17. Februar 2021

Stiftung Siebenbürgische Bibliothek: Vorstandsvorsitzender Hatto Scheiner reicht Stafette an Nils Măzgăreanu weiter

Das Jahr 2020 schien sehr gut zu beginnen. Die Wirtschaft befand sich im Aufschwung, was ein gutes Jahresergebnis erwarten ließ. Mit einer im Dezember 2019 erhaltenen großzügigen Spende wurden im Januar Gewinn versprechende Wertpapiere erworben. Das Ziel, das Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek und Archiv mit einem höheren Betrag als im Jahr 2019 fördern zu können, schien greifbar nahe. Die Ausstattung der neu bezogenen Räume im Schloss mit Roll-Anlagen für Archivbestände, Regalen, Kommunikationsanlagen, Lampen etc. benötigte eine Menge Geld, zusätzlich zu den üblichen Personal-, Material-, Miet- und Nebenkosten. Wir waren voller Hoffnung, dafür einen namhaften Beitrag leisten zu können, doch die Pandemie machte uns einen dicken Strich durch die Rechnung.
Wie wir alle wissen, brach die Wirtschaft im Frühjahr heftig ein und viele unserer Wertpapiere warfen einen geringeren Ertrag ab, einige sogar gar keinen. Zwar schien sich im Sommer die Lage zu bessern, doch im Herbst folgte der Rückschlag. Danach war vorauszusehen, dass die Einschränkungen sich noch längere Zeit hinziehen würden. Um die Erträge der Stiftung nicht zu stark sinken zu lassen, mussten entsprechende Umschichtungen vorgenommen werden. Papiere ohne Gewinnerwartung wurden durch bessere ersetzt. Trotzdem sanken die Erträge des Jahres 2020 gegenüber denen des Vorjahres um über 10.000 Euro.

Es gibt aber auch Erfreuliches zu berichten. Letztendlich mussten wir den beschlossenen Förderbetrag für das Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek und Archiv nicht kürzen. Er blieb gleich hoch, wie der von 2019. Den gleichen Betrag haben wir auch für dieses Jahr vorgesehen und sind guten Mutes, unsere Verpflichtung erfüllen zu können. Insgesamt muss zu dem Förderbetrag der Stiftung für das Institut und die Bibliothek aber gesagt werden, dass schon der Bedarf für die Gehälter des sowieso sehr knapp bemessenen Personals von der Stiftung allein noch längst nicht abgedeckt werden kann, geschweige denn der Bedarf für die anderen Kosten. Dafür ist das Stiftungsvermögen bei der aktuell zu erzielenden Rendite noch viel zu klein. Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat e.V., Träger des Instituts und der Bibliothek, ist ständig gezwungen, zusätzliche Finanzierungsquellen zu suchen. Als Folge musste er Ende des Jahres notgedrungen das Personal reduzieren, was die Arbeit im Institut, in der Bibliothek und im Archiv deutlich erschwert.
Vorstandssitzung der Stiftung Siebenbürgische ...
Vorstandssitzung der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek im Jahr 2010 in Münster (Hessen). Gut zehn Jahre später reicht Hatto Scheiner (Mitte), Vorsitzender der Stiftung, die Stafette an Nils Măzgăreanu (links) weiter. Stellvertretender Vorsitzender bleibt Wilhelm-Georg Hietsch.
Auch beim Thema Zuwendungen haben wir Gutes und weniger Gutes zu berichten. Zuerst das Gute. Es gibt einige sehr treue Unterstützer der Stiftungsarbeit. Seit Jahren überweisen sie immer wieder Zuwendungen in das Stiftungsvermögen. Daher gab es auch im Jahr 2020 insgesamt 38 Einträge in die Stiftertafel. 28 davon betreffen Namen, die schon mehrere Male eingetragen wurden, sechs sind Ersteinträge und vier sind Spendenaufrufen anlässlich von Trauerfeiern zu verdanken. Sehr froh waren wir über ein Vermächtnis von 10.000 Euro im März und darüber, dass 22 Personen und Institutionen je tausend Euro oder mehr überwiesen haben. 132 Spender handelten aus eigener Initiative, 90 aufgrund von Aufrufen bei Geburtstags- oder Trauerfeiern. An dieser Stelle möchte ich allen 222 Spendern ein ganz besonders herzliches Dankeschön des Stiftungsvorstands aussprechen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass viele unserer Gemeinschaftsmitglieder sich an den Spendern ein Beispiel nehmen, damit wir mit dem Vermögensaufbau für die Absicherung des Siebenbürgen-Instituts schneller fertig werden.

