12. Januar 2021

Nachruf auf Hans Benning-Polder, Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender in Ludwigsburg

Am 15. November 2020 verstarb nach langjähriger Krankheit der Mitbegründer und ehemalige Vorsitzende der Kreisgruppe Ludwigsburg sowie langjährige Angehörige des Vorstandes der Landesgruppe Baden-Württemberg Hans Benning-Polder. Sie raffte mit ihm einen hochbetagten, um die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen verdienten Eckpfeiler unseres Verbandes dahin, der auf seine unaufdringliche, verlässliche Art gemeinsam mit seiner Familie für die Entstehung und das Geschick der Kreisgruppe Ludwigsburg sowie die Aufnahme und Eingliederung sehr vieler siebenbürgisch-sächsischer Landsleute in ihre neue Heimat entscheidend gewirkt hat, denen er zeitlebend verbunden geblieben ist.
Hans Benning-Polder (1933-2020) ...
Hans Benning-Polder (1933-2020)
Hans Benning-Polder wurde 1933 in Großprobstdorf, nahe Mediasch, in ländlicher Umgebung geboren und verbrachte daselbst seine ersten Kindheitsjahre, bevor seine Familie nach Hermannstadt umzog. Dort besuchte er den Kindergarten und die „Dr. Martin Luther“-Grundschule, um danach auf das Knabengymnasium „Hundsrück“ in Hermannstadt zu wechseln. Die einschneidenden Veränderungen im rumänischen Unterrichtswesen, hervorgerufen durch die Schulreform von 1948, hatten auch für seinen Werdegang einschneidende und prägende Bedeutung, da er dadurch auf eine Mittelschule in Tergowisch (Tȃrgovişte), der ehemaligen Residenzstadt der Walachei, mit der Fachrichtung Elektrotechnik wechselte, gefolgt von der Meisterschule, dem Bakkalaureat und dem Abschluss als technischer Betriebswirt.

Geprägt durch die schweren Nachkriegsjahre, in denen es für einen Siebenbürger Sachsen oftmals nicht einfach war, einen angemessenen Arbeitsplatz zu erhalten und sich eine Existenz aufzubauen, nahm Hans Benning-Polder eine Lehrerstelle in Oberwischau an. Weit oben im Norden des Landes, im Wassertal, begegnete er der jungen Lehrerin, die er 1956 heiratete. Gemeinsam mit Anna Polder ließ er sich in Schäßburg nieder, wo ihre beiden Söhne, Hans Reiner und Hugo geboren wurden.

Zunächst arbeitete er als Technischer Betriebswirt in der Flachsfabrik in Weißkirch, um danach als Technischer Leiter des Elektrizitätswerks Schäßburg und bis zu seiner Ausreise nach Deutschland im Jahre 1973 Technischer Lehrer an der „Allgemeinbildenden Schule Nr. 3“ tätig zu sein. In seiner Lehrtätigkeit in Schäßburg gründete er mit seinen Schülern den Arbeitskreis für Elektrotechnik, um Neugierde und Interesse an technischen Zusammenhängen zu wecken und viele von ihnen in ihrer späteren beruflichen Ausrichtung zu bestärken. Die Teilnahme dieses Arbeitskreises am Landeswettbewerb „Minitechnicus“ mit einer selbstgebauten elektronischen Orgel brachte ihnen den ersten Preis und die Goldmedaille ein.

Im nachfolgenden Jahr konnte er gemeinsam mit seinem Sohn Hans Reiner nach Deutschland ausreisen, wohin ihm seine Ehegattin und sein Sohn Hugo 1975 folgten.

Bereits kurz nach seiner Ankunft in der neuen Heimat, als es in erster Linie galt, die Familie schnellstmöglich zusammenzuführen und sich eine neue Existenz aufzubauen, lernte er die Bedeutung der Landsmannschaft im Übergangswohnheim Nellingen kennen, deren überzeugtes Mitglied er mit großem Selbstverständnis wurde.

Beruflich trat er zunächst eine Stelle als Planungsleiter bei den Neckarwerken Esslingen an. Nach einer zusätzlichen Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Reutlingen wurde er Lehrer an der „Schule am Favoritepark“ in Ludwigsburg, wo er 1996, nach insgesamt 45-jähriger beruflicher Tätigkeit, in den wohlverdienten Ruhestand trat.

Daselbst gründete Hans Benning-Polder 1975 mit Hilfe Gleichgesinnter, von denen vor allem der damals amtierende Vorsitzende der Kreisgruppe Sachsenheim Hans Wächter hervorzuheben ist, die Nachbarschaft Ludwigsburg, aus der 1977 die Kreisgruppe Ludwigsburg hervorging, deren erster Kreisgruppenvorsitzender er wurde. Den Blick nicht nur auf die innere Verfasstheit, auf die unmittelbaren Angelegenheiten der eigenen Landsleute und ihres Verbandes gekehrt, war er von Beginn an unermüdlich bemüht, das bindende Glied zwischen der einheimischen Bevölkerung und den neu hinzukommenden Landsleuten zu knüpfen, um Ersteren ein besseres Verständnis für eine höhere Akzeptanz und Letzteren eine bessere Eingliederung in der neuen Heimat zu ermöglichen, wobei er als Siebenbürger Sachse stets die Nähe zur evangelischen Kirche suchte. Vielfältige kulturelle Aktivitäten, Reisen und gesellige Veranstaltungen prägten und prägen seither das landsmannschaftliche Vereinsleben in Ludwigsburg, dessen Grundlage und Fortbestand Hans Benning-Polder entscheidend mitgeprägt hat.

