeitete er verantwortlich am Entwurf des neuen rumänischen Religionsgesetzes, an den Bestimmungen der Staatsverfassung betreffend die Gewissens- und Glaubensfreiheit und dem Religionsunterricht mit. Kirchlich war er beteiligt an der neuen Kirchenordnung der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR). Er hat den Entwurf der Ordnung des Lektorendienstes verfasst und an der Neufassung der Disziplinarordnung der EKR mitgearbeitet.

2002 entschloss er sich schweren Herzens nach Deutschland umzusiedeln, wo die Familie bereits lebte. Den Dienst trat er in der Rheinischen Kirche als Pfarrer und Krankenhausseelsorger in Köln an.

Die übergemeindlichen Schwerpunkte der Tätigkeit von Berthold Köber waren die theologischen Kurse an der Melanchthon-Akademie Köln sowie Gemeindeseminare, die Mitarbeit im Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK), im Gustav-Adolf-Werk (GAW), die Mitarbeit im Ostkirchenkonvent sowie in der Evangelischen Konferenz Mittel- und Osteuropäischer Kirchen (EKMOE). Dabei war die Ökumene ihm ein Herzensanliegen.

Weitere Mitgliedschaften waren ihm wichtig: in der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, der Internationalen ökumenischen Gesellschaft für Liturgiewissenschaft und liturgische Erneuerung Societas Liturgica, dem Deutschen Pfarrverband, dem Evangelischen Freundeskreis Siebenbürgen (EFS). Im Württembergischen Ostkirchenkonvent ist er Vorsitzender.

Als Vorstandsvorsitzender der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger und Banater Schwaben ist für Berthold Köber die doppelte Aufgabenstellung wichtig: 1. die Unterstützung der in Deutschland lebenden Landsleute bei ihrer Integration in Gesellschaft und Kirche durch geistlichen, seelsorgerlichen und diakonischen Beistand und 2. die Unterstützung der Heimatkirche und ihrer Einrichtungen in geistlicher Verbundenheit.

Besonderer Schwerpunkt dieser Tätigkeit als Vorsitzender ist die Redaktion und Herausgabe des Jahrbuches unter Mitarbeit vor allem von Landsleuten und Freunden. Tiefgreifende geschichtliche Ereignisse haben zur Folge, dass die meisten Landsleute nicht mehr in Siebenbürgen, sondern verstreut in vielen Ländern, vor allem in Deutschland und Österreich, leben. Das hat zu einer Entfremdung voneinander geführt. Wichtig ist für Berthold Köber unabhängig davon, wo in der Welt der Lebensort liegt, über geografische, politische und andere Grenzen hinweg, eine Schicksals- und Glaubensgemeinschaft mit einer gemeinsamen Geschichte, Tradition und Kultur zu bleiben. Das Jahrbuch soll die Leser in Verbundenheit miteinander und der Zugehörigkeit zu der Volks- und Glaubensgemeinschaft halten. Es soll fördern und dabei helfen, sich den überkommenen Werten und Traditionen bewusst zu bleiben, sie zu bewahren und weiterzugeben.

Darüber hinaus ist er im Bundesvorstand des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, im Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat und im erweiterten HOG-Vorstand aktiv. Dem Mitgestalten von Heimattagen und Siebenbürgischen Kirchentagen hat sich Berthold Köber verpflichtet.

Wir sagen ihm Dank für sein vielfältiges Denken, Raten und Wirken und wünschen ihm für die kommenden Jahre viel Gutes, Gesundheit und die Kraft, Impulse zu geben. Mögen er und seine Ehefrau weiterhin Beistand und alle Bewahrung durch unseren Herrgott erfahren.

Norbert Kirr, Pfarrer i.R.



Eine gekürzte Fassung dieses Artikels erscheint in der Beilage „Kirche und Heimat“ der Siebenbürgischen Zeitung, Folge 14 vom 15. September 2020, Seite 13

Schlagwörter: Kultur, Theologie, Kirche und Heimat, Hilfskomitee, Hermannstadt, Hamruden

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