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8. Dezember 2019

Verbandspolitik

70 Jahre Gemeinschaftssinn: Landesgruppe Baden-Württemberg feierte mit 800 Gästen in Heilbronn

Wer am 30. November mittags das Konzert- und Kongresszentrum Harmonie in Heilbronn ansteuerte, konnte schon auf dem Vorplatz die unterschiedlichsten siebenbürgisch-sächsischen Dialekte hören. Neben der deutschen und der baden-württembergischen sah man auch die blau-rote Fahne vor dem Gebäude wehen. Um 13.30 Uhr hieß es dann vor rund 800 Gästen im Theodor-Heuss-Saal: Vorhang auf für den großen Festakt zum 70. Jahrestag der Landesgruppe Baden-Württemberg. Sie ist nach Bayern die zweitstärkste Landesgruppe und umfasst 32 Kreisgruppen von Aalen bis Zollernalb. mehr...

Kommentare

Artikel wurde 2 mal kommentiert.

  • Melzer, Dietmar

    1Melzer, Dietmar schrieb am 08.12.2019, 12:50 Uhr:
    Es war eine sehr schöne, gelungene Veranstaltung der Siebenbürger Sachsen-Landesgruppe Baden-Württemberg. DANKE, an Euch alle.
  • Kurt Binder

