14. August 2026
Trachten, Weinbau und Kirchen: Neu gestaltete Räume in der Dauerausstellung des Siebenbürgischen Museums
Das Team des Siebenbürgischen Museums auf Schloss Horneck ist kontinuierlich bestrebt, seine Ausstellung zu aktualisieren. Damit wird das Museum nicht nur für Erstbesucher attraktiv, sondern auch für Gäste, die es schon lange kennen. Sie können immer wieder etwas Neues entdecken. Zurzeit wird gerade intensiv an zwei von drei neuen Themenräumen in der Dauerausstellung gearbeitet. Sie werden am Sonntag, dem 13. September 2026, um 15.30 Uhr, am Tag des offenen Denkmals offiziell in festlichem Rahmen in Gundelsheim am Neckar eröffnet (der Eintritt an diesem Tag ist frei).

Festtrachten wurden natürlich schon immer im Museum ausgestellt. Bisher wurde das Zusammenleben verschiedener Ethnien in Siebenbürgen sichtbar gemacht, indem man einzelne Elemente unterschiedlicher Trachten in den Mittelpunkt stellte. Die neue Ausstellung zeigt hingegen komplette, repräsentative Trachten, die für grundlegende Aspekte der Trachtenentwicklung wie Bürgertracht, ländliche Kirchentracht, Trachten der anderen, in Siebenbürgen lebenden Ethnien stehen. Thematisch erarbeitet wurde der Bereich von Dr. Irmgard Sedler, der langjährigen Vorsitzenden des Siebenbürgischen Museums, eine anerkannte Fachfrau auf dem Gebiet der siebenbürgischen Trachten.
„Der Sammlungsbestand des Museums besteht zu einem Großteil aus Textilien, darunter viele Trachten, und es kommen ständig neue hinzu“, sagt sie und erklärt damit, wie schwierig es war, aus der großen Menge von Objekten das Typische und das besonders Wertvolle auszuwählen. „Die Tracht ist heute als optisches Zeichen ein Symbol des Sächsischen schlechthin“, ist ihre Überzeugung.
Die Atmosphäre des Raumes wird durch das bekannte Ölbild „Vor der Taufe“ von Trude Schullerus von 1941 geprägt. Es hängt an zentraler Stelle an der Wand und zeigt eine Michelsberger Taufgesellschaft auf dem Weg zur Kirche. Alle Personen sind für den Kirchgang festlich gekleidet; sie werden in ihrer siebenbürgisch-sächsischen Tracht dargestellt.
Eigens für diese Ausstellung wurden neue Vitrinen angefertigt. Sie sind so geschickt aufgestellt, dass man die Exponate aus der Nähe und trotzdem von allen Seiten betrachten kann.
Neu sind auch die Figurinen, auf denen die Trachten präsentiert werden. Sie wurden aus säurefreien Materialien genau nach den Maßen der jeweiligen Tracht angefertigt, die darauf drapiert werden sollen. Dieser Bereich entstand in enger Zusammenarbeit mit zwei Diplom-Restauratorinnen – Gabriele Schrade und Sophie Richter – sowie mit Julia Mayerhöffer, der Museologin und Konservatorin der Textilsammlung im Siebenbürgischen Museum, und Dagmar Bernhard, einer weiteren Museumsmitarbeiterin. Zum Team gehört auch der Museums-Schreiner Moritz Kaether.
Die relativ kleine Fläche des Raumes zwingt Sedler jedoch, sich auf das Allernotwendigste im Sinne der Aussagekraft einzelner Trachten zu beschränken. Sie stellt die siebenbürgisch-sächsische Tracht in den Mittelpunkt. Bei der Auswahl berücksichtigte sie verschiedene Etappen in der Entwicklungsgeschichte, regionale Unterschiede und verschiedene Stände bzw. soziale Schichten. In weiteren Vitrinen zeigt sie rumänische und ungarische Trachten sowie die typische Kleidung der Roma.
Eine prächtige Kronstädter Bürgertracht aus dem Jahr 1898 zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Sie wurde für eine wohlhabende Kaufmannsfrau angefertigt und besteht aus einem so genannten Seidenseggel über einem quergefältelten Hemd aus Batist. Ein typisches Heftel und der dazu passende Gürtel geben dem Exponat den sächsischen Schliff.

