15. November 2016

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Bruno Fröhlich: "Optimierung der Kommunikation zwischen Heimatkirche und Heimatortsgemeinschaften"

Einen niveauvollen Vortrag zum Thema "Optimierung der Kommunikation zwischen der Heimatkirche und den Heimatortsgemeinschaften auf allen Ebenen" hielt der Schäßburger Stadtpfarrer und Bezirksdechant Bruno Fröhlich am 28. Oktober 2016 im Heiligenhof in Bad Kissingen (siehe Bericht über die Tagung „Getrennt und doch verbunden. Potentiale der Zusammenarbeit von Institutionen der Siebenbürger Sachsen in Deutschland mit Partnern in Rumänien“ in der Siebenbürgischen Zeitung Online vom 13. November 2016). Der Vortrag wird auf Wunsch zahlreicher Teilnehmer im Wortlaut wiedergegeben.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder!

Einleitende Bemerkungen

Die Überschrift dieser Tagung „Getrennt und doch verbunden“ bewegt mich tief in meinem Inneren. Vor allem in den ersten Jahren nach der Wende 1989 habe ich über dieses Paradoxon oft nachgedacht und es in meinem Herzen bewegt.

Die Auswanderung auf lokaler Ebene bzw. die Auflösung der Gemeinschaft meines Heimatdorfes war für mich eine extrem schmerzhafte Verlusterfahrung, die bis heute nachwirkt. Als Theologiestudent und im Forum Aktiver habe ich Anfang der 90er Jahre (damals in Hermannstadt) einen tieferen Einblick in den Auflösungsprozess in ganz Siebenbürgen bekommen. Damals wurden auch die ersten Kontakte zu den siebenbürgisch-sächsischen Institutionen im Ausland geknüpft; so nahmen wir als Vertreter des neugegründeten Jugendforums an den Föderationsjugendlagern in Österreich, Deutschland sowie Kanada teil und waren mitbeteiligt an der Organisierung von solchen Jugendlagern hier in Rumänien. Mit der Tanzgruppe des Jugendforums, die ich mit ein paar Freunden gegründet hatte, waren wir des Öfteren in Österreich und Deutschland unterwegs. Freundschaftliche Beziehungen zu Landsleuten, die zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten ausgewandert waren, habe ich seit damals.

Pfarrer Bruno Fröhlich sprach über die ...Pfarrer Bruno Fröhlich sprach über die Optimierung der Kommunikation zwischen den Siebenbürger Sachsen von hüben und drüben. Foto: Petra ReinerAls ich im Jahr 1997 als Pfarrer nach Schäßburg kam und im Jahr 2002 Dechant wurde, zuständig für viele kleinere und größere Landgemeinden um Schäßburg, aber auch in Nordsiebenbürgen und der Bukowina, war die Auswanderung zwar ein abgeschlossenes Kapitel. Ihre Folgen jedoch sind bis heute spürbar. Dabei denken wir sicherlich an verlorene materielle Werte oder gefährdetes Kulturgut; vor allem das Zweitgenannte wird in fast jeder Sitzung kirchlicher Gremien thematisiert. Die Folgen der Auswanderung schlagen sich aber auch (oder vor allem auch) darin nieder, dass uns tief im Inneren etwas verlorenging. ETWAS, das wir – wie es der Titel dieser Tagung „Getrennt und doch verbunden“ suggeriert – zurückzugewinnen suchen, es aber immer nur fragmentarisch können. Fast täglich begegne ich Menschen, deren Leben von diesem Paradoxon „getrennt und doch verbunden“ mehr oder weniger bestimmt wird. Es sind einerseits die Landsleute in Siebenbürgen, von denen viele vereinsamt und hilfsbedürftig sind, andere wiederum mit viel zu vielen Aufgaben überfrachtet sind und sich wie einsame Kämpfer fühlen. Es sind andererseits die Ausgewanderten, die zum größten Teil ihren Platz in der hiesigen Gesellschaft gefunden haben, von denen viele aber mit dem Bewusstsein einer inneren Zugehörigkeit zu Siebenbürgen leben, und dies in unterschiedlicher Weise zum Ausdruck bringen (nicht zuletzt auch durch ihr Engagement in den HOGs). Ich lerne aber immer wieder auch Menschen kennen, die mit der Auswanderung nie fertig geworden sind; die Tragik dieser Menschen ist eine doppelte, da sie weder hier noch dort zu Hause sind.

So könnte ich als „Experte auf diesem Gebiet“ gelten. Ich bitte Sie, die fettgedruckten Anführungszeichen bei „Experte“ herauszuhören. Sicherlich habe ich – durch meinen Dienst bedingt – eine Erfahrung von mehr als zwei Jahrzehnten im Umgang mit Ausgewanderten und Nichtausgewanderten in ihrer Bezogenheit aufeinander und in ihrer Kommunikation miteinander. Als Stadtpfarrer von Schäßburg habe ich regelmäßig mit der HOG Schäßburg zu tun und als Dechant ebenso regelmäßig mit den verschiedenen Heimatortsgemeinschaften der Gemeinden um Schäßburg und Nordsiebenbürgen. Dass mich als gebürtigen Leschkircher zur HOG Leschkirch so einiges verbindet, muss nicht extra erwähnt werden.

