6. April 2008

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Karl Gustav Reich: De biëst Oacher

Erinnern Sie sich noch an die Freude der Kinder beim Suchen bunter Eier, hinter saftig grünen Grasbüscheln versteckt? Nichts war es heuer damit bei dem dicken Oster-Schnee, zumindest hierzulande. Erinnern Sie sich aber auch an die Freude über die ersten frischen Eier, die unsere Hühner zu Frühjahrsbeginn legten, nachdem ihnen im Winter eine erholsame Ruhepause vergönnt gewesen war? Sie legten ihre Eier damals nicht sortiert nach den Norm-Größen S, M oder L ab. Von einem, der es aber auch damals schon trefflich verstanden hatte, sich die größten Eier auszusuchen, berichtet Karl Gustav Reich in dem folgenden Gedicht in siebenbürgisch-sächsischer Mundart.
Der Reinhardt Bretz ä Scheßbrich wor
e Spaßvijjel, dåt äs iest klor.
Hi wasst et gat: Als Stadthieftmån
ech munchäst mir erluwe kån.
Uch hegt de Legt en gärn erwehnen,
wonn sä sich hä uch do begenen
und det Bederfnes hun ze lachen,
hi stålt jo un gorr lastich Sachen.

Iest sot seng Motter: „Reinhardt, wuërt,
gånk ta na schniël bäs af de Muërt,
te sålt en wevel Oacher brängen,
sonst wid meng Hånklich net gelängen!
Ech dinken, ta silt är bekunn,
de Hiënen fehn ze liëjen un.
Doch så gebädden, gaf gat uëcht!
Dä, dä te nålich mir hast bruëcht
– verställ dich net, te wißt et jo –,
wore klien, wä vun er Kroh.
Dettmol sålt te na versäcken,
änzekiefen norr diër däcken!“

Der Reinhardt draf all lachän sot:
"T´huëst riëcht, dä Oacher worn e Spot.
Te brochst mich awer net ze bidden,
dettmol wirscht ta sen zefridden!"

Dro geng hi lånzem af de Muërt,
bedächtich, wä et wor seng Uërt.

Mät enem Bläck der Reinhardt såch:
hegt git et Oacher, glatt genach.

Hi nehert hemlich sich er Frä:
„Frä Noberän, wat hu Sä hä?“

„E Fälpes vol mät Oachern, fräschen,
dä kenne Se meer wiëm afdäschen!“

„Meer wiëm? Dåt stämmt na lieder net.
Frä Noberän, ’t äs e Gefrett,
meng Motter schi sängt longer Zegt
un heßich Gallestienen legd.
Sä verdrit Oaer norr vu schwarzen Hiënen,
hu Sä äm Fälpes uch vun diënen?"

„Mir hu jo weïßen, schwarzen, giëlen,
dä kån ich awer net ouswiëlen.“

„’t dit näst, måche Se sich glatt näst drous,
derfir kennen ech mich jo gat ous!“

Hi feng dro uch glech un ze säcken
und wiëlt natirlich norr diër däcken.
Allen awer, dä net däck,
luëcht wedder hi änt Fälpes zräck.

Well hi sich na esi bëellt,
hatt hi seng Tasch gorr schniël gefällt
mat Oachern, dä äm griße Gånzen
däck worn wä de Pomerånzen.
Af dä kangt hi sich äst äbelden,
esollär Oacher segt em sälden.

Na biecht der Bretz sich noch iest vir,
pespert der Frä dro dett änt Ihr:
„Ech wäll en gade Rot Än giën,
Sä siln e sich ze Härze niën.
Hålde Sä sich norr schwarz Hiënen,
dänn de Oacher hä vun diënen
se jo net norr vill gesangder,
em kå se uch – ’t äs niche Wangder –
gorr leicht verkiefen, wä Se sähn,
esizeson – äm Håndämdrehn!“

Karl Gustav Reich wurde am 15. März 1905 in Hermannstadt geboren und erlebte Kindheit und Jugend auf dem elterlichen Pfarrhof in Kerz. An den Universitäten Tübingen, Berlin, Perugia (Italien) und Bukarest studierte er Theologie, Germanistik, Romanistik sowie Pädagogik und war danach 45 Jahre lang Gymnasialprofessor in Bukarest, Hermannstadt und Schäßburg. Als Autor von Mundartgedichten war Karl Gustav Reich durch seine Vorträge zahlreichen Landsleuten in Siebenbürgen und nach der Aussiedlung in Deutschland bekannt. Das hier abgedruckte Gedicht ist dem Band „Kut, mer lachen int!“ (1976) entnommen. Außerdem sind von Reich die Gedichtbände „Sachsesch Spaß vu Broos bäs Draas“ (1982) und „Sachsesch Wält, dä as gefällt“ (1987) erschienen. Beliebt sind auch seine Bühnenstücke „Der Gezkrueģen“ und „De Prozässentrenj“. Karl Gustav Reich starb am 19. Dezember 1997.

Schlagwörter: Mundart

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