10. September 2026

Hegt wird gesangen!: „Wonn de Sann giht angder“

Marga Kraus, verw. Curta, Jahrgang 1932, die älteste Tochter des Schäßburger Turnlehrers Hans Kraus („Karuso“) wuchs in einem Haushalt auf, in dem Hilfsbereitschaft, Lebensfreude und Musik gleichermaßen gepflegt wurden. Die Mutter – auch „Internatsmutter“ genannt – kümmerte sich trotz karger Zeiten rührend um die noch ärmeren Seminaristen, wusch gelegentlich ihre Wäsche oder kochte ihnen eine Suppe. Margas jüngerer Bruder war der im März 2025 verstorbene Pfarrer Hermann Kraus (Großscheuern/Karlsruhe).
Am Lehrerinnenseminar in Schäßburg erlebte Marga Kraus jene erste Liebe, die für immer und ewig gedacht wird, eine noch harmlose Nähe, mit zwei unbeschwerten frohen Jahren und jugendlicher Unbekümmertheit. Der jähe Bruch kam an einem Abend, als B. ihr eröffnete, nun einer anderen Seminaristin zugewandt zu sein – einer, deren Gedichte er vertonen wolle. Er spielte in der Blasia, die damals Erich Bergel leitete. Der Verlust traf die Verlassene tief; aus diesem Schmerz entstand das Lied „Wonn de Sann giht angder“, das sie auch neunzigjährig noch vollständig und voller Wehmut sang.

Marga Kraus (*1932), 1986, Familienbesitz ...
Marga Kraus (*1932), 1986, Familienbesitz
Als Lehrerin wirkte Marga Kraus in Rode und Peschendorf, wo sie Chöre leitete, die sie mit Akkordeon und Gitarre begleitete. 1957 heiratete sie, wurde Mutter einer Tochter und eines Sohnes und lebt seit 1980 in Deutschland. Bis zur Verrentung im Jahr 1994 arbeitete sie an der Uni-Klinik Tübingen als Versorgungsassistentin. Anschließend engagierte sie sich noch 22 Jahre ehrenamtlich in der „Hirsch Begegnungsstätte für Ältere e.V. Tübingen“. Marga Kraus ist inzwischen Witwe, doch ihr Alltag bleibt, trotz ihres hohen Alters, bemerkenswert selbstbestimmt. Ihre Kinder und Enkelkinder besuchen sie regelmäßig. Heiter plaudern sie in Schäßburger Mundart über einst und jetzt – die positive Lebenseinstellung der Seniorin ist beeindruckend und beispielhaft.

Im August vollendete Marga Kraus ihr 94. Lebensjahr. Dieser Beitrag ist ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk verbunden mit den besten Wünschen für den Lebensabend.

Das Lied „Wonn de Sann giht angder“ (Wenn die Sonn geht unter) wurde 2004 von den Kindergärtnerinnen Sieglinde Wölfel und Sigrid Mysz in der Sammlung „Sanjt mät!“ erstmals veröffentlicht. Margas Bruder Hans Kraus, auch Lehrer, stellte es für die Sammlung zur Verfügung. So wurde aus einem persönlichen Dokument eine beliebte Weise mit Volksliedcharakter.

Für die zweite Auflage der Liedersammlung „E Liedchen hälft ängden – Alte und neue Lieder aus Siebenbürgen“ (Hg. Angelika Meltzer und Rosemarie Chrestels, 2018, www.angelika-meltzer.de) verfasste Prof. Heinz Acker einen dreistimmigen Satz für Frauenchor. Unter siebenbuerger.de/go/2L187 können Sie das Lied gesungen von Hans Kraus und Waltraud Zoppelt hören.

Angelika Meltzer

Schlagwörter: Hegt wird gesangen, Lieder, Mundart

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