28. März 2026

„Schreib es auf, sonst quatscht du mich noch tot!“ Wolfgang Kleins Erinnerungsbuch „Schnapsideen und Heimatgefühle“

Wolfgang Klein hat sie aufgeschrieben, die Geschichte seines Lebens. Einerseits, um die Nerven der „allerbesten Ehefrau“ nicht weiter zu strapazieren, andererseits, um seine Erinnerungen festzuhalten. Es sind Erinnerungen an ein bewegtes Leben in Siebenbürgen und in Deutschland – konkret in Hermannstadt und in Mainz. Sein Buch ist aber nicht nur eine Rückschau auf sein eigenes Dasein, sondern auch auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in seinem jeweiligen Lebensmittelpunkt.
Er schildert die Stationen seines Lebens und widmet den Personen, die ihn in seinem Leben begleitet und geprägt haben, jeweils ein Kapitel. Sein Vorgehen ist dabei annähernd chronologisch. Er beginnt mit seiner Mutter, der er mit jeder Zeile Respekt und Bewunderung entgegenbringt, zeichnet mal liebevolle Bilder von seinen Tanten und Großmüttern, mal kritische oder bewundernde von seinem Vater und Stiefvater. Er berichtet von seiner Kindheit in der kommunistischen Mangelwirtschaft und vom Erwachsenwerden zusammen mit seinen Brüdern und Freunden, von unzähligen Partys, diversen Angebeteten und dem Militär. Dabei redet er aber nichts schön. Trotz der mitschwingenden Nostalgie an eine wilde Jugend lässt er die harte Realität nicht unter den Tisch fallen. Diese bestand im kommunistischen Rumänien der 60er und 70er Jahre aus vielen Entbehrungen und Stillstand, aber auch aus Nachbarschaftshilfe und Zusammenhalt. Schließlich beschreibt er die Umstände um seine Ausreise nach Deutschland, das Ankommen in Mainz und den Kampf, die eigene Identität nach dem Verlust des gewohnten Lebens wiederzufinden. Geholfen haben ihm dabei seine Arbeit als Kneipenwirt und die vielen Gespräche mit seinen Gästen und Freunden – nicht zuletzt aber seine „allerbeste Ehefrau“, die bereits seit über vier Jahrzehnten sein Fels ist. Natürlich sind auch die Kneipengeschichten gespickt mit skurrilen Ereignissen und liebenswert chaotischen Personen, denn eines lässt sich mit Bestimmtheit sagen: Geradlinigkeit und Monotonie sind nicht Kleins Sache.

Wolfgang Klein ist ein echter Geschichtenerzähler, aber auch ein kluger Beobachter, ein Musikliebhaber und Lebemann. Und als solcher „erzählt“ er sein neuestes Buch. Sein Ton ist mal kritisch, mal derb, aber immer warmherzig und mit einem Augenzwinkern. Er scheut sich nicht, harte Wahrheiten anzusprechen, und beschönigt nichts. Dem Leser wird trotz der überraschend komisch erzählten Geschichten schnell klar, dass sein Leben nicht immer einfach war und dass er aus vielen Situationen mit Erfindungsreichtum und dem ihm eigenen Charme einfach das Beste machte.

Dieses autobiografische Buch ist besonders etwas für Leser, die sich für authentische Geschichten interessieren. Gerade auch Leser mit ähnlichen Lebenswegen wie dem von Wolfgang Klein werden sich in diesem Buch wiederfinden.

KA

Wolfgang Klein: „Schnapsideen und Heimatgefühle. Bekenntnisse eines Kneipenwirts“. Herodot Verlag, Ingelheim, 2025, 464 Seiten, 20 Euro, ISBN 9-783-98641-192-3

Schlagwörter: Buch, Erinnerungen, Klein

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