4. April 2026
Broschüre zum Jubiläum der Deutschen Spezialabteilungen in Rumänien
Seit über 25 Jahren ermöglichen die Deutschen Spezialabteilungen in Rumänien Schülerinnen und Schülern den Erwerb des deutschen Abiturs und damit einen deutsch-rumänischen Doppelabschluss, der weltweit ein akademisches Studium ermöglicht. Bereits vor 30 Jahren wurde die deutsche Spezialabteilung am Bukarester Goethe-Kolleg gegründet, fünf Jahre später erfolgte die Gründung einer weiteren Spezialabteilung am Temeswarer Lenau-Lyzeum, dessen Direktor damals der heutige Minderheitenvertreter im rumänischen Parlament Ovidiu Ganț war.

„Deutsche Spezialabteilungen sind seit mehr als 25 Jahren ein Beispiel für Exzellenz im Bildungsbereich, ein Raum der binationalen pädagogischen Zusammenarbeit und der Innovation, in dem schulische Tradition und moderne Unterrichtsmethoden ein ausgewogenes Ganzes bilden,“ betont der rumänische Bildungsminister Prof. Dr. Daniel-Ovidiu David in seinem Grußwort. Weitere Grußworte kommen von der damaligen Präsidentin der ständigen Konferenz der Bildungsminister der Länder Simone Oldenburg sowie von den Vertretern des für die Auslandsschulen bzw. Auslandsvertretungen zuständigen Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland.
„Die deutschen Spezialabteilungen in Rumänien realisieren die Ziele der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in besonders vorbildlicher Weise“, lautet die Bilanz der Herausgeber angesichts der Ergebnisse des vorangegangenen Schuljahrs: Von den 109 Absolventen hatten 70 Prozent einen besseren Abischnitt als 2.0, fast alle nahmen sofort ein Hochschulstudium auf, davon 65 Prozent in Deutschland. 10 Prozent der Abgänger hatten für das Studium in Deutschland ein Vollstipendium erhalten. Diese Ergebnisse, die sich in die Erfolgsreihe vorheriger Schuljahre einfügen, führen die Herausgeber auf die „historisch einmalige, institutionell abgestützte und mit großem Verantwortungsbewusstsein getragene Konstellation“ der deutschen Spezialabteilungen in Rumänien zurück. „Ihr didaktischer Ansatz ermöglicht eine Öffnung zur deutschen Denk- und Lernkultur.“
Der Jubiläumsband gliedert sich in drei Abschnitte. In den „Gründungsgeschichten“ kommen vier zentrale Akteure zu Wort, die maßgeblich am institutionellen Aufbau der Spezialabteilungen beteiligt waren. Den Anfang macht Heike Toledo, seit 2017 Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, die vor allem die intensive Zusammenarbeit der Bildungsinstitutionen der beiden Länder hervorhebt. Christiane Cosmatu, Inspektorin und seit 2011 Unterstaatssekretärin im Departement für Interethnische Beziehungen bei der Regierung Rumäniens, hebt den Wert der Spezialabteilungen für das deutsche Minderheitenschulwesen in Rumänien hervor. Ovidiu Ganț erläutert seine persönliche und berufliche Verbundenheit mit der Spezialabteilung in Temeswar und schließlich schildert Karl-Ernst Friederich seine Erfahrungen beim Aufbau und der Entwicklung der Spezialabteilung ab dem Jahr 2000 an der Temeswarer Lenauschule.
Das eigentliche Herzstück des Bandes sind jedoch die vierzehn „Bildungsgeschichten“ mit repräsentativ ausgewählten Beiträgen von Absolventinnen und Absolventen der Spezialabteilungen der Jahrgänge 2004 bis 2024. Bei aller Unterschiedlichkeit in den Erfahrungen ist der Tenor der Absolventinnen und Absolventen geprägt von besonderen Erfahrungen und Erkenntnissen, die ihnen in der Deutschen Spezialabteilung widerfuhren: der Blick auf Europa, der dadurch eröffnet wurde, die Möglichkeiten des Austauschs und Perspektivwechsels, die „Reise durch die Kulturen“, die beruflichen Chancen und Perspektiven, die Herausforderungen der Grenzüberschreitung. Die Herausgeber erkennen in den Schilderungen durchaus heterogener Werdegänge „wiederkehrende Motive“, die auf ein „gemeinsames Bildungsethos“ verweisen – auch wenn Naturwissenschaftler unter den Beiträgen kaum vertreten sind.
Im dritten Teil sollen „Bildungstraditionen“ der beiden Partnerländer vergleichend beleuchtet werden. Das geschieht einleitend durch die Deutschlehrerin am Lenau-Lyzeum Lorette Cherăscu, die sich als „Brückenbauerin“ definiert und bildhaft ihren „zweifachen Blick vom Stirnkranz der Brücke“ beschreibt. Der Fachdidaktiker Michael Kämper-van den Boogaart analysiert exemplarisch die Aufsatzformen im Deutschunterricht und die Rumänischlehrerin Dorina Ciuhandu bringt ihre fachspezifische Binnenperspektive ein. Der vergleichende Blick, so das Resümee von Lorette Cherascu, eröffnet eine „Perspektive komparatistischen Denkens“, das Unterschiede „dialogisch fruchtbar“ macht.
Einige Fotoseiten zeigen wichtige Momente, unter anderen den Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in der Lenauschule im Jahr 2023. Ein ausführliches Autorenverzeichnis liefert den Lesern die nötigen Informationen über die Verfasserinnen und Verfasser der einzelnen Beiträge. Die Broschüre ist bei Interesse in der Geschäftsstelle der Landsmannschaft gegen eine kleine Spende erhältlich.
Halrun Reinholz
Frank Lembke, Elmar Wulff (Hrsg.): „Mehr als ein Vierteljahrhundert Deutsche Spezialabteilungen in Rumänien“. Temeswar (Cosmopolitan Art), 2025, 165 Seiten, ISBN 978-6-0698-8127-9 (Banater Bibliothek 28). Zu beziehen gegen eine kleine Spende in der Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft der Banater Schwaben, München, E-Mail: landsmannschaft[ät]banater-schwaben.de, Telefon: (0 89 23 55 73-0.
Schlagwörter: Spezialabteilung, Bukarest, Goethe-Kolleg, Buchvorstellung
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