7. April 2024

„Fisch ohne Fahrrad“ – „SINN-UNSINN – hilf uns erkennen“: Gerhild Wächter künstlerisch vielseitig präsent

Ausgehend vom Aphorismus „Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“ zeigen die fränkischen Fotografie- und Digital-Künstlerinnen der GEDOK (Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden) Franken Katja Gehrung, Chris Engels, Brigitte Heck, Kerstin Römhild, Teresa Wiechowa und die aus Kronstadt stammende Gerhild Wächter bis 27. April ihre experimentierfreudigen Arbeiten im Evangelisch-Lutherischen Gemeindezentrum St. Jobst im Osten Nürnbergs.
Gerhild Wächter und ihr Titelfoto. Foto: Horst ...
Gerhild Wächter und ihr Titelfoto. Foto: Horst Göbbel
Schwungvoll und bunt wie die Kunstfotografien begleitete Hildegard Pohl am Klavier die gut besuchte Vernissage am 3. März. Man konnte auch hier deutlich merken: Kunst schafft Begegnung, vermittelt Freude und Leidenschaft, ermöglicht uns das Eintauchen in die Welt der Emotionen durch die völlig unterschiedlichen und spannenden Farbkontraste und Kompositionen. Dies auch in besonderem Maße bei den vorgestellten Objekten von Gerhild Wächter, zu deren Titelbild der Ausstellung Peter Hauenstein, freischaffender Künstler, Grafiker, Kunstpädagoge, bemerkte: „Die leuchtenden Goldfische, der dunkle Kontrast des Speichenrades, die Spiegelung des Wassers hat auch etwas Mystisches. Was ist hier passiert? Es könnte auch der Hinweis auf einen Kriminalfall sein, der im schlammigen Untergrund endet. Ein Fahrrad ermuntert die Fische …“. Und zu ihren weiteren großflächigen digitalen Fotokompositionen hielt er fest. „Die Serie Goldwasser ist eher wie ein Gemälde angelegt. Viel Farbe, Struktur, auflösende Schichtung und eine warme Stimmung erinnern an herrliche Badesommer und Tauchgänge ins kühle Nass, ein Spiel mit Licht und Schatten mit viel positiver Energie, alles ist im Fluss.“

Vor St. Jobst war Gerhild Wächter ab dem 14. Februar vorwiegend mit Scherenschnitten zusammen mit Laura Bräuninger (Holz), Klaus-Leo Drechsel (Stahl und Glas), Uschi Heubeck (Malerei) und Renate Mühlöder auf dem Kunstparcours „SINN-UNSINN – hilf uns erkennen“ in der evangelischen Kirche und ihrem Umfeld in Kammerstein bei Schwabach markant präsent. Ihre Weiß- und Schwarzschnitt-Passionswege-Serie und besonders ihr Druck auf Fahnen „Jesu Weg“ (ein unausweichlicher Blickfang in der Kirche, diese „Fahnen mit Opfertropfen“ – Evangelisches Sonntagsblatt) hinterlassen einen tiefen Eindruck. Auch sie produzieren die Erkenntnis, dass, wie es Pfarrerin Daniela Merz treffend formulierte, „aus Unsinn Sinn wird, weil gerade ein (mit-)leidender Gott die Kraft hat, uns aus unseren Nöten zu befreien“. Und da fügen sich zwei lyrische Einlagen von Gerhild Wächter zart und ausdrucksstark mit in die passionsbetonte Atmosphäre glücklich ein. Hier ihr „hahnenschrei“:

hahnenschrei
mit meinem schweigen
habe ich dich verraten
mit meinem reden
habe ich dich verraten
mit meinem tun
habe ich dich verraten
nun kräht der hahn

Mit seinem Credo „Alle Kunst braucht Schmerz“ ist auch dieser Kunstparcours mit seinen Andachten und Gottesdiensten tatsächlich eine Einladung, einen kritischen Blick auf unsere Gegenwart, auf unser Tun und ebenso auf unser Unterlassen zu wagen. Vielen Dank, Gerhild. Auch für deine schaffensfreudige Präsenz beim „Waldspaziergang“ im Café Grimm in Hilpoltstein.

Horst Göbbel

Schlagwörter: Ausstellung, Gerhild Wächter, Nürnberg

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