Dieser Umgang in seiner Gesamtheit ist für mich jedoch alles andere als „business as usual“, weil ich dienstliche Verpflichtungen und emotionale Implikation nur schwer auseinanderhalten kann. Gerade weil das Ganze mich immer schon persönlich betroffen hat und weil es mich bis heute tief im Inneren bewegt, kann ich immer nur aus dieser subjektiven Betroffenheit heraus mich dazu äußern. So kann ich nur schwer beurteilen, inwiefern das, was ich Ihnen heute sagen werde, wirklich weiterhelfen wird. Ich wäre dankbar dafür, wenn diese oder jene Anmerkung zum Impuls wird, tiefer nachzudenken. Wenn die eine oder die andere Idee dazu behilflich sein wird, ins Gespräch zu kommen, so ist schon viel erreicht.

Meine weiteren Gedanken habe ich in drei Teile gegliedert:

1) Theologische Standortbestimmung anhand eines alttestamentlichen Textes (Hesekiel 11,14-25)
2) Parallelen zwischen dem biblischen Text und unserer Situation
3) Praktische Folgerungen – Zusammenfassung

1) Theologische Standortbestimmung

Seit meiner Studienzeit beschäftigt mich ein Bibeltext aus dem Alten Testament; genauer aus dem Prophetenbuch Hesekiel. Ich habe in bald 20 Jahren im Pfarramt nie über diesen Text gepredigt. Auch heute werde ich nicht darüber predigen, denn ich bin ja nicht darum her eingeladen worden. Ich finde ihn aber sehr aussagekräftig, weil er neben seiner theologischen Relevanz, mindestens noch eine geschichtliche, eine soziologische und eine psychologische Dimension hat. Darum ist er mir so etwas wie eine Deutungshilfe geworden: in einem erweiterten Rahmen zu dem Verständnis des Verhältnisses zwischen zwei Menschengruppen eines Volkes, die eine gemeinsame Vergangenheit haben, aber räumlich getrennt sind; in einem engeren Rahmen zur Kommunikation zwischen diesen beiden Gruppen, was letztendlich unser Thema ist.

Hesekiel 11,14 – 25:

14. Das Wort des Herrn erging an mich:
15. Menschensohn, die Einwohner Jerusalems sagen von deinen Brüdern, deinen Verwandten und dem ganzen Haus Israel: Sie sind fern vom Herrn; das Land ist uns zum Besitz gegeben. 16. Darum sag: So spricht Gott, der Herr: Auch wenn ich sie weit weg unter die Völker geführt und in alle Länder zerstreut habe, so bin ich doch in den Ländern, wohin sie gekommen sind, beinahe zum Heiligtum für sie geworden.
17. Darum sag: So spricht Gott, der Herr: Ich führe euch aus allen Völkern zusammen, sammle euch aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid, und gebe euch das Land Israel.
18. Und sie werden dorthin kommen und alle ihre abscheulichen Götzen aus dem Land entfernen.
19. Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke ihnen einen neuen Geist. Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz von Fleisch,
20. damit sie nach meinen Gesetzen leben und auf meine Rechtsvorschriften achten und sie erfüllen. Sie werden mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein.
21. Die aber, deren Herz an ihren Götzen und an ihren Gräueltaten hängt [spricht Gott] deren Verhalten lasse ich auf sie selbst zurückfallen.
22. Dann hoben die Kerubim ihre Flügel. Die Räder bewegten sich zugleich mit den Kerubim und die Herrlichkeit des Gottes Israels war über ihnen.
23. Die Herrlichkeit des Herrn stieg aus der Mitte der Stadt empor; auf dem Berg im Osten der Stadt blieb sie stehen.
24. Der Geist hob mich empor und brachte mich in dieser göttlichen Vision nach Chaldäa zur Gemeinde der Verschleppten. Dann hob sich das, was ich in der Vision gesehen hatte, empor und verschwand vor meinen Augen.
25. Und ich erzählte den Verschleppten alles, was der Herr mich hatte sehen lassen.


Am Anfang des VI. vorchristlichen Jahrhunderts war Jerusalem von den Babyloniern erobert, zerstört und das Volk Israel, vor allem die Oberschicht, nach Babylon gebracht worden. Die damals Lebenden mussten davon ausgehen, dass damit das Ende der Geschichte des Volkes Israel eingeläutet worden wäre; dass die Geschichte Israels einen anderen Weg nahm, wissen wir wohl, aber das spielt an dieser Stelle keine besondere Rolle. Fakt ist, dass das Volk Israel sich mit der Idee abzufinden begann, in Babylonien bleiben zu müssen. Die sogenannte jüdische Diaspora gibt es seit dieser Zeit. Selbst wenn später eine Rückkehr in die Heimat erfolgte, so blieb doch eine ganze Reihe von Juden in Babylon. Andere verlegten – etwa als Handelsleute – ihren Lebensmittelpunkt ganz anderswohin in der damals bekannten Welt, vor allem in die Städte der Frühantike an den bekannten Handelsstraßen. Man weiß heute allerdings, dass dieses Schicksal der Zerstreuung damals etliche gar nicht so dramatisch oder so tragisch sahen. Die Erklärung dafür ist einfach: im fruchtbaren Zweistromland, wohin das Volk gebracht worden war, ging es wirtschaftlich um ein Vielfaches besser als auf dem kargen Boden Palästinas. Der große Nachteil war allerdings darin gegeben, dass die Religionsausübung nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich war, und zwar vor dem Hintergrund, dass das Heiligtum, der Jerusalemer Tempel, nicht nur weit entfernt, sondern eben auch zerstört war. Doch genau das sollte sich ändern, wie wir sehen werden.

