28. Juni 2010

Christian Reinerth, Betreuer des Gundelsheimer Nachlassarchivs, verstarb in Siebenbürgen

Vor Pfingsten verabschiedete er sich in den Urlaub, denn er wollte am Treffen auf dem Huetplatz in Hermannstadt teilnehmen – „wenn was ist, können Sie mich im Stadtpfarramt anrufen, da weiß man, wo ich zu finden bin.“ Mit „Wenn was ist“ meinte Christian Reinerth: Wenn jemand was Wichtiges im Gundelsheimer Archiv sucht, keinesfalls das, was dann eintraf: sein Tod. Wir riefen im Hermannstädter Stadtpfarramt an und erfuhren, wo er hinfort zu finden sein wird: auf dem Städtischen Friedhof.
Christian Reinerth war damit auf unerwartete Weise dort angekommen, wo er gemäß einer testamentarischen Verfügung, ruhen wollte: in der heimatlichen Erde. Er hatte am Hermann­städter Treffen zusammen mit vielen Freunden teilgenommen und befand sich zusammen mit der deutschen Reisegesellschaft auf einer Siebenbürgenfahrt, als seine Krankheit – ein chronisches Lungenleiden – ihn zur Strecke brachte: Er starb am 26. Mai 2010 in den Armen von Freunden, im Beisein seiner langjährigen Lebensgefährtin Christa Schenker in Tiha Bârgăului in der Nähe von Bistritz.

Verstarb in der Nähe von Bistritz: Christian ...
Verstarb in der Nähe von Bistritz: Christian Reinerth.
Christian Reinerth, geboren am 7. April 1935 in Hermannstadt, hatte in Rumänien als Lebens­mittelingenieur u.a. erfolgreich am Aufbau der Zuckerfabriken in Luduș und Buzău gearbeitet. Als er 1992 nach Deutschland aussiedelte, war seine Ingenieurslaufbahn beendet – er bewarb sich als Archivkraft in Gundelsheim. Von 1994 bis 1999 war er Angestellter des Siebenbürgischen Archivs des Siebenbürgen-Instituts. Auch als er im Jahre 2000 in Rente ging, blieb er dem Archiv treu und betreute jeweils an einem Tag der Woche die Sammlungen – hauptsächlich Nachlässe und Postkarten – in der Schlossstraße und koordinierte die Erfassung der Datensätze im Katalog des genealogischen Archivs. Er nutzte seine Urlaubsreisen nach Hermannstadt, um im Staatsarchiv, im Teutschhaus und nicht zuletzt im Stadtpfarramt umfangreiche Recherchen durchzuführen. Als stellvertretender Vorsitzender der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt veröffentlichte er regelmäßig Heimatkundliches, Reiseberichte und Informationen über Archivstudien im Hermann­städter Heimatboten. Zuletzt hatte Christian Reinerth die verstärkte Sammlung von Ahnenpässen in Gundelsheim angeregt, er plante eine Serie in der Siebenbürgischen Zeitung, in der er unbekannte Schätze unseres Archivs vorstellen wollte. Als er im April 75 geworden war, hatte er einer Freundin erzählt, dass er gern noch bis 80 leben und arbeiten würde. Sein jäher Tod setzte diesem Wunsch ein Ende. Wir vermissen Christian Reinerth und trauern um ihn.

Annemarie Weber

Schlagwörter: Nachruf, Archivar, Gundelsheim

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