13. Februar 2024

In Deutschland „Eine Portion Lebenselixier“: Zum 80. Geburtstag von Volker Dürr

„Eine gute Portion Lebenselixier“ sei ihm über Kultur im Allgemeinen und über jene seiner geistigen Heimat Siebenbürgen im Besonderen während intensiv gestalteter und wahrgenommener Lebensjahre zugeflossen, bekennt Volker Dürr im Gespräch. Die Welt in ihren kulturellen Äußerungen als Grunderfahrung von Schönem, Inspirierenden, vor allem aber auch Herausforderndem zu betrachten, das sei ihm, dem Spross einer bildungsbürgerlichen Hermannstädter Familie, wohl in die Wiege gelegt worden.
Dieses Weltbild habe ihm in den acht Jahrzehnten seines Lebens nicht zuletzt über seinen Beruf als Architekt und Städtebauer die Resonanzbereitschaft für diesen grundlegenden Aspekt siebenbürgischer Lebensentfaltung bewahrt. Erstrecht, dass man auch als Einzelner infolge der massiven Auswanderung für das kulturelle Gepäck der in die Bundesrepublik angekommenen Siebenbürger Sachsen persönliches Interesse und Verantwortung zu übernehmen habe.
Der Vorstand des Fördervereins des ...
Der Vorstand des Fördervereins des Siebenbürgischen Museums im Jahr 2019, von rechts: Marianne Hügel, Schatzmeisterin, Volker Dürr, stellvertretender Vorsitzender, Isabell Huber, MdL, Vorsitzende, Dr. Irmgard Sedler, stellvertretende Vorsitzende, Dr. Markus Lörz, Schriftführer (diese Zeitung berichtete).
Schon lange vor seinem kulturpolitischen Engagement an der Spitze der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen ist es Volker Dürr wichtig gewesen: „Als ich in den 1960er Jahren in der damalig noch bescheidenen siebenbürgischen Heimatstube auf Schloss Horneck bei der Übergabe des Briefwechsels meines Großvaters Simon Schwarz und dem deutschen Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger mitwirkte, war ich noch Student der Architektur und des Städtebaus an der RWTH Aachen. Ein Gefühl für die Wichtigkeit eines Kulturspeichers für alles Sächsische kam bei mir auf. Und die Verantwortung dafür. Das war mein Einstieg und mein erster Zugang zum Thema ,Siebenbürgisches Kulturzentrum‘.“

Bis heute und über die Jahrzehnte hinweg blieb und bleibt es eine wichtige kulturpolitische Aufgabe der ehemaligen Landsmannschaft und des jetzigen Verbandes der Siebenbürger Sachsen, diesem seit den 1960er Jahren in Gundelsheim etablierten Zentrum aus Archiv, Bibliothek und Museum, zu dem in jüngster Zeit noch der Schlossverein hinzugekommen ist, das Rückgrat zu stärken. Es ging und geht bis heute darum, die Verantwortung jenseits der Grenzen unserer Heimat Siebenbürgen für das umfangreiche siebenbürgische kulturelle Erbe zu tragen, um die hier wirkenden Institutionen in ihrer Arbeit zu unterstützen, deren vorrangiges Ziel es ist, der siebenbürgischen Kultur und Geschichte einen Platz im kulturellen Gedächtnis der deutschen und europäischen Gesellschaft zu sichern.

Volker Dürr hat in seiner langjährigen Zeit als Bundesvorsitzender der Landsmannschaft diese Herausforderung mit Ernst und viel Herzblut angenommen und in den politisch geschichtsträchtigen Zeiten der 1990er Jahre den Brückenschlag zur alten Heimat, der Evangelischen Kirche in Rumänien und den neugegründeten Institutionen der Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen erfolgreich geleistet. Es gelang ihm, aus einer Situation eines ursprünglich als „auf der Bruchkante Agierenden“ zu einer soliden und intensiven Zusammenarbeit mit Siebenbürgen und der rumänischen Politik zu finden. Dürrs Bemühungen spiegelten sich auch darin, dass 1993 das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen der Grenzen überschreitenden Föderation der Siebenbürger Sachsen beitrat. Hierbei standen die kulturellen Belange, für die sich der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft und Föderationsvorsitzende maßgeblich einsetzte, nicht selten im Vordergrund.

