26. Juli 2014

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Altenheim „Siebenbürgen“ in Osterode feierte 50 Jahre seines Bestehens

Sein fünfzigjähriges Jubiläum hat das von siebenbürgischen Landsleuten Anfang der 1960er Jahre im niedersächsischen Osterode am Harz errichtete Altenheim „Siebenbürgen“ am 19. Juli mit einer lebensfrohen und bunten Festveranstaltung gefeiert. Heimbewohner und deren Angehörige, Ehrengäste aus Lokalpolitik, Kirche und der niedersächsischen Landesgruppe des Verbands der Siebenbürger Sachsen, führende Vertreter siebenbürgisch-sächsischer Schwestereinrichtungen in Deutschland, Mitarbeiter des Hauses und der Aufsichtsrat sowie Mitglieder des Trägervereins „Samuel von Brukenthal“ hatten sich zusammengefunden, um das Jubiläum mit einem würdigen Festakt und anschließendem heiterem Beisammensein bis in die frühen Abendstunden hinein zu begehen.
Den Festlichkeiten war in der Osteroder St. Martin-Kirche ein ökumenischer Gottesdienst vorangegangen, den der katholische Diakon Rudolf Appel und der Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Harzer Land, Pastor Volkmar Keil, zelebrierten und der vom Organisten P. Wendlandt sowie einem Posaunenchor aus Bläsern von Sankt Jacobi und aus Lasfelde musikalisch eindrucksvoll mitgestaltet wurde.

Beim Festakt, den Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich Lau mit einer Begrüßungsrede einleitete, nannte der Osteroder Bürgermeister Klaus Becker in seiner Ansprache das Heim, indem er ein Zitat aus der zum Anlass herausgegebenen Festschrift verwendete, „ein Haus, in dem Geborgenheit, Zuwendung und Begleitung praktisch gelebt werden“. Er tue das nicht lediglich aufgrund der Kenntnis des Lokalpolitikers, der sich um die unterschiedlichen Einrichtungen in seinem Wirkungskreis zu kümmern habe, sondern auch aus ganz persönlich-familiärer Erfahrung heraus: seine betagte Mutter sei seit geraumer Zeit Bewohnerin des Hauses und genieße dort hervorragende Betreuung. Ähnlich anerkennend äußerte sich der Stellvertretende Direktor des Diakonischen Werks in Niedersachsen, Dr. Jörg Antoine, der in seiner Rede vor allem auch die umsichtige und zukunftsorientierte Bewirtschaftung des Hauses hervorhob, die ein erfolgreiches Wirken im Sinne der Diakonie erst möglich mache. Worte kollegialer Wertschätzung und Glückwünsche richteten an die Jubilare Spitzenvertreter der siebenbürgisch-sächsischen Trägervereine und der dazugehörigen Altenheime aus Rimsting, Lechbruck und Drabenderhöhe, die zudem mit sinnfälligen „Geburtstagsgeschenken“ angereist waren.

Die Grüße und guten Wünsche des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland überbrachte Volkmar Gerger, Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen-Bremen. Gerger zeigte sich besonders dankbar, dass, obwohl im Osteroder Heim schon seit vielen Jahren kaum noch Landsleute Aufnahme suchen und im Trägerverein nur ganz wenige von ihnen aktiv sind, dieser dennoch an seinem Namen „Hilfsverein der Siebenbürger Sachsen Samuel von Brukenthal“ festhalte und sich das Haus immer noch „Altenheim Siebenbürgen“ nenne in Würdigung des Engagements der Gründerväter, das „tätiger Solidargemeinschaft im christlichen Glauben“ verpflichtet gewesen sei. Für ihre Verdienste um Trägerverein und Heim zeichnete Gerger den emeritierten Superintendenten des Osteroder Kirchenkreises und heutigen Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Pastor Heinrich Lau, der auch in der Osteroder Siebenbürgenhilfe führend aktiv ist, sowie die langjährige Heimleiterin Karin Powering mit dem Silbernen Ehrenwappen des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland aus.