    2Kurt Binder schrieb am 11.12.2019, 18:18 Uhr:
    Ein groß angelegter Festakt, der für sich spricht und alles sagt, was zum Zusammenhalt der Siebenbürger Sachsen in der neuen Heimat zu sagen wäre! Es hat mich sehr beeindruckt, dass selbst die schwierigsten Phasen unsrer Geschichte sachlich und ohne distruktive Rückblicke und Schuldzuweisungen geschildert wurden!
    „Mir wölle bleiwe, wat mir sin“ Dieser Wahlspruch, der bescheiden unter dem rechten Erkerfenster eines Hauses auf dem Fischmarkt in Luxemburg (Stadt) geschrieben steht, ist nicht nur ein Motto zur Selbstbesinnung, sondern das klare Bekenntnis der Bürger des Großherzog-tums zu ihrer Identität! In Siebenbürgen wurde er etwa in der Form „Mer wallen bleiwen, wot mer sen“ gepflegt. Doch damit haben unsre Ahnherren in intuitiver Voraussicht wahrscheinlich nicht gemeint: „Mir wölle bleiwe, WO mir sin“!
    Nun hat ja die „Siebenbürger-Sachsen-Frage“ zu vielfältigen Diskussionen geführt, wobei es auch um die Themen: Heimat, Heimattreue, Migration und Identität der Sachsen ging. Die Wortgefechte der Benutzer zu den verschiedenen Aspekten unsrer bewegten Geschichte wurden bislang, wie ich meine, überwiegend „hart, aber herzlich“ ausgetragen! Die thematisch relevanten haben mir eine Betrachtungsweise suggeriert, welche sich vielleicht auf die bisherigen ergänzend auswirken könnte.
    Wenn man die Entstehung der Völker zurückverfolgt, gibt es kaum eines, das schon immer in seiner heutigen Erscheinungsform da war! Mittels der Methode der Ethnogenese konnte man die Entstehung und Entwicklung eines Volkes, bzw. einer Ethnie genau oder zumindest annähernd beschreiben.
    So sind z. B. die Ungaren/Magyaren ein Mischvolk aus nicht eindeutig bestimmten Völkern, die in frühen Jahrhunderten in die pannonische Tiefebene gekommen sind. Von den Rumänen weiß man, dass sie aus der Vermischung der Daker und den römischen Besatzungtruppen hervorgegangen sind. In Wahrheit waren die Ursachen und die Phasen ihrer Entstehung komplizierter, und die Territorien dieser Vorgänge sind auch nicht ganz klar. Die Türken sind auch eine Ethnie von mehreren anderen Turkvölkern. So kann man behaupten, dass kaum eine Nation oder Volk in der heutigen Form ohne die Wanderungen von Völkern verschiedener Ethnien denkbar wäre, die im Laufe der vorangegangenen Jahrhunderte stattgefundenen hatten!
    Diese Fluktuationen gab es immer, und sie sind auch heute noch weltweit zu beobachten. Die Ursachen für solche Standortwechsel sind mannigfaltig. Außer Abenteuerlust, Expansionsdrang und Eroberungen war es oft Existenznot. Und wenn ein Volk an diese seine Grenzen stößt, dann hält es irgendwann kein noch so patriotisch verbrämter Leitspruch davon ab, anderswo die Möglichkeit für eine bessere Lebensqualität zu suchen! In diesem Sinne müsste dann auch der Psalm 37:3 aus der Lutherbibel 1912 „Bleibe im Lande und nähre dich redlich“ exegetisch neu interpretiert werden, wenn das „sich nähren“ auf redliche Weise kaum noch möglich ist!
    Bei den Siebenbürger Sachsen kam noch hinzu, dass sie nach dem Frontwechsel im August 1944 gezwungen waren, an der Verwirklichung einer schon ideologisch verfahrenen Idee in einer Gesellschaft mitzuwirken, die von Korruption, Bestechung und Vetternwirtschaft geschwächt war, oder, zynisch formuliert – sich nur damit überhaupt gestalten konnte!
    Wie aber steht es mit unsren Ahnherren, die aus Luxemburg und den uns bekannten Regionen des heutigen Deutschlands in den Karpatenbogen ausgewandert sind? Wurden diese als „Verräter an ihrer Heimat“ apostrophiert? Wenn sie damals nicht ausgewandert wären, gäbe es heute keine Siebenbürger Sachsen! Könnte man unsre Emigration in die Bundesrepublik dann nicht als eine Rückkehr in das Land unsrer Urväter bezeichnen - in unsre Urheimat? Ich darf hierzu kurz folgendes Beisspiel aus meiner Familie anführen:
    Mein Urahne mütterlicherseits Johannes Kröger, Orgelbauer in Hamburg, kam vor knapp 300 Jahren im Jahre 1720 nach Mediasch, um die Orgel in der Margaretenkirche zu restaurieren. Er blieb dort, heiratete, und baute in der Bad(er)straße Nr.12a das heute noch nach ihm benannte „Krögerhaus“. Ich stamme in direkter Linie in siebter Generation von seinem Sohn Johann Kröger ab. Dessen Schwester Rebekka Roth, geb. Kröger, war die Großmutter Stephan Ludwig Roths.
    Nun, ich bezweifle, dass es in Hamburg als Verrat galt, wenn ein Bürger aus seiner Geburtsstadt auswanderte! Ich bin 1973 aus verständlichen Gründen nach Deutschland gekommen, ohne im Zorn zurückzublicken oder gar meine neue Wahlheimat als Urheber meines Standortwechsels verantwortlich zu machen! Defätistisch getönte Gemütsbewegungen wie Schuldzuweisung und Hadern mit Vergangenem waren mir fremd! Ich war nur von dem Gedanken beseelt, mir und meiner Familie eine lebenswerte Existenz zu schaffen. Bin ich damit nicht auch in meine Urheimat zurückgekehrt?
    Ich meine, dass die Ursache dieser Fluktuationen ein naturgegebenes Grundprinzip ist, ein den Menschen innewohnendes Gesetz, sich gravierenden Veränderungen anzupassen! Nur das hat letztlich zu der Entstehung der Völker in ihrer heutigen, meist multiethnischen, und somit multikulturellen Struktur geführt! Die Siebenbürger Sachsen haben tausendfach bewiesen, dass sie auch in ihrer Wahlheimat Deutschland durch die Pflege ihres Brauchtums ihre Identität nicht verloren haben! Wir Siebenbürger Sachsen - hier sei mir der „Pluralis Majestatis“ erlaubt - haben diese in der Bundesrepublik bewahrt, wie es die zahlreichen Kreisgruppen, Heimatortsgemeinschaften, Vereine, Zusammenkünfte, Ausfahrten, Versammlungen und Veranstaltungen beweisen. Auch wenn wir heute in der ganzen Republik verstreut leben, zeugen diese vielfältigen, thematisch motivierten Gruppentätigkeiten von einem realexistierenden, lebendig pulsiernden Gemeinwesen!
    Meinen herzlichen Glückwunsch an Alfred Mrass zu der wohlverdienten Auszeichnung „Pro Meritis“!


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