10. Februar 2010

Glanzvoller Siebenbürgerball mit Barbara Stamm und Peter Maffay

Der Große Siebenbürgerball 2010 des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. fand am 30. Januar im Festsaal des Hofbräukellers in München statt. Die rauschende Ballnacht stand unter der Schirmherrschaft von Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtages, und des Rockstars Peter Maffay, die beide anwesend waren und mit den 380 Gästen feierten. Dr. Bernd Fabritius, Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., wurde zum „Siebenbürgischen Ritter wider den tierischen Ernst“ gekürt. Für beste Tanzstimmung sorgte die „Franz-Schneider-Band“.
Als „Freundin unter Freunde“ war die Landtagspräsidentin Barbara Stamm aus Würzburg zu den Siebenbürger Sachsen nach München angereist. In ihrem Grußwort würdigte sie das „wunderbare Miteinander“ der Generationen im Verband der Siebenbürger Sachsen und lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit Generalkonsulin Brânduşa Predescu, die eine sehr gute Vertreterin ihres Landes sei. Peter Maffay sei für uns alle nicht nur der Musiker, sondern auch die Persönlichkeit, die sich für humanitäre Hilfe, für kranke und behinderte Kinder engagiere. Was die Peter Maffay Stiftung leiste, sei großartig. Peter Maffay habe seine Heimat nicht vergessen: „Er ist auch in Rumänien unterwegs und sieht die Not der vielen Kinder“, betonte Barbara Stamm.

Als Schirmherrin verlieh Landtagspräsidentin ...
Als Schirmherrin verlieh Landtagspräsidentin Barbara Stamm der Ballnacht im Hofbräukeller zusätzlichen Glanz. Foto: Petra Reiner
Unter anhaltendem Applaus wurde der bekannte Sänger Peter Maffay begrüßt, der nach langer Zeit zur siebenbürgischen Gemeinschaft zurückgefunden hat. Am 31. Januar 2008 hatte er am Jahresempfang des Verbandes der Siebenbürger Sachsen im Bayerischen Landtag teilgenommen und angekündigt, dass er sein humanitäres Engagement nach Siebenbürgen ausweiten werde. Der Rockstar hat Wort gehalten.

In seinem Grußwort freute er sich, nun auch diesem Abend im Hofbräukeller beiwohnen zu dürfen. Peter Maffay plädierte dafür, den Kindern die Achtung zu zollen, die man ihnen schuldig sei. Als Beispiel erwähnte er das Schutzverhalten der Elefanten, die ihre Kleinen bei einer Gefahr schützend in die Mitte nehmen. Es sei nötig, dass auch wir die Kinder vom Rand in die Mitte holen. Peter Maffay berichtete über den aktuellen Stand des Kinderprojektes in Radeln, das 80 Kilometer nördlich von Kronstadt in einem wunderschönen Tal gelegen ist. Im März 2011 will man dort die ersten Kinder als Gäste empfangen. Das Ferienheim in Siebenbürgen soll wie jenes in Peter Maffays Finca auf Mallorca (Spanien) traumatisierten Kindern eine Wertekette, Grundbegriffe, Wärme vermitteln. Radeln ist als internationale Begegnungsstätte gedacht, da hier, neben Kindern aus Rumänien, auch ausländische Gruppen empfangen werden sollen.

Peter Maffay, der gerade in allen großen Medien ...
Peter Maffay, der gerade in allen großen Medien Deutschlands aus Anlass seines neuen Albums „Tattoos“ und seines 40-jährigen Bühnenjubiläums gefeiert wird, berichtete beim Siebenbürgerball über das Kinderprojekt in Radeln. Foto: Petra Reiner
Maffay berichtete über viele Freunde und spontane Unterstützer für Radeln. Selbst Bundespräsident Horst Köhler und der ehemalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier gehören dazu, Studenten aus Dresden haben die Kirchenburg digital vermessen, und die Deutsche Umweltstiftung hilft bei den Abwasserstudien. Er hofft auch auf einen Schulterschluss mit der örtlichen Bevölkerung, muss doch die ganze Infrastruktur des Dorfes aufgebaut werden. Nicht zuletzt freute sich Peter Maffay über die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller: „Sie hat Rumänien in den Fokus gestellt, viele Leute beginnen erst jetzt zu kapieren, was Transsylvanien ist.“ Viele Ballbesuchter nutzten im Laufe des Abends die Gelegenheit, mit Peter Maffay ins Gespräch zu kommen. Begleitet wurde er vom Albert Luppart, Geschäftsführer der Peter Maffay Stiftung, der ebenfalls Rede und Antwort stand.