Auch bei der rumänischen Tracht hat Dr. Irmgard Sedler neben einer schwarz-weißen Tracht aus dem Hermannstädter Umland nicht irgendein Objekt als Beispiel für den traditionellen rumänischen Kopfputz der Frauen gewählt, sondern eine „vălitură cu ciurel“ aus der Zeit um 1920 aus Poiana Sibiului. „Ciurel“ wurde ein Aufbau aus 33 kleingefältelten, übereinandergelegten Stoffbahnen genannt, der, ähnlich wie der Unterbau bei der sächsischen Schleierung, den rumänischen Schleier zu formen hatte. Das Exponat ist so wertvoll, dass selbst das ASTRA Museum in Hermannstadt kein vergleichbares Objekt besitzt, wie Sedler erklärt.
Auf einem eigenen Podest wird eine landlerische „Visierhaube“ aus Neppendorf zur Schau gestellt. Die Ethnie der Roma wird durch ein buntes Kopftuch einer Romnjia symbolisiert. Alle Farben sind darauf vertreten, außer Schwarz. Dazu liefert die Volkskundlerin eine interessante Erklärung: „Bei den Roma gibt es den Aberglauben, dass Schwarz die Frauen unfruchtbar mache und deswegen gemieden werden müsse.“ Die roten Röcke der ungarischen Tracht, die man in einer weiteren Vitrine sehen kann, stammen aus der Kalotaszeg.
Nach einer fachgerechten restauratorischen Aufarbeitung, die unter anderem durch eine Förderung in Höhe von 8 000 Euro durch den Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, ermöglicht wurde, befinden sich alle ausgestellten Objekte in einem konservatorisch sehr guten Zustand.
Sedler arbeitet zurzeit an einem Buch über die siebenbürgisch-sächsische Patriziertracht. Darin stellt sie die Resultate ihrer jahrzehntelangen Forschung vor.

Der Raum behandelt nicht nur die Technik der Weinherstellung, sondern thematisiert auch den Weingenuss mit seinen vielfältigen Facetten. Zwei große Willkomm-Trinkgefäße, die bei Zünften u. a. zur Begrüßung fremder Handwerksmeister genutzt wurden, zeigen eindrücklich, dass das „zünftige Zechen auch in Siebenbürgen auf eine lange Geschichte zurückblicken kann“, so seine Formulierung. Daneben wird in einer der fünf Vitrinen, die ebenfalls alle für diesen Raum neu konzipiert wurden, aber auch der Wein im liturgischen Gebrauch, im Rahmen des Abendmahls, angesprochen und ebenso auf die Abstinenzbewegung der Guttempler in Siebenbürgen Anfang des 20. Jahrhunderts hingewiesen, die den Weingenuss völlig verbieten wollten.
Die Ausstellung zeigt neben dem historischen Teil drei neue Wege, die der Weinbau heute, seit der politischen Wende 1990 in Rumänien, geht: Zentral ist bei allen der bewusste Rückgriff auf die sächsische Weinbautradition, wie Lörz an einigen Exponaten vor Augen führt. Einerseits nutzen große rumänische Kellereien die deutschen Namen für Weineditionen wie etwa „Weinland“ oder „Mühlbach“. Weitere übernehmen sogar berühmte, frühere Firmennamen für eine Produktion in Lizenz. Die Weinvermarktung unter der Marke „Ambrosi“ in Mediasch ist hierfür ein Beispiel. Nach der politischen Wende zog es auch ehemalige sächsische Weinbauernfamilien wieder in ihre angestammte Heimat, um Weinbau zu betreiben. Ein Beispiel hierfür ist die Familie Zaig im nordsiebenbürgischen Tekendorf.
In einem besonderen Abschnitt in der Schau geht es um Dr. Hans Ambrosi (1925-2012), einer beeindruckenden Gestalt in der Welt des internationalen Weinbaus. Er stammte aus Mediasch und war von 1966 bis 1990 Direktor der Hessischen Weinbaugüter Kloster Eberbach. Er war auch maßgeblich an der Restaurierung des Klosters Eberbach sowie dessen Öffnung für die Öffentlichkeit beteiligt. Auch das Rheingau Musik Festival wurde von Anfang an von ihm gefördert und unterstützt.
Eine besondere Vitrine widmet Dr. Lörz der Reblaus (Phylloxera), die den siebenbürgischen Weinbau am Ende des 19. Jahrhunderts zum Erliegen brachte und damit 1890 die erste Migrationswelle der Siebenbürger Sachsen nach Amerika auslöste. Die Ausstellung zeige aber auch „das Glück mit dem Pech“, so Lörz, „denn die Katastrophe führte in der Folge zu einer Professionalisierung des siebenbürgischen Weinbaus“. Findige Unternehmer wie Friedrich Caspari (1858–1935) aus Mediasch, Michael Ambrosi (1862–1933) aus Großprobstdorf und Michael Acker (1861–1932) aus Kelling gründeten eigene Rebschulen, die die Reblaus-Krise durch die Erzeugung resistenter Weinreben überwinden halfen und sich zu sehr erfolgreichen Unternehmen entwickelten. Im Jahr 1914 produzierte allein die Rebschule Caspari vier Millionen veredelte Reben, die sogar exportiert wurden.
Heute wird in Seiden (Jidvei) die berühmte siebenbürgische Sorte Mädchentraube angebaut und auf den Etiketten leben die Namen Caspari und Ambrosi weiter. Das Weingut ist mit 2500 Hektar der größte Weinproduzent Rumäniens und beinahe doppelt so groß wie die Genossenschaftskellerei Heilbronn, mit insgesamt 1 400 Hektar die größte Einzelgenossenschaft im deutschen Weinbau.
Der dritte neue Raum befasst sich mit den Kirchen in Siebenbürgen. Er wurde bereits am 2. Mai 2026 im Rahmen des Schlossfestes eröffnet (siehe Bericht in Folge 8 vom 19. Mai 2026, S. 8).
Margrit Csiky
Schlagwörter: Siebenbürgisches Museum, Neugestaltung, Ausstellung
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