Bemerkenswert ist, dass nicht alle nach Babylon weggeführt worden waren. Ein – wenn auch geringer – Teil der Bevölkerung, vor allem die einfachen Menschen, war von den Babyloniern einfach in Israel zurückgelassen worden: damit wird eine Teilung des Volkes Israel nach dem Kriterium „in Jerusalem“ und „in Babylon“ lebend vorgenommen. Meinem Wissen nach ist hier zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt das Phänomen oder die paradigmatischen Situation des „in der Heimat lebend“ und „außerhalb der Heimat lebend“ beschrieben. Von diesen beiden Gruppen erfahren wir, dass der Kontakt zwischen ihnen nicht abgebrochen war, sie sich wohl aber auseinander zu leben begonnen hatten. Ihr Verhältnis zueinander war nicht spannungsfrei, wie aus dem Text ersichtlich. Interessant ist nun der Umgang damit bzw. der Versuch, das Zerbrochene zu kitten.

Das Besondere bei Hesekiel ist, dass es sich um den ersten Propheten handelt, der seine Berufung, fern der Heimat – in Babylon – erfährt; alle andern Propheten vor ihm hatten in der Heimat – in Israel – gewirkt. Als Deportierter hat Hesekiel in der Fremde mehrere Visionen, die ihn in die Heimat nach Jerusalem zurückführen, von denen eine in dem soeben gehörten Text beschrieben ist. In dieser Vision geht es um Folgendes: Die in Jerusalem Gebliebenen erheben denen gegenüber, die nicht mehr in Jerusalem wohnen den Vorwurf der Gottesferne. Es heißt, sie seien „fern vom Herrn“. Dass ging in dem Kontext wohl gar nicht anders, da die Gottunmittelbarkeit nach damaliger Überzeugung an das Heiligtum, also an den Tempel gebunden war; und der stand nun mal in Jerusalem bzw. es stand noch das vom Tempel, was die Babylonier übrig gelassen hatten. Nach diesem Urteil waren die, die in Babylon lebten, von vornherein im Nachteil. Doch das Argument derer, die in Jerusalem zurückgeblieben waren, entkräftet Gott durch die Stimme des Propheten: „Auch wenn ich sie weit weg unter die Völker geführt und in alle Länder zerstreut habe, so bin ich doch in den Ländern, wohin sie gekommen sind, beinahe zum Heiligtum für sie geworden.“ (V. 16) Das heißt, selbst wenn sie weggegangen sind (oder weggeführt wurden), haben sie die Gottunmittelbarkeit nicht verloren. Denen, die in Jerusalem geblieben waren, wird zu verstehen gegeben, dass allein die Tatsache, dass sie in Jerusalem (also in der Nähe des Heiligtums) sind, ihnen keinen Vorrang den anderen gegenüber gibt. Man kann auch in Jerusalem wohnen und sein Leben verfehlen bzw. andern Göttern anhängen: „Die aber, deren Herz an ihren Götzen und an ihren Gräueltaten hängt, deren Verhalten lasse ich auf sie selbst zurückfallen.“ (V. 21)

Bemerkenswert ist die Konsequenz, die die in Jerusalem Gebliebenen ziehen: Weil die andern in ihrer Sicht nicht nur fern der Heimat, sondern fern von Gott sind, sind die Dortgebliebenen zur Überzeugung gekommen, dass ihnen nun das Land gehört; die Weggezogenen werden damit – um ein heutiges Wort zu benutzen – abgeschrieben und ihr Besitz von den dort Lebenden angeeignet. Diese Äußerungen bleiben nicht unkommentiert stehen. Zum Vorwurf der Gottesferne heißt es in der Reaktion des Propheten: Gott ist nicht an Jerusalem gebunden, sondern geht mit seinem Volk mit. Und zur Neuaufteilung des Landes sagt der Prophet: Gott wird sein Volk wieder sammeln und ihnen ihr Land geben. Und dann – gewissermaßen als Bekräftigung – sieht der Prophet in seiner Vision, wie die Herrlichkeit Gottes den Tempel und die Stadt Jerusalem verlässt. Damit ist nicht nur der vermeintliche Standortvorteil der Jerusalemer hinfällig geworden. Die Herrlichkeit Gottes ist nun nicht mehr an den Ort Jerusalem bzw. an den Tempel gebunden sondern geht mit dem Volk mit.