Mit besonderer Dankbarkeit nahm Peter Maffay zur Kenntnis, dass der Verband das Projekt in Radeln mit 1000 Euro unterstützen werde. Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius äußerte die Hoffnung, dass wir dadurch gemeinsam etwas für die Kinder – das schwächste Glied in der Gesellschaft – erreichen können. Eine spontane Sammelaktion unter Ballgästen brachte weitere 1593 Euro ein, die von der Landesgruppe Baden-Württemberg des Verbandes aufgestockt wurden, so dass insgesamt 3000 Euro zusammenkamen für die „sächsische Kirchenburg, die jetzt Heimstatt für Kinder wird“ (Alfred Mrass).
Der Bundesvorsitzende Bernd Fabritius wurde beim ...
Der Bundesvorsitzende Bernd Fabritius wurde beim Siebenbürgerball in München zum „Siebenbürgischen Ritter wider den tierischen Ernst“ gekürt, auf dem Bild (von links) mit Dr. Fritz Frank, Alfred Mrass, Traute und Siegfried Habicher sowie Burgfräulein und Knappe. Foto: Petra Reiner
Bundesvorsitzender Bernd Fabritius konnte unter den vielen Gästen begrüßen: die Generalkonsulin von Rumänien in München, Brânduşa Predescu, Mihaela Ghiţă, Chefin der Fluggesellschaft Tarom in München, den Unternehmer Michael Schmidt (BMW Wolfratshausen), der den Ball großzügig unterstützt hatte, Bernhard Krastl, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Konsulent Dr. Fritz Frank, Ehrenobmann des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Peter Pastior, Vorsitzender des Sozialwerks, sowie zahlreiche Gäste aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Besonders stark vertreten waren die Kreisgruppen Sachsenheim und Schwarzwald-Baar (Rottweil).

Die Kür des „Siebenbürgischen Ritters wider den Tierischen Ernst“ hatte die „Foederatio Saxonia Transsilvana“ aus Anlass ihres 25-jährigen Jubiläums aus Rottweil nach München verlegt. Es marschierten auf Paul Schuller, erster Ritter aus dem Jahr 1985, die Ehrenvorsitzenden der Foederatio Fritz Frank und Alfred Mrass, Doris Hutter, die jüngste, amtierende Ritterin, der zu kürende Ritter Dr. Bernd Fabritius und drei jugendliche Paare als Knappen und Burgfräulein. In einer minutiös geplanten Zeremonie erinnerte der Begründer und Vorsitzende der Foederatio, Siegfried Habicher, zunächst an einige Höhepunkte der Ritterkür. Doris Hutter ging in der gereimten Laudatio auf ernste und heitere Begebenheiten aus dem Leben Bernd Fabritius’ ein. Er wurde in Agnetheln geboren und wuchs auf dem Ulmenhof in Hermannstadt auf, wo er manchen Lausbubenstreich ausheckte und ausführte. Familie, Brukenthalschule, Schülerblasia und verschiedene Chorgemeinschaften prägten ihn siebenbürgisch-sächsisch. In den 90-ger Jahren setzte sich der Jurist gegen die ungerechten Kürzungen der Fremdrenten ein und fand so den Weg in die Landsmannschaft. Das sei eine Chance für uns, denn „Ideen hat er ständig, dazu Durchsetzungskraft, / es ist wirklich großartig, was Bernd für uns geschafft!“ Doris Hutter wünschte dem neuen Ritter „die Welt so zu verändern, dass sie dir gut gefällt“ und versicherte ihm seitens des „gemeinen Volkes“: „Wir folgen dir bei Fuße – und sind gut aufgestellt!“

Traute Habicher verlas den Adelsbrief, der den „weltweit agierenden Sachsenpolitiker Bernd Fabritius in den Ritterstand auf Zeit“ erhob: Der „Sachsengraf von Steinburg und Harbach“ werde die Bürde der Würde bis zum Rottweiler Narrensprung in zwei Jahren schultern müssen. Auch promoviere der Geadelte aufgrund seiner Verdienste um den sächsischen Humor zum Doktor humoris causa.

