31. März 2026

Vom Heldentenor zur Stiftung Klaus Brambach: Fünf wertvolle Tonträger auf Siebenbuerger.de zu hören

Den Namen Brambach wird man vergebens in einem siebenbürgischen Künstlerlexikon suchen. Fritz Brambach (1903-1949), in Dortmund geboren, war ein in den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts gefeierter Heldentenor in deutschen Konzertsälen. Mit seinem strahlenden Timbre, der das hohe „d“ mühelos erreichte, begeistere er sein Publikum mit großen Rollen in den Opern von Wagner, Puccini, Bizet, Verdi und Adam. Eine CD versammelt alte Aufnahmen – etwa Wagners Gralserzählung (Lohengrin) oder Puccinis Tosca – und zeugt von der Gestaltungskraft des Sängers, der auch in seinen Liedinterpretationen von Schubert, Brahms, Beethoven, Wolff und Kaun tiefen Eindruck hinterließ. Seine Begeisterung für die Oper hat er seinem Sohn Klaus (*1942) vermacht, obzwar der den Vater bereits mit sieben Jahren verlor und obwohl der Sohn einen ganz anderen Weg als den des Sängers einschlagen sollte. Klaus Brambach studierte Sprachwissenschaft und Journalistik und schlug danach eine Diplomatenlaufbahn ein. Diese führte ihn zunächst in den asiatischen Raum, nach Kalkutta, und ab 1988 nach Bukarest als Pressereferent der Deutschen Botschaft. Die Liebe zur Musik, speziell zur Oper hat ihn dabei immer mit begleitet.
Klaus Brambach freut sich über das ...
Klaus Brambach freut sich über das Eröffnungskonzert seiner Stiftung 1991 in Bukarest.
Als Klaus Brambach 1988 seinen Dienst in Bukarest antritt, erlebt er ein zutiefst gespaltenes Land. Es sind die Jahre tiefster wirtschaftlicher Depression und drückendster Verarmung der Bevölkerung. Gleichzeitig aber lernt er eine exzellente Künstlerszene kennen. An der Bukarester Nationaloper wirken Größen der Opernbühne wie Arta Florescu, Maria Slătinaru, David Ohanesian oder Ludovic Spiess. Sie alle finden bei Hauskonzerten im Hause Brambach ein künstlerisches Refugium. Sie werden zu Stammgästen im Hause Brambach, wo mit einem „Jour fixe“ ein weitfrequentierter Künstlerzirkel entsteht. Doch bald überstürzen sich die Ereignisse.

Brambach erlebt im Dezember 1989 in Bukarest den dramatischen Umsturz des kommunistischen Regimes. Die aufgestaute Wut einer geknechteten Bevölkerung hatte Ceaușescus Unterdrückungsregime hinweggefegt. Der Eiserne Vorhang hatte sich unvermutet geöffnet und die bislang abgeschotteten Ostblockstaaten sahen sich plötzlich in der Lage, sich von der sowjetischen Vormundschaft ab- und dem Westen zuzuwenden. Diese Chance erkannte auch Klaus Brambach. Er wird nun eine neue Rolle spielen können und ergreift auch die Gelegenheit. Sein Interesse hatte schon immer der Musikszene gegolten. Er hatte das immense Potenzial an begabten jungen Künstlern Rumäniens erkannt, denen bislang die Möglichkeit gefehlt hatte, im Austausch auf internationaler Ebene Erfahrungen zu sammeln, sich mit der europäischen Elite zu messen und zu behaupten.