Religionsphänomenologisch ist dies ein enormer Sprung. Bis damals konnte man sich Gottheiten gar nicht anders – als an einen heiligen Ort gebunden – vorstellen, da sie nur dort angebetet werden konnten, wo eben ihr Heiligtum bzw. ihr Altar stand. Der Gott Israels aber, wird nun zu einem mobilen Gott. Warum das so wichtig ist, ist heute – in unserem säkularen Lebensumfeld – vielleicht schwerer vermittelbar: erstens weil Religionsausübung eine mögliche, aber nicht zwingende Option ist; zweitens aber, weil religiöse Mobilität oder mobile Religiosität selbstverständlich zum heutigen Zeitgeschehen gehören (mit allen positiven und negativen Folgen, die sich daraus ergeben). Leider ist es so, dass heilige Stätten heute, eher mit religiösem Fundamentalismus und Fanatismus im Zusammenhang gesehen werden, weil es immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen darum gibt; das heutige Jerusalem ist das beste und zugleich traurigste Beispiel dafür. Für die Menschen damals aber, die ihr ganzes Dasein nur in einem von einer Gottheit gesteuerten Kontext sehen konnten, und für die, die „Ferne vom Heiligtum“ nur als Strafe werten konnten, ist die Vorstellung davon, dass Gott mit ihnen mitgeht, eine enorme Befreiung. Das Leben derer, die nicht mehr in der Heimat wohnen, erfährt eine Aufwertung. Erst durch diesen mobilen Gott, der überall mit seinem Volk mitgeht, wird die Zukunftsvision, dass Gott sein Volk sammeln wird, ein erstrebenswertes Ziel. Der Grund dafür ist folgender: gerade, weil diese Sammlung zu einem unbekannten Zeitpunkt in der Zukunft stattfinden wird, fühlt man sich schon in der Gegenwart von Gott behütet und getragen, weil ER ja mitgeht. Materieller Besitz wird in diesem Zusammenhang zweitrangig, aber auch der Verlust des Heiligtums (der zerstörte Tempel) wird erträglich. Die Sehnsucht nach der heilen vergangenen Welt bleibt wohl bestehen; man hat sich aber notgedrungen auch mit aktuellen Situation arrangiert.

2) Parallelen zwischen dem biblischen Text und unserer Situation

Unsere siebenbürgisch-sächsische Geschichte und unsere Gemeinschaft ist nur bedingt mit jener des Volkes Israel im 6. vorchristlichen Jahrhundert vergleichbar; dieses Referat soll auch keine vergleichende Studie sein und kann dies auch gar nicht. Es gibt jedoch frappierende Parallelen zwischen dem prophetischen Text und dem, was wir in den letzten 26 Jahren erlebt haben. Wir sind Zeugen des gleichen Phänomens oder der gleichen paradigmatischen Situation des „in der Heimat lebend“ und „außerhalb der Heimat lebend“. Der Prophet wird zum Kommunikationsmedium zwischen diesen beiden Gruppen. Interessanterweise ist es auch in unserem Fall so, dass spätestens seit 1990 der größte Teil des Volkes außerhalb und nur ein kleiner Teil in der angestammten Heimat lebt. Meine weiteren Ausführungen zu diesem 2. Teil möchte ich unter zwei Aspekten beleuchten: der eine bezieht auf das, was ich b) Heiligtum und Glaubensausübung genannt habe; der andere Aspekt bezieht sich auf a) das alltägliche Miteinander. Mit dem Zweitgenannten möchte ich beginnen: dem Alltagserleben.

a) Zum Alltagserleben liefert uns die alttestamentliche Geschichte ein paar interessante Vergleichsmöglichkeiten. Dabei kommt immer wieder das Paradoxon des „getrennt und doch verbunden“ zum Tragen. Warum dies so ist, liegt eigentlich auf der Hand: es gibt vieles Verbindendes, aber eben auch Trennendes. Das unterschiedliche Alltagsambiente, die unterschiedlichen Mentalitäten in verschiedenen Ländern, die ganz andere Prioritätensetzung in einem jeweils andern soziokulturellen Kontext führen zu unterschiedlichen Denkansätzen. Das wiederum führt zu unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen, die ihrerseits dann nicht selten in Meinungsverschiedenheiten und gegenseitigen Vorwürfen enden. Wie berechtigt solche Meinungsverschiedenheiten oder Vorwürfe sind, ist – auch wenn es nicht außer Acht gelassen werden soll – eine ganz andere Frage. Fakt ist, dass sie eine Zusammenarbeit, die nötig und eigentlich von vielen gewollt ist, erschweren wenn nicht gar unmöglich machen.

Konkret: Auch wenn es in der letzten Zeit seltener geworden ist, so bekommt man es immer wieder – mal direkt, mal indirekt – zu hören: „Ihr da unten kümmert Euch ja gar nicht, um das was wir zurückgelassen haben.“ Es schmerzt schon sehr, wenn Leute von einer HOG (deren Namen ich zu ihrem eigenen Schutz hier verschweigen möchte) in der Kanzlei des Bezirkskonsistoriums erscheinen und einem vorwerfen: „Was macht ihr da überhaupt? Das ist nicht mehr unser Dorf, so wie es mal war.“ Es ist ja auch darum nicht mehr das, was es einmal war, weil die Betreffenden nicht mehr dort sind. Andererseits ist Kritik an manchen Stellen, selbstverständlich berechtigt: Es leuchtet ein, dass die Qualitätsansprüche an eine Handwerkerarbeit (für deren Kosten unter anderem Menschen mit ihrer Spende aus einer gekürzten Fremdrente beigetragen haben) höher geschraubt sein müssten; aber nur wer in Rumänien tagtäglich lebt und mit Handwerkern zu tun hat, weiß wie kompliziert das sein kann. Und dann ist es unsereinem oft nicht bewusst, was es einen HOG-Vorsitzenden an Mühe und Anstrengung kostet (alleine oder mit einigen wenigen Mitstreitern des Vorstandes) seine Mitglieder bei Laune zu halten. Mitglieder die – ich formuliere es absichtlich etwas provokativ – in zwei Jahren einmal zum Heimattreffen (mehr oder weniger angemeldet) kommen, sich über die Organisation des Treffens beschweren und dann erst recht in Rage geraten, wenn man sie daran erinnert, dass es schön wäre, für die Erhaltung ihrer Kirchenburg zu spenden. Von denen, die in Siebenbürgen geblieben sind, hört man nicht selten: „Sie sind weg, sie haben – als sie gingen – nicht danach gefragt, was sie alles zurücklassen werden. Wir sind zu wenige, um alles im Stande zu halten und die Frage stellt sich, für wen das überhaupt sein soll. Wer nicht die ganze Zeit hier lebt, weiß gar nicht, mit was für Problemen wir uns Tag für Tag herumschlagen müssen. Unsere erste Sorge ist nicht, ob am Friedhof das Gras 20 cm oder 30 cm hoch ist, sondern was der morgige Tag bringt, angesichts kleiner Renten und hoher Lebenserhaltungskosten.“ Ich breche hier ab. Sie haben sicher verstanden, was ich sagen wollte.