In seiner Erwiderung stellte der Bundesvorsitzende diesen Humor bestens unter Beweis. Er ging unter anderem der Frage nach, ob die Siebenbürger Sachsen ein Häuflein im Verschwinden seien. Das oft zitierte Wort „Christen werden nicht gezählt, sondern gewogen“, das Bischof D. Dr. Christoph Klein auf die Bedeutung der Siebenbürger Sachsen bezogen hatte, nahm Fabritius zum Anlass, seine Landsleute zwar nicht einzeln zu wiegen, aber ihr Gewicht zumindest zu schätzen. Ein guter Sachs sei voller Lebensfreude, stehe zu leiblichem Genuss und bringe daher im Schnitt 85 kg auf die Waage. Die Landsleute in ganz Deutschland wiegen demnach 23800000 kg. „Und im Bundestag? Kein einziger Sachsenfuß, kein Gramm Siebenbürger Sachse!“ bedauerte Bernd Fabritius. Die Grünen hingegen, die 48096 Mitglieder zählten und aufgrund ihrer Essgewohnheiten im Schnitt 70 kg, also bundesweit nur 3366000 kg wiegen, hätten aber 68 Abgeordnete im Bundestag. Das bedeute ein Abgeordneter für 49500 kg. Bei diesem Wert müssten die Siebenbürger Sachsen 481 Parlamentarier stellen und hätten damit die absolute Mehrheit im Bundestag. So wären sie in der glücklichen Lage, die Regierung zu bilden und beispielsweise mehr Geld für die Kultureinrichtungen in Gundelsheim zu genehmigen. Als „Siebenbürgischer Ritter wider den tierischen Ernst“ versprach Fabritius, sein Bestes zu tun, um die derzeitige Schieflage zu beseitigen. Er hoffe dabei auf die Unterstützung seiner Landsleute und dankte für die ritterliche Ehrung.
Gediegenes Interieur, elegante Roben, erlesenes ...
Gediegenes Interieur, elegante Roben, erlesenes Publikum: der Große Siebenbürgerball in München knüpft an die Tradition des Schwarz-Weiß-Balls an – als einer der gesellschaftlichen Höhepunkte im siebenbürgisch-sächsischen Jahreslauf. Foto: Siegbert Bruss
Als Veranstalter des Balls zeichneten der Verband der Siebenbürger Sachsen (Bund), die Landesgruppe Bayern mit ihrer Landesvorsitzenden Herta Daniel und die Kreisgruppe München unter der Vorsitzenden Heidemarie Weber, wobei sich der Bundesvorsitzende ganz besonders für professionelle Einladungen und eine reibungslose Organisation einsetzte. Der Graphiker Peter Baumgartl, der seit einigen Jahren die Weihnachtskarten des Verbandes entwirft, hatte ein Logo eigens für diesen Ball gestaltet. Durch das Programm führte die charmante und bewährte Moderatorin Annette Königes. Der Bundesvorsitzende bedauerte in seiner Begrüßung, dass nicht alle Interessenten in den Genuss der begehrten Eintrittskarten gelangt seien. Das Organisationsteam bemühe sich, im nächsten Jahr Abhilfe zu schaffen.

Zu den Klängen der „Franz-Schneider-Band“ gaben sich die Gäste bis spät in die Nacht dem Tanzvergnügen hin und tauschten sich auch in lebhaften Gesprächen aus. Um Mitternacht wurden drei attraktive Tombola-Preise verlost: ein Flug für zwei Personen (mit Übernachtung) nach Hermannstadt, gestiftet von Tarom, zwei Konzertkarten für die neue Peter-Maffay-Tour und ein Notebook, das der Verband gestiftet hatte.

Der Ball hat in diesem Jahr durch die glanzvollen Gäste, aber auch durch den Wechsel vom Augustiner- zum Hofbräukeller, deutlich an Profil und Anziehungskraft für die Siebenbürger Sachsen in ganz Deutschland gewonnen. Nach dem erwähnten Jahresempfang 2008 im Bayerischen Landtag war dies das bedeutendste gesellschaftliche Ereignis der Siebenbürger Sachsen in München.

Siegbert Bruss

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Siebenbürgerball 2010 mit Barbara Stamm und Peter Maffay

Schlagwörter: Ball, Maffay, Fabritius

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