So ergreift Klaus Brambach bereits im Februar 1991 die Initiative zur Gründung einer Stiftung, die nach ihm benannte „Klaus Brambach Stiftung zur Förderung junger rumänischer Musiktalente“ (Fundaţia Klaus Brambach pentru promovarea tinerelor talente muzicale românești). Es gelingt ihm, namhafte Persönlichkeiten des rumänischen und europäischen Musiklebens für sein Projekt zu begeistern. Als Generaldirektor im Stiftungsrat wird Iosif Sava, der bekannte rumänische Musikwissenschaftler, benannt. Im Exekutivkomitee finden sich Vertreter großer deutscher Firmen – Bayer, Lufthansa, BASF oder Hoechst – die eine finanzielle Absicherung gewähren. Am Stiftungskapital beteiligt sich auch Brambach persönlich. Das Statut der Stiftung nach rumänischem Recht benennt ambitionierte Ziele: das Wichtigste, die Förderung junger talentierter rumänischer Musiker, denen der Weg zur europäischen Kulturszene geöffnet werden soll, Finanzierung von Vokal- und Instrumentalkonzerten wie auch Opernaufführungen, Durchführung von Meisterkursen mit international renommierten Dozenten wie auch von internationalen Austauschprojekten, Fortbildungskursen und Musikwettbewerben, Förderung durch Stipendien, Preise und Gründung einer Künstleragentur mit eigenen Publikationen.

Die erste Schallplatte mit jungen Musikern, die ...
Die erste Schallplatte mit jungen Musikern, die von der Stiftung gefördert wurden (1992)
Die Neugründung wird mit großem Interesse wahrgenommen. Das Reservoir junger Talente, die sich zur Auswahl melden, ist schier unerschöpflich. Mehr als 800 junge Musiker werden aus unzähligen Bewerbern zu den Auswahlverfahren eingeladen. Die ersten Konzerte zeigen bereits erstaunliche Ergebnisse. Zwei Schallplatten von Electrecord aus dem Jahre 1992, die mittlerweile digitalisiert und seit Kurzem unter www.siebenbuerger.de/go/998U zu hören sind, geben einen Eindruck von dem hohen Stand der Musikausbildung in Rumänien und den außerordentlichen Begabungen, die hier in Erscheinung treten. Auf den beiden Einspielungen ist zwar das Grundrauschen damaliger Technik noch zu hören, was dem hervorragenden künstlerischen Gesamteindruck jedoch keinen Abbruch tut.

Das Motto der ersten beiden Aufzeichnungen „Auf dem Weg zum Ruhm“ (Candidaţi la glorie) ist vielversprechend und wird sich bewahrheiten. Da spielt ein Siebenjähriger (Alexandru Ciobanu) bereits Beethovens Variationszyklus Op. 77 in höchster Perfektion. Er wird ein international anerkannter Konzertpianist werden. So ähnlich ergeht es fast allen der 27 jungen Begabungen, die auf den Anfangs-LPs mit höchst anspruchsvollem Repertoire in Erscheinung treten. Der Koloratursopran von Elena Moşuc, Ruxandra Donose, Lăcrămioara Sandulache oder Camelia Voin, wie auch der strahlende Tenor von Marius Vlad Budoiu, die ihre ersten Schritte bei den Brambach-Konzerten machten, sind heute auf den großen Bühnen der Welt zu hören. Das Gleiche lässt sich von den Pianisten dieser Debüt-Konzerte – etwa Matei Varga, Răzvan Filipoiu, Horia Mihail – sagen, wie auch von den Geigern – Florin Ionescu-Galaţi, Irina Mureşanu, Leonard Raiciof oder Remus Azoiţei und vieler weiterer Musiker, die Brambach mit seiner feinen Spürnase entdeckte und ihnen den Weg zur internationalen Karriere öffnete.

