12. August 2014

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Glanzvolle Vernissage der Zipser-Retrospektive in Kornwestheim

Nach Gert Fabritius (2010) und Kurtfritz Handel (2011) widmet das von Dr. Irmgard Sedler geleitete Museum im Kleihues-Bau in Kornwestheim eine weitere Retrospektive einem siebenbürgisch-sächsischen Künstler, der in München lebenden und 2008 mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis ausgezeichneten Malerin Katharina Zipser. Die 1931 in Hermannstadt geborene Tochter des Malers Dolf Hienz hat 1950-1957 an den Kunstakademien „Ion Andreescu“ in Klausenburg und „Nicolae Grigorescu“ in Bukarest Malerei studiert, 1966 das Diplom für Kirchen- und Ikonenmalerei des Bukarester Patriarchates erworben und war vor wie nach der Ausreise 1970 als freischaffende Künstlerin und Kunstpädagogin tätig. Ihr umfangreiches und vielseitiges Œuvre wurde in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt und ist in Museen und Sammlungen ebenso zu finden wie im öffentlichen Raum.
Man fragt sich, was Katharina Zipser – Künstlername KATH. – bzw. Werke von ihr in der Ausstellung „Siebenbürgische Künstlerinnen sichtbar machen“, die im September-Oktober 2013 vom Hermannstädter Kulturzentrum Friedrich Teutsch gezeigt wurde, zu suchen hatte. Zurzeit ist sie wohl jene siebenbürgische Künstlerin, die man am allerwenigsten sichtbar zu machen braucht, weil sie sehr präsent ist, nicht nur mit Ausstellungen, sondern gleich mit mehreren Retrospektiven.

Auslöser dafür war der 80. Geburtstag von Kath. am 28. Dezember 2011. Schon davor wurde der erste Rückblick auf das Gesamtwerk von Katharina Zipser in den Ausstellungsräumen im Schmiedturm in Schäßburg gezeigt, 2012 folgte jener im Brukenthalmuseum und im Städtischen Museum in Mediasch und 2014 die Retrospektiven im Kunstmuseum Kronstadt sowie im Museum im Kleihues-Bau in Kornwestheim – jede mit ihrem eigenen Gepräge. Das jeweils Spezifische war nicht allein durch die örtlichen Gegebenheiten bedingt, sondern auch durch die Auswahl der gezeigten Werke. Die von Dr. Irmgard Sedler, der Leiterin der Museen der Stadt Kornwestheim, verantwortete Ausstellung legt laut eigenem Bekunden den Schwerpunkt auf die drei letzten Jahrzehnte im Schaffen Zipsers. Dass die 70er Jahre ähnlich gut vertreten sind, wundert nicht angesichts des Schaffensschubes, den die Aussiedlung nach Deutschland ausgelöst hatte. Man wundert sich aber, dass die 20 Jahre davor allein durch ein Porträt von 1949 vertreten sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass Zipsers Fresken und Kunst am Bau in der Ausstellung nicht gezeigt werden können. Warum aber eine ganze Kunstgattung – Zeichnung – unberücksichtigt geblieben ist, verwundert doch. Denn auch auf diesem Gebiet, insbesondere mit Porträt und Aktzeichnungen hat KATH. Beachtliches geleistet, das bei den anderen Retrospektiven auch entsprechend gewürdigt worden war. Eine mögliche Erklärung für die Entscheidung gegen die Zeichnungen kann man eventuell in der zeitgleich im Obergeschoss des Museums im Kleihues-Bau laufenden Ausstellung „Peter Riek – Mann und Muster – Zeichnung“ sehen. Ähnlich bewusst dürfte auch die Entscheidung gegen „Kath. Taubenbriefe“, das filmische Porträt von Günter Czernetzky aus dem Jahr 1999, getroffen worden sein – voll Vertrauen in die ausge­stellten Werke und in deren Aussage- und Behauptungskraft. Katharina Zipser vor „Stillleben mit Lächeln“, ...Katharina Zipser vor „Stillleben mit Lächeln“, Eitempera gewachst auf Karton, 1975. Foto: Hans-Werner Schuster Trotz dieser Einwände ist die Ausstellung jedem Kunstfreund wärmstens zu empfehlen. Der lichte Saal bringt die ausgestellten knapp 50 Werke – Porträt-, Landschafts-, Ikonen- und abstrakte Malerei – voll zur Geltung, lässt und gibt ihnen so viel Raum, wie sie benötigen: Einerseits um sich als einzigartige Kunstwerke, die sie dank brillanter Technik und des vom sinnlichen und geistigen Zugriff auf das Bildsujet bedingten Bildausdrucks zweifelsohne sind, zu entfalten; andererseits um untereinander in Verbindung zu treten, um miteinander Beziehungen aufzunehmen und um ebenso aufeinander wie über sich hinaus zu verweisen. Jeder Besucher wird beim Betreten des Raumes das gleiche Erlebnis haben wie die 175 (!) Besucher der Vernissage am 25. Juli um 19.00 Uhr: Ein überwältigendes Aha-Erlebnis ange­sichts des Viererblockes von großformatigen (150 x 130 cm) Acrylbildern, die im Zusammen­spiel von schwarzen, blauen, braunen, grünen und violetten Pigmenten das „Schwärzer-als- Schwarz“ auszuloten suchen. Jeder Besucher wird danach im Spannungsfeld von „Großer Flügelflagel I“ (236 x 242 cm) und „Großer Flügelflagel II“ (240 x 220 cm), die die Längsachse krö­nen, eine ähnliche Ahnung von Jenseitigkeit und Unendlichkeit haben wie die Gäste der Vernissage. Ihm wird aber nicht vergönnt sein, der mu­sikalischen Umrahmung (bei neun Titeln ein veritables kleines Konzert) des Duos „Magic Acous-­ tic Guitars“ zu lauschen, von Bürgermeister Daniel Güthler begrüßt und von Dr. Irmgard Sedler kenntnisreich in die Ausstellung eingeführt zu werden oder gar von der Künstlerin höchstpersönlich den einen oder anderen Hinweis zu einem Werk und seiner Entstehungsgeschichte zu erhalten. Er kann das aber im Katalog nachlesen, der bei der Eröffnung der Ausstellung noch nicht vorlag. Er wird im Laufe des Jahres erscheinen und die bisher schmerzlich vermisste Künstlermonographie vergessen lassen.

Die Ausstellung im Museum im Kleihues-Bau, Stuttgarter Straße 93 in 70806 Kornwestheim. ist noch bis zum 26. Oktober 2014 zu besichtigen, jeweils Freitag bis Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr.

Hans-Werner Schuster

Schlagwörter: Zipser, Ausstellung, Kornwestheim

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