1. Juni 2026
Heiko Hendriks spricht beim Heimattag 2026: „Nur wer Geschichte kennt, kann aus der Geschichte lernen“
Heiko Hendriks, Beauftragter der nordrhein-westfälischen Landesregierung für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern, wies bei der Eröffnung des Heimattages auf die vielen Jubiläen hin, die in diesem Jahr von Siebenbürger Sachsen in Nordrhein-Westfalen begangen und von der Landesregierung begleitet und unterstützt werden. Er sprach sich dafür aus, jungen Menschen „Fakten und Momente der Geschichte“ von Aussiedlern und Vertriebenen nahezubringen. Man müsse differenziert hinschauen und die Geschichte von Aussiedlung mit all ihren Facetten in die Zukunft tragen, um Bewusstsein zu schaffen. Sein Grußwort wird leicht gekürzt wiedergegeben.

Ein gutes Grußwort ist kurz. Deswegen möchte ich im zweiten Teil von einer Begegnung, einer Anekdote berichten, die vielleicht ein Licht wirft auf ein anderes Themenfeld, um das wir uns stetig gemeinsam kümmern müssen, kümmern sollten. Ich habe vor einiger Zeit mit 16- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schülern diskutiert auf Einladung einer Stiftung, die haben sich mit der Landespolitik beschäftigt in einem Wochenseminar, und am Ende haben sich die verschiedenen Beauftragten in Nordrhein-Westfalen und ihren Arbeitsbereich vorgestellt. So auch ich. Ich hatte zwanzig Minuten Zeit, meine Arbeit zu erläutern, habe die verschiedenen Gruppen erwähnt, natürlich auch den Verband der Siebenbürger Sachsen, auch unsere Patenschaft, und es wurde interessiert zugehört. Im Nachgang zu der Veranstaltung kam eine 16- bis 17-jährige Schülerin zu mir und sagte, ja, die Siebenbürger Sachsen, von denen Sie gesprochen haben, die kenne ich, weil meine Großmutter mir immer Geschichten von Rübezahl aus dem Riesengebirge vorgelesen hat. Joa, habe ich gesagt, schon ganz gut, Stichwort Sudetendeutsche, ist doch historisches Sudetenland. Ach so, stimmt, da habe ich mich vertan, sagte sie, die Siebenbürger Sachsen sind ja die mit den Vampiren. Ich habe kurz gestockt, habe gesagt, also, die Siebenbürger Sachsen selbst, das weiß ich, sind keine Vampire, ich habe den Bundesvorsitzenden schon bei Tageslicht gesehen, habe nochmal nachgefragt bei seiner Frau, ob er nachts im Sarg schläft, auch das ist nicht der Fall. Ich hatte das natürlich mit einem leichten Schmunzeln gesagt, und dann bin ich überrascht worden. Dann sagte sie, ja, entschuldigung, aber ich weiß sehr wohl, dass die im 12. Jahrhundert Siebenbürgen besiedelt haben und Siebenbürgen zu dem gemacht haben, was es heute ist, und unter anderem ganz tolle Kirchenburgen gebaut haben. Da habe ich gesagt: Chapeau! Sie weiß was. Und sie weiß vielleicht mehr nach dem ein wenig holprigen Beginn, mehr als so manch anderer.
Wenn uns genau dies gemeinsam gelingt, meine Damen und Herren, in diese Generation und die Generationen danach über die verschiedenen Wege, die wir haben, Fakten der Geschichte, Momente der Geschichte und anderes zu transportieren, ist das die berühmte halbe Miete, auf der wir aufbauen können, denn diese kleine Anekdote ist noch nicht ganz zu Ende. Es mischte sich ein junger Mann ein, ein Schüler, und sagte, ich erinnere mich daran, dass wir einen Lehrer hatten, den wir gefragt haben im Rahmen des Geschichtsunterrichts, ob wir einmal über Vertreibung, Flucht, Aussiedlung sprechen können, weil meine Oma aus Schlesien kam, und er sagte: Das hat was mit dem Nationalsozialismus zu tun, mit dem Zweiten Weltkrieg, darüber spreche ich nicht. Das ist die andere Seite der Medaille. Wir wissen natürlich alle, dass man sehr differenziert hinschauen muss und dass das eine mit dem anderen nicht unbedingt zu tun haben muss, aber die Einstellung, auf Grund von mangelndem Wissen zu sagen, damit beschäftige ich mich nicht, weil ich etwas in einen Topf werfe, in den es gar nicht gehört, und dann kommt diese Schülerin und die weiß, im 12. Jahrhundert wurde dort gesiedelt von deutschen Siedlern, dann muss ich sagen, hat die Medaille zwei Seiten, hat diese Licht und Schatten. Wir orientieren uns am Licht und versuchen gemeinsam, ich im Rahmen meiner Möglichkeiten, wir im Rahmen unserer Möglichkeiten, Sie als Verband eben auch, die Geschichte von Aussiedlung mit all ihren Facetten in die Zukunft zu tragen, um genau das zu erreichen, Bewusstsein zu schaffen.
Lebenswege sind unterschiedlich, Lebenswege müssen differenziert betrachtet werden und aus Lebenswegen werden natürlich auch Einstellungen generiert. Und hier und da begründen auch Lebenswege Einstellungen. Im Respekt miteinander, füreinander, für Lebenswege muss man diese Lebenswege kennen. Deswegen bleibt’s bei dem Motto: Nur wer Geschichte kennt, meine sehr verehrten Damen und Herren, kann aus der Geschichte lernen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Heimattag, und möge auch er Kultur und Geschichte der Siebenbürger Sachsen weit über Dinkelsbühl hinaus transportieren. Vielen Dank.
Schlagwörter: Heimattag 2026, Hendriks, Aussiedlerbeauftragter, Nordrhrein-Westfalen, Dinkelsbühl
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