15. August 2010

Dieter Mäckl - ein Nürnberger Lehrer, den Siebenbürgen faszinierte

Siebenbürgen lächelte ihn an, er lächelte wohlgesinnt zurück. Als Dieter Mäckl zum ersten Mal 1984 nach Siebenbürgen reiste, wusste er, er würde noch öfters seine Zeit dort verbringen. Nun sind auch seine Schüler davon überzeugt: Die Fahrt nach Siebenbürgen ist es Wert! In einem Gespräch mit Andreea Simon erzählt er, wie er dazu kam, sich so für ein fremdes Land zu engagieren.
Als Dieter Mäckl vor etwa 60 Jahren in Nürnberg geboren wurde, wusste er noch nicht, wohin ihn sein Leben führen würde. Zwar lebt er auch heute noch in der Nähe seines Geburtsortes in Franken, doch ist er kein ortsgebundener Mensch. Schon an seinen vielen Exkursionen mit kulturhistorischem Bezug merkt man: Das Reisen liegt ihm im Blut.

Studiert hat er Geschichte, Deutsch und Geographie für das Lehramt an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Er erinnerte sich: „Der aus Wien gebürtige Professor Rumpel öffnete mir dabei die Augen für die Geschichte des Balkanraumes“. Seit 1974 ist er nun im Lehramt. Heute lebt er in Langenzenn und ist überzeugter Lehrer am Friedrich-Alexander-Gymnasium in Neustadt an der Aisch.

Schon bald sollte ihn eine enge Freundschaft mit jener Region in Rumänien verbinden, die viele ausgewanderten Siebenbürger Sachsen noch als Heimat bezeichnen. Im Jahre 1983 plante er nämlich eine geschichtliche Sonderausstellung zu Siebenbürgen und bat um Exponate von Vertretern der siebenbürgischen Landsmannschaft aus Scheinfeld und Uffenheim. Daraus entstand ein Interesse für die Kultur und Geschichte Siebenbürgens, deren Landschaft er gerne selbst bereisen wollte. „Mit dieser Äußerung kam ich nicht mehr aus und musste 1984 zu einer Hochzeit nach Scharosch bei Schäßburg mitreisen“, erzählte Mäckl in Gedanken an seine erste Fahrt nach Siebenbürgen.
Dieter Mäckl in Neumarkt am Mieresch (Târgu ...
Dieter Mäckl in Neumarkt am Mieresch (Târgu Mureş). Foto: Betty Rabl
Zurück in Franken, glaubte er, mit dem Kapitel Siebenbürgen abgeschlossen zu haben, doch sollte eine kurze Nachricht seine Meinung bald ändern. In einem Brief berichtete eine Sächsin, dass ihr frisch geborenes Kind wahrscheinlich sterben müsse, weil sie nicht genug Milch habe und es unter den damaligen innenpolitischen Bedingungen auch keine geben werde. Da zögerte Mäckl nicht lange und machte sich mit genügend Säuglingsnahrung auf in die Region der Karpaten. „Hieraus hat sich nun eine Hilfstätigkeit entwickelt, die nunmehr gut 25 Jahre anhält und in deren Verlauf Waren, Gelder, Medikamente und anderes im Wert von etwa 200.000 € transferiert wurden“, erzählt er.

Der erste Schritt war getan, doch sollten noch zahlreiche andere folgen. 1989 hatte er nämlich einem Leistungskurs in Geographie, bei dem er sich entschloss, eine Studienfahrt in die Schwäbische Türkei um Fünfkirchen, in das Banat und nach Siebenbürgen zu unternehmen. Nach der Fahrt stellte Mäckl fest, dass die Reise unbedingt wiederholt werden müsse. Seither fährt er jährlich mit Schülern der Oberstufe in die deutschen Siedlungs- und Vertreibungsgebiete in Rumänien, mit dem Schwerpunktraum Siebenbürgen.

Als er gefragt wird, ob denn die Schüler zu einer Siebenbürgerreise überzeugt werden könnten, betonte er, wie erstaunt er immer wieder von ihrem Einsatzwillen sei. „Die Schüler können beispielsweise zwischen London, Rom, Griechenland, Irland ein Reiseziel auswählen, trotzdem kommen immer genug Schüler zum Mitfahren nach Siebenbürgen zusammen. Und dies ist umso erstaunlicher, als die mitfahrenden Schüler sich im Vorfeld sozial engagieren müssen, um die Not in Siebenbürgen zu lindern“. So kommen Jahr für Jahr durch Schüleraktivitäten 3 000 bis 4 000 Euro zusammen, welche die Schüler dort übergeben, „wo die Not am größten ist“. Bemerkenswert ist nicht nur seine eigene Hilfstätigkeit, sondern auch sein Einsatz als Lehrer, der die Schüler davon überzeugen kann, ihn und seine Arbeit zu unterstützen.

Am 8. September ist es wieder soweit. Zum 23. Mal reisen Schüler nach Siebenbürgen und sammeln im Vorfeld Hilfsgelder ein. Bei einem Sommerkonzert des Leistungskurses Musik kommen die Einnahmen Deutsch-Weißkirch und den mitbetreuten Gemeinden zugute. Weitere Aktionen sind ein Cocktailstand, Dosenwerfen und eine Kuchenparade beim Sommerfest des Friedrich-Alexander-Gymnasiums. Vor Ort erzielen die Schüler auch mit kleinen Handgriffen eine große Wirkung. Beispielsweise werden auf sächsischen Friedhöfen die Dornen zurück geschnitten oder das Gras gemäht. Diese sozialen Aktivitäten werden dann mit einem umfangreichen Kulturprogramm durch verschiedene Städtereisen aufgerundet.

Mäckl freut sich, die Fahrten nach Siebenbürgen organisieren zu können und Schüler zu haben, die sich für die Geschichte und Kultur Rumäniens begeistern. Durch seine Wohltätigkeit für die Menschen in Siebenbürgen trägt er dazu bei, ein Stück Geschichte am Leben zu erhalten. Und das in einem Land, das ihm zunächst fremd war und das er erst entdecken musste.

Andreea Simon

Schlagwörter: Lehrer, Nürnberg

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