Was ich hervorstreichen will, ist Folgendes: Wir lernen an der Geschichte des Propheten Hesekiel, dass es nichts Ungewöhnliches ist, wenn Menschen – die so vieles verbunden hat und verbindet wie Religion, Sprache, Kultur, familiäre Bindungen usw. – sich auseinanderleben, in dem Moment, in dem sie in unterschiedliche geografische und soziokulturelle Kontexte hinein kommen. Dies Auseinanderleben wird oft auch daran ersichtlich, dass banale Dinge der Auslöser für Auseinandersetzungen sein können. Ein achtlos ausgesprochener Satz auf der jeweils einen Seite, kann die andere Seite schwer verletzen. Dem Propheten geht es darum, dass trotz all der genannten trennenden Elemente, diese Menschen verbunden bleiben sollen. Er anerkennt, dass die Beziehungen zwischen denen, die in der Heimat leben und denen die weggingen, verbesserungsbedürftig sind. Im Ringen des Propheten Hesekiel erkennen wir filigran etwas von dem, was mit heutiger Begrifflichkeit „Optimierung der Kommunikation“ umschrieben werden könnte. Der Prophet hat ganz richtig erkannt – ja er wertet es als einen Auftrag Gottes – dass zwischen denen, die in der Heimat geblieben waren und denen die weg gezogen waren, vermittelt werden muss. Wir lernen hier, dass die Verbindung wieder belebt werden kann, dass sie erhalten bleiben muss, dass sie verbessert werden soll. Die Bedingung dafür ist in der prophetischen Vision enthalten, die von einem „andern Herz und einem neuen Geist“ (V. 19) spricht. Das „Herz von Stein“ soll durch ein „Herz von Fleisch“ ersetzt werden. Damit kommen wir zum anderen Aspekt: Heiligtum und Glaubensausübung!

b) Wir haben kein zentrales Heiligtum, wie es die Juden in dem Tempel von Jerusalem hatten. Wenn aber von einem zurückgelassenen und zerstörten Heiligtum die Rede ist, dann klingeln bei fast jedem Siebenbürger Sachsen alle Glocken. Es fällt einem sofort die eigene Kirche oder Kirchenburg ein und man ist glücklich, wenn man sie in gutem Zustand weiß, oder traurig, wenn sie baufällig oder gar zur Ruine geworden ist. Bemerkenswert ist die Positionierung zu diesen „Heiligtümern“. Es gibt eine ganze Reihe von Landsleuten, die zwar gegen den Trend des heutigen säkularen Zeitgeistes, aber ganz im Sinne dessen, wie es im Alten Testament dargestellt wird, bevor die Herrlichkeit Gottes Mobilität erlangte, ihre religiösen Gefühle zum Ausdruck bringen. Sie gehen hier in Deutschland selten oder nie zur Kirche; wohl aber hängen sie an „ihrer“ Kirche bzw. an „ihrer“ Kirchenburg und – wenn sie in der alten Heimat sind – gehört der Kirchenbesuch selbstverständlich dazu. Ebenso wird darauf geachtet, dass wichtige Familienereignisse wie Taufe, Trauung oder Beerdigung in der „eignen“ Kirche oder auf dem „heimatlichen“ Friedhof stattfinden. Oft ist es so, dass diese Menschen fast noch mehr an ihrer Kirche und an ihrem Dorf hängen als die dort Lebenden.

(Nur in Klammern gesagt: Sicherlich gibt es auch die andere Variante: Viele Landsleute leben ihre evangelische Prägung nach siebenbürgischer Art in den Kirchen, in denen sie sich jetzt hier in Deutschland oder sonst auf der Welt befinden und sie bringen sich segensreich ein. Unser evangelischer Glaube ist mitnichten an einen Ort gebunden; das haben wir gerade in der Vision des Propheten Hesekiel gesehen. Diese beiden Haltungen – „mobiler“ Glaube einerseits, Festhalten am „eigenen Heiligtum“ bzw. an der „eigenen“ Kirche andererseits – gehören auch zu dem Paradoxon, welches in der Formulierung „getrennt und doch verbunden“ ausgedrückt wird.)