Vor einem halben Jahrhundert waren die Anfänge des Heims äußerst bescheiden. Die Initiatoren des Trägervereins, der ehemalige Bistritzer Lehrer und Gymnasialrektor Dr. Thomas Frühm sowie der schon in der Zwischenkriegszeit aus Kronstadt ausgewanderte promovierte Chemieingenieur und Unternehmer Konrad Biesenberger, mussten sich in schwierigen Verhandlungen und zahlreichen Bittgängen bewähren, um das nötige Kapital, annähernd eine Million DM, zusammenzukriegen, damit der Bau in Angriff genommen werden konnte. Seine Fertigstellung erlebte Vereinsvorsitzender Frühm nicht mehr, er war bereits drei Jahre tot, als sein ehemaliger Stellvertreter und Nachfolger Biesenberger den Neubau 1964, auch als Heimleiter, einweihen durfte. Entstanden war ein schlichtes Altenwohnheim mit Doppelzimmern ohne Nasszellen, deren Bewohnern allerdings „ein wöchentliches Wannenbad“ zur Verfügung stand, wie in einem Zeitungsbericht von damals zu lesen ist.Mitglieder des Siebenbürger Chors Wolfsburg vor ...Mitglieder des Siebenbürger Chors Wolfsburg vor dem Altenheim in Osterode. Foto: Herta Speri Nach Biesenbergers Tod 1972 machten sich in der Hausbewirtschaftung zunehmend Unregelmäßigkeiten und Mängel bemerkbar. Im Sommer 1980 stand das Heim infolge zurückgehender Belegung – nur noch 30 der vorhandenen 60 Plätze wurden genutzt – vor dem finanziellen Kollaps, es drohten wirtschaftlicher Zusammenbruch und Zwangsschließung. Glücklicherweise nahmen jedoch die Stadt Osterode und deren Bürgermeister Siegfried Wendlandt, das Diakonische Werk in Hannover und der Landesverband der Siebenbürger Sachsen mit seinem Vorsitzenden Walter Wolf das Heft des Handelns in die Hand: Der Trägerverein und dessen Vorstand wurden neu aufgestellt, die Heimleitung mit fähigen Fachleuten besetzt, geschultes Pflegepersonal eingestellt und ein umfängliches Umbauprogramm erarbeitet, mit dessen Umsetzung Anfang der 1990er Jahre begonnen wurde.

Die vorhandene Bausubstanz wurde von Grund auf saniert, neue Gebäudeteile wurden hochgezogen, die gesamte Einrichtung modernisiert und auf den neuesten Stand zeitgemäßer Altenpflege gebracht. Seit 1980 waren dafür Aufwendungen in einer Höhe von insgesamt zehn Millionen Euro nötig. Dass sie auch aufgebracht wurden, ist der umsichtigen Bewirtschaftung des Heims zu verdanken, das seit zwei Jahrzehnten durchgängig schwarze Zahlen schreibt und dadurch über die Gelder verfügte, die mit Fördermitteln, zuvorderst des niedersächsischen Diakonischen Werks, vor allem aber mit günstigen Krediten bedarfsgerecht aufgestockt werden konnten. Entscheidenden Anteil an dieser günstigen Entwicklung hatte neben der voraussehenden Planungsarbeit im Vorstand sowie dem Verhandlungsgeschick seiner Vorsitzenden Gottfried Röhr (1991-2006) und Heinrich Lau (ab 2006) nicht zuletzt die seit Januar 1994 hier als Heimleiterin tätige Karin Powering, die den Einsatzwillen eines überaus engagierten Teams in erfolgsorientierte Bahnen zu lenken weiß.