Es war die Zeit, in der ich Volker Dürr persönlich kennlernen durfte. Das Siebenbürgische Museum war schon Ende der 1980er Jahre in eine professionell geführte museale Einrichtung mit sieben Arbeitsstellen überführt worden, die großzügige finanzielle Unterstützung kam seitens der Bundesrepublik Deutschland. Als ich 1999 zur Vorsitzenden des Trägervereins des Siebenbürgischen Museums berufen wurde, behauptete das Siebenbürgische Museum mit seinen Leistungen einen wichtigen Platz im Gefüge der kulturellen siebenbürgischen Institutionen in Deutschland – dem neu gegründeten Siebenbürgen-Institut, der Bibliothek und dem Archiv. Zudem fand ich in Dr. Christian Phleps, dem Vorsitzenden des „Honterus“-Vereins, einen vertrauensvollen Ansprechpartner.

Es war von Beginn an eine ehrenamtlich vertrauensvolle, persönliche Zusammenarbeit mit Volker Dürr. Völlig unvorbereitet trafen das ab 1991 institutionell geförderte Museum die Überlegungen zu seiner geplanten Verlagerung nach Ulm, die Verteilung seines Sammlungsbestandes auf Ulm und Berlin. Volker Dürr warf in dieser Zeit von 1999 bis 2004, einer Zeit der teils heftig geführten Diskussionen über die Zukunft unseres Museums und der Verunsicherungen, seine ganze Persönlichkeit in die Waagschale, aktivierte sein politisches Netzwerk bis in die höchsten politischen Kreise für den Verbleib des Hauses in Gundelsheim. Es waren wenige, die dem Museum hierbei öffentlich beistanden. Der Vorsitzende der Landsmannschaft und seine Stellvertreterin, Karin Servatius-Speck, taten dies ohne Wenn und Aber. Letztlich gelang es, das Museum mit seinen damals knapp 20.000 Exponaten im Bestand in Gundelsheim zu behalten. Volker Dürr war es auch, der zum Ausgleich von zurückgenommenen Fördersummen und Personalstellen im Museum sich für einen Förderverein stark machte und dessen Gründung im Jahr 2003 vorantrieb. Seit mehr als zwanzig Jahren nun ist der Architekt und Städtebauer, ehemals leitender Kreisbaudirektor des Oberbergischen Kreises, nun auch stellvertretender Vorsitzender dieses Vereins, über den viel wertvolles Kulturgut für das Museum gerettet wurde, zum Teil auch mit persönlichem finanziellen Einsatz der Familie Dürr. Ich erinnere mich an Momente höchsten Feingefühls, in denen Volker Dürr den verbitterten Friedrich von Bömches dazu anregte, diesem Museum, das dem sensiblen Künstler in der Vergangenheit Kränkungen zugefügt hatte, in großzügiger Geste seine Werke zu schenken, und ab da blieb er dem Hause verbunden. Viele Stunden vertrauensvoller Künstlergespräche mit Friedrich von Bömches folgten, ein Teil siebenbürgischer Kunstgeschichte ließ sich nur so im Nachhinein weiterschreiben.

Wenn Volker Dürr mit Familie und Freunden nun durch die neu eingerichtete Gemäldegalerie im Siebenbürgischen Museum auf Schloss Horneck geht, mag er bei so manchem Kunstwerk von der Hand eines klingenden siebenbürgischen Namens – ob Hans Eder, Walter Teutsch, Ernst Graeser – an die persönlichen Anstrengungen denken, diese Glanzlichter siebenbürgischer Kunst dem „Kulturspeicher“, wie er das Museum einmal nannte, mitgesichert und zugefügt zu haben.

Das Siebenbürgische Museum ist ihm, dem Stellvertretenden Vorsitzenden unseres Fördervereins, dankbar für die jahrzehntelange Begleitung auf dem Weg ehrenvoller Sicherung einer Geschichte und Kultur, die es auch weiterhin zu dokumentieren gilt. In diesem Sinne wünschen wir ihn uns gesund und kraftvoll, auch weiterhin als Unterstützer zukünftiger Projekte, als einen treuen Freund, den zu seinem 80. Geburtstag alle unsere guten Wünsche erreichen mögen.

Dr. Irmgard Sedler

Schlagwörter: Verbandsleben, Volker Dürr, Siebenbürgisches Museum, Förderverein

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