Es folgen zahlreiche Konzertfahrten ins Ausland. Bei einer Tournee durch zehn deutsche Städte (Leverkusen, Montabaur, Koblenz, Bonn, Mülheim, Dortmund, Wuppertal, Bad Lippspringe, Ahlen, Danneberg) vom 27. April bis 13. Mai 1995 werden die jungen rumänischen Musiker stürmisch gefeiert, der Mitschnitt des Auftrittes in Wuppertal wird auf der CD „Junge Virtuosen auf dem Weg zum Ruhm“ präsentiert. Brambach darf die Erfüllung seines Zieles der Musik, als musikalischer Brückenbauer im Integrationsprozess des Ostens erleben. Das Verschmelzen der Kulturen zeigt eine zweite CD mit Werken rumänischer und deutscher Komponisten mit „Festlicher Musik zur Advents- und Weihnachtszeit“, aufgenommen im Bruchsaler Barockschloss (1999). Insgesamt führt die Brambach-Stiftung 20 Tourneen mit 190 Konzerten in Deutschland durch und bietet mehr als 90 jungen Musikern die Möglichkeit, ihre ­Begabung vor einem großem interessierten und kritischen Publikum unter Beweis zu stellen.

So verdienstvoll dieses Wirken von Klaus Brambach auch ist, es ist nur eine Seite des umtriebigen Deutschen, der ja auch noch das Amt eines Presseattachés der deutschen Botschaft zu versehen hatte. Iosif Sava, der eine beliebte Musiksendung im rumänischen Fernsehen betrieb, war auf den erfolgreichen Senkrechtstarter aufmerksam geworden und hatte ihn in seine wöchentliche Musiksendung eingeladen. Sein Auftritt war so neuartig und mitreißend, dass ihm eine eigene wöchentliche Musiksendung im Ersten Fernsehprogramm TVR zur besten Sendezeit zugesagt wurde. Fortan verfolgte eine riesige begeistere Hörerschar Brambachs wöchentliche Samstag-Sendung, die „Ora de muzică“ (Musikstunde), die Brambach mittels einer Simultandolmetscherin (Ruxandra Şachim), versehen mit einem riesigen Fundus von Aufnahmen seiner eigenen Diskothek und Videothek, bestritt.

Der Erfolg war so durchschlagend, dass ihm nun auch Radiosendungen anvertraut wurden. Es sollten insgesamt 250 Fernsehsendungen und ebenso viele Hörfunksendungen werden, mit denen er dem rumänischen Publikum ganz neue Einblicke in die Musik eröffnete. Eine wichtige Stütze war ihm dabei als Generaldirektorin der Stiftung wie auch als Dolmetscherin und zuverlässige Klavierbegleiterin Laetiţia Sburlan.

1992 fasst Josif Sava in einer breitangelegten Anthologie die großartigen Erfolge der Stiftung, die bereits nach einem Jahr zu verzeichnen waren, zusammen. Ein umfangreicher Anhang von Würdigungen und Dankesschreiben begeisterter Zuhörer unterschiedlichster Bevölkerungsschichten rundet das Gedenkbuch ab.

Ende 1993 wird Klaus Brambach aus Bukarest abberufen, doch der Initiator wird seiner Stiftung auch weiterhin bis 2003 treu bleiben. Er wurde zwar noch auf weitere Auslandsposten versetzt, findet aber immer noch Zeit und Energie, sein rumänisches Lieblingsprojekt weiterhin zu betreuen. 2003 löst Klaus Brambach die Stiftung auf in der Überzeugung und Gewissheit, dass seine Stiftung ihre ursprünglich gesetzten Ziele mehr als erhofft erfüllt hat. Die junge rumänische Musikszene kann nun auf eigenen Beinen stehen.

Heute lebt der mittlerweile 84-jährige musikbegeistere Diplomat in der Abgeschiedenheit seines Alterssitzes in Niederolm-Zornheim, umgeben von Zeugnissen seines rastlosen Wirkens, und schreibt an einem zweiten Buch über die „Klaus Brambach Stiftung“. Wir wünschen viel Freude beim Rückblick auf ein erfülltes Leben.

Prof. Heinz Acker

Alle fünf im Artikel erwähnten Tonträger, einschließlich jene mit Fritz Brambach, können auf der Webseite des Verbandes und der Siebenbürgischen Zeitung unter www.siebenbuerger.de/go/998U gehört werden.

Schlagwörter: Musik, Porträt, Stiftung

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