Das Haus verfügt heute über 92 Pflegeplätze in 88 Einzelzimmern und zwei Doppelzimmern, alle mit eigener Nasszelle, über einen großen, freundlichen Speiseraum und, verteilt über die Wohngebäude, über sechs kleinere Speise- und Aufenthaltsräume, in den geschützten Wohnbereichen für je 14 Personen auch mit einer kleinen Küche ausgestattet, wo sich demenziell Erkrankte, wenn sie können und mögen, an alltäglichen Aktivitäten im „Haushalt“ beteiligen können. Damit wird für sie ein Lebensmittelpunkt geschaffen, wo sie es täglich mit vertrauten Handhabungen, Geräuschen, Gerüchen und Bewegungsabläufen zu tun haben, die in der Therapie als Stimulanzien wirken können. Ausnahmslos alle Zimmer des Hauses sind medizintechnisch so ausgestattet, dass im Heim auf den Betrieb einer speziellen Pflegestation verzichtet werden kann: Jeder Neuankömmling bezieht das Zimmer, in dem er bis zu seinem Lebensende, auch im Pflegefall, „zu Hause“ sein darf, was in anderen Einrichtungen dieser Art nicht unbedingt üblich oder realisierbar ist. Für die noch rüstigeren Bewohner gibt es in einer Cafeteria oder im umgebenden Park genügend Ruheplätze, um dort Stunden der Muße zu verbringen.

In dem halben Jahrhundert seines Bestehens ist das Altenheim „Siebenbürgen“ in Osterode am Harz zu einer der modernsten und gesuchtesten Pflegeeinrichtungen Südniedersachsens geworden. Das wurde denn auch von seinen Bewohnern und deren Angehörigen, von den Mitarbeitern des Hauses und ihren zahlreichen Gästen gebührend gefeiert. Im geräumigen, hellen Speisesaal und auf einer der ans Haus anschließenden Terrassen traten befreundete Kulturgruppen auf, mit denen das Heim seit vielen Jahren zusammenarbeitet: Der Siebenbürger Chor aus Wolfsburg bot unter Hedi Schumann heimatlich verwurzeltes Liedgut dar, die von Harald Hermann geleitete Tanzgruppe der „Kokeltaler“, ebenfalls aus Wolfsburg, riss ihr Publikum zu begeistertem Beifall hin, der Männerchor aus Schwiegershausen erheiterte mit lebensfrohen Gesängen. Besonders herzlich beklatscht wurden die Liedchen und Tänzchen der Kleinen aus dem örtlichen evangelischen Kindergarten „Zum guten Hirten“, mit dem das Heim seit Mitte der 1970er Jahren eine enge Partnerschaft pflegt. Während zwischendurch der „Zauberer Charlie“ Jung und Alt mit seinen Kunststücken vergnügte, genoss die Festgesellschaft bei Speisen vom Grill und Getränken oder bei Kaffee und Kuchen den durchsonnten Sommertag bis in die frühen Abendstunden.

Aufsichtsratsvorsitzender Lau hatte sich in der Festschrift zum Jubiläum nicht unbegründet dahingehend geäußert, das Altenheim „Siebenbürgen“ sei, wie man das so zwischen „alten Freunden“ schulterklopfend zu sagen pflege, zwar ein „altes Haus“, gar das älteste seiner Art in Osterode, doch es fühle sich „keineswegs alt“ an. In der Tat: Dieses Haus hat sich mit dem Älterwerden rundum verjüngt und kann sich heute ohne jede falsche Bescheidenheit sehen lassen. Den Werten seiner siebenbürgischen Gründerväter ist es treu geblieben und ist gleichzeitig offen für pflegebedürftige Menschen ohne Ansehen ihrer Herkunft. Trägerverein und Heim sind ihrer gesellschaftlich wichtigen Aufgabe gewachsen, hilfsbedürftigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein Altern in Würde zu ermöglichen, ihnen einen sicheren Ort später Bleibe auch in den kommenden Jahren anzubieten.

Hannes Schuster

Schlagwörter: Altenheime, Osterode, Jubiläum

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