Er organisierte Begegnungsabende mit der einheimischen Bevölkerung, in deren Rahmen er mittels Ausstellungen, Vorträgen, Filmen, Tänzen und Chordarbietungen Einblick in das Leben und Wirken der Siebenbürger Sachsen in ihrem Herkunftsgebiet bot und damit ihr kulturelles Selbstverständnis einer breiteren Öffentlichkeit in seinem Wirkungskreis präsentierte. Gleichzeitig führten diese zu wertvollen, langjährigen freundschaftlichen Kontakten und halfen den Neuankömmlingen, ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Vor allem der Zusammenhalt der Jugend lag ihm als Lehrer zeitlebens sehr am Herzen. Diesbezüglich darf ihm, gemeinsam mit seiner Familie, eine hervorgehobene und über die Grenzen der Kreisgruppe hinausragende Rolle zugesprochen werden, die sich in seinem ehrenamtlichen Einsatz, gemeinsam mit dem seiner beiden Söhne, prägend auf die Rolle der junge Generation im Verbandsleben ausgewirkt hat. Sein 2019 früh verstorbener Sohn Hans Rainer Polder, der bis 1985 Bundesjugendreferent war, stellte die Jugendarbeit der Landsmannschaft auf eine breite Basis, die der Gründung der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland den Weg bereitete und ihre Ausrichtung im Verband langfristig prägte, wofür er 2002 mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Jugendpreis geehrt wurde.

Als im August desselben Jahres Bad Schandau, deren Kirchengemeinde jener in Tamm partnerschaftlich verbunden ist, von dem Elbhochwasser ungewöhnlichen Ausmaßes heimgesucht wurde, rief Hans Benning-Polder mit Hilfe der Kreisgruppe Ludwigsburg und der evangelischen Kirchengemeinde Tamm zu einer Spendenaktion auf, die im Anschluss an ein gelungenes Kulturprogramm eine ansehnliche Geldsumme einbrachte, mit der unsere Kreisgruppe Bad Schandau unterstützen konnte. 2011 weiderholte er in ähnlicher Weise die Hilfsaktion, als der Kirchturm der evangelischen Stadtpfarrkirche von Bistritz abbrannte.

Seine Begabung, auf Menschen zu- und einzugehen, sowie seine angenehm zurückhaltende, aber bestimmte Art haben ihm beruflich wie ehrenamtlich in allen seinen Vorhaben sicher zeitlebens geholfen. So konnte er generationsübergreifend viele Menschen mit seinen Zaubervorführungen begeistern. An der Volkshochschule Ludwigsburg gab er als Lektor über viele Jahre die Kunst der Magie an interessierte Zauberlehrlinge weiter.

Vor allem den ehemaligen Kindern, die bei den Adventsfeiern der Kreisgruppe vor Jahren noch dabei waren, ist er als „Nickolaus“ vertraut geblieben.

Das Ehepaar Polder begleitete die Jugendtanzgruppe Ludwigsburg im Jahr 2002 auf ihrer Reise durch Siebenbürgen, deren junge Mitglieder meistens bereits in Deutschland aufgewachsen waren, machte sie mit der Heimat ihrer Eltern vertraut und brachte ihnen somit ihren Ursprung näher. Vor allem diente aber ihr Einsatz für die Gemeinschaft unserer Landsleute vielen als Vorbild, die sich in der Jugendorganisation unseres Verbandes eingesetzt haben.

Als gebürtiger Großprobstdorfer verfasste Hans Benning-Polder, gemeinsam mit Dr. Helmut Kelp, Ernst Michael Herbert und Reinhold Bretz, das „Heimatbuch Großprobstdorf“.

In seiner Tätigkeit im Vorstand der Landesgruppe Baden-Württemberg war er zwischen 1989 und 1998 für die Jugendarbeit und die Spätaussiedlerbetreuung verantwortlich, zwei Schlüsselressorts unserer Verbandstätigkeit in jener Zeit, um die Eingliederung der Landsleute und den Fortbestand der Gemeinschaft in Deutschland zu sichern, sie zukunftsorientiert und dennoch traditionsverbunden zu gestalten.

Er war bis zum Schluss, als Alter und Gesundheit ihren Tribut auch von ihm verlangten, für unsere Landsleute aktiv und stand dem Vorstand der Kreisgruppe Ludwigsburg gerne mit Rat und Tat zur Seite, war an den Belangen des Verbandes in Deutschland, der Gemeinschaft seiner Landsleute in Siebenbürgen und in ihrer weltweiten Verstreuung mit wachem Geist interessiert. Für seine außergewöhnlichen Verdienste in der landsmannschaftlichen Tätigkeit, wurde Hans Benning-Polder bereits 1979 das „Ehrenwappen der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland“ verliehen.

Für seinen lebenslangen unermüdlichen Einsatz und sein vielseitiges tatkräftiges Wirken zollen wir ihm und seiner Familie Dank, verbunden mit einem unauslöschlichen ehrenden Platz in der Erinnerung unserer Gemeinschaft für dieses im besten siebenbürgisch-sächsischen Sinne erfüllte Leben.

Helge Krempels

Schlagwörter: Verbandsleben, Nachruf, Ludwigsburg, Großprobstdorf, Zauberer

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