So glaube ich, dass es kein Zufall ist, dass der Höhepunkt der prophetischen Vision, die „Sammlung des Volkes“ ist, weil damit das Paradoxon des „getrennt und doch verbunden“ aufgelöst wird. Sicher hat man unter dieser Sammlung sich vor 2.600 Jahren etwas anders vorgestellt als heute; die Relevanz dieser Vision ist aber dieselbe geblieben. Im heutigen Zeitalter der Mobilität und der Kommunikation, sind Zusammenkünfte, in denen der gemeinsame Glaube vergegenwärtigt, die gemeinsame Sprache gesprochen und die gemeinsame Kultur gelebt wird, sehr wichtig; vielleicht wichtiger denn je. „Sammlung des Volkes“ dient nicht zuletzt der Optimierung der Kommunikation. Das war mir lange Zeit – in der ich Gottesdienste mit Restgemeinden hielt (bitte den Begriff „Rest“ allein auf die kleine Zahl und auf nichts anders zu beziehen) – gar nicht bewusst; allerdings ist es mir in der letzten Zeit immer deutlicher geworden.

In den letzten Jahren haben Heimattreffen in der Heimat zugenommen, die als „Sammlung des Volkes“ in dem Sinne von Hesekiel verstanden werden können. Der Wert solcher Treffen ist – wie ich schon sagte – nicht hoch genug zu schätzen. Sicherlich ist bei solchen Treffen, vor allem der Gottesdienst das berührende und emotionale Element. Ich habe festgestellt, dass Menschen – durch den Anblick „ihrer“ neu renovierten Kirche – ihr gesamtes Leben neu zu überdenken begonnen haben.

Konkret: Vor etwa einem Monat fand das Sachsentreffen in Sächsisch-Regen statt. Auch wenn solche Treffen bzw. Gottesdienste zu solchen Anlässen immer etwas Emotionales an sich haben, so ist es in Nordsiebenbürgen noch mal etwas anders; ich führe es darauf zurück, dass dort die Trennung viel früher stattgefunden hat und darum ein Treffen nach so langer Zeit umso größere Bedeutung hat, weil viele damit nicht mehr gerechnet haben. Wenn man auf Menschen trifft, die durch den Krieg weggerissen wurden und die nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder ihre Kirche sehen, und dazu noch in neuem Glanz strahlen (ein Bild, welches sie nicht mehr zu sehen gehofft hatten), dann sind das Gefühle, die nur schwer mit Worten beschrieben werden können. Es gibt aber eine ganze Reihe ähnlicher Beispiele: die Wiedereinweihung der renovierten Kirchen in Kreisch, Groß-Alisch oder Maldorf (um nur Beispiele der letzten zwei Jahre aus dem Schäßburger Kirchenbezirk zu nennen), waren bereichernde Erfahrungen. Als einen besonderen Moment der „Sammlung des Volkes“ habe ich vor einem Jahr die Einweihung der neu hergerichteten Kirche in meinem Heimatdorf (Leschkirch) erleben dürfen. Es war genau die damit verbundene besondere Emotionalität angesichts des „eigenen Heiligtums“, wo man getauft und konfirmiert wurde und wo die alttestamentliche Religiosität vor der Mobilwerdung der Herrlichkeit Gottes wieder zum Tragen kam. Ein knappes Jahr später (September 2016) fand das Leschkircher Treffen statt, und mir ist bestätigt worden: die Anwesenden hinterließen einen ruhigeren, zufriedeneren Eindruck, als bei allen andern Treffen vorher. Dazu ein Zitat aus der Siebenbürgischen Zeitung vom 20. Oktober 2016 (Seite 19) zum Leschkircher Treffen: „Es war diesmal anders als all die Jahre zuvor, betonten viele Teilnehmer immer wieder. Jetzt wo das meiste geschafft ist, ist es an der Zeit, die Früchte der Bemühungen vergangener Jahre einzufahren und Danke zu sagen.“

Dieses Zitat bestätigt meine These, die man so formulieren kann: Eine hergerichtete Kirche in Siebenbürgen führt zur „Optimierung der Kommunikation“.

Man kann gespannt darauf sein, was der August des kommenden Jahres diesbezüglich bringen wird, wenn man sich einerseits in Hermannstadt trifft, andererseits es aber auch eine Reihe von Treffen auf den Dörfern geben wird. Für die Kirchenbezirke – zumindest für den Schäßburger Bezirk – ist es wichtig zu wissen, welche HOG einen Gottesdienst oder ein Andacht in der Zeit haben möchte. Wenn viele sich melden, wird nicht alles an einem Sonntag möglich sein. Zwei Beispiele von „best praxis“ seien hier angeführt: Die HOG Arkeden hat sich bereits im August 2016 (also ein Jahr vorher) gemeldet, dass sie am Dienstag, den 8. August 2017 eine Andacht in Arkeden haben will. Am Rande dieser Tagung hat die HOG Rode für einen Gottesdienst am Mittwoch, den 9. August 2017 angefragt. Sie stehen in meinem Terminkalender.