Scheidender Vorstandsvorsitzender Hatto Scheiner. ...
Scheidender Vorstandsvorsitzender Hatto Scheiner. Foto: Johann Maack
Das ehemalige „Heimathaus Siebenbürgen“, Schloss Horneck in Gundelsheim, ist mit großem finanziellem und menschlichem Aufwand unserer Gemeinschaft und mit großer finanzieller Hilfe staatlicher Organe in unsere „Kulturburg“ umgewandelt worden. Das Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek und Archiv sowie das Siebenbürgische Museum haben wieder ein sicheres Zuhause, was der Hauptzweck des Schlosserwerbs war. Das ist erst einmal beruhigend.

Nach wie vor aber haben wir, die gesamte siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft, die Verantwortung dafür, dass beide Institutionen dauerhaft bestehen bleiben. Das heißt im hier behandelten Fall, dass die Finanzierung des Siebenbürgen-Instituts sichergestellt werden muss. Die dort befindlichen Urkunden, Dokumente, Bücher etc. sind einer der Grundpfeiler unseres Selbstverständnisses und letztlich unserer Existenz als Gemeinschaft. Wir sind nur deshalb Siebenbürger Sachsen, weil wir eine eigene, Jahrhunderte lange Geschichte haben, die wir nicht nur erzählen, sondern auch dokumentieren können. Jeder Einzelne von uns sollte deshalb am Fortbestand dieser Institution interessiert sein und sich daran nach seinen Möglichkeiten beteiligen. 132 Unterstützer sind zu wenige für diese anspruchsvolle Aufgabe.

Neuer Vorsitzender Nils H. Măzgăreanu  ...
Neuer Vorsitzender Nils H. Măzgăreanu
Zum Schluss möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich aus persönlichen Gründen die Arbeit im Stiftungsvorstand an die nächste Generation weitergegeben habe. Die Arbeit habe ich gerne gemacht. Der Zahn der Zeit nagt aber auch an mir und ich kann ihm nicht davonlaufen. Für das Vertrauen, das mir alle am Aufbau des Stiftungsvermögens beteiligten Personen entgegengebracht haben, bedanke ich mich und wünsche allen nur das Beste für die Zukunft.

Der am 23. Januar 2021 neu gewählte Vorstand, der zu zwei Dritteln der alte ist, wird meiner Ansicht nach die Arbeit mindestens so gut wie der alte fortführen. Schenken Sie ihm Ihr volles Vertrauen. Die drei Mitglieder des neuen Vorstandes sind:

Nils H. Măzgăreanu, Vorsitzender, An den Eichen 4A, 91077 Dormitz, Telefon: (09134) 909484, E-Mail: nmazgareanu[ät]web.de

Wilhelm-Georg Hietsch, Stellvertretender Vorsitzender, Mühlbacher Gasse 15, 51674 Wiehl, Telefon: (02262) 727791, E-Mail:anwalthietsch[ät]web.de

Dr. Ralf T. Göllner, Pfarrer-Bendert-Straße 4C, 82140 Olching, Telefon: (08142) 45329, E-Mail: goellner[ät]ungarisches-institut.de.

Das Konto der Stiftung Siebenbürgische Bibliothek bei der Volksbank Oberberg eG, BIC: GENODED1WIL, hat die IBAN: DE75 3846 2135 0211 0290 13.

Die Einhaltung des Stiftungszwecks wird vom Stiftungsbeirat überwacht. Beiratsvorsitzender ist Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, sein Stellvertreter ist Dr. Ulrich A. Wien. Weitere Beiratsmitglieder sind Karl-Heinz Brenndörfer, Alfred Mrass, Dr. Dr. Gerald Volkmer und die drei Mitglieder des Vorstands. Ihnen allen wünsche ich ein „gutes Händchen“ bei den zu bewältigenden Aufgaben, Gesundheit, Zuversicht und auch sonst alles Gute!

Hatto Scheiner

Schlagwörter: Stiftung Siebenbürgische Bibliothek, Gundelsheim, Bericht, Rückblick, Scheiner, Măzgăreanu, Vorstand

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