3) Praktische Folgerungen – Zusammenfassung

Der Arbeitstitel meines Referates „Optimierung der Kommunikation zwischen der Heimatkirche und den Heimatortsgemeinschaften auf allen Ebenen“ besagt zweierlei: b) die Kommunikation findet bereits statt; es wird in gemeinsamer Anstrengung so einiges getan, was sich sehen lassen kann. Aber a) Diese Kommunikation ist an vielen Stellen optimierbar. Aber mehr noch: Es gibt die dunklen Ecken, an denen nicht nur nichts optimierbar ist, sondern gar keine Kommunikation stattfindet bzw. stattfinden kann. Dem möchte ich nun nachgehen und ein paar Gedanken dazu äußern, wobei ich hier auch mit dem letztgenannten beginnen möchte.

a) Kommunikation kann an mancher Stelle verbessert werden. Sicherlich wird es immer wieder auch Meinungsverschiedenheiten geben, die aber nur in einem offenen Gespräch gelöst werden können. Dazu wieder ein konkretes Beispiel: Eine Kirche – in der seit 20 Jahren kein Gottesdienst stattfand und wo vor Ort noch eine Gemeindegliederzahl in einstelliger Höhe lebt – wird für ein Heimattreffen vorbereitet. Die Orgel ist nicht spielbar und ihre Herrichtung kostet Tausende von Euro. Die Organisatoren des Treffens wollen in diesem Gottesdienst aber ihre Orgel hören. Eine Orgel mit den Kosten herzurichten, dass sie dann einmal bespielt wird um nachher zehn oder mehr Jahre nicht mehr, oder vielleicht nie wieder verwendet zu werden, ist nicht zu verantworten. Andererseits wäre es vielleicht sinnvoll, dieselbe Orgel in einer größeren Kirche, wo sie regelmäßig bespielt wird, aufzustellen. Aber da hört Kommunikation dann oft auf. Und so steht die Orgel in schlechtem technischem Zustand da und wird – irgendwann einmal, wenn nicht ein kleines Wunder geschieht – ganz der Zerstörung anheimfallen. An solchen Stellen ist Kommunikation optimierbar.

Es gibt natürlich auch die Beispiele, wo wenig oder keine Kommunikation möglich ist. Oft sind es menschliche Inkompatibilitäten, welche die Kommunikation erschweren. Ich kann es gut verstehen, wenn ein HOG-Vorsitzender sich ärgert, dass er – nachdem er die dritte Mail an den zuständigen Pfarrer geschickt hat – noch immer keine Antwort bekommen hat. Seinen berechtigten Ärger teilen wir als Kirchenleitung, aber oft haben wir als Kirche keinen anderen Pfarrer und auch sonst keinen belastbaren Verantwortlichen in dem Ort. Genau so kann ich aber auch den Pfarrer verstehen, der 15 Ortschaften zu betreuen hat und am zweiten Sonntag im Monat August (das ist nämlich der begehrteste) beim besten Willen nicht in allen Gemeinden präsent sein kann; vor allem dort nicht, wo üblicherweise gar kein Gottesdienst mehr stattfindet, nun aber plötzlich 50 „Sommersachsen“ da sind.

Meine Erfahrung ist – wie Sie sicher heraus gehört haben – dass die größten Kommunikationsschwierigkeiten bei den kleinsten Gemeinden sind, wobei die Probleme ganz unterschiedliche Ursachen haben. Sie liegen nicht immer an den agierenden Leuten selber. Etliche Gemeinden haben gar keine funktionale HOG, oder – wenn es eine solche gibt – dann interessiert sie sich wenig oder gar nicht mehr um das, was in dem betreffenden Dorf noch los ist. Andererseits haben wir als Kirche ein großes Problem. Im besten Fall hat man in solchen Fällen noch einen zuverlässigen Kurator im Dorf; wenn das nicht der Fall ist, dann beginnt es schwierig zu werden. An dieser Stelle kommt die Rolle der Bezirkskonsistorien ins Spiel bzw. ihr Gegenüber, die HOG-Regionalverbände. Ihr Spielraum ist jedoch begrenzt, denn wo keine Leute (oder keine fähigen Leute) mehr vor Ort sind, da ist Kommunikation nur schwer oder gar nicht möglich. Meine Befürchtung ist die, dass in etlichen Fällen derart gelagerten Fällen selbst beim besten Willen, nicht mehr viel getan werden kann.

Konkret: Zum Schäßburger Kirchenbezirk gehören 87 Ortschaften in vier Landkreisen: ein Teil vom Kreis Hermannstadt sowie Mieresch (Mureş), Bistritz-Nassod und Suceava. Von diesen 87 haben wir in 24 Ortschaften Null (0) Seelen und in nochmals 24 Ortschaften zwischen einer (1) und fünf (5) Seelen. Allein in 5 Ortschaften haben wir über hundert Seelen (Bistritz, Sächsisch-Regen, Schäßburg, Weilau, Malmkrog) und in 4 Ortschaften zwischen 50 und 100 Seelen. Die Regel ist: je abgelegener das Dorf, um so verlassener. Dabei muss noch erwähnt werden, dass Rumänien allgemein ein Problem mit der rückläufigen Demografieentwicklung hat, wobei dieselbe Regel gilt: je kleiner die Ortschaft, umso größer die Probleme. Man kann richtiggehend ein Dorfsterben beobachten: oft sind aus diesen Ortschaften mit wenigen oder gar keinen Seelen nicht nur die Sachsen, sondern auch viele Rumänen, Ungarn und sogar etliche Roma weggegangen. Schon in einer Stadt wie Schäßburg beginnt es schwierig zu werden, einen guten Handwerker (etwa einen Fliesenleger oder einen Elektriker) zu finden. Ich breche an dieser Stelle ab. Ich will kein Trauerlied anstimmen, aber man muss dies alles zur Kenntnis genommen haben, um mitreden zu können.

b) Es gibt aber – Gott sei Dank – auch die andere, die positive Seite. Man kann viele Beispiele für optimal stattfindende Kommunikation anführen. Meine Erfahrung ist die, dass dort, wo es noch größere Gemeinschaften vor Ort in Siebenbürgen gibt, da, wo man auf Augenhöhe zwischen Hiesigen und Dortigen kommunizieren kann, es zum Teil eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen jeweiliger HOG und jeweiliger Kirchengemeinde gibt, in manchen Fällen auch mit der politischen Gemeinde. In der Regel sind das die Städte, aber auch die größeren Landgemeinden. Diese Beispiele können alle als „best praxis“ gewertet werden. Ein deutliches Zeichen für diese gute Kommunikation ist darin zu erkennen, dass es in diesen Fällen schon längst nicht mehr nur darum geht, eine einsturzgefährdete Kirche vor dem Verfall zu retten oder darüber zu debattieren, ob man nun ein Treffen im Heimatort selber organisieren soll oder nicht. Das alles hat schon längst stattgefunden und man befindet sich bereits in der Phase, dass HOG und Kirchengemeinde gemeinsame Projekte durchführen, sich regelmäßig zu Sitzungen treffen und dass sogar Ämter in HOG und Kirche in Personalunion geführt werden.

Von der obligaten Friedhofspflege (ich sage es gerne, dass Schäßburg, wenn nicht zu der ersten, dann zu den ersten gehört hat, die die Friedhofspflege zusammen mit der HOG betreiben) bis zur Unterstützung von Sozialfällen gibt es eine ganze Reihe von gemeinsam geschulterten Aufgaben. Aus Schäßburg könnte ich die finanzielle Bezuschussung der Diakoniestation und den gemeinsamen Glockenguss in Karlsruhe als Beispiele herausgreifen. Von Heltau weiß ich, dass der Gemeindepreis zum Walburga-Tag zusammen von Kirchengemeinde und HOG ausgelobt wird. Von Bistritz kann viel gesagt werden, wobei ich zwei Dinge nennen möchte. Das eine zeigt uns noch einmal, was für einen Stellenwert die Kirche bei der HOG hat: Alle drei Glocken (die neu gegossen werden mussten, da sie beim Brand von 2008 zerstört worden waren) wurden durch die HOG finanziert. Das andere zeigt die wichtige Rolle der HOG als Vermittler: Die Stadt Bistritz hat eine Städtepartnerschaft mit Wiehl, nicht zuletzt auch dank der guten Kontakte des HOG-Vorsitzenden sowohl zu den deutschen als auch zu den rumänischen Lokalbehörden. Gute Kontakte zu den Lokalbehörden – selbst wenn man die rumänische Politik nicht immer gutheißen kann und die rumänischen Politiker nicht immer verstehen kann – sind nicht zu verachten. Etliche HOGs pflegen diese guten Kontakte, wobei mir außer Bistritz spontan Zeiden einfällt. Oft sind es aber auch die kleinen Handgriffe im Alltag, die man leicht übersieht, die aber enorm wichtig sind: Es gibt so manchen HOG-Vorsitzenden, der seinen Sommerurlaub dazu verwendet, den Friedhof zu putzen, indem er vor Ort Leute engagiert, aber zusammen mit dem Kurator oder der Kuratorin und den andern wenigen dortigen Landsleuten selber bei der Arbeit zupackt.

Ebenso funktioniert die Kommunikation auf der Ebene der Kirchenleitung auf mittlerer bzw. zentraler Ebene mit dem Dachverband bzw. den Regionalverbänden der HOGs sehr gut; man trifft sich und erörtert gemeinsam, was unter den Fingernägeln brennt, was nicht zuletzt auch diese Tagung unter Beweis stellt. Bei der Einführung in diese Tagung haben wir gehört, dass ein solches Ereignis hier am Heiligenhof bereits zum zehnten Mal stattfindet. Vergangenes Jahr gab es eine Tagung zum Thema, „Umgang mit Baudenkmählern“ in Schäßburg. Dass die HOG-Regionalgruppen vor nicht sehr langer Zeit sich neu organisiert und nach den Grenzen der Kirchenbezirke strukturiert haben, ist ein Zeichen der engen Verbundenheit mit der Kirche auf mittlerer Ebene.

Schlussbemerkungen

Wichtig ist es, gemeinsame Ziele zu haben. Es reicht nicht aus, sich immer nur an die gemeinsame Vergangenheit zu erinnern, auch wenn die gemeinsame Vergangenheit eine Basis ist, von der wir ausgehen. In der Gegenwart zu agieren mit der Hoffnung, etwas Gutes für die Zukunft zu tun, ist wichtig und wesentlich. Die gemeinsamen Ziele müssen identifiziert und dann natürlich auch verfolgt werden.

Meine Überzeugung ist – und die biblische Geschichte hat es uns gezeigt – dass, die „Sammlung des Volkes“ das oberste Ziel sei sollte; die Zusammenkünfte, an denen man sich auf die gemeinsamen Werte – von denen nach meinem Dafürhalten als Theologe der Glaube das höchste Gut ist – neu besinnt und optimistisch in die Zukunft sieht.

Herzlichen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit!

Pfarrer Bruno Fröhlich

Schlagwörter: EKR, HOG, Zusammenarbeit